Jagdfieber & Svalbard-survival
Geschrieben von wikking am 27. Februar 2003 14:30:28:
Als Antwort auf: Jagd und Jagdfieber geschrieben von franke43 am 27. Februar 2003 13:04:26:
Servus Frankyboy !
>Im Grunde suche ich immer nur nach eienr Ausrede vor der
>Familie,AHA, alter Schwerenöter :-))
>Du verstehst aber schon, warum es für mich nicht unbedingt
>Svalbard sein muss und ich mit Kolmården, Orsa Finnmark
>oder Agder auch glücklich und zufrieden bin ?Logo...
Gut, wir könnten einen seperaten "Forumstreff" tatsächlich auch auf Spitzbergen machen.
Ich helfe voraussichtlich einem Bekannten Ende Juni bei der
Einrichtung eines Basis-Lagers dort oben, in der Petunia-Bucht, direkt
am Gletscher-Abbruch in einer wirklich spektakulären Gegend.
Wenn jemand konditionell fest genug ist, um mit 30 oder mehr kg auf dem Buckel Geröllfelder hochzukraxeln, teils ev. auch noch vereist, dann kann er sich ja melden (privat - über Johannes), und ich erzähle mehr Einzelheiten.
Aber es ist wirklich gesundheitliche Stabilität und gute Kondition nötig, weil man absolut fern jeder Versorgungsmöglichkeit oder zivilisatorischen "Hilfe" ist. Eben Hocharktis.
Erfahrungswert allerdings immens.
>>Yeps ! Als Prüfungsanwärter problemlos.>Ka-wumm
...sprach der Schwede Nobel als er das Dynamit erfand !!
(Man sieht, daß Du gut ein-ge-schwedet bist !)>>- Wie unterscheiden sich Edelmarder vom Steinmarder in Aussehen und
>>Lebensgewohnheiten ?>Heute morgen habe ich mir die Marder angesehen. Aber welcher
>ist welcher ? Die schwedischen Namen sind iller (Iltis),
>mink, mård, mårdhund, grävling (Dachs), järv (Vielfrass) ...ALso der Iltis steht in Norge schon mal ganzjährig unter Naturschutz.
Den erkennt man z.B. an kleinen "Vorräten von Fröschen", die er bewußtlos beißt und in ein Loch legt. Der braucht ebenso Wasser in der Nähe, wie der Mink. Mink ist der amerikanische Nerz. Er vermehrt sich recht heftig, weil er den europäischen Nerz völlig verdrängt hat. Er ist in Norge ganzjährig zum Abschuß freigegeben, weil er fast schon als "Ungeziefer" zählt: er dezimiert die Fischbestäne und macht sich bei den hießigen Anglern daher sehr unbeliebt !!!
Der sieht aus wie ein kleiner Marder.
Der Marderhund (Mårhund) kommt irgendwoher aus Ostasien. Ist auch faunafremd. Er lebt versteckt, wie ein Waschbär und sieht wirklich wie ein "Gemisch" aus uzotteligem Hund und Marder aus, mit einer absolut kuriosen Fußspur. Er ist reines Nachttier und sehr scheu, dezimiert aber alle Wildbestände, und ist daher auch ganzjährig zur Bejagung freigegeben in Norge. (Habe aber noch nie einen gesehen hier bei uns, auch keine Spuren).
Der Grevling/Dachs ist eigentlich ne eigene Gattung, steht der bei Dir unter "Mardern" ? Zu dem herrn Grimmbart gleich mehr.
Jerv ist ein recht unangenemer Zeitgenosse. Die "Fjellkatze" lebt recht zurückgezogen in den Bergketter, z.B. um den Sarekpark herum in den langen Gebirgen an der N-S-Grenze. Frißt mit Vorliebe Kleintiere, Lemminge etc.
Wenn Du einer Mutter mit Kids zu nahe kommst, kannst Du ein recht beängstigendes Gebiß spüren. Die Tierlein werden so groß wie kleine Braunbären.
