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	<title>Tiburtina (Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens) - Versionsgeschichte</title>
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	<updated>2026-04-20T13:43:12Z</updated>
	<subtitle>Versionsgeschichte dieser Seite in Schauungen, Visionen &amp; Prophezeiungen</subtitle>
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		<id>https://schauungen.de/wiki/index.php?title=Tiburtina_(Handw%C3%B6rterbuch_des_deutschen_Aberglaubens)&amp;diff=4854&amp;oldid=prev</id>
		<title>Taurec am 6. Januar 2023 um 11:14 Uhr</title>
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		<updated>2023-01-06T11:14:47Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;b&gt;Neue Seite&lt;/b&gt;&lt;/p&gt;&lt;div&gt;Von [https://de.wikipedia.org/wiki/Will-Erich_Peuckert Will-Erich Peuckert].&lt;br /&gt;
== Überblick ==&lt;br /&gt;
Als Tiburtina bezeichnen wir eine angeblich von der Sibylla Tiburtina herrührende Weissagungsschrift über die letzten Kaiser, die Zeiten Gog und Magogs, des Antichrists und schließlich das Ende der Welt. Der uns vorliegende lateinische Text&amp;lt;ref name=&amp;quot;Note1&amp;quot; /&amp;gt; verrät sich bereits als eine nicht eben saubere Kompilation, deren verschiedene Schichten sich mehr oder weniger deutlich erkennen lassen. Das Urteil wäre sicherer, wenn uns einmal der dem lateinischen wohl zugrunde liegende griechische Text&amp;lt;ref name=&amp;quot;Note2&amp;quot; /&amp;gt; in einer kritischen Ausgabe gegeben würde. Doch können wir schon heut neben lateinischen&amp;lt;ref name=&amp;quot;Note3&amp;quot; /&amp;gt;, syrisch-hellenistischen&amp;lt;ref name=&amp;quot;Note4&amp;quot; /&amp;gt; und chaldäischen&amp;lt;ref name=&amp;quot;Note5&amp;quot; /&amp;gt; Elementen, auf welche Sackur hingewiesen hat, iranische von Art der aus dem Zamasp-Namak und Bahman-Yast bekannten bemerken&amp;lt;ref name=&amp;quot;Note6&amp;quot; /&amp;gt;. Auf die durch die historischen Andeutungen gegebenen mehreren Schichten komme ich gleich.&lt;br /&gt;
&amp;lt;references&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Note1&amp;quot;&amp;gt;Ernst Sackur Sibyllinische Texte 1898, 115–187.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Note2&amp;quot;&amp;gt;vgl. ebd. 136&amp;lt;sup&amp;gt;1&amp;lt;/sup&amp;gt;. 136 f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Note3&amp;quot;&amp;gt;Sackur 147. 169. Ebenso 152 ff.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Note4&amp;quot;&amp;gt;Sackur 166 und 166&amp;lt;sup&amp;gt;3&amp;lt;/sup&amp;gt;, die Bedeutung, die Syrien immer wieder in der Tiburtina zugeschrieben wird usw.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Note5&amp;quot;&amp;gt;Sackur 137 ff. 148 f. (154 f.?).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Note6&amp;quot;&amp;gt;Ich werde in meiner Volkskunde weiter darauf eingehen und verweise jetzt nur auf meine Germanischen Eschatologien: ARw. 32 (1935), 1–37.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;/references&amp;gt;&lt;br /&gt;
== Zeitliche Einordnung ==&lt;br /&gt;
Eine Datierung der Tiburtina ist heute nur in einem gewissen Maße möglich. Sackurs Feststellungen aus den von ihm als Einschübe gekennzeichneten Herrscherreihen dürften, von Kleinigkeiten abgesehen, treffen. Darnach ist der aus seinen ältesten Handschriften ermittelbare lateinische Text zu Konrad II. Zeit (1024–1039) im Langobardischen entstanden&amp;lt;ref name=&amp;quot;Note7&amp;quot; /&amp;gt;. Auf eine völlig andere Zeitlage weist die Verheißung eines letzten Kaisers Constans hin: et tunc surget rex Grecorum, cuius nomen Constans, et ipse erit rex Romanorum et Grecorum …&amp;lt;ref name=&amp;quot;Note8&amp;quot; /&amp;gt;, in welchem Sackur Constans I. († 350) erkennt&amp;lt;ref name=&amp;quot;Note9&amp;quot; /&amp;gt;, wie er in einem andern Vaticinium&amp;lt;ref name=&amp;quot;Note10&amp;quot; /&amp;gt; Konstantin der Große erkannte: et … consurget alius rex C. nomine, potens in prelio qui regnabit a. XXX et edificabit templum Deo et legem adimplebit et faciet iustitiam propter Deum in terram. Wenn ich hier einverstanden bin, so habe ich doch in Hinsicht auf Constans einige Bedenken; „Constans“ ist nicht nur ein „sprechender Name“; es fällt auch auf, daß er der einzige ist, der ausgeschrieben, nicht