Flutopfer, Sachzwänge und Interessenkonflikte
Geschrieben von franke43 am 16. August 2002 12:07:13:
Hallo Leute
Teilt mir mit, wie und wohin ich spenden kann, ohne dass mir die Bank für eine Auslandsüberweisung horrende (!) Bearbeitungsgebühren aufbrummt, und ich bin auch mit dabei. Viel Geld habe ich aber nicht, denn ich habe einen eigenen Wasserschaden in einem der Erdkeller zu sanieren.
Wobei der Spendenwillige fast so eingeklemmt ist wie die Flutopfer selbst, nämlich in den Sachzwängen unserer "zivilisierten" Gesellschaft:
- Ist es sinnvoll, das gute Geld dem schlechten hinterherzuwerfen, wenn von den Spenden die beschädigten Immobilien nur an denselben gefährdeten Stellen wieder aufgebaut werden und bei der nächsten "Jahrhundertflut" wieder dran sind ? Nebenbei: die "Jahrhunderte" werden zusehends kürzer ....
- Welche Wahl bzw. Alternative haben denn die Flutopfer ? Ihre Objekte stehen oder standen da, wie sie sind bzw. waren. Die Flutopfer haben nur den Grund zur Verfügung, den ihnen die Flut soeben unter Wasser gesetzt hat.
Welche Gesellschaft könnte allen Flutopfern schnell und unbürokratisch überflutungssichere Ausweivchgrundstücke zur Verfügung stellen ? Und zwar vorbei an allen Bebauungsplänen !! Baugrund ist im dichtbesiedelten deutschland rar und teuer. Die Planungsverfahren sind träge, die Erschliessung ist nicht gewährleistet, alles braucht ausser Geld auch Massen an ZEIT. Zeit, die die Opfer nicht haben, wenn sie sich nicht jahrelang bei irgendeiner mitfühlenden Verwandtschaft einquartieren wollen oder können.
Es ist den Flutopfern gegenüber unfair, jetzt nachzubohren, wer denn genau und wann und wie die Kaputtregulierung der Wasserläufe und die Überbauung der hochwassergefährdeten Flächen erlaubt hat. Viele "schuldige" Planer sind längst tot, da viele Bausünden schon alt sind. Und selbst wenn die Planer am Leben wären, könnte sie wohl niemand persönlich haftbar machen.
Und noch was:
Gesetzt den Fall, Flutopfer finden wirklich gute neue und sichere Flächen zur Bebauung:
WER nimmt ihnen zu einem fairen Preis die alten Flächen und die baufälligen und aufgeweichten Überreste ihrer alten Immobilien ab ?
Das ist genau die Crux bei den Immobilien - sie sind "immobilis", also unbeweglich. Man kann sie nicht wie ein Zelt oder einen Wohnwagen mitnehmen und an bessere Orte versetzen.
Also wo sollen all die Leute hin: von den Vororten von Dresden oder Magdeburg, aus Grimma oder von sonstwo, wo ihnen der "Blanke Hans" tief im Binnenland und in Form von verseuchtem Süsswasser zugesetzt hat ? Was ist mit ihrer Habe, soweit noch übrig ? Welches kollektive Versicherungssystem wird die unschuldigen Opfer halbwegs schadlos halten und die Lasten des Unglücks gleichmässig und solidarisch auf den gesamten Volkskörper verteilen ?
Ihr alle kennt die Antwort:
Schröder und Stoiber wollen sich beide profilieren, weil sie als Nothelfer Pluspunkte für die Wahl sammeln wollen.
Aber wer will und KANN wirklich helfen ? Und wer hält den vielen Opfern die gewissenlosen Absahner vom Hals, die die viel zu knapp bemessenen Hilfsmittel sofort wieder in ihre eigenen dunklen Kanäle leiten wollen ?
Einige hier im Forum machen es uns vor: sie lamentieren nicht, sondern nehmen Spaten, Schaufel und Sandsack in die Hände und tun was. Mir ist das angesichts der Entfernung nicht möglich. Ich wäre eher gefordert, falls sich ähnliches hier ereignen sollte.
Wer hat - ausser dem persönlichen Anpacken oder einem Obolus - Vorstellungen von der kurzfristigen Lösung der anstehenden Probleme ? Denn selbst wenn Massnahmen im Hinblick auf die Atmosphäre getroffen werden, wird kaum jemand in Sachsen darauf warten können. Bevor Klimaschutzmassnahmen greifen, sind mindestens zehn neue "Jahrhundertfluten" übers Land hinweggegangen.
Gruss von einem deprimierten
Franke 43
- Re: Flutopfer, Sachzwänge und Interessenkonflikte Spookey 16.8.2002 12:54 (0)