Aber jetzt zur ursprünglichen Frage:
Der Steinmarder ist Zivilisations-Folger, lebt also in alten Schuppen, Steinhaufen, sogar auf Dachböden in Landhäusern (wo er zur Paarungszeit einen unbeschreiblichen Radau macht...). Er frißt von Mäusen bis Trockenobst nahezu alles. Mit Sirup oder Honig in der Falle zu fangen. Sein Fell ist graugetönt.
Der Baum-Marder ist Zivilisations-Flüchter, lebt hauptsächlich auf Bäumen und in kleinen Höhlen, sehr scheu. Rotbraunes, sehr wärmendes Fell. In Norge hat er eine enge Jagdzeit, in Deutschland steht er gar unter Naturschutz.
Die Fußspuren sind recht ähnlich, außer minimalen Unterschieden im Trittbild.
>>- Was sollte als allererstes geschehen, wenn ein Hase mit Schrot geschossen
>>wurde und warum ?
>Vermutlich der Fangschuss, weil der Hase noch nicht tot ist,
>sondern nur im Schock liegt ?NØ, der Schock ist zu 99% so groß, daß er sofort tötet, wenn Du nicht total vorbeischießt. Nein, Du mußt sofort aus der Blase des Hasen den gesamten Urin ausdrücken. Der kommt ansonsten nämlich ins Fleisch, was es nahezu ungenießbar macht. Dann beim Ausnehmen (was ja sofort erfolgen sollte), links und rechts des Afters die kleinen, gelblichen Drüsen sofort entfernen, die den Markierungs-Duft abgeben. Vergißt man das, soll das Fleisch ebenfalls schrecklich schmecken.
>>- Warum habe ich hier bei uns im Frühjahr um unsere Beete herum einige Dachs-
>>Fallen aufgestellt?>Der Dachs will wahrscheinlich Deine Beete nach Wühlmäusen
>umgraben, oder ?Fast richtig, aber nicht nach Wühlmäusen, sondern nach REGENWÜRMERN, die ca. 1/3 der Nahrung eines Dachses ausmachen. Dieser "Gräbling" ist hier so unbeliebt, daß die Norweger ihn wirklich massenweise abschießen, nur weil er die Felder ziemlich in Unordnung bringt. Machen wir z.B. nicht. Wenn er in der Falle hockt (bestes Lockmittel übrigens: Erdbeeren oder tote Mäuse !!!), dann bringen wir ihn weit weg in den Wald. Denn den Dachs als Alles- und Aas-Fresser "verwerten" wir natürlich nicht zur Nahrung. Er könnte ja auch Trichinen haben. Ich habe aber gelesen, daß lange gekochtes Dachsfleisch sehr schmackhaft sein soll.
Der Dachs hat übrigens ne lustige Spur: mal sieht alle 5 Zehen sehr schön, bei Marder, Hunden, Katzen etc. ja immer nur 4, weil die fünfte verkümmert ist.>>- Welche zwei Möglichkeiten der Flug-Stabilisierung gibt es bei Flintenlauf-
>>Geschossen für Glattläufe?
>Glattläufe ? Ich dachte, die wären abgeschafft ?Flinten haben zu 99% Glattläufe (außer einigen Sondermodellen).
Bei Jagdgewehren (Büchsen) hast Du natürlich nur gedrehte Läufe, weil die gesamte Büchsen-Munition ja auf Drall-Stabilisierung durch die Führungs-Rillen aufgebaut ist. Bei Flinten (wenn nicht mit Schrott geschossen wird), gibt es 2 Arten von Flintenlaufgeschossen (ca. 30g schweren Blei-Batzen)
a) die "Brennecke"-Version, wo der Drall durch Führungs-Rippen am Geschoß erzeugt wird (= Luft-Stabilisierung)
b) die "Slagger"-Version, bei der die Flugstabilisierung durch den nach vorne verlagerten Schwerpunkt erreicht wird, sie sind also hinten hohl.
