Re: Nette Rhetorik, aber falsch

Geschrieben von Johannes am 12. Juli 2004 20:41:30:

Als Antwort auf: Warum der Vatikan schlecht beraten zu sein scheint. geschrieben von Danan am 12. Juli 2004 19:58:48:

> Wie aus dem unten verlinkten Artikel hervorgeht,
> hat Senator John Kerry folgenden Sachverhalt geschildert.
> Seine Frau war, noch vor seiner Ehe schwanger, ob von ihm oder noch vor
> seiner Zeit steht da nichts drin.


Hallo Danan,

wie wäre es, einfach nochmal die Aussage des Vatikan zu betrachten?

Übersetzung von IT Oma:
> "Wenn offenbar wird," schreibt der Kardinal, "daß die Person die schwere
> Sünde der Abtreibung oder Euthanasie offiziell unterstützt (bei einem ka-
> tholischen Politiker heißt das, daß er konsistent für liberale Abtreibungs-
> und Euthanasiegesetze wirbt und abstimmt), so soll sein Pfarrer ihn persön-
> lich informieren, daß er nicht zur Heiligen Kommunion gehen darf, solange
> er die sündige Situation nicht beendet hat, und ihn warnen, daß ihm andern-
> falls die Eucharistie verweigert wird."

Kernsatz: "bei einem katholischen Politiker heißt das, daß er konsistent für liberale Abtreibungs- und Euthanasiegesetze wirbt und abstimmt"

Die Rhetorik (auch im verlinkten Newsmax-Artikel) versucht nun, dies auf eine völlig andere Ebene zu verlagern und tut so, als ginge es um ein Ereignis, das 20 Jahre zurückliegt. Und dann kann man lange diskutieren, daß die beiden ja noch gar nicht verheiratat waren, daß es außerdem die Frau war, nicht er, ...

Indem man sich an Nebensächlichkeiten festbeißt, verliert man (absichtlich?) den Blick auf das Wesentliche. Und dabei geht es um den Kernsatz, den ich noch einmal betonen möchte: "bei einem katholischen Politiker heißt das, daß er konsistent für liberale Abtreibungs- und Euthanasiegesetze wirbt und abstimmt". Dies ist der Maßstab, an dem sich ein Politiker aus kath. Sicht zu messen hat. Tritt er konsequent gegen die kath. Sozialethik ein, so exkommuniziert er sich damit automatisch.

> Dafür, dass er mit einer Frau zusammen ist, die sich mal vorgenommen
> hatte abzutreiben und vielleicht sogar in Liebe zu dieser Frau steht,
> soll er nun Exkommuniziert werden?

Wer sich konsequent gegen das Lebensrecht einsetzt, der sündigt nach kath. Auffassung. Soll die kath. Kirche etwa ein "Lex Kerry" erlassen, nachdem Politiker sündigen dürfen, wenn sie sich dafür nur gegen Bush stellen? Nein, die kath. Sozialethik gilt für alle, und nach der muß sich Kerry richten, wenn er in vollem Maß katholisch sein möchte.

> Nicht das Leben deiner Frau wäre für deine Abrechnung am Jüngsten Tag rele-
> vant, sondern nur dein eigenes. Wenn es einen Gott gibt, so lass doch ihn
> entscheiden, wem er seine Eingebung wirklich schenken mag.

Ähm, warum versucht Du immer, die kath. Kirche nach Deinen Vorstellungen umzumodeln? Niemand fordert, daß Du kath. Ziele als gut empfindest. Nur, die Kirche vertritt kirchliche Ziele, das ist normal. Wenn Kerry mit dem Hinweis auf seinen Glauben Stimmen einfangen möchte, so muß er sich gefallen lassen, an den Lehren der Kirche gemessen zu werden, mit deren Zugehörigkeit er sich im Wahlkampf schmückt.

> So viel kann ich aus meiner eigenen Urteilsfähigkeit durchaus sagen, dass es
> die katholische Kirche, wenn sie unbedingt Einfluss nehmen wollte auf die
> Amerikanische Politik durchaus mit George Busch kritischer Aufnehmen sollte.

Das tat sie, ganz unverhohlen und sehr deutlich. Und das sogar auf die Person bezogen, nicht nur mit der Wiederholung von eigentlich Allgemeinplätzen.

Könnte es sein, daß Du das nicht mehr siehst, weil Du so sehr gegen Bush bist, daß jeder, der nicht dessen Gegner unterstützt, falsch liegen muß?

"bei einem katholischen Politiker heißt das, daß er konsistent für liberale Abtreibungs- und Euthanasiegesetze wirbt und abstimmt" - Darum geht es, alles andere lenkt nur von der (allgemeingültigen!) Aussage ab.

Gruß

Johannes



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