nur verschleiert (wie Konstantin in C.) mit seinem Anfangsbuchstaben erscheint. – In einer glänzenden Beobachtung hat Sackur einen älteren Zustand der Sibylle in einem armenischen Zeugnis der römischen Kaiserzeit nachgewiesen&amp;lt;ref name=&amp;quot;Note11&amp;quot; /&amp;gt;. Endlich erkennt er in der Vision von den neun Sonnen&amp;lt;ref name=&amp;quot;Note12&amp;quot; /&amp;gt; als Repräsentanten des 6. Zeitalters (1.: goldenes, 2.: silbernes, 3.: eisernes, 4.: das Christi, 5.: das der Apostel), Nero, das Tier der Apokalypse, das 3½ Jahre herrschen soll, oder wie es hier heißt: expugnabunt civitatem istam (nämlich Rom) annos tres et menses sex&amp;lt;ref name=&amp;quot;Note13&amp;quot; /&amp;gt;. Als Vertreter des siebenten (expugnabunt duo reges et multas persecutiones facient in terra Hebreorum propter Deum) Vespasian und Titus&amp;lt;ref name=&amp;quot;Note14&amp;quot; /&amp;gt;, während der Herrscher des achten apokalyptische Züge trägt.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Es sind demnach verschiedene Daten zu erschließen, in denen die Prophetie entstanden sein kann: nach Titus, zur Zeit Constans I., endlich im 11. Jahrhundert. Wir werden am besten heute eine ältere, bereits mehrschichtige Schrift zur Zeit Constans I. annehmen müssen, welche im 11. Jahrhundert durch neue Interpolationen Gegenwartswert erhält.&lt;br /&gt;
&amp;lt;references&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Note7&amp;quot;&amp;gt;Sackur 135. 136 f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Note8&amp;quot;&amp;gt;Ebd. 185.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Note9&amp;quot;&amp;gt;Ebd. 161 ff. 154.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Note10&amp;quot;&amp;gt;Ebd. 181.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Note11&amp;quot;&amp;gt;Ebd. 143.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Note12&amp;quot;&amp;gt;Ebd. 178 ff.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Note13&amp;quot;&amp;gt;Ebd. 155.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Note14&amp;quot;&amp;gt;Ebd. 155 f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;/references&amp;gt;&lt;br /&gt;
== Nachwirkung auf spätere Prophetien ==&lt;br /&gt;
Wir müssen uns heut mit diesen Feststellungen begnügen und wenden uns der Frage des Nachwirkens der älteren Fassung zu. Ihre Benutzung durch Pseudo-Methodius&amp;lt;ref name=&amp;quot;Note15&amp;quot; /&amp;gt; und Adso&amp;lt;ref name=&amp;quot;Note16&amp;quot; /&amp;gt; hat Sackur bestimmt verneint&amp;lt;ref name=&amp;quot;Note17&amp;quot; /&amp;gt;; „die Verschiedenheiten sind im einzelnen durchweg so groß, daß eine unmittelbare Benutzung der einen durch die andern sich ausschließt“ &amp;lt;sup&amp;gt;vgl.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Note17&amp;quot; /&amp;gt;&amp;lt;/sup&amp;gt;. Das zugegeben, so ist doch andrerseits nicht zu verkennen, daß Pseudo-Methodius wie die Tiburtina den gleichen Stoff mitteilen und die gleichen Szenen kennen, so daß man daraus eine „sibyllinische Tradition“ annehmen muß, aus welcher beide schöpfen und gestalten.&lt;br /&gt;
&amp;lt;references&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Note15&amp;quot;&amp;gt;vgl. unten „Weissager“.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Note16&amp;quot;&amp;gt;vgl. oben 1, 479 ff. „Antichrist“.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Note17&amp;quot;&amp;gt;Sackur 168. 170. 172.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;/references&amp;gt;&lt;br /&gt;
== Die Tiburtina im Mittelalter ==&lt;br /&gt;
Nach der von Sackur in die Jahre Konrad II. gelegten Entstehungszeit der heut vorleigenden lateinischen Fassungen ist die Tiburtina immer wieder nachzuweisen&amp;lt;ref name=&amp;quot;Note18&amp;quot; /&amp;gt;. Sie wechselt, wie Sackur zeigte, die Anfangsbuchstaben der prophezeiten Herrscher je nach Bedarf und war so immer zeitgemäß. Dann aber „bezeichnet das 14. Jahrhundert in Deutschland eine Zeit der Wiedergeburt der sibyllinischen Prophetie der Tiburtina … Bis auf Heinrich VI. hatte letztere durch stetige Eingliederung neuer Kaiser in ihren Regentenkatalog sich fort und fort ihr Ansehen bewahrt. Zur Zeit Friedrich II., wo die Prophetien sich zumeist mit dessen Persönlichkeit beschäftigten, scheint sie eine Zeitlang in Vergessenheit