FT DE: Alterung treibt Industriestaaten in den Ruin

Geschrieben von Andreas am 10. Mai 2003 11:53:51:

Als Antwort auf: NACHRICHTEN (o.T.) geschrieben von Pfadfinder am 09. Mai 2003 07:06:25:


Alterung treibt Industriestaaten in den Ruin

Von Cordula Tutt, London

Die steigende Lebenserwartung und schrumpfende Kinderzahl treffen Industrieländer nach einer aktuellen Studie höchst unterschiedlich. Gerade Länder mit hohen staatlichen Renten und Gesundheitsausgaben hätten den größten Anteil Älterer, beschreibt das US-Forschungsinstitut Center for Strategic and International Studies (CSIS).


Alte oder Junge


Das sind etwa Spanien, Italien, Frankreich und Deutschland. Diese Belastung könne in zehn Jahren dazu führen, dass Systeme zahlungsunfähig sind. Dann könnten Regierungen aber Abgaben und Steuern nicht erhöhen, weil sonst die Wirtschaft schrumpfe.

"Der Index zeigt deutlich, dass einigen Ländern eine gewaltige politische Krise bevorsteht", sagte Paul Hewitt vom CSIS. Der Index misst die demografischen Risiken für Staaten. "Die aktuellen Haushaltsprobleme sind nichts im Vergleich zu dem, was noch ansteht." Das Ergebnis ist für die deutsche Debatte um die Rente und Gesundheitsausgaben interessant, weil es zeigt, wie wenig Spielraum bleibt, wenn Regierungen nicht jetzt klar umsteuern.


Im Schnitt kommt in den Industrieländern heute ein Älterer über 60 Jahre auf drei Erwachsene zwischen 15 und 59. 2040 werden es nach mittleren Annahmen zwei auf drei sein. In Deutschland aber drei auf vier.

Schlusslicht Spanien


Schlusslicht unter zwölf Ländern ist Spanien, dicht gefolgt von Italien. Dort wird wie in Japan in 40 Jahren ein Älterer auf einen Berufstätigen kommen. Dennoch haben die südeuropäischen Länder noch keine Reformen unternommen. Ohne Umsteuern muss der Staat dort in 30 Jahren ein Viertel, in 40 Jahren ein Drittel der Wirtschaftsleistung für Leistungen an Ältere aufwenden - vor allem für Rente und Gesundheit.


Risiko Alterung
Finanzlast für Staaten

geringes Risiko
1 Australien
2 Großbritannien
3 USA

mittleres Risiko
4 Kanada
5 Schweden
6 Japan
7 Deutschland
8 Niederlande
9 Belgien

hohes Risiko

10 Frankreich
11 Italien
12 Spanien

Quelle: CSIS



Deutschland landet auf Platz sieben und würde für die gesetzliche Rente und für die Gesundheit Älterer 2030 erst etwa 23 und 2040 schließlich über 25 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt (BIP) zahlen. Der Anstieg fällt unter anderem wegen der Riester-Reform geringer aus. Zudem steigt der Anteil Älterer nach 2030 weniger an.


Relativ unbeschadet von der Alterung schneiden nur Australien, Großbritannien und die USA ab. Dort sind die staatlichen Sicherungssysteme bescheidener und private Altersvorsorge stärker ausgeprägt. In staatlichen Rentensystemen zahlen die Berufstätigen die Rente der Älteren. Bei privaten Rentenplänen sparen Berufstätige für ihr eigenes Alter.


Zudem wird es in den drei Ländern noch mehr Junge geben, die für relativ weniger Alte aufkommen. In Australien und den USA wird ein Älterer auf zwei Berufstätige erwartet, in Großbritannien zwei Rentner auf drei Erwerbstätige. Dort ist jedoch die staatliche Unterstützung relativ gering. Australier werden nach der Prognose 2040 nur gut 16 Prozent, Briten gut 17 Prozent und US-Amerikaner rund 20 Prozent des BIP für Sozialleistungen an Ältere aufwenden.


Die meisten Länder hätten erst im nächsten Jahrzehnt mit großen Problemen zu kämpfen, heißt es. Dann sei es aber zu spät für Reformen. "Das Fenster der Möglichkeiten schlägt kurz nach dem Jahr 2010 zu." Dann steigen die Sozialausgaben drastisch, vor allem in Ländern mit bereits umfangreichen Ausgaben des Staates.


Vielen Staaten bleibe kein Spielraum bei Steuern. Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien werden genannt, wo Steuern bei heutigen Umständen 2040 mindestens die Hälfte der Wirtschaftsleistung ausmachten. Auch vorher könne es zu spät sein. "Ab einem gewissen Punkt bringen höhere Steuern keine extra Einnahmen, sondern sie bremsen die Wirtschaft und erhöhen die Arbeitslosigkeit sowie illegale Beschäftigung."

Quelle: http://www.ftd.de/pw/eu/1037694990905.html?nv=rs

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Selbst wenn wir die gegenwärtige Weltwirtschaftskrise unbeschadet überstehen sollten ist wegen des "strukturellen" Problem der Alterung der Gesellschaften langfristig für erhebliches Potential an sozialem und politischem Sprengstoff gesorgt. Gemäss Beasly und Widdowson haben oft Steuererhöhungen den Kollaps von Imperien/Zivilisationen ein- bzw. begleitet. Dass gerade das "kulturell" immer heterogenere Frankreich und Italien als Einfallstor für Schleuserbanden aus dem Osten und allerlei kriminelle Organisationen in besonderer Weise betroffen sind, gibt zu denken, auch, weil die Prophezeiungen für diese beide Länder wie ich hier lesen durfte als Zentren der Unruhen lokalisieren.

Gruss
Andreas





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