Paco Rabanne: Unterschied zwischen den Versionen

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„In ‚Trajectoire’  habe ich geschildert, wie ich vor etwa zwei Jahren einmal in Paris dahinschlenderte, als sich plötzlich eine Finsternis um mich schlug, die zäher und schleimiger war als flüssiger Teer. Die Menschen waren verschwunden, alles um mich herum war nur noch Schmutz. Als dieses fürchterliche Leichentuch meinen Körper berührte, stieß ich einen Schrei aus. Augenblicklich war die Dunkelheit fort. Ich sah wieder das Tageslicht… und die befremdeten Blicke einiger Passanten!
 
„In ‚Trajectoire’  habe ich geschildert, wie ich vor etwa zwei Jahren einmal in Paris dahinschlenderte, als sich plötzlich eine Finsternis um mich schlug, die zäher und schleimiger war als flüssiger Teer. Die Menschen waren verschwunden, alles um mich herum war nur noch Schmutz. Als dieses fürchterliche Leichentuch meinen Körper berührte, stieß ich einen Schrei aus. Augenblicklich war die Dunkelheit fort. Ich sah wieder das Tageslicht… und die befremdeten Blicke einiger Passanten!
 
Das Ganze hatte vermutlich nur ein paar Sekunden gedauert. Als ich wieder zu Hause war, las ich jedoch noch einmal die Bibelstellen, in denen von den drei Tagen des Herrn die Rede ist. Und da begriff ich, daß ich gerade ein visionäres Erlebnis von der furchtbaren Finsternis gehabt hatte, die den Blauen Planeten umhüllen wird, wenn einmal der himmlische Zorn über ihn hereinbricht.“</poem></blockquote>
 
Das Ganze hatte vermutlich nur ein paar Sekunden gedauert. Als ich wieder zu Hause war, las ich jedoch noch einmal die Bibelstellen, in denen von den drei Tagen des Herrn die Rede ist. Und da begriff ich, daß ich gerade ein visionäres Erlebnis von der furchtbaren Finsternis gehabt hatte, die den Blauen Planeten umhüllen wird, wenn einmal der himmlische Zorn über ihn hereinbricht.“</poem></blockquote>
== Interview in der Zeitschrift „L'événement“ von 1999<ref name="Paco1999" /> ==
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== Interview in der Zeitschrift „L'événement“ von 1999<ref name="Paco1999" /><ref name="Paco1999b" /> ==
 
<blockquote><poem>„Ich war damals siebzehn und wohnte in der Gegend des Bahnhofs Saint-Lazare. Um den Preis des Metrofahrscheins zu sparen, ging ich zu Fuß nach Hause, bis nach Jacques-Caillot, Haus Nr.1 grad’ hinter der Münze, wo sich das Atelier meines berühmten Professors Auguste Perret befand, dem ersten, der mit armierten Beton baute und dem Architekten der Kirche Notre Dame du Raincy. Eines Tages ging ich entlang der Kaimauer der Seine, als ich plötzlich, wie ein Blitz aus heiterem Himmel, etwas ganz grauenhaftes sah: Dutzende, Hunderte Menschen, die bei lebendigem Leibe brannten und schreiend auf den Strassen von Paris rannten. Ihre Schreie waren so deutlich und grauenhaft, daß ich mir die Ohren zuhalten mußte, um sie nicht mehr wahrzunehmen. Manche warfen sich in die Seine, wo sie weiter brannten. Wie kann man denn im Wasser weiterbrennen? Mir war das ein völliges Rätsel. Ich sah das absolute Grauen. Ich mußte die Augen schließen, aber ich sah es trotzdem... Als diese albtraumartige Vision endete, blickte ich mich um; alles war völlig friedlich.“</poem></blockquote>
 
<blockquote><poem>„Ich war damals siebzehn und wohnte in der Gegend des Bahnhofs Saint-Lazare. Um den Preis des Metrofahrscheins zu sparen, ging ich zu Fuß nach Hause, bis nach Jacques-Caillot, Haus Nr.1 grad’ hinter der Münze, wo sich das Atelier meines berühmten Professors Auguste Perret befand, dem ersten, der mit armierten Beton baute und dem Architekten der Kirche Notre Dame du Raincy. Eines Tages ging ich entlang der Kaimauer der Seine, als ich plötzlich, wie ein Blitz aus heiterem Himmel, etwas ganz grauenhaftes sah: Dutzende, Hunderte Menschen, die bei lebendigem Leibe brannten und schreiend auf den Strassen von Paris rannten. Ihre Schreie waren so deutlich und grauenhaft, daß ich mir die Ohren zuhalten mußte, um sie nicht mehr wahrzunehmen. Manche warfen sich in die Seine, wo sie weiter brannten. Wie kann man denn im Wasser weiterbrennen? Mir war das ein völliges Rätsel. Ich sah das absolute Grauen. Ich mußte die Augen schließen, aber ich sah es trotzdem... Als diese albtraumartige Vision endete, blickte ich mich um; alles war völlig friedlich.“</poem></blockquote>
 
== Quellen ==
 
== Quellen ==
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<ref name="Paco1994b">Rabanne, Paco: La fin des temps. 1994.</ref>
 
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Aktuelle Version vom 24. März 2020, 09:11 Uhr

Paco Rabanne – Das Ende unserer Zeit, 1994[1][2]

