N - Polen - Nationalfeiertag am 3. Mai

Geschrieben von Freiwild am 01. Mai 2003 15:55:59:

Als Antwort auf: N - Polen - unruhige Zeiten ? geschrieben von Freiwild am 01. Mai 2003 15:36:20:

>.Die Verabschiedung der Verfassung im Senatorensaal des Königsschlosses in Warschau. Ein Bild von Kazimierz Wojniakowski


Polnischer Nationalfeiertag am 3. Mai


Die Verfassung vom 3. Mai 1791

Von Aleksandra Scheibner, mdr.de

Am 3. Mai begeht die Republik Polen ihren Nationalfeiertag. Es ist der Tag der Verabschiedung der Verfassung im Jahre 1791, die das erste schriftlich niedergelegte Grundgesetz in Europa ist. Hier die Geschichte seiner Entstehung und die Inhalte.


Innenpolitische Querelen und aggressive Großmächte

Polen hatte Ende des 18. Jahrhunderts nicht nur mit innenpolitischen Auseinandersetzungen zu kämpfen, sondern auch mit "gebietshungrigen" Nachbarn. Am 17. Februar 1772 wurde Polen zum ersten Mal geteilt:
Russland besetzte die Gebiete an der unteren Donau, Österreich annektierte Teile des Karpatenvorlandes mit Neumark sowie die Salzbergwerke Wieliczka und Bochnia im Südosten Polens. Preußen seinerseits besetzte Teile von Podolien, angeblich um das Übergreifen einer Pestepidemie zu verhindern.

Die Inhalte der neuen Verfassung

Am 6. Oktober 1788 trat in Warschau der Sejm zusammen, der als Vierjähriger oder Großer Sejm in die Geschichte Polens eingegangen ist. Die wichtigste Leistung des Großen Sejm war das Erarbeiten und Verabschieden einer Verfassung. Sie war ein Versuch, den polnischen Staat vor seinem entgültigem Untergang zu bewahren. Die Verfassung vom 3. Mai sollte grundlegende Fehler des bisherigen politischen Systems wie das Liberum Veto (eine Gegenstimme im Adelsparlament, dem Sejm, konnte ein beschlossenes Gesetz zu Fall bringen) und die freie Königswahl beseitigen. Auch untersagte die Verfassung die Bildung einer Konföderationen. Auch sollte sie die polnische Staatsmacht festigte, indem sie ein erbliches Thronfolgerecht einführte.

Der Verfassungsentwurf sah eine Regierung vor, die so genannten "Hüter der Gesetze" (König, Primas und 5 vom König berufene Minister: Schatz-, Armee-, Polizei-, Außen-, Siegelminister) und schränkte somit den Einfluss der hochadeligen Magnaten ein. Herrschender Stand sollte der Kleinadel sein. Auch erweiterte die vorgesehene Verfassung die Rechte des Bürgertums und der Bauern. Die Bauern waren also nicht mehr länger bloßer Privatbesitz der Grundherrn. Die katholische Religion wurde zur herrschenden erklärt, anderen Konfessionen sagte man jedoch Toleranz zu. Die neuen Gesetze sollten zukünftig mit der Mehrheit der Stimmen verabschiedet werden. Gemäß ihrer geistigen Väter sollte die Verfassung der Ausgangspunkt für weitere Veränderungen des Systems sein. Geplant waren z.B. eine vollständige Bauernbefreiung und die Emanzipation der Juden.

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Der Niedergang der Verfassung

Die Verfassung vom 3. Mai blieb nur ein Jahr in Kraft. Die moderne Verfassung rief sofort Proteste des polnischen konservativen Hochadels und der 3 Teilungsmächte auf den Plan. In Targowica, einer Stadt in der Ukraine, wurde eine Konföderation zur Verteidigung der verletzten "goldenen Freiheit" und Wiederherstellung des alten Zustandes proklamiert. Am 18. Mai 1792 überschritt die russische Armee die Grenze Polens. Die Preußen hielten das Bündnis mit Polen aus dem Jahre 1790 nicht ein und die polnische Armee konnte die Übermacht der zaristischen Truppen nicht aufhalten. Der König wurde gezwungen, die Kapitulation zu unterschreiben und die Reformen abzuschaffen. Die führenden Vertreter des Reformlagers gingen ins Exil. Am 23. Januar 1793 unterzeichneten Preußen und Russland in Petersburg die 2. Teilung Polens.

Die Verfassung vom 3. Mai war die erste schriftlich niedergelegte in Europa und nach der amerikanischen von 1787 die zweite moderne Verfassung der Welt. Nach den Worten ihrer Schöpfer war sie "der letzte Wille des im Sterben liegenden Vaterlandes". Nach dem Niedergang der kommunistischen Regierung in Polen 1989 wurde der 3. Mai als Nationalfeiertag festgelegt.



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