Protestanten und NS
Geschrieben von JeFra am 08. November 2003 07:56:31:
Als Antwort auf: @Hubert: Bumerang-Argumente geschrieben von JeFra am 08. November 2003 06:42:12:
Eraltho hat Ihnen ja schon geantwortet, daß wenigstens ein wichtiger Teil der Führungsspitze des NS katholisch war. Wenn man den Einfluß des Millieus untersuchen möchte, zieht natürlich weder Ihr Einwand, es handele sich nur nominell um Katholiken, noch der analoge Einwand, die linksgestrickten Sprößlinge protestantischer Pfarrer seien nur nominell evangelisch. Generell ist natürlich die Tatsache, daß ein hoher Prozentsatz der NS-Führungsspitze einer der beiden großen Konfessionen angehört hat, weniger signifikant als die Tatsache, daß ein hoher Prozentsatz des Politbüros der KPdSU und (möglicherweise) auch der Führungsspitze der Tscheka zur zahlenmäßig kleinen jüdischen Minderheit gehörten. Hinzu kommt, daß ich die jüdische Politik über einen längeren Zeitraum betrachten würde und versuchen würde, die ideologischen Affinitäten durch die jüdische Religion zu erklären. Aber Ähnliches könnte man natürlich auch für den Protestantismus und den NS tun.
Der Pfarrersohn G. Benn hat sich 1933 in Dienst des NS gestellt und ist erst einige Jahre später in Ungnade gefallen. Er schrieb dazu in einem Brief vom 6. 4. 1949 (zitiert nach http://www.luebeck-kunterbunt.de/seite/BUCH2.htm):
"Ich bin nicht im entferntesten bereit, Pater peccavi zu sagen ... denn 1933/34 sah die Sache ganz anders aus als dann später und heute, es war gar keine Schande, dem damals durchaus legal gebildeten Staat auf sein Ersuchen hin seine Potenzen zur Verfügung zu stellen ... Auch heute bin ich der Meinung, daß der Nationalsozialismus ein echter und tief angelegter Versuch war, das wankende Abendland zu retten. Daß dann ungeeignete und kriminelle Elemente das Übergewicht bekamen, ist nicht meine Schuld und war nicht ohne weiteres vorauszusehen."
Die ideologischen Affinitäten waren also durchaus vorhanden, zumal wenn man an bestimmte Schriften aus dem Spätwerk Luthers denkt, die den Protestanten heute eher peinlich sind. Anscheinend sind selbst Teile des Widerstandes gegen Hitler antisemitisch gewesen. Von Goerdeler sind eindeutige antisemitsche Äußerungen bekannt, und auch Popitz soll sich bei den Verhören durch die Gestapo scharf antisemitisch geäußert und dies mit seinen politischen Erfahrungen aus der Zeit der Weimarer Republik begründet haben.
In dem von Ihnen zuerst gebrachten Beispiel ist also der Rückschluß vom Wahlverhalten der Protestanten auf die ideologischen Tendenzen nicht so absurd, wie es auf den ersten Blick scheint. Allerdings halte ich die Einschränkung auf den Protestantismus für fragwürdig (siehe Eralthos Beitrag) und würde die ideologische Affinität weiter Teile des deutschen Volkes zum NS als Reaktion auf den Bolschewismus und ähnliche geistige Strömungen in der Zeit der Weimarer Republik betrachten.
Die Affinität des Protestantismus, ebenso wie des Christentumes allgemein, zum Sozialismus hat es immer gegeben. Allerdings haben solche Tendenzen bei uns nie die Oberhand gewonnen, als unser Volk sein Geschick noch frei bestimmen durfte. Deswegen halte ich Ihr zweites Beispiel für weniger signifikant. Die Zusammenarbeit der RAF (und in Zukunft vielleicht `rechter' Gruppen) mit den Arabern betrachte ich als eine reine Vernunftehe auf Zeit, so wie die zeitweilige Zusammenarbeit der Reichswehr mit der Roten Armee. Die Bilderberger werden vemutlich ein Querschnitt durch die Politiker-Kaste der beteiligten Länder sein. Ich betrachte die Bilderberger-Konferenzen eher als eine Art Zirkus, den die eigentlichen Machthaber für ihre Lakaien veranstalten. Deswegen interessiert mich die ethnische Zusammensetzung der Teilnehmer nicht sonderlich.
MfG
JeFra