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	<title>Gog und Magog (Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens) - Versionsgeschichte</title>
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	<subtitle>Versionsgeschichte dieser Seite in Schauungen, Visionen &amp; Prophezeiungen</subtitle>
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		<id>https://schauungen.de/wiki/index.php?title=Gog_und_Magog_(Handw%C3%B6rterbuch_des_deutschen_Aberglaubens)&amp;diff=4929&amp;oldid=prev</id>
		<title>Taurec am 6. Januar 2023 um 11:41 Uhr</title>
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		<updated>2023-01-06T11:41:39Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;b&gt;Neue Seite&lt;/b&gt;&lt;/p&gt;&lt;div&gt;Von [https://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_Pfister Friedrich Pfister].&lt;br /&gt;
== Die biblische Überlieferung&amp;lt;ref name=&amp;quot;GG1&amp;quot; /&amp;gt; ==&lt;br /&gt;
Nach dem Propheten Hesekiel Kap. 38 f. ist Gog, im Lande Magog wohnend, der oberste Fürst in Mesech und Thubal, der mit den Völkern des Nordens in der Endzeit gegen Israel mit Schrecken hervorbrechen, aber dann von Jahwe auf den Bergen Israels vernichtet werden wird. Hier treten uns die beiden Namen als die des Israel feindlichen Königs und seines Landes zum erstenmal entgegen, während die Vorstellung von den gegen Israel in der Endzeit aus dem fernen Norden hervorbrechenden Feinden bereits älter und, wenn sie nicht mythischen Ursprungs ist&amp;lt;ref name=&amp;quot;GG2&amp;quot; /&amp;gt;, vielleicht durch die Skytheneinfälle im letzten Drittel des 7. Jahrhunderts. v. Chr., die bis nach Palästina drangen, hervorgerufen, sicher aber beeinflußt ist. In der Völkertafel von 1. Mos. 10, 2 begegnen uns Magog, Mesech und Thubal u.a. als Kinder Japheths, vgl. 1. Chronik 1, 5. In der Johannes-Apokalypse 20, 8 sind Gog und Magog zwei Völker, die vom befreiten Satan von den Enden der Erde zum letzten Kampf herbeigeführt werden. Die Namen Gog und Magog sind bis jetzt unerklärt.&lt;br /&gt;
&amp;lt;references&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;GG1&amp;quot;&amp;gt;v. Orelli bei Herzog-Hauck 6, 761 ff.; Gunkel RGG.2 2, 1303, wo weitere Lit.; s. insbesondere die Kommentare zu jenen alttestamentlichen Stellen, etwa Herrmann Ezechiel (1924), 238 ff.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;GG2&amp;quot;&amp;gt;Greßmann Urspr. d. israelit.-jüd. Eschatologie, Forsch, zur Rel. u. Lit. d. A. und N.T.s 6 (1905), 174 ff.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;/references&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die jüdisch-alexandrinische Weiterbildung ==&lt;br /&gt;
Auf dieser biblischen Grundlage beruhen in letzter Linie die apokalyptischen Vorstellungen von Gog und Magog, die im abendländischen Mittelalter eine große Rolle spielten. Dazu trat aber noch eine außerbiblische Tradition, die noch älter als die Johannes-Apokalypse ist und die ebenfalls in die Apokalypsen des Mittelalters eindrang. Wir finden sie zum erstenmal kurz erwähnt bei dem jüdischen Schriftsteller Josephus (Bell. Jud. 7, 7, 4) im 1. Jahrhundert n. Chr.: Alexander der Große habe den Durchgang, durch den die skythischen Völker aus dem Norden