Re: Vorstellung meinerseits
Geschrieben von Swissman am 26. Oktober 2003 02:20:05:
Als Antwort auf: Re: Vorstellung meinerseits geschrieben von Zappa am 23. Oktober 2003 22:54:59:
Hallo Zappa,
>da waär ic mir aber nicht so sicher was die Bewaffnung der Araber betrifft. Swissman hat da sicher Zahlen. Ich weiss nur soviel das die Saudis und die anderen Oel-Dinastien ziemlich viel eingekauft haben in den letzten Jahren bei den Amis etc.
Informationen über die nahöstlichen Streitkräfte findest Du hier. Ägypten, das von "Global Defence" unter "Afrika" geführt wird, kannst hier direkt erreichen.
Deine Informationen über saudische Waffenkäufe stimmen. Allerdings sind die saudischen Streitkräfte, wie in allen Öl-Emiraten objektiv betrachtet keinen Schuss Pulver wert: Zum einen sind sie rein zahlenmässig klein, zum anderen bestehen sie, weil die Einheimischen durch den Reichtum im allgemeinen völlig verweichlicht sind, weitgehend aus ausländischen Söldnern, deren Kampfmoral man im Ernstfall eher gering ansetzen muss. Während man in den Mannschaften allenfalls ausnahmsweise auf Einheimische trifft, sind diese in der Führung gut vertreten - dies verwundert nicht, da die Offiziere bei geringerer körperlicher Leistung erheblich besser bezahlt werden, und zudem einen Grossteil der wirklichen Arbeit an ihre Untergebenen delegieren können, um sich selbst den angenehmen Dingen des Lebens zu widmen. Diese Mängel kann auch die ausnahmslos modernste Ausrüstung nicht aufwiegen.
Nachdem die irakische Armee faktisch zu bestehen aufgehört hat, sind einzig Syrien und Ägypten militärisch ernstzunehmen. Mit Ausnahme der reinen Manschaftsstärke ist ihnen die israelische Armee aber in jeder Beziehung überlegen. Sollte Israel dennoch in eine Lage kommen, in der es sich in seiner staatlichen Existenz ernsthaft gefährdet sieht, ist es ein offenes Geheimis, dass dann die Samson-Option ergriffen wird: Wenn Israel jemals in die Situation kommen sollte, in der es aufhören würde, als Staat zu existieren, würde es in einem letzten Aufbäumen seine Feinde mit in den Untergang reisse und deren Städte mit Nuklearwaffen einäschern.
Nach israelischer Militärdoktrin wäre dies dann der Fall, wenn nach drei Tagen und drei Nächten noch kein entscheidender Sieg errungen ist! - Um die zahlenmässige Unterlegenheit auszugleichen wird vom israelischen Soldaten nämlich verlangt, im Kriegsfall 72 Stunden lang auf den Beinen zu sein und zu kämpfen. Wenn bis dahin keine Vorentscheidung gefallen ist, beginnt die zahlenmässige Überlegenheit der Araber unweigerlich an Bedeutung zu gewinnen: Die Soldaten, die bis dahin im Einsatz standen, sind körperlich nicht mehr in der Lage, weiterzukämpfen. Die Reserven aber sind hauptsächlich dazu bestimmt, die Gefangenen einzubringen und letzte Widerstandsnester auszuheben.
Dieses Szenario gilt für den Fall eines Krieges mit allen oder den meisten Arabischen Staaten, zumindest aber den beiden Schwergewichten Syrien und Ägypten. Solange Ägypten seinen Friedensvertrag mit Israel einhält, braucht man sich im Grunde keine grossen Sorgen zu machen, dass der nahöstliche Hexenkessel überkochen könnte: Der Konflikt wird bis auf weiteres auf begrenztem Niveau vor sich hinköcheln, ohne dass sich entscheidende Änderungen ergeben würden - die Palästinser werden ihre Anschläge zweifellos fortführen. Ebensosicher wird Israel postwendend einen harten Gegenschlag führen. Die Palästinensischen Gruppierungen sind viel zu schwach, um gegen Israel jemals zu gewinnen, aber sie sind dabei auch zu stark, als dass Israel hoffen könnte, diese Problem mit rein militärischen Mitteln jemals lösen zu können.
Wenn die Arabischen Staaten auch nur ansatzweise Aussicht auf einen erfolgreichen Waffengang haben wollen, müssten zumindest Syrien und Ägypten, nach Möglichkeit auch Jordanien, koordiniert vorgehen - unter einem einheitlichen Oberkommando! Dies ist aber momentan in weiter Ferne.
Ein Vorteil der Israelis besteht auch darin, dass ihre Streitkräfte im grossen und ganzen das besitzen, was der Militärhistoriker Keegan als "westliche Kultur des Krieges" bezeichnet: Nicht jede Armee hat dieselbe "Kultur des Krieges" - diese ist zu einem erheblichen Teil abhängig vom jeweiligen Kulturkreis. Aller geschichtlichen Erfahrung nach ist die westliche "Kultur der Kriegsführung" jeder anderen Kultur überlegen: Bei ansonsten gleichen Ausgangsbedingungen wird in aller Regel die Streitmacht gewinnen, die der "westlichen Kultur des Krieges" folgt.
Es genügt daher nicht, westliche Waffensysteme einzukaufen, ansonsten aber alles beim alten zu belassen - um damit wirklich zu siegen, muss man auch die dazugehörende Kultur übernehmen! Die Israelischen Streitkräfte haben dies getan, in den arabischen Ländern hat man dies im allgemeinen unterlassen - einzig in Ägypten ist dies ansatzweise der Fall. Die einzige arabische Einheit, die von Grund auf nach westlichen Grundsätzen konzipiert war, war die berühmte Arabische Legion in Jordanien, die sich, übrigens unter dem Kommando des legendären englischen Offiziers Glubb Pascha, entsprechend gut gegen Israel geschlagen hat. Dabei handelte es sich jedoch um eine relativ kleine Eliteeinheit, die am strategischen Gesamtverlauf nichts wesentliches zu ändern vermochte.
mfG,
Swissman
- Re: Vorstellung meinerseits Zappa 26.10.2003 13:51 (1)
- Re: Vorstellung meinerseits Swissman 26.10.2003 17:09 (0)