Diese Bleibatzen sind also nur für den Nah-Bereich zu empfehlen (in der Jagd z.B. für Rehe bis ca. 30m) oder in der Selbstverteidigung bei Eisbär-Angriff bei unmittelbarer Annäherung, weil sie wesentlich unexakter treffen, als Büchsen. Dann sind sie allerdings hochwirksam, durch die hohe Masse. (Büchsen-GEschosse haben viel weniger, z.B. ca. 4g bei Kal. .223, ca. 10g bei Kal. 308, höchstens bis ca. 25g bei .416 Mag., das ist dann Großwildkaliber).>>- Wie sollte ein Luderplatz für Füchse angelegt werden?
>> Und was sollte man in einer Gegend, in der viele Füchse herumstreifen
>>nicht unbedingt tun ?>Ein Luderplatz dürfte eine Stelle sein, wo der Fuchs mit
>Hilfe eines Köders in eine Falle gelockt oder durch einen
>vergifteten Köder getötet werden. Ich nehme an, der
>Luderplatz sollte in unmittelbarer Nähe des Fuchsbaus
>liegen. Welche baulichen Gegebenheiten Kollateral-
>schäden vermeiden können, weiss ich natürlich (noch)
>nicht.
>In einer Gegend mit vielen Füchsen sollte man z.B. bei
>der Geflügelzucht darauf achten, dass die Vögel eine
>halbwegs fuchssichere Behausung haben.Unter Luderplatz versteht man nicht nur einen "Lockplatz" zum einmaligen Fangen, sondern einen Platz, wo der Fuchs ständig immer wieder hinkommen kann und Nahrung findet. Z.B. kann man einige Mäuse dort vergraben, besonders wenn sie schon "riechen". Unwiderstehlich für den Fuchs. An einen Stock in der Nähe kann Fuchs-Urin angebracht werden (gibts billig im Jagdshop, wenn noch kein Fuchs geschossen wurde), weil das für den Fuchs den "Futtervergrabplatz" eines Rivalen andeutet.
Nie den Urin direkt auf die vergrabene Loch-Beute geben, das bedeutet für den Fuchs: der Futterplatz ist leer. (Er uriniert drauf, wenn er die Beute ausgegraben hat).
Das Ganze hat den Sinn, a) durch Beobachtung des Luderplatzes (in der Abenddämmerung) zu erkennen, wieviele Füchse im Revier sind, b) ihn zum Abschuß zu locken, aber möglichst nicht am Luderplatz schießen.Ja das mit dem Vögeln ist sicher richtig. Da achten unsere Hühner haltenden Bauern sehr drauf. Ich meinte aber etwas anderes. Wenn Du Fuchs-Losung im Wald erkennst (an kleinen "Schweifen" am Ende einer kleinen "Wurst", ansonsten hundeähnlich), dann niemals in der Nähe Pilze oder Heidelbeeren pflücken. Die Chance, Dir einen Fuchsbandwurm zu holen, wäre dann groß. Und das ist äußerst unangenehm bis tötlich. Im Vorsorgeforum gab's dazu mal nen thread.
Vielleicht sollten wir dieses Frage-Antwortspiel sogar ins Vorsorgeforum setzen. Oder Du kannst es ja bei BW reinsetzen, wo ich keinen Zugang habe.
Würde doch viele interessieren.
Und Du kannst gerne die akut auftauchenden Fragen der Jagdausbildung immer mailen. Soweit ich sie beantworten kann, werde ich's selbstverständlich tun.Hierzu kurz noch was:
>Islandsflechten
...haben auch einen hohen Heilwert, das sage ich aber nicht aus Erfahrung, habe es nur gelesen.
>Kiefern- und Fichtennadeln (als Tee)
Die schmecken auch hervorragend als Salat, wenn es frische Tribe sind.
>Von
>Käfern und Regenwürmern wurde uns von den Ausbildern
>abgeraten. Da waren wir trotz Hunger auch gar nicht
>schwer zu überzeugen.Ist natürlich immer mit Widerwillen verbunden.
Heuschrecken habe ich mal probiert, schmeckt ... wie soll ich sagen ... ungewöhnlich. Und der Eiweisgehalt ist schon recht hoch.
In unseren Breiten gibt's da auch nix Giftiges.Allerbeste Grüße
wikking