in die zivilisierte Welt hervorbrechen können, durch eiserne Tore verschlossen. Und derselbe Josephus identifiziert (Ant. Jud. 1, 6, 1) die Skythen mit dem Volke Magog Wir haben hier also eine Weiterbildung der im Alten Testament vorliegenden Überlieferung, wodurch erklärt werden soll, wie die wilden Nordvölker am allzu frühen Hervorbrechen gehindert werden sollen. Dabei knüpft diese Weiterbildung an die tatsächlich am Ostrand des Kaukasus bei Derbent existierende Mauer&amp;lt;ref name=&amp;quot;GG3&amp;quot; /&amp;gt; an, die, in freilich voralexandrinischer Zeit errichtet, Armenien und Persien gegen die Einfälle der Nordvölker schützen sollte, und setzt diese Völker den apokalyptischen Völkern Gog und Magog gleich. Diese Erzählung ist etwa um die Wende unserer Zeitrechnung in jüdisch-alexandrinischen Kreisen entstanden&amp;lt;ref name=&amp;quot;GG4&amp;quot; /&amp;gt;, in denselben Kreisen, in denen auch andere jüdische Alexandersagen entstanden sind&amp;lt;ref name=&amp;quot;GG5&amp;quot; /&amp;gt;: Hier gilt der Makedonenkönig als Freund der Juden, der die Religion Jahwes verkündigt, der nach Jerusalem zieht und dem Gott der Juden opfert, und der die Gebeine des Propheten Jeremias nach Alexandreia überführen läßt. Hier ist er auch ein dienendes Glied in den eschatologischen Vorstellungen als Erbauer jenes Walles gegen Gog und Magog. Dieser Mauerbau Alexanders wird dann wieder kurz erwähnt, in der im Mittelalter verbreiteten lateinischen Josephusbearbeitung des sogenannten Hegesippus&amp;lt;ref name=&amp;quot;GG6&amp;quot; /&amp;gt; und, ohne daß Gog und Magog ausdrücklich genannt werden, von Hieronymus&amp;lt;ref name=&amp;quot;GG7&amp;quot; /&amp;gt;, Prokop&amp;lt;ref name=&amp;quot;GG8&amp;quot; /&amp;gt; und dem sogenannten Fredegar&amp;lt;ref name=&amp;quot;GG9&amp;quot; /&amp;gt;. Diese Sage von der Erbauung einer Mauer gegen die wilden Nordvölker durch Alexander den Großen als das Werkzeug Gottes ist, etwa im 1. Jahrhundert n. Chr., in griechischer Sprache von einem Juden ausführlich dargestellt, und dabei auch in Verbindung mit der Hesekielstelle das Hervorbrechen von Gog und Magog am Ende der Tage verkündet worden. Diese (uns nicht mehr erhaltene) Darstellung ist die Quelle der zwei Hauptströme, wodurch diese Sage im mittelalterlichen Abendland und im Morgenland bekannt wurde: Pseudo-Kallisthenes, der für den Orient, und Pseudo-Methodius, der für das Abendland wichtig wurde, die, manchmal wörtlich miteinander übereinstimmend, uns zugleich auch eine Rekonstruktion jener jüdisch-alexandrinischen Legende ermöglichen. Sie erzählte danach, wie Alexander auf seinem Zug auf Völker stieß, die sich von Menschenfleisch nährten und auch sonst scheußlichen Sitten huldigten. Da verfolgte er sie und tötete viele von ihnen, und den Rest trieb er zwischen zwei Berge, welche die Brüste des Nordens heißen. Und da betete er zu Gott – das Gebet ist aus lauter Septuagintafloskeln zusammengesetzt – und auf seine Bitten rückten die zwei Berge zusammen und diesen Engpaß verschloß Alexander durch ein eisernes Tor, das er mit einer Masse, asygxyton, bestrich. Im ganzen schloß er 22 Völker hier ein, deren Namen auch genannt werden&amp;lt;ref name=&amp;quot;GG10&amp;quot; /&amp;gt;, darunter Gog und Magog&lt;br /&gt;
