Die apokalyptische Literatur

Geschrieben von Odin am 07. Februar 2007 14:44:19:

Odin am 07. Februar 2007 14:44:19:

Als Antwort auf: Re: über Prof. Tenhaeff geschrieben von Mao am 07. Februar 2007 14:03:35:

Hallo

Das vierte Buch Esra scheint zu den sogenannten apokalyptischen
Schriften zu gehören.

Die meisten von ihnen entstanden in der Zeit zwischen dem dritten
vorchristlichen und dem dritten nachchristlichen Jahrhundert.
Auch die berühmte und oft zitierte Offenbarung des Johannes gehört
zu diesen Schriften, ebenso das Buch Daniel.

Ungewöhnlich für diese beiden Bücher, nämlich Johannesoffenbarung
und Buch Daniel, ist nur, dass sie im Gegensatz zu den vielen
anderen apokalyptischen Schriften von der Kirche kanonisiert
wurden und damit als offizielle Schriftquellen für die Gleubens-
lehre zählen.

Die apokryphe Petrusapokalypse hat z.B. die katholische Lehre
vom Fegfeuer und von der Hölle stark beeinflusst. Auch Dante hat
sich seine Inspirationen für die "Divina Commedia" dort geholt.

Die apokalyptische Literatur hat gemeinsam, dass es sich um
sogenannte eschatologische Schriften handelt. Sie behandeln also
die Endzeit.

In diesen Schriften scheint es häufig wiederkehrende Grundmotive
zu geben, sei es deshalb, weil es so eintreten wird, oder sei es
deshalb, weil einer vom anderen abgeschrieben hat. Keiner der beiden
Fälle kann ausgeschlossen werden. Diese Wandermotive tauchen auch
in den uns bekannten volkstümlichen Prophezeiungen immer wieder
auf, was für eine Mund-zu-Mund-Überlieferung dieser Grundmotive
spricht.

Es gibt ein günstiges deutschsprachiges Buch, das die apokalyptische
Literatur in ausgewählten Beispielen auch für Nichttheologen gut
verständlich beschreibt. Einige der apokalyptischen Bücher sind
darin wiedergegeben.

Die Kirche lehnte die meisten dieser Bücher als "gnostisch" ab.
Auch der Johannesoffenbarung wäre es fast so ergangen.

Es war unter den Verfassern der apokalyptischen Schriften üblich,
sie nach dem Verfasser oder Namensgeber bedeutender früherer
Schriften zu benennen, hier z.B. nach dem Buch Esra. damit wollte
man seine Schrift unter falscher Flagge berühmter machen als sie
unter dem eigenen Namen geworden wäre. Auch Johannes auf Patmos
wollte vermutlich den Eindruck erwecken, er sei mit dem Jesus-
jünger oder doch wenigstens mit dem Evangelisten identisch.

Gruss

Odin

Antworten: