Re: Luther - der Opportunist und Fürstenknecht

Geschrieben von H.Joerg H. am 13. November 2003 18:18:57:

Als Antwort auf: Luther - der Opportunist und Fürstenknecht geschrieben von franke43 am 12. November 2003 07:35:11:

Hallo Franke

Die Verfilmung kann als gelungen bezeichnet werden, auch wenn Wichtiges am Rande oder gar nicht Erwähnung fand. Weder von Zwingli, Müntzer oder den Wiedertäufern
war die Rede, Luthers Werdegang stand im Vordergrund. Die Verflechtung/Verstrickung Luthers zum Kurfürsten zu Sachsen (Friedrich der Weise, dargestellt von Sir Peter Ustinov) kommt stark zum Ausdruck (die Hand, die einen füttert...), und auch Tetzel kommt nicht zu kurz.

Der große Kenner der Materie bin ich nicht, lese aber gerade den famosen Roman "Q", welcher die Zeit der Reformation geschickt und wortgewaltig rüberbringt. Die Verdienste Luthers um die deutsche Sprache finden im Abspann Erwähnung. 30 Minuten länger, und der Film hätte ein "Meisterwerk" werden können. So war es gegen Ende ein wenig "Flickwerkschusterei." Den Sponsoren (Evangelische Kirche?) gingen wohl die Gelder aus;-)

In die Wartburg werde ich nicht flüchten, ich stelle mich lieber meinen Feinden und Nebenbuhlern. Wäre ich an einem anderen Ort, doch zu dieser Stunde geboren, Deutschland hätte in mir seinen "Reformator" gefunden-wenn es auch nicht ohne Gewalt abgehen könnte. Aber um etwas maßgeblich zu verändern, müssen wohl immer Köpfe rollen.

Den Film wird es sicher in wenigen Monaten auf Video bzw. als DVD geben. Kannst ihn dir ja dann bestellen...

Also von Mythen des Protestantismus war nichts zu entdecken-es war "schön" zu beobachten, wie die Macht der Päpste und ihrer "Gesandten" mit Auftauchen Luhters und seinen Wegbegleitern mehr und mehr bröckelte, und dem gemeinen Volk endlich bewusst wurde, wie elendig für dumm verkauft sie doch lange Zeit wurden.

Diese Botschaft, jede Hörigkeit auf Herz und Nieren zu überprüfen, kam sehr gut rüber.

Gruß gen Schweden

Jörg


>Hallo
>>Moin zusammen!
>>Gestern besuchte ich den Film "Luther" im Kino. Ohne Luther sähe die Welt in >der wir leben anders aus. "Wir" hier in Deutschland wären wohl strenggenommen >ebensolche fundamentalen Extremisten, wie man uns versucht, Islamisten in >ihrer Radikalität zu erklären. Deshalb ein großes Lob diesem Vordenker wahrer >Christlichkeit!
>Den Film will ich auch sehen, kann das hier aber nicht.
>Es würde mich interessieren, ob da nur wieder alte
>Mythen des Protestantismus wiedergekäut werden, oder
>ob man versucht hat die Verflechtung von Luthers
>theologischer Tätigkeit mit den Interessen einiger
>weltlicher Reichsfürsten zu beleuchten.
>Z.B. die 95 Thesen gegen den Petersdomablass und gegen
>Tetzel waren ursprünglich von seinem Kollegen Karlstadt.
>Die Quelle hierfür müsste ich aber erst suchen. Habe
>dazu auch im Religionsforum geschrieben, kann und will
>mich aber nicht weiter in den Dialog mit Herrn JeFra
>verstricken, weil ich dann fachwissenschaftlich
>einsteigen müsste, was mir Zeit und Rahmen nicht erlauben.
>Dass Luther überhaupt gegen den Ablasshandel aktiv wurde,
>hatte damit zu tun, dass der Reliquienablass des
>Kurfürsten Friedrich von Sachsen (Luthers Landesherr)
>von Tetzels Petersdomablass auskonkurriert wurde. Der
>Kurfürst wandte sich an "seine" Professoren an "seiner"
>Universität Wittenberg um theologische Schützenhilfe
>gegen Tetzel, und Luther bekam den ehrenvollen Auftrag.
>Die Kirche war erst an Aussöhnung und Verständigung mit
>Luther interessiert, was aber vom kurfürstlichen
>Berater Spalatin hintertrieben wurde.
>Die drei klassischen "Sola" der Theologie des Junker Jörg
>greifen zu kurz und sind einseitig. Sie zielen darauf ab,
>die "Tradition" abzusägen, auf die sich die Kirche stützt.
>Ohne diese Tradition häten wir die "Scriptura" gar nicht,
>also die "Heilige Schrifft", auf die sich Luther ständig
>berufen hat - gerade so als ob die Schrift in der Kirchen
>sonst nichts gelten würde.
>Wir sind Luther grossen Dank schuldig - aber für unsere
>heutige Sprache, die er ganz entscheidens mitgeprägt hat,
>und nicht etwa für seine einseitige Theologie.
>Hier schreibe ich besser nicht weiter.
>Gruss an den "Junker Jörg"
>Wann ziehst Du auf die Wartburg um ?
>Franke



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