&amp;lt;references&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;GG3&amp;quot;&amp;gt;Es gab übrigens mehrere künstlich gesperrte Engpässe im Kaukasus, die des öftern miteinander verwechselt werden; vgl. Wuttke Die Kosmographie des Istrier Aithikos p. XLII; Pauly-Wissowa 1, 1305; 2 A, 13 f.; Ukert Geogr. d. Griechen u. Römer III 2, 113 ff.; Uhlemann Ztschr. f. wiss. Theol. 5 (1862), 272. 284 f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;GG4&amp;quot;&amp;gt;Pfister Berl. phil. Wochenschr. 1915, 1549 ff.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;GG5&amp;quot;&amp;gt;Pfister Eine jüdische Gründungsgeschichte Alexandrias (S.-B. der Heidelb. Ak. 1914, 11. Abh.).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;GG6&amp;quot;&amp;gt;De bello Jud. V, 50.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;GG7&amp;quot;&amp;gt;Epist. 77, 8 p. 45 ed. Hilberg Corp. script. eccl. lat. 55 (1912).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;GG8&amp;quot;&amp;gt;De bello Persico 1, 10.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;GG9&amp;quot;&amp;gt;Chronic. 66 in Mon. Germ. Script. rer. Merov. II; darnach Otto von Freising V 9, p. 232; es handelt sich hier um die Öffnung der kaspischen Pforten für die türkischen Chazaren durch den Kaiser Heraklius i.J. 627, worüber man durch mündlichen Gesandtenbericht im Westen Kunde erhielt; vgl. Gutschmid Kl. Schr. V 421.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;GG10&amp;quot;&amp;gt;Zahl und Namen der Völker variieren in den einzelnen Rezensionen; vgl. die Namenlisten bei Sackur Sibyllin. Texte u. Forschungen (1898), 37 und bei Pfister Münchener Mus. f. Philol. d. Mittelalters 1 (1912), 267 f.; Bousset Ztschr. f. Kirchengesch. 20 (1900), 126 ff.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;/references&amp;gt;&lt;br /&gt;
== Der orientalische Zweig der Überlieferung ==&lt;br /&gt;
Diese jüdisch-alexandrinische Gog-Alexandersage drang zunächst in jüngere Fassungen des griechischen Alexanderromans ein, der unter dem Namen des Pseudo-Kallisthenes bekannt ist&amp;lt;ref name=&amp;quot;GG11&amp;quot; /&amp;gt;, und zwar findet sie sich jetzt in den Handschriften B und C als III 26 und 29 der Müllerschen Ausgabe&amp;lt;ref name=&amp;quot;GG12&amp;quot; /&amp;gt;. Diese Fassung hat für das Abendland im Mittelalter keine Bedeutung gehabt, ist uns aber besonders wichtig zur Rekonstruktion der ursprünglichen Gog-Alexandersage; auch beruhen auf ihr oder auf ihrer Vorlage eine Anzahl von orientalischen Bearbeitungen. So ist vor allem die syrische Alexanderlegende&amp;lt;ref name=&amp;quot;GG13&amp;quot; /&amp;gt; in Prosa im ersten Drittel des 7. Jahrhunderts. auf Grund jener späten Fassung des Pseudo-Kallisthenes verfaßt, und auf ihr beruht das bald nachher gedichtete, gelegentlich dem Jakob von Sarug zugeschriebene syrische Alexanderlied&amp;lt;ref name=&amp;quot;GG14&amp;quot; /&amp;gt;. Dagegen enthält der syrische Alexanderroman&amp;lt;ref name=&amp;quot;GG15&amp;quot; /&amp;gt; in Prosa die Gog-Episode nicht. Auf der syrischen Prosalegende beruht ferner die arabische Darstellung im Koran&amp;lt;ref name=&amp;quot;GG16&amp;quot; /&amp;gt; und der Auszug in der syrischen Chronik des Dionysius von Tell-Mahre&amp;lt;ref name=&amp;quot;GG17&amp;quot; /&amp;gt; oder besser des Josua Stylites, wohl auch die Darstellung einer dem Ephraem Syrus zugeschriebenen Homilie&amp;lt;ref name=&amp;quot;GG18&amp;quot; /&amp;gt;. Der äthiopische Alexanderroman&amp;lt;ref name=&amp;quot;GG19&amp;quot; /&amp;gt; hat ebenfalls, durch Vermittlung des Arabischen, die syrische Legende aufgenommen, ebenso das persische Heldenbuch des Firdusi&amp;lt;ref name=&amp;quot;GG20&amp;quot; /&amp;gt; und das gegen Ende des 14. Jahrhunderts. verfaßte türkische Alexanderepos des Ahmedi&amp;lt;ref name=&amp;quot;GG21&amp;quot; /&amp;gt;. Ferner findet sich die Weissagung von Gog und Magog auch in der späteren jüdischen Apokalyptik&amp;lt;ref name=&amp;quot;GG22&amp;quot; /&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&amp;lt;references&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;GG11&amp;quot;&amp;gt;Orientierend über ihn Ausfeld Der griech. Alexanderroman. 1907; Kroll bei Pauly-Wissowa 10, 1707 ff. Über die späteren Weiterbildungen Pfister Wochenschr. f. klass. Phil. 1911, 1152 ff. und die Einl. m. Leo-Ausgabe 1913. Die neueste Bibliographie zur gesamten sagenhaften Alexanderliteratur bei Fr. P. Magoun The gests of King Alexander of Macedon. 1928.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;GG12&amp;quot;&amp;gt;Sie werden auch im 2. Band der Ausg. von Kroll ihren Platz finden.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;GG13&amp;quot;&amp;gt;Hrsg. mit englischer Übersetzung von Budge The history of Alexander the Great (1889) 144–158. Dazu Nöldeke Beiträge zur Gesch. des Al.Romans (Denkschr. d. Wiener Ak. 38, 1890), 27 ff.; Hunnius Das syr. Alexanderlied. Diss. Göttingen 1904.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;GG14&amp;quot;&amp;gt;Hrsg. mit deutscher Übersetzung von Hunnius ZDMG. 60 (1906), mit englischer Übersetzung von Budge a.a.O. 163 ff. und Ztschr. f. Assyr. 6 (1891), 357 ff.; dazu Hunnius Diss.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;GG15&amp;quot;&amp;gt;Herausgeg. von Budge The history mit englischer Übersetzung; deutsche Übersetzung von Ryssel AnSpr. 90, 1893.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;GG16&amp;quot;&amp;gt;Sure 18; vgl. ZDMG. 8 (1854), 442 ff.; 9 (1855), 214 ff. 785 ff. In der arabischen Literatur begegnet die Erzählung dann öfters; Nöldeke Beitr. 32 ff.; so im Geschichtswerk des Dinawari im 9. Jh.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;GG17&amp;quot;&amp;gt;Hrsg. von Tullberg 1850, 54 ff.; Nöldeke Beitr. 32.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;GG18&amp;quot;&amp;gt;Hrsg. von Lamy Ephraemi Syri hymni et sermones 3, 187 ff.; s. aber auch Bousset Ztschr. f. Kirchengesch. 20 (1900), 116 ff.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;GG19&amp;quot;&amp;gt;Hrsg. mit englischer Übersetzung von Budge The life and exploits of Alexander the Great. 1896. Vgl. auch den äthiopischen christlichen Roman bei Budge 2, 437 ff.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;GG20&amp;quot;&amp;gt;Text mit französischer Übersetzung von Mohl 1836; französ. Übersetzung allein 1876–1878; über weiteren Einfluß der G.sage auf die persische Apokalyptik s. Bousset a.a.O. 120 ff.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;GG21&amp;quot;&amp;gt;v. Hammer Geschichte der türkischen Poesie 71 ff.; Gibb Hist. of Ottoman Poetry 1 (1900), 260 ff. Eine ganze Ausgabe fehlt noch.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;GG22&amp;quot;&amp;gt;Bousset a.a.O. 119 f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;/references&amp;gt;&lt;br /&gt;
