Ja, stimmt. Vielen Dank./ Fehler im mentalen "Betriebssystem"

Geschrieben von SoL333 am 21. August 2002 15:42:55:

Als Antwort auf: Re: Warum Eure Erwartungen im Endeffekt wichtiger als Prophezeiungen sind: geschrieben von IT Oma am 21. August 2002 13:54:06:

Hallöchen mal wieder :-)

Ja, ich habs wiedergefunden und gemerkt, ich habe mich doch etwas im Zitat vertan und diesen Satz mit dem von Irlmaier vermixt. Das Grundsätzliche bleibt jedoch bestehen: Krieg als Möglichkeit ist für uns, die wir NIE einen erlebt haben, dermaßen abstrakt theoretisch, daß die meisten von uns sich bis zum Schluß an die Normalität, d.h. einen Frieden klammern werden. Bis aus der theoretischen Vorstellung Realität geworden ist. Dann werden viele den Verstand verlieren, wenn auf einmal die über das ganze Leben erlernten Handlungsimpulse nicht mehr den gewünschten bzw. erlernten Effekt hervorbringen. Das wird sehr frustrierend für viele werden.
Z.B. kann ich mir vorstellen, daß viele auf die Nachricht, daß die Russen in Deutschland eingefallen seien und wenn sie sie zumindest im Kopf schon als wahr klassifiziert haben, in etwa so reagieren werden, wenn ein russischer Soldat vor ihnen steht: "Lieber Herr Iwan, so geht das aber nicht. Ich möchte gerne mit Ihrem Vorgesetzten sprechen. Wie ist Ihr Rang und Ihr Name, bitte? Und an wen kann ich mich zwecks Beschwerden bei Ihnen wenden?". Wenn der Russe dann nur lacht und den Nebenmann dieser Person dann eiskalt abknallt, dann wird die Person dann mit heruntergefallener Kinnlade dort stehen und vor sich hinsabbernd mit einem "Syntax Error" reagieren oder vielleicht 110 anrufen wollen, um einen Mord zu melden und sich als Zeuge bereitzustellen. Bis auch sie ein Schuß trifft oder sie am Schlips am nächsten Baum baumelt.

Das Problem ist, daß viele auch jetzt schon auf ihre fehlerhafte bzw. nicht mehr angemessene Programmierung hereinfallen. Ganz einfach, weil sie entweder (noch) keine Fehlermeldungen direkt am eigenen Leib erhalten, oder diese ignorieren, anstatt das Programm den neuen Erfordernissen anzupassen.
Z.B. habe ich mich mal heftigst mit einem 2fachen Dr. gestritten (Psychologie wohlgemerkt), der doch tatsächlich meinen Standpunkt, die Russen seien für uns immer noch eine militärische Gefahr, mit der Begrüdung abgetan hat: "Die Russen haben doch kein Geld.". Die Runde um ihn herum stimmte ihm natürlich lachend zu und er genoß sichtlich den "Applaus".
Als ob das tatsächlich ein Grund wäre. Geld ist im Endeffekt nur ein hübsch bedruckter Papierschnipsel. Was die Russen nur brauchen ist a) ein Kanister Sprit, b) einen Panzer, c) einen Menschen, der den Sprit in den Panzer kippt und d) jemanden, der den Panzer Richtung Deutschland fährt. Mit welchem Stimulus man diese Menschen dazu bewegt ist letztlich vollkommen flexibel. Bei uns im Westen wäre das ein hübsch bedruckter Papierschnipsel namens "Geld". Doch das wäre nur eine Möglichkeit von vielen. Die Russen haben bei so etwas oft genug eine andere Strategie verfolgt: sie haben der Person einfach eine Pistole an den Hinterkopf gehalten. Oder man könnte sie mit einer Ideologie motivieren, wie es Hitler tat, der nebenbei bemerkt ebenfalls "kein Geld" hatte, oder man könnte sie mit Versprechen locken, daß z.B. die Leute das bekommen, was sie den Menschen dort abnehmen, die nebenbei bemerkt alles haben, was sich solche Leute nur wünschen können.
Das alles hatte er nicht verstanden. Er hatte nicht kapiert, das sein "Betriebssystem" rein für die kapitalistische Gesellschaftsform (insbesondere die deutsche) ausgelegt ist und konnte es nicht hinterfragen, geschweige denn anderen Gesellschaftsmöglichkeiten anpassen. Wahrscheinlich war er dafür zu alt und seine Programmierung zu sehr verkrustet.

Liebe Grüße
Chrisi

>>Hi IT-Oma :-)
>>Ersteinmal vielen Dank für das Lob :-). Es gibt noch eine Proph (habe sie leider nicht auf die Schnelle gefunden), dort steht eine ähnliche Zeile, die unsere Meinung ebenfalls bestätigt: "Alles ruft Friede, Friede und es ist kein Friede". Weißt Du vielleicht noch, wo das war?
>>Liebe Grüße
>>Chrisi
>>
>
>Lieber Chrisi,
>ja, stimmt, das war der Bauer und Schäfer Wessel Dietrich Eilert, genannt Jasper. Er lebte von 1764 bis 1833 in Huckarde bei Dortmund (also ein Nachbar von Dir!)
>(...)Hierauf wird ein anderer Krieg ausbrechen. Ein Religionskrieg wird es nicht werden, sondern diejenigen, so an Christus glauben, werden zu Haufen halten wider diejenigen, welche nicht an Christus glauben. Aus Osten wird dieser Krieg losbrechen. Vor Osten habe ich Bange. Dieser Krieg wird sehr schnell ausbrechen. Abends wird man sagen: Friede, Friede, und es ist kein Friede, und morgens stehen die Feinde schon vor der Türe; doch geht’s schnell vorüber, und sicher ist, wer nur einige Tage ein gutes Versteck weiß. Auch die Flucht wird sehr schnell sein. Man werfe Karren und Rad ins Wasser, sonst nehmen die fliehenden Feinde alles Fuhrwerk mit. Vor diesem Kriege wird eine allgemeine Untreue eintreten, die Menschen werden Schlechtigkeit für Tugend und Ehre, Betrügerei für Politesse ausgeben. In dem Jahre, wo der Krieg losbricht, wird ein so schönes Frühjahr sein, daß im April die Kühe schon im vollen Grase gehen. Das Korn wird man noch einscheuern können, aber nicht mehr den Hafer. (...)
>Liebe Grüße
>ITOma



Antworten: