Re: @ Mabo

Geschrieben von Mabo am 06. September 2004 12:20:03:

Als Antwort auf: @ Mabo geschrieben von andika am 03. September 2004 22:44:14:

Hallo Andika!

Ich bin inzwischen an einem Punkt, an dem ich das Gefühl habe, für meine direkte Umwelt (Familie + Freunde) vorsorgen zu müssen...

Man muss nur aufpassen, dass man da nicht einen Schuh anzieht, der ein bisschen zu groß ist! Ich kann unmöglich für all meine Freunde und die ganze Familie vorsorgen und mitplanen, wenngleich ich das immer im Hinterkopf habe. Will heißen, dass ich die kommenden Zeiten immer mit Bezug zu meinen Mitmenschen sehe und keinerlei Vorstellungen in Richtung Einzelkämpfer, der sich allein irgendwohin durchschlägt, hege.

Außerdem wird in mir das Gefühl immer stärker, ich solle mich auf die Zeit d a n a c h vorbereiten, dann erst würde meine Arbeit anfangen.
So lebe ich also ein sehr äusserliches Leben in dieser Gesellschaft, arbeite, besuche Veranstaltungen, gehe aus, verreise usw., aber bereite mich innerlich auf ein Leben d a n a ch vor. Im Prinzip führe ich im Moment ein Doppelleben.

Das mit dem Doppelleben ist ja das Problem, von dem ich hier spreche. Ein Teil will losgehen, der andere wartet. Der einer will am liebsten aussteigen, der andere ist hier verankert. Eigentlich will man Eins werden, aber man erhält gleichzeitig verschiedene Rollen. Ein Dilemma.

Wieso Unentschlossenheit und Feigheit? Wir wissen, daß etwas kommt, aber was ???

Das, was da kommt, das kommt. Aber wann das kommt, weiß ich eben nicht. Genau so gut kommt es erst 2100 und dann habe ich umsonst mein Leben nicht gelebt. Eben, das Apfelbüumchen. Obwohl es brodelt, sollte ich es pflanzen. Obwohl ich Befürchtungen habe, sollte ich mein Leben leben. Daher Feigheit.

Ich bin bis zuletzt Zweifler genug, um auch in Erwägung zu ziehen, dass mein vermeintliches „Wissen“ nichts weiter als Ängste sind. Resonanzen früherer Kriege und kollektiver Menschheitserinnerungen, die wir vielleicht nur besser spüren oder die auf uns größeren Einfluss ausüben. Ein evolutionärer Impuls aus irgendwelchen morphischen Feldern von mir aus, den wir wahrnehmen, weil wir danach gesucht haben und suchen. Wer suchet, der findet eben. Das wir die Zukunft düster sehen, mag daran liegen, weil wir uns von diesen alten Ängsten beeinflussen lassen und unser Denken beherrschen lassen. Das also solches sich Beeinflussenlassen uns auch kollektiv in dem Griff der zyklischen Kriege festhält. Und es bricht über uns herein, was wir immer befürchtet haben – weil! wir es immer befürchtet haben.

Wie willst du an deiner Bestimmung arbeiten, wenn du noch nicht weisst, was es ist?

Meine Bestimmung muss ja nichts großartiges sein. Ich erwarte nicht, dass ich der große Retter in der Not sein werde. Ich denke, dass meine Bestimmung in Wahrheit schon läuft und das ich mit Kleinigkeiten bereits daran arbeite. (So wie du vom Horten von Wissen als Teilaufgabe sprichst.) Man selber erkennt das aber nicht unbedingt, um was es da eigentlich geht. Ich weiß nur, dass ich auf zunächst scheinbar vollkommen unterschiedlichen Wegen gewandelt bin, im Nachhinein erkenne ich aber an, das mir bisher alle diese Wege etwas auf den Weg gegeben haben, fast so, als gehöre alles zu einem erforderlichen Gesamtprozess. Quasi wie Rüstzeug, was ich mir auf vielen Reisen zusammengestellt habe. Ich weiß nicht, ob es so was wie eine „eigentliche“ oder „endgültige“ Aufgabe überhaupt gibt. Ich bin mir beim Determinismus auch nicht sicher, ob er in Wahrheit nicht nur determiniert ausschaut. Ich stelle mir das immer als Potentiale vor. Jemand hat das Potential dies und jenes zu tun, etwas zu bewirken, was auch immer. Er tut es oder er lässt es. Lässt er es, wird es keiner merken. Tut er es, wird man sagen, es sei seine Bestimmung gewesen. Aber er hätte auch was anderes machen können, sofern sein Potential dazu gereicht hätte. Was die Entscheidung beeinflusst, ob er sein Potential nutzt, also das, was ihm scheinbar „zufällig“ widerfährt und was ihn dann dazu brachte es zu tun, das ist das Mysterium. Je nachdem ob er alles für reinen Zufall hält oder doch in Erwägung zieht, das hinter allem ein verborgener Sinn liegt, wird er sich dadurch beeinflussen lassen.

Aber wir haben wenigstens einen Rucksack und eine warme Jacke dabei, die meisten laufen nur in Shirt und Sandalen (bildlich gesprochen).

Das Bild gefällt mir. Ich bleibe darin. Ich weiß aber nicht, ob die Jungs in den Sandalen nicht mutiger sind als wir mit den Rucksäcken. Sie haben ihr Leben ungeachtet der kommenden Probleme gelebt und ihren Frieden gefunden, während wir noch keuchend und fiebrig mit einer juckenden Gasmaske aus unserer Tasche dasitzen. Wir erschießen womöglich noch ein paar Menschen oder klauen ihnen ihr Wasser in der Not und tragen so selber sogar noch zum Unheil bei. Sie starben in den ersten Sekunden des Angriffs und stehen unschuldig vor ihrem Herrn... Raus aus dem Bild: Sie leben das Leben in vollen Zügen, verwirklichen sich ihre allzu menschlichen Träume und wir zögern, führen Doppellebe, blieben unkonkret.

Naja, ich habe meinen Rucksack auf jeden Fall gepackt und habe ihn dann erst mal wieder weggestellt. Ich weiß ja wo er steht! Sollte es losgehen, werde ich danach greifen. Aber ob das richtig oder falsch ist? Wenn jeder einen solchen Rucksack gepackt bereit hielte, würde das die Wahrscheinlichkeit einer Konfrontation, wo man diesen braucht, nicht eher erhöhen? Hm. Fahren Leute mit Hosenträgergurten, Seitenaufprallschutz und Airback nicht unwillkürlich etwas riskanter durch die Gegend?

Dieses "dunkle Tal" hatte ich auch und habe vieles deshalb nicht in Angriff genommen.

Rückblickend bleibt mir nichts anderes übrig als es als eine Episode zu deuten. Aus damaliger Sicht hatte es aber auch was von dem, was du heute fühlst, wenn du von Bestimmung redest. Ich werde das Gefühl nicht los, damals etwas mir bestimmtes verspielt zu haben. Mehr noch fühle ich aber heute, dass es mir bestimmt war, eben das zu erfahren, was ich durch das Trennen erfahren habe. Und doch: All diese Gefühle ob und wofür etwas oder ich bestimmt sind, zweifle ich als „öffentliche“ Person weiter an und frage dann, ob ich mir da nicht einen Haufen Mist einrede.

Früher, alle heulten bei Liebesschnulzen, ich saß daneben und sagte ohne Rührung: Ist doch nur ein Film.
Heute, ich höre eine Melodie, sehe irgendeine liebevolle Geste, sehe, wie unsere Katze sich in der Sonne rekelt und heule wie ein Schloßhund.
Unser Panzer, den wir um unser Herz gelegt haben, bröckelt, Mabo. Und das ist gut so und hat nichts mit einem Weichei zu tun.

So sehe ich das heute auch. Habe gestern noch mit einem guten Freund darüber gesprochen und auch ihm ergeht es nun häufiger so, gestand er ein. So alleine ist man gar nicht. Es wird nur wenig drüber geredet.

Bewusste Kontrolle wirft uns auch nur zurück, denn dann blockieren wir die nötigen Veränderungen.

Bewusst wahrnehmen und kontrolliert fließen lassen. ;-)

Ja, manchmal kommt die "öffentliche" Welt doch wieder etwas nahe.

Kommt die Welt nahe oder näher wir uns? Irgendwie, als sei man selbst dann mehr „geerdet“. Etwas hat einen wieder eine Schwingungsebene tiefer gebracht und plötzlich tritt man wieder mit Dingen in Resonanz, die man schon für Überwunden hielt. Und dort sind Lösungen oft nun mal etwas handfester als weiter oben. Die Werkzeuge von oben passen dann noch nicht. Man muss sich auf die niederfrequente Situation einstellen, man muss sich ihr stellen. So hebt man nicht ab. Denn es nutzt nichts, nur im Geiste oben mitschwingen zu können. Wir müssen als Ganzes langsam „aufsteigen“. Und wenn wir dazu nicht bereit sind, stürzen wir uns wohl quasi immer wieder (aus Sicht des sog. „Höheren Selbst“ sogar freiwillig!) zurück in die etwas gröberen Strukturen.

Ja, vollkommen. Aber es gibt einen Kompromiss...

Kann mir einen solchen Kompromiss gut vorstellen. Ich glaube, dass ich diesen Traum vom Eigenheim, Familie etc. so nie mehr gestalten werde. Weil die gesellschaftliche Perspektive mir nicht gefällt zum Einen. Aber mittlerweile auch, weil ich mir treu bleiben will und den anderen nicht mehr einschränken möchte. Eine Beziehung würde bei mir so schnell, wenn überhaupt, nicht mehr in einer gemeinsamen Wohnung stattfinden. Ich will mein kleines Reich haben, sie soll ihres haben. Im Geiste sowieso, aber auch was die Räumlichkeiten angeht. Kommen Kinder ins Spiel, mag man das wieder neu bewerten wollen, aber die kommen ohnehin für mich nur mit der perfekten Frau dafür in Frage, mit der ich dann auch unter einem Dach wohnen können müsste. Aber durch die getrennten Reiche ergeben sich fast automatisch Strukturen, wie du sie vorgeschlagen hast.

So einen Menschen kann man finden, auch wenn man manchmal länger suchen muß.

Klar, macht das nicht jeder mit. Aber das ist dann der Grund, warum man halt etwas mehr Geduld braucht. Aktiv Suchen tue ich aber trotzdem nicht wirklich.

Aber wenn du "bereit" dazu bist, d.h. du deine Vorstellungen, wie eine Beziehung sein sollte, fallen läßt, steht sie auf einmal vor dir. Garantiert.

Das hört sich hart an: Bereit sein, seine eigenen Vorstellungen fallen zu lassen. Ich finde es gut, wenn einer eine Vorstellung von dem hat, was er haben will. Meine Vorstellungen, das bin doch ich! Klar, ich bräuchte diese nur aufgeben, also diesen Teil von mir, dann würde es auch sicher klappen. Genau hier liegt ja das Problem. Was soll denn von meinem Selbstwertgefühl am Ende übrig bleiben, wenn ich meine Vorstellungen und Wünsche alle fallen ließe, nur um damit auf der anderen Seite etwas von dem genießen zu dürfen, was... das ist doch genau falsch, oder nicht?

Aber, was hindert dich daran, mit deinem Traum anzufangen? Bau dir deine Umgebung (Wohnung, Arbeit, Freundeskreis usw.),wie es dir gefällt und du dich wohlfühlst, laß deine Gefühle und dein Unterbewusstsein arbeiten und habe einfach Vertrauen.

Genau an diesem Punkt befinde ich mich. Einfacher gesagt als getan, aber ich lasse mich darauf ein.

Viele Menschen denken, wenn ich einmal im Lotto gewinne, wenn mich meinen Traumpartner treffe, wenn ich befördert werde, wenn ich erleuchtet werde usw. usw, ja dann...

Ja. Wenn erst mal der Krieg da ist, dann werde ich der Held sein, der es den andern zeigt... Davon haben wir hier im Forum auch einige im Club! Sogar das Grausigste wird durch diesen Mechanismus herbeigesehnt.

Es gibt dieses wunderbare Sprichwort: Auch der längste Weg beginnt mit dem ersten Schritt.

Ja, so ist es.

Also, lauf los Mabo, irgendwann treffen wir uns dann alle.

Ok, ich muss dann jetzt wohl los... Wir sehen uns dort! ;-)

Liebe Grüße
Mabo



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