== Der abendländische Zweig der Überlieferung ==&lt;br /&gt;
Im abendländischen Mittelalter wurde die Sage von Gog und Magog vor allem bekannt durch die drei biblischen Stellen und durch die sogenannte Offenbarung des Pseudo-Methodius. Diese ursprünglich griechisch abgefaßte Schrift&amp;lt;ref name=&amp;quot;GG23&amp;quot; /&amp;gt; ist etwa im letzten Drittel des 7. Jahrhunderts. n. Chr., vielleicht in Byzanz, entstanden und wurde dann in einem französischen Kloster ins Lateinische übersetzt, und diese lateinische Fassung war im Westen von größter Wirkung, so daß wir in ihr einen wichtigen Vermittler antiken und orientalischen Offenbarungsgutes an das westliche Mittelalter zu erblicken haben. Sie hat auch den Inhalt der jüdisch-alexandrinischen Gog-Alexandersage dem Abendland bekannt gemacht. Im Mittelpunkt der Offenbarungen des Pseudo-Methodius steht der Kampf der westlichen Welt gegen die mohammedanischen Araber. Gegen diese Bedrücker der Welt, die Ismaeliten, wie unser Apokalyptiker sagt, erhebt sich der Kaiser der Griechen und Römer, und nachdem er sie besiegt hat, wird Frieden herrschen. Aber der Frieden wird durch das Hervorbrechen der wilden Völker gestört, die Alexander d. Gr. einst eingeschlossen hat. Doch auch sie werden in der Endschlacht (s. 2, 815 ff.) überwunden, und der Kaiser schlägt den Sitz seiner Herrschaft in Jerusalem auf. Da erscheint der Antichrist (s. 1, 479 ff.), der Kaiser legt seine Krone auf Golgatha nieder und stirbt. Und nun ist der Antichrist allmächtig, bis er durch Christus selbst, durch den Hauch seines Mundes getötet wird, worauf das jüngste Gericht folgt. Die Gog-Alexandersage wird hier ausführlich, ähnlich wie bei Pseudo-Kallisthenes erzählt; beide Darstellungen gehen auf dieselbe griechische Vorlage zurück&amp;lt;ref name=&amp;quot;GG24&amp;quot; /&amp;gt;. Pseudo-Methodius spielt dann in der Apokalyptik des Mittelalters eine große Rolle und durch seine Vermittlung drang die Gog-Alexandersage auch in mittelalterliche Alexanderromane ein, so vor allem in die interpolierte Historia de preliis&amp;lt;ref name=&amp;quot;GG25&amp;quot; /&amp;gt; (in die sogenannten Fassungen J 2 und J 3) und dadurch&amp;lt;ref name=&amp;quot;GG26&amp;quot; /&amp;gt; in deutsche&amp;lt;ref name=&amp;quot;GG27&amp;quot; /&amp;gt;, französische&amp;lt;ref name=&amp;quot;GG28&amp;quot; /&amp;gt;, spanische&amp;lt;ref name=&amp;quot;GG29&amp;quot; /&amp;gt;, englische&amp;lt;ref name=&amp;quot;GG30&amp;quot; /&amp;gt;, schwedische&amp;lt;ref name=&amp;quot;GG31&amp;quot; /&amp;gt;, italienische&amp;lt;ref name=&amp;quot;GG32&amp;quot; /&amp;gt;, tschechische&amp;lt;ref name=&amp;quot;GG33&amp;quot; /&amp;gt; und hebräische&amp;lt;ref name=&amp;quot;GG34&amp;quot; /&amp;gt; Bearbeitungen dieses Stoffes. Auch in der sogenannten Tiburtinischen Sibylle&amp;lt;ref