„Ich wurde in eine grauenhafte Erwachsenenwelt hineingeschleudert. Vor meinen entsetzten Augen spielten sich die fürchterlichen Szenen ab, die ich im Laufe meiner irdischen Existenz würde mitansehen müssen.
Zunächst wurde mein Heimatland Spanien vom Krieg heimgesucht und zum ersten Mal eine Zivilbevölkerung das Ziel von Luftangriffen: Guernica. Dieser Bruderkrieg wurde zum einschneidenden Erlebnis meiner Kinderjahre, denn mein Vater wurde von Franco-Anhängern erschossen, und ich mußte mit meiner Mutter über verschneite Berge nach Frankreich fliehen, das mir inzwischen zur neuen Heimat geworden ist.
Dann sah ich die Schrecken des Zweiten Weltkriegs, sah blutrünstige Diktatoren, barbarische Regime und Todeslager. Ich hörte die Schreie der in Auschwitz, Buchenwald und anderswo gemarterten und vergasten Frauen und Kinder. Zu meinem Unglück und dem der ganzen Menschheit sind meine Visionen von der Geschichte bestätigt worden.
Schließlich sah ich, wie das Verbrechen sich allmählich über den ganzen Planeten ausbreitete. Ich sah, wie die ursprünglich so lichte Welt sich immer mehr verdüsterte. Sah, wie sie unaufhaltsam in Unterdruckung, Not und Zerstörung versank.
Doch war das unerträgliche Schauspiel noch nicht zu Ende. Denn ich sah auch den Dritten Weltkrieg, das absolute Grauen. Das war nicht mehr eine Auseinandersetzung zwischen Nationen, sondern ein chaotischer Konflikt, in dem Straße um Straße, Fenster um Fenster umkämpft wurden, einzig aus der Lust heraus, den anderen zu töten, wer immer er auch sein mochte. Die Kämpfe griffen wie die Pest um sich, von Dorf zu Dorf, von Region zu Region, bis sie sich schließlich über den ganzen Planeten erstreckten. Religionskrieg, ethnischer Krieg, Überlebenskrieg, totaler Krieg…
Der Blaue Planet war in furchtbare Finsternis getaucht, aus der nur mehr Schreie des Entsetzens und der Panik zu vernehmen waren. Wie die Propheten es schon verkündet hatten, waren die drei Tage des Herrn gekommen.
Nach Ablauf dieser drei Tage sah ich die Überlebenden wie Tiere umherirren, sich gegenseitig zerfleischen und Kannibalismus und andere unsägliche Verbrechen begehen.
Dann sah ich plötzlich das apokalyptische Tier auftauchen. Und alles war vorbei.“

„In ‚Trajectoire’ habe ich geschildert, wie ich vor etwa zwei Jahren einmal in Paris dahinschlenderte, als sich plötzlich eine Finsternis um mich schlug, die zäher und schleimiger war als flüssiger Teer. Die Menschen waren verschwunden, alles um mich herum war nur noch Schmutz. Als dieses fürchterliche Leichentuch meinen Körper berührte, stieß ich einen Schrei aus. Augenblicklich war die Dunkelheit fort. Ich sah wieder das Tageslicht… und die befremdeten Blicke einiger Passanten!
Das Ganze hatte vermutlich nur ein paar Sekunden gedauert. Als ich wieder zu Hause war, las ich jedoch noch einmal die Bibelstellen, in denen von den drei Tagen des Herrn die Rede ist. Und da begriff ich, daß ich gerade ein visionäres Erlebnis von der furchtbaren Finsternis gehabt hatte, die den Blauen Planeten umhüllen wird, wenn einmal der himmlische Zorn über ihn hereinbricht.“

Interview in der Zeitschrift „L'événement“ von 1999[3][4]

„Ich war damals siebzehn und wohnte in der Gegend des Bahnhofs Saint-Lazare. Um den Preis des Metrofahrscheins zu sparen, ging ich zu Fuß nach Hause, bis nach Jacques-Caillot, Haus Nr.1 grad’ hinter der Münze, wo sich das Atelier meines berühmten Professors Auguste Perret befand, dem ersten, der mit armierten Beton baute und dem Architekten der Kirche Notre Dame du Raincy. Eines Tages ging ich entlang der Kaimauer der Seine, als ich plötzlich, wie ein Blitz aus heiterem Himmel, etwas ganz grauenhaftes sah: Dutzende, Hunderte Menschen, die bei lebendigem Leibe brannten und schreiend auf den Strassen von Paris rannten. Ihre Schreie waren so deutlich und grauenhaft, daß ich mir die Ohren zuhalten mußte, um sie nicht mehr wahrzunehmen. Manche warfen sich in die Seine, wo sie weiter brannten. Wie kann man denn im Wasser weiterbrennen? Mir war das ein völliges Rätsel. Ich sah das absolute Grauen. Ich mußte die Augen schließen, aber ich sah es trotzdem... Als diese albtraumartige Vision endete, blickte ich mich um; alles war völlig friedlich.“

Quellen

  1. Rabanne, Paco: Das Ende unserer Zeit. München 1994.
  2. Rabanne, Paco: La fin des temps. 1994.
  3. picoti.free.fr/findumonde/interview.htm
  4. Aurelie Pare: Fw: On vous aura prévenu... 6. 8. 1999.