Die Dinge bedingen sich gegenseitig. Folge: Obstsalat
Geschrieben von franke43 am 02. Juni 2003 16:22:22:
Als Antwort auf: Intoleranz ist die Regel, nicht die Ausnahme - z.B. relig. Todesurteile im Islam geschrieben von Micha aus dem Süden am 02. Juni 2003 15:58:48:
Hallo
Es ist ziemlich offensichtlich, dass der Islam noch
nicht dieselbe Entwicklung durchgemacht hat wie das
Christentum. Er ist eben ca. 600 Jahre "phasen-
verschoben".Der Islam ist - genau wie das Judentum - stark durch
die Sippenordnung der Wüstennomaden beeinflusst. Es
ist klar, dass sich das gegenseitig verstärkt und
am Leben erhält.Überall wo "moderne" "westliche" Strukturen eingeführt
werden und die Solidarität der Sippe allmählich
durch die (gesetzlich geregelte) Solidarität eines
grossen aonymen Gemeinwesens ("Staat") ersetzt wird,
verliert die Sippe mehr und mehr ihre Bedeutung und
ihre normative Kraft, und die Entwicklung geht in
dieselbe Richtung (Kernfamilie, Individualismus)
wie bei uns. Siehe: die wohlhabenden Teile der
Türkei. Das gilt im Guten (individuelle Freiheit)
wie im Schlechten (Solidaritätsverlust, Isolierung).Die westliche Freiheit ist meist nicht aufgeklärte
Toleranz, sondern schnoddrige gleichgültige
anonyme und vermasste Teilnahmslosigkeit. Daher
ist auch zu verstehen, warum diese Lebenshaltung
des "Jeder für sich und Gott gegen alle" auf viele
Muslime in unseren westlichen Ländern keine
nachahmenswerte Vorbildfunktion ausübt. Ganz im
Gegenteil versuchen viele Muslime in der Isolation
erst Recht ihre Sicherheit vermittelnden Formen
des tradierten Sippenzusammenhalts zu erhalten,
weil die Mehrheitsgesellschaft aussenherum diese
Sicherheit nicht bietet.Es ist also was dran, wenn viele von "uns" viele
der Muslime als mittelalterlich beschimpfen und
die uns im Gegenzug aber als gefühlskalt.Weder die moderne Struktur mit der Kernfamilie
und dem anonymen "Vater Staat" noch die archaische
Sippenstruktur mit ihren strengen Anforderungen
an jeden Einzelnen kann einen Himmel auf Erden bieten.Aber gerade in Deutschland erlebt Ihr in diesen
Tagen eine Ernüchterung, was es eigentlich bedeutet,
wenn der "Vater Staat" nicht mehr so väterlich sein
kann wie früher und wenn aber gleichzeitig die alten
Bande des grösseren Zusammenhalts unrettbar verloren-
gegangen sind, weil man sie längst für überflüssig
gehalten hat.Gruss
Franke