Re: Politische Ausgrenzung (@MP42)

Geschrieben von Johannes am 05. März 2004 21:52:22:

Als Antwort auf: Re: Nochmals "Köhler": Ein neoliberaler Banker als Bundespräsident geschrieben von MP42 am 05. März 2004 17:09:53:

>> Wie man seriösen Jounalismus machen kann, ohne die Massenmeinung zu
>> vertreten, zeigt zum Beispiel die Junge Freiheit

> Jetzt wundert mich gar nix mehr!!!


Hallp MP42,

das enttäuscht mich jetzt doch ein wenig.

Schaffen wir es hier immer noch nicht, Dinge erst einmal neutral zu betrachten bzw., besser ausgedrückt, anderen Meinungen erstmal vorurteils zuzuhören, statt sie gleich durch die eigene politische Brille zu betrachten?

Wir beschweren uns über einseitige Berichterstattung, manche sprechen gar von den "Systemmedien".

Viele wehren sich gegen die unbeschränkte Globalisierung - aber wehe dem, der bezüglich der Globalisierung zu den gleichen Schlüssen kommt, das aber aus den falschen (?) Motiven heraus. Nein, da ist es dann ruckzuck egal, was jemand will, dann wird lieber Zeter und Mordio geschriehen "Hilfe, der denkt politisch falsch, weg mit ihm". Da wird dann sofort polarisiert und in Schubladen gesteckt. Also genau das, was man die ganze Zeit so locker an anderen kritisiert.

Du erinnerst Dich vielleicht noch an die früheren Diskussionen über "Berufsverbote"? (Nicht hier im Forum, ich meine früher in den Medien). Was wurde da doch geschimpft und gejammert, daß damals moskautreue Kommunisten keine Lehrer werden durften. Es gab Demos, es gab Proteste, es wurde geschimpft gegen Gesinnungsschnüffelei & Co.

Und was haben wir daraus gelernt?

Haben wir zumindest daraus gelernt, Andersdenkenden erstmal zuzuhören, statt gleich zuzuschlagen? Und "zugeschlagen" wird ja wortwörtlich - und wer sich mit Demos jenseits der breiten Berichterstattung auskennt, der weiß, welche politische Seite in aller Regel mit Schlägereien und Gewalt beginnt (frag Polizisten, die vor Ort waren).

Ist das wirklich das, was wir aus all diesen Diskussionen gelernt haben? Den anderen sofort auszugrenzen und zu disqualifizieren, weil er politisch möglicherweise falsch denkt? Und betrachtest Du diese Polarisierung, diese Ausgrenzung etwa noch als Erfolg?

Wenn Du in der letzten Zeit das Forum beobachtet hast, dann kennst Du die Diskussion im RO_Man. Und weißt, daß ich klar Stellung bezogen habe dafür, daß er hier erstmal in aller Ruhe reden und und seine Infos beitragen kann. Es waren durchaus nicht aller Leute meiner Meinung, und es ging recht hoch her. Und ich weiß auch, daß ich dabei ein Risiko eingegangen bin. Aber dieses Risiko nehme ich in Kauf, weil es mir wichtig ist, wie wir mit Gästen umgehen. Erst einmal zuhören, auch wenn man skeptisch ist.

Bei all den Anti-US-Parolen habe ich Dich nicht gehört. Wenn das Weltbild verflacht und auf "Anti-Bush" reduziert wird, habe ich Dich auch nicht gehört. Aber wenn ich einer Zeitschrift, die gegenüber den USA zu einer durchaus sehr kritischen Meinung kommt und daher immer gegen den Irakkrieg war (gut begründet und nicht nur die übliche Internet-Polarisierung/Vereinfachung), dann schreist Du Zeter Mordio, das dürfe man doch nicht sagen, daß die seriösen Journalismus betreiben?

Und weil der Johannes sagt, die Junge Freiheit sei ein Beispiel, wie man auch bei abweichenden Meinungen einen seriösen Journalismus betreiben kann, gehöre ich gleich mit ausgegrenzt?

Ich gehöre ausgegrenzt, am besten gebrandmarkt, weil ich Andersdenkende nicht gleich verteufele?

> Tut mir leid Johannes damit hast Du dich imho disqualifiziert.
> ... Ich frag mich wirklich warum ich ab und an imemr noch hier reinschaue.

Mußt Du nicht. Wenn das Deine Hauptfrage dabei ist, bist Du möglicherweise sowieso im falschen Forum. Denn dies hier ist ein Prophezeiungsforum, wo wir endlich einmal die übliche parteipolitische Polarisierung hinter uns lassen sollten, um uns möglichst vorurteilsfrei mal mit einem völlig anderen Ansatz beschäftigen sollten, um die Zukunft zu erkennen, zu deuten und dann, danach, unsere Schlußfolgerungen zu ziehen.

Ich habe unten im Forum Indymedia verlinkt (Nachrichtensuche), die man wohl getrost als "links" bezeichnen kann, auch "Feldpolitik" ist verlinkt. Und dann wage ich mir, einer Zeitung seriösen Journalismus zu bescheinigen, die jenseits des Mainstreams berichtet, aber eben nicht links orientiert. Und schon geht das Geschrei los?

Sorry, aber Franz Alt ist da meiner Ansicht nach weiter. Der wagt sich nämlich, der JF ein Interview zu geben, in dem er sachlich seine Meinung wiedergeben kann. Da fordern viele zwar "Spielt nicht mit den Schmuddelkindern, grenzt sie aus, ...", aber er ließ sich nicht einschüchtern. Und unterschrieb sogar einen Apell, als die JF durch Kontokündigung finanziell ausgeblutet werden sollte. Die Sache zu sehen und über die üblichen Polarisierungen hinauszudenken - hätten mehr Leute diese Größe, wären wir in Deutschland ein gutes Stück weiter.

Ich werde mich hier jedenfalls weiter und verstärkt auf die Prophezeiungen konzentrieren, nicht auf Politik. Wobei seriöse Hintergründe und Auslegungen natürlich immer willkommen sind. Nur, wer unsere Bundespräsidenten als Nazis bezeichnet, die mehr oder weniger senil seien - ist das für Dich noch irgendwie seriöser Journalismus?

Enttäuschter Gruß von

Johannes



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