meine Familie
Geschrieben von Mat72 am 11. September 2002 14:02:08:
Als Antwort auf: Geschichtsaufarbeitung und Propheten geschrieben von ahlfi am 11. September 2002 12:31:27:
mütterlicherseits:
mein UrGroßvater war alter Sozi... in der NS-Zeit weitgehend unpolitisch (Mitläufer). 1943 kam eine Kriegsanleihe und auf seinen Hof wurde eine Grundschuld eingetragen, die er monatlich mit 43 RM oder so tilgen mußte. Ich glaub, daß hat er nicht gemocht.
Mein Onkel (der Bruder vom Opa) war auch Sozi und hatte die glorreiche Idee, sich nach Einzug zur Ostfront gleich am ersten Tag erbeben zu wollen. Er müßte es bis ca. 5 m vor die russischen linien geschafft haben, da russische Sturmkommandos an dem Tag keine besondere Lust auf Gefangene hatten.
Mein Opa selbst war 16. Hatte einen Einberufungsbefehl, an dem Tag wurde allerdings Halberstadt plattgemacht, so daß kein Platz zum Sammeln mehr da war, nur ein Loch und er ist halt wieder nach hause geradelt.
Alles in allem war der Zweig der Familie wohl eine Kleinbauernfamilie und normale Mitläufer. Kritisch wie wohl alle damals, aber ohne offenen Widerstand.
Väterlicherseits:
Opa SS. 4 Jahre Russland... kommt als Heimkehrer nach hause und hat einen 2 jährigen Sohn. *ts* Da ist erwohl wieder zum Nazi geworden :) und hat das Kind ins Heim gegeben (hatte auch ne Macker der Kerl). Irgendwann allein gestorben als Sozialhilfeempfänger.
Irgendeine Bekannte meiner Oma väterlicherseits wurde enteignet (großes Gut Nähe Königsberg), danach in Magdeburg ausgebombt und hat meinen Vater aus dem heim geholt (alter Landadel hat wohl mehr Anstand als neue SS).
Tja, wenn ich einen "Kriegsverbrecher" hätte, würde ich auch dazu stehen. Allerdings ist die Anzahl der normalen leute wohl deutlich größer als die Anzahl der Mitglieder der Vollstreckungskommandos, insofern ist die Umfrage doch ganz realistisch.Warum schreib ich das eigentlich alles.