geraten zu sein. In den ersten Dezennien des 14. Jahrhunderts läßt sich nun aber ihr Wiederauftauchen nachweisen“&amp;lt;ref name=&amp;quot;Note19&amp;quot; /&amp;gt;. Nach mehreren, von Kampers verzeichneten Anläufen&amp;lt;ref name=&amp;quot;Note20&amp;quot; /&amp;gt; glückt in den Jahren Karl IV. um 1360 die in Versen abgefaßte „Sibillen wîsag“&amp;lt;ref name=&amp;quot;Note21&amp;quot; /&amp;gt;. Eine sehr lange Reihe von noch vorhandenen Abschriften&amp;lt;ref name=&amp;quot;Note22&amp;quot; /&amp;gt;, als deren letzte ich augenblicklich die in Peter van Zirns Schulbuch zwischen 1496 und 1500 kenne&amp;lt;ref name=&amp;quot;Note23&amp;quot; /&amp;gt;, beweist das dauernde Interesse an dem kleinen Epos, neben dem immer noch die ältere Prosa ihr Leben führt&amp;lt;ref name=&amp;quot;Note24&amp;quot; /&amp;gt;. Der erste von Gutenberg vorhandene Druck, auch das erscheint mit aufschlußreich, ist eine Sibyllen wisag&amp;lt;ref name=&amp;quot;Note25&amp;quot; /&amp;gt;, und Darnedde hat jüngst daneben noch sieben Inkunabeln aufzählen können&amp;lt;ref name=&amp;quot;Note26&amp;quot; /&amp;gt;, zu denen er zwei Prosen stellte, so daß wir (außer den Prosen) heut 23 Handschriften, 8 Drucke des 15. Jahrhunderts und etwa 15 des 16. Jahrhunderts kennen.&lt;br /&gt;
&amp;lt;references&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Note18&amp;quot;&amp;gt;vgl. Kampers Kaiseridee 53 f. 54. 91. 92.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Note19&amp;quot;&amp;gt;Ebd. 120; vgl. auch 119. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Note20&amp;quot;&amp;gt;Ebd. 120 f. 121. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Note21&amp;quot;&amp;gt;Vogt bei PBB. 4 (1877); Lothar Darnedde Deutsche Sibyllen-Weissagung, Phil. Diss. Greifswald 1933, führt nicht darüber hinaus. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Note22&amp;quot;&amp;gt;Ihre Aufzählung bei Vogt, Ergänzungen bei Darnedde; nachzutragen sind weitere Prosen des 16. Jahrhunderts: vgl. Peuckert Sibylle Weiß und eine Umdichtung von 1609, die ich MschlesVk. 28 (1927), 166 ff. mitteilte.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Note23&amp;quot;&amp;gt;Ruth Franke Peter van Zirns Handschrift, Phil. Diss. Breslau 1932, 39 ff.; Darnedde 33. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Note24&amp;quot;&amp;gt;vgl. z.B. den Mirabilis liber, aus dem Kampers Kaiseridee&amp;lt;sup&amp;gt;1&amp;lt;/sup&amp;gt; einen Text edierte. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Note25&amp;quot;&amp;gt;Veröffentl. d. Gutenberg-Ges. 3 (1904), 1 ff.; 5 (1908), 1 ff.; vgl. auch A. Götze Frühnhd. Lesebuch; Darnedde 46 ff. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Note26&amp;quot;&amp;gt;Darnedde 37 f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;/references&amp;gt;&lt;br /&gt;
== Die Tiburtina in der Neuzeit ==&lt;br /&gt;
Im Jahre 1516 geht durch Koebel, dessen Beurteilung Darnedde mißlungen ist&amp;lt;ref name=&amp;quot;Note27&amp;quot; /&amp;gt;, aus unserm Epos und mehreren Ergänzungen die Prosa „Zwölff Sibyllen Weissagungen“ hervor, zu welcher oben der Artikel „[[Sibylle (Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens)|Sibylle]]“ zu vergleichen ist. Damit beginnt – nach jener älteren und jüngeren Redaktion der Tiburtina und nach dem Epos – der vierte Zustand der Tiburtina und ihrer Wirkung in die Breite, an welchen sich um 1817 der fünfte und heut entscheidende schließt. Wir sehen, wie durch die Tiburtina zweitausend Jahre alte und ältere Weissagungen in unserm Volk zu neuem Leben gelangten; auf ihr und auf der Schrift des Pseudo-Methodius, die gleichem Stamm entsproß, steht letztlich die Sage vom „dürren Baum“, aus ihnen sind Einflüsse in die Antichrist-, jüngste Tag-, schlafende Kaiser-, Gog und Magog- und Endschlachtsage wirksam gewesen (vgl. die betr. Artikel).&lt;br /&gt;
&amp;lt;references&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;Note27&amp;quot;&amp;gt;Darnedde 41 ff. vgl. oben 7, 1655 ff.; Peuckert Sibylle Weiß.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;/references&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Category:Sekundärmaterial]]&lt;br /&gt;
[[Category:Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Taurec</name></author>
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