milder HerbstWinter, stark beschädigte Wälder

Geschrieben von Kiaril am 08. Januar 2007 11:00:27:

Als Antwort auf: Re: Wälder wie eines Bettelmannes Rock... geschrieben von BBouvier am 07. Januar 2007 20:01:31:

Hallo BB und Consorten,

Wieso ich auf so einen Gedankengang komme.

Um DAS zu erläutern muß man auf die Biologie der Gehölzpflanzen eingehen.

Hat mal jemand von euch überlegt warum die Laubbäume in unseren Breiten sich überhaupt die Mühe machen die Blätter abzuwerfen? Das ist ein physiologisch erheblicher Energieaufwand! Es gibt bei uns doch auch immergrüne Pflanzen, die augenscheinlich ohne all diesen Aufwand zurechtkommen.

Dazu muß man wissen, daß die Bäume ihre Erneuerungsknospen weit über dem Erdboden tragen. Sämtliche Triebe des kommenden Frühjahres, Blätter wie Sproßachse, wurden schon im vergangenen Spätsommer fertiggestellt und, wie bei den Fallschirmen, sorgfältig verpackt in den Knospen zurechtgelegt. Beim Austrieb wird über die Wurzeln im gesamten Wasserleitsystem ein erheblicher Wasserdruck aufgebaut, der dann die Triebe nur noch mit Wasser aufbläst. Das hat mit echtem Wachstum zunächst nix zu tun! Diesen Wasserdruck kann man bei vielen Bäumen im Frühjahr sehen, wenn man ihnen einen Ast wegschneidet. Birke, Ahorn oder Walnuß sind solche Kandidaten. Der Laie nennt das dann "bluten".

Was passiert im Herbst?
Wasser, Nährstoffe werden aus dem gesamten Blattsystem herausgezogen, die Blätter anschließend abgeworfen. Das im Holz befindliche Wasser wird sowohl ins Stamminnere als auch in die Wurzeln verlagert. Der ganze Laubbaum legt sich damit sozusagen relativ trocken. Das im Winter geschlagene Holz besitzt in der Regel wesentlich weniger Wasser und ist für den Holzbau daher auch viel wertvoller.
Diese Maßnahme entspricht in unserem Haushalt dem Abstellen des Gartenwassers. Wasser wird am Haupthahn abgestellt, die Hähne aufgdedreht.

Grund dieses ganzen Aufwandes ist das EIS!

Wenn Wasser gefriert hat es zwei Wirkungen:
Zum einen dehnt sich Eis aus -> in den Leitungen unserer Haushalte käme es ohne die oben beschriebene Maßnahme bei strengen Frösten zu Wasserrohrbrüchen. Bei Starkfrost ist eine Sprengung der Wassleitungen im Holz selbst bei hohen Wassergehalten wohl nur ausnahmsweise zu erwarten.

Anders sieht es dagegen in den aktiven Geweben aus. Entweder sie besitzen "Frostschutzmittel" (z.B. bei den immergrünen Bäumen wie der Fichte) oder sie werden über den Winter einfach relativ trocken gelegt.

Was passiert aber bei Starkfrösten (und genau die sind die eigentlich wirklich gefährlichen Fröste) wenn die Gewebe wie im Frühjahr voller Wasser gepumpt werden? ->Das Wasser gefriert in den Geweben zu Eis.

Zwei Effekte:

a) Die mikroskopischen Eiskristalle zerspießen jede einzelne lebende Zelle -> Brei.

b) Eis im Interzellurlargewebe wirkt auf die lebenden Gewebe stark austrocknent -> ebenfalls tödlich

Worauf ich hinauswill:
Sollte durch das Ausbleiben von Frost diese Frühjahrstendenz in den Pflanzen, vor allem in den Bäumen, so weitergehen,
kommt es zum Austrieb. Austrieb heißt aber auch wasserhaltiges Gewebe im GESAMTEN Baum.
Bei uns blühen schon die Schneeglöckchen und Winterlinge. Weiden haben fett angeschwollene Knospen, die zum Teil schon aufbrechen. Ganz fatal ist, das auch die Nachttemperaturen sagenhaft hoch sind. So mancher Temperaturgang im April ist kühler. Ich beobachte die Natur bei uns mit Argusaugen. Sollte sich diese superwarme Tendenz weiter fortsetzen, gebe ich der Sache noch 14 (???) Tage und der Frühling bricht vollends aus.

Dann ein fetter Gong im Februar (da reicht nur eine Nacht bei Minus 10 Grad) und du hast die Vorhersehung "Wälder wie eines Bettelmannes Rock".
Sicher die Natur erhohlt sich über die Jahrzehnte. Es mag auch sein, daß so ein Szenario schon vorher mal der Fall war. Allerdings dann zu Zeiten, als es noch keine genauen Aufzeichnungen über die Auswirkungen gab.

Träte dieser Fall ein, könnte das selbst eine gesunde Volkswirtschaft ins Wackeln bringen, für die unsere wäre das wohl tödlich.

Zugegeben,da ist auch Spekulatius in diesem Szenario. Aber ich folge dabei nur der Logik.

Vor zwei Wochen sprach ich mit einem Baumschuler genau darüber. Die laufen momentan schlichtweg Amok! Auf die Frage ob sie zu so einer Situation schon irgendwelche Erfahrungswerte hätten lautete die Antwort schlichtweg: NEIN!

Also schön hoffen, daß schnellstens bald wenigstens Nachtfröste eintreten, welche die oben genannte Entwicklung eindämmen können.

Gruß

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