Moskau auf Verliererstraße
Geschrieben von H.Joerg H. am 02. Februar 2003 01:24:22:
N´abend zusammen
Nachdem sich die Dramatik um die Columbia gelegt hat, Bush und seine Gang Pech hatten, dass die Raumfähre nicht ein wenig näher der Erde sich in ihre Bestandteile zerlegte, um damit einen Propagandakrieg zu inszenieren, der geeigneter nicht hätte sein können um einem bisher noch nicht auf der offenen Rechnung angeführten "Schurkenstaat" was in die Schuhe zu schieben, ein wenig Hintergrund zur Moskau-Irak-Connection aus der Nahe-Zeitung vom Samstag:
Moskau auf Verliererstraße
Mit dem Irak verlieren die Russen einen wichtigen Verbündeten
Moskau. "Das Beste für Russland wäre es, sich im Gebüsch zu verstecken. Aber von einer Großmacht erwartet man eine andere Politik", so ein russischer Nahost-Experte zu den Optionen seines Landes im Vorfeld des drohenden Irak-Krieges. Der Kreml könnte leicht in die Lage geraten, in der er sich zwischen seiner Partnerschaft mit den USA oder seinen strategischen Interessen in der Nahostregion entscheiden muss. Es geht um nicht beglichene Sowjetschulden, um Waffenlieferungen und milliardenschwere Ölverträge.
"Als 1991 die Handelsschranken um den Irak errichtet wurden, verlor Russland dort viele lukrative Projekte. Unser wichtigstes Ziel ist es nun, die früheren Geschäftskontakte wieder auf dem alten Niveau herzustellen", sagt der Leiter des Komitees für irakisch-russische Zusammenarbeit, Jurij Schafranik. Der Ex-Energieminister Russlands schwärmt von Zeiten, als Tausende russischer Spezialisten im Irak arbeiteten: Unser Handelsvolumen war gigantisch. Der Irak zahlte zuverlässig mit Dollars oder mit Erdöl."
Dann kam der Golfkrieg, auf den die UN-Sanktionen folgten. Nach russischen Schätzungen entgingen Moskau dadurch seit 1991 Einnahmen in Höhe von 30 Milliarden Dollar. Hinzu kommen die alten Rechnungen für sowjetische Waffenlieferungen im Wert von sieben Milliarden Dollar, die der Irak nicht bezahlt hat.
Die Aufhebung des Embargos wäre ein Geschenk für Russland, doch auch so bleibt der Irak mit einem Anteil von 65 Prozent sein wichtigster Handelspartner in der arabischen Welt. Der Umsatz des bilateralen Handels verdoppelte sich fast seit 2000 auf 2,3 Milliarden Dollar. Russland exportiert legal 40 Prozent des irakischen Erdöls. Seine Konzerne verfügen über das Recht des ersten Zugriffs auf 49 von 75 bekannten irakischen Ölfeldern. Gegenwärtig arbeiten dort etwa 500 russische Spezialisten, die Straßen und Wasserkanäle bauen und Pipelines reparieren.
Das könnte sich schon bald ändern: Die Experten in Moskau gehen davon aus, dass nach dem Sturz von Saddam Hussein die neue pro-amerikanische Regierung in Bagdad die Verträge mit Russland kündigen wird. Und selbst wenn dies nicht geschieht, würden die russischen Unternehmen beim Wiederaufbau der Ölförderung gegen die mächtige Konkurrenz aus den USA und Europa mit Sicherheit den Kürzeren ziehen.
(Korrespondent Alexei Makartsev)-------
Das birgt eine Menge an Zündstoff um die "Nachkriegsordnung Irak". Russland wird sich nichts gefallen lassen, und über den Verhandlungstisch lassen sie sich auch nicht ziehen.
Abschließend indirekt nochmal zur "Columbia": Letzten Sonntag im "Presseclub" schnappte ich folgende Bemerkung eines französischen Journalisten auf, die, wie ich finde, nicht passender sein kann, beziehend auf die ums Leben gekommene Besatzung - bestehend aus Amerikanern und einem Israeli:
"Menschen sind auch Menschen - nicht nur Israelis und Amerikaner!"
Wie im Himmel so auf Erden-will ich anfügen dürfen!
Schönen Sonntag
Jörg
- Die Russen würden sich selbst ins Knie schießen! Georg 02.2.2003 08:57 (1)
- Re: Die Russen würden sich selbst ins Knie schießen! Ismael 02.2.2003 11:45 (0)