Golfstrom-Szenario
Geschrieben von IT Oma am 07. Juli 2004 01:05:02:
Liebe Foris,
Die Sache mit dieser Kälteanomalie ("der verschwundene Golfstrom", Ihr erinnert Euch?)hat mir keine Ruhe gelassen, und anderen wohl auch nicht. Es ist nicht nur in GLP ein Thema, sondern auch in einigen britischen Wetterforen. Hier hat nun jemand, der sich nach eigener Aussage auskennt, ein Szenario geschrieben, das m.E. ganz gut beschreibt, wie ein "Fimbulwinter", sprich eine neue Eiszeit, auch ohne Impakt und Vulkanismus entstehen könnte. Zum Beispiel, wenn die derzeitige Situation (erhebliche Kälteanomalie im Nordatlantik) sich verschärft.
Ich hab es mal übersetzt, weil ich es als Szenario interessant finde.==============================================================================
person who knows weather
7/6/2004
1:03 pm EDT STORM WARNING FOR UKDas ist die Kurzversion meines Szenarios. Die Langversion kommt später; diese Version erklärt nicht im Detail, wie die Ereignisse entstehen, aber darüber schreibe ich später.
Ich werde das Szenario als zeitlichen Ablauf beschreiben, so ist es leichter zu erklären. Viel hängt von dieser Kälteanomalie ab, und wann sie in Europa ankommt. Selbst wenn sie überhaupt nicht bis Europa kommt, erwarte ich, daß die NAD (North Atlantic Drift) bzw. der Golfstrom zum Stillstand kommt. Das würde allerdings länger dauern. Viel länger. Das Ganze beginnt vor einem Jahr.Irgendwann im Frühjahr 2003:
Vor Kanada bildet sich eine Kälteanomalie (in der Temperatur der Meeresoberfläche, SST). Sie ist klein und maximal 3 Grad unter der Durchschnittstemperatur. Sie bleibt fest an ihrem Ort und es sieht so aus, als ob sie vom Golfstrom festgehalten wird, der aus Island zurückkommt.Sommer 2003:
Ein Rekordsommer mit Temperaturen nahe 40 Grad und darüber in vielen Teilen Westeuropas, aufgrund einer Sattellage (Sattel=das neutrale Gebiet zwischen zwei Hochs oder zwei Tiefs).Winter 2003:
Europa hat an den meisten Orten einen milden Winter, hauptsächlich verursacht durch das Bartlett-Hoch. In Großbritannien gab es mehrere Kälteeinbrüche, besonders den am 28. Januar. Damals bildete sich entlang einer Tiefdruckfront, die südwärts zog, und auf warme Luft stieß, ein kurzer aber sehr heftiger Blizzard.Mai 2004:
Die Kälteanomalie beginnt, nach Osten zu wandern, und obwohl sie sich nicht schnell bewegt, hat sie doch seit letztem Jahr an Größe zugenommen. Schlimmer noch, sie hat sich von einer mittleren zu einer ziemlich ausgeprägten Anomalie entwickelt (das bezieht sich auf den Temperaturunterschied). Was hat diese Anomalie verursacht? Jedenfalls nicht die allgemeine Wetterlage wie im Winter 1962-63. Was dann?
Ich denke, es sind zwei Gründe: In Labrador ist viel Eis geschmolzen, dadurch wurde der kalte Labradorstrom verstärkt. Gleichzeitig ist der Golfstrom schwächer geworden. Dadurch ist der Golfstrom etwas nach Süden abgedrängt worden. Die Anomalie bekam dadurch freien Weg nach Osten, und genau dorthin bewegt sie sich jetzt. Jetzt hat sie scheinbar auch noch eine zweite Welle ausgebildet und könnte jetzt auf dem Weg hierher sein. Wer weiß schon genau, wo sie hintreibt.Sommer 2004: (ab hier Spekulation!)
Der Sommer 2004 begann schlecht, aber wurde dann besser, als ein Hoch von den Azoren sich auf Großbritannien zu bewegte. Es blieb zwar nur kurz, aber ließ die Temperaturen auf 30 Grad steigen, dann verschwand es wieder. Das wiederholte sich mehrere Male, ohne daß das Hoch von den Azoren sich richtig über Großbritannien etablieren konnte. Dieser Sommer wurde charakterisiert durch viele heftige Gewitter.Winter 2004:
Die Kälteanomalie traf im Oktober in Nordwesteuropa ein und die Temperaturen waren jetzt erheblich unter dem Durchschnitt. Im November lud ein sehr strkes Tief eine Menge Regen über Großbritannien ab, dann verwandelte sich der Regen bis in die südlichen Midlands über Nacht in Schnee. Das war ein Schock, und das Wetter verschlechterte sich noch, denn wir befanden uns inzwischen mitten in der Anomalie. Die Zeitungen sprachen von einer Mini-Eiszeit. Im Dezember fielen in London 45 Zentimeter Schnee. Niemand hatte damit gerechnet. Im Januar war die Kälte am schlimmsten und die Themse war seit Anfang Dezember zugefroren. Den ganzen Januar schafften die Temperaturen es nicht über 0 Grad. Am Ende dieser anormalen Kälteperiode lagen in Londen 45 Zentimeter Schnee und im schottischen Hochland 250 Zentimeter.Februar und März 2005:
In Island, Nordeuropa und Großbritannien schmolzen Eis und Schnee. Das süße Schmelzwasser floß in die Flüsse, die wiederum ins Meer fließen. Der Golfstrom und die NAD brauchen Wasser mit hohem Salzgehalt um in Bewegung zu bleiben und die Wärmepumpe anzutreiben. Eis und Schnee bestehen aber aus Süßwasser.
