Alfred Lichtenstein
Geschrieben von Dunkelelbin am 31. Mai 2004 23:05:41:
Alfred Lichtenstein -
Lichtenstein, Alfred (1889-1914) , deutscher Schriftsteller, Jurist; expressionistische, stark groteske Lyrik und Prosa: "Die Dämmerung" 1913; "Gedichte und Geschichten" 2 Bände (postum) 1919.
Prophezeiung
Einmal kommt - ich habe Zeichen -
Sterbesturm aus fernem Norden.
Überall stinkt es nach Leichen.
Es beginnt das große Morden.
Finster wird der Himmelsklumpen,
Sturmtod hebt die Klauentatzen.
Nieder stürzen alle Lumpen.
Mimen bersten. Mädchen platzen.Polternd fallen Pferdeställe.
Keine Fliege kann sich retten.
Schöne homosexuelle
Männer kulllern aus den Betten.Rissig werden Häuserwände.
Fische faulen in dem Flusse.
Alles nimmt ein ekles Ende.
Krächzend kippen Omnibusse.
Alfred Lichtenstein - Der Sturm
Im Windbrand steht die Welt. Die Städte knistern.
Halloh, der Sturm, der grosse Sturm ist da.
Ein kleines Mädchen fliegt von den Geschwistern.
Ein junges Auto flieht nach Ithaka.
Ein Weg hat seine Richtung ganz verloren.
Die Sterne sind dem Himmel ausgekratzt.
Ein Irrenhäusler wird zu früh geboren.
In San Franzisko ist der Mond geplatzt.
Das Ende
Ein Windkloss überzieht wie weisser Schwamm
Die grüne Leiche der verlornen Welt.
Erfrorne Flüsse sind ein Eisendamm,
Der morsche Reste noch zusammenhält.In einer kleinen Regenecke steht
Die letzte Stadt in steinerner Geduld.
Ein toter Schädel liegt –wie ein Gebet –
Schief auf dem Leib, dem schwarzen Büsserpult.
- Re: Alfred Lichtenstein - passt das nicht zu johannsen? detlef 01.6.2004 01:26 (0)