Was passiert also, wenn nahe den Gebieten, in denen der Golfstrom und die NAD absinken, viel Süßwasser ins Meer fließt?
Der Golfstrom kann nicht absinken, also sammelt sich das warme Wasser an der Oberfläche. Deshalb zeigen die SST Anomalie-Karten dort so tiefe Rottöne: das ist eine Ansammlung von außergewöhnlich warmem Wasser. Das geht eine Weile so weiter. Wir haben jetzt schon ein geschwächtes Strömungssystem und eine doppelte Ladung Süßwasser KÖNNTE es kippen. Natürlich weiß niemand genau, wann das passiert während dieser Übergangsperiode. Ich jedenfalls erwarte eine ziemlich chaotische Wetterperiode.Herbst 2005:
Der Sommer war durchschnittlich. Weder Hochs noch Tiefs konnten sich lange halten. Ein bißchen so wie im Jahr davor. Die Leute hielten den letzten Winter für einen Ausreißer. Natürlich flossen der Golfstrom und die NAD auch jetzt noch, aber nur sehr langsam, und sie waren nahe am Stillstand. Der Herbst fing schlecht an, mit einem Tief nach dem anderen über England. Diese Tiefs waren ungewöhnlich stark. Auch an anderen Orten gab es außergewöhnliches Wetter. New York erlebte eine Hitzewelle. Bald wurde deutlich, daß da etwas nicht stimmte.
Spätherbst und Winter 2005:
Jetzt wurde uns klar, daß der Golfstrom in Gefahr war. Bisher hatten wir hauptsächlich Westwinde, verursacht durch die massiven Tiefs, die über Großbritannien haltmachten, bevor sie weiterzogen. Bald entwickelte sich eine Sattellage und ein heftiger Kampf der Fronten begann. Die Winde drehten auf Nordwest und brachten heftige Regengüsse mit. Dann zog ein kleines Tiefdrucksystem durch und jetzt kamen die Winde aus Norden und aus Süden, und wo sie aufeinandertrafen, gab es wieder starken Regen, der bald von Gewittern abgelöst wurde. Die Gewitter entwickelten sich zu Tiefdruck-Superzellen, die sich dann zu einem ausgewachsenen Tornadocane verdichteten.
In Amerika war es dasselbe, auch dort gab es eine Sattellage. Die Tornadocane bestanden aus dichten Wolken, die sich hoch in die Troposphäre erstreckten. Bald entwickelte sich ein Auge und das Ganze sah fast aus wie Hurrikan. Die Windstärken erreichten 240 Km/h. Island, Skandinavien und Großbritannien waren die am meisten betroffenen Gebiete. Bald sank die kalte Luft unter die warmen Luftschichten und aus heftigem Regen wurde dichter Schneefall. Die Temperaturen sanken sehr schnell und sehr tief (wie der Kälteeinbruch am 28 Jan. 2003 in England - aber noch viel ausgeprägter). Die Tornadocane bedeckten bald fast ganz Europa und während sie sich zu Hurrikanen entwickelten, begann der Wind größtenteils aus Norden zu wehen. Langsam, langsam wurden die Hurrikane nach Süden getrieben, bis sie über Frankreich zum Stillstand kamen und sich auflösten.Danach gab es auf der ganzen Welt einen Temperaturrückgang. Westeuropa wurde am stärksten getroffen. Der von den Hurrikanen abgeladene Schnee blieb den ganzen Winter über liegen und weitere Tiefdruckgebiete, angefüllt mit Schnee, zogen heran. Das Eis reflektierte das Sonnenlicht und das hatte zur Folge, das die Temperaturen auch im folgenden Sommer nicht stark anstiegen. Einiges von dem Schnee blieb liegen, ohne zu schmelzen und bald entstand daraus mehr Eis.
Und schon haben wir eine neue Eiszeit.
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Gruß
ITOma
- Szenario-typisches Unwetter heute früh in Freiburg Micha aus dem Süden 08.7.2004 11:37 (0)
- Re: Golfstrom-Szenario Poldi 08.7.2004 08:15 (0)
- Re: Golfstrom-Szenario Apollo 07.7.2004 20:08 (1)
- Re: Golfstrom-Szenario detlef 07.7.2004 22:45 (0)
- Re: Golfstrom-Szenario Taurec 07.7.2004 15:22 (5)
- Re: Golfstrom-Szenario@ Taurec BBouvier 07.7.2004 19:07 (3)
- Re: Golfstrom-Szenario@ Taurec Taurec 07.7.2004 19:42 (2)
- Re: Golfstrom-Szenario@ Taurec Taurec 07.7.2004 19:45 (1)
- Re: Golfstrom-Szenario@ Taurec Minnimix 07.7.2004 21:14 (0)
- Re: Golfstrom-Szenario IT Oma 07.7.2004 17:09 (0)
- Re: Golfstrom-Szenario / Was ist ein Tornadocane? (m.Link) (o.T.) IT Oma 07.7.2004 12:20 (0)
- Re: Golfstrom-Szenario Johannes 07.7.2004 02:09 (0)
- Re: Golfstrom-Szenario Dunkelelbin 07.7.2004 01:25 (1)
- Gurgel-Links zum Thema Dunkelelbin 07.7.2004 01:36 (0)