name=&amp;quot;GG35&amp;quot; /&amp;gt; werden Gog und Magog und die 22 Völker, die Alexander einschloß und die sich dann vom Norden her erheben werden, kurz erwähnt. Auch die Fassung C des Briefes des Presbyter Johannes gibt diese Episode mit Aufzählung der Namen&amp;lt;ref name=&amp;quot;GG36&amp;quot; /&amp;gt;, kürzer Gervasius von Tilbury&amp;lt;ref name=&amp;quot;GG37&amp;quot; /&amp;gt;. In Verbindung mit der Einschließung der Judenstämme&amp;lt;ref name=&amp;quot;GG38&amp;quot; /&amp;gt; gibt die Gog-Alexandersage, im übrigen der Historia J 3 folgend, in der 1. Hälfte des 13. Jahrhunderts. Quilichinus in seinem lateinischen Alexanderepos, worauf wiederum das deutsche sogenannte Wernigeroder Epos beruht&amp;lt;ref name=&amp;quot;GG39&amp;quot; /&amp;gt;.&lt;br /&gt;
Eine weitere, von Pseudo-Methodius ganz abweichende und höchst merkwürdige Darstellung der Gog-Alexandersage findet sich beim sogenannten Aethicus Istricus&amp;lt;ref name=&amp;quot;GG40&amp;quot; /&amp;gt;, deren Herkunft mir unbekannt ist. Dieses Schwindelprodukt zügelloser Phantasie stammt etwa aus dem 7. Jahrhundert Aus ihm schöpfte die Gog-Alexander-Episode in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts. der Anglonormanne Thomas von Kent für seine altfranzösische Alexanderdichtung Le Roman de toute chevalerie&amp;lt;ref name=&amp;quot;GG41&amp;quot; /&amp;gt;, und aus dieser kam sie in das im 14. Jahrhundert entstandene mittelenglische Epos Kyng Alisaunder&amp;lt;ref name=&amp;quot;GG42&amp;quot; /&amp;gt;. Die Quelle des Aethicus mag wohl eine späte Fassung des Alexanderromans gewesen sein. Daß er insbesondere die Türken zu den apokalyptischen Völkern rechnet, mag mit dem von Fredegar&amp;lt;ref name=&amp;quot;GG9&amp;quot; /&amp;gt;berichteten Ereignis des Jahres 627 zusammenhängen, worüber man im Abendlande wohl mehr erfuhr, als Fredegar überliefert&amp;lt;ref name=&amp;quot;GG43&amp;quot; /&amp;gt;. Bald darauf wird wohl die Schrift des Aethicus entstanden sein.&lt;br /&gt;
&amp;lt;references&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;GG23&amp;quot;&amp;gt;Griechischer Text hrsg. von Istrin 1897; lateinischer Text bei Sackur a.a.O.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;GG24&amp;quot;&amp;gt;So Pfister Berl. phil. Wochenschr. 1915, 1549 f.; anders Sackur, der fälschlich ein syrisches Original voraussetzt.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;GG25&amp;quot;&amp;gt;Text von J 2 bei Hilka Der altfranzös. Prosa-Alexanderroman (1920); Text von J 3 bei Pfister Münch. Mus. 1 (1912).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;GG26&amp;quot;&amp;gt;Vgl. die Stammtafel bei Pfister Der Alexanderroman des Archipresbyters Leo 1913, 41.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;GG27&amp;quot;&amp;gt;Z.B. im Alexanderbuch des Rudolf von Ems (Ausg. von Junk 1, 1928), der aber auch Pseudo-Methodius selbst beizog; vgl. Zingerle Germ. Abh. 4 (1885), 106 ff.; in der Weltchronik des Rudolf von Ems v. 1473 ff. (Ausg. von Ehrismann 1915); bei Ulrich von Eschenbach (Ausg. von Toischer 1888); Seifried (Wolf Wiener Jahrbb. d. Lit. 57, 1832, Anzeigebl. 19 ff.); Babiloth; im Basler Alexander (Ausg. von R.M. Werner 1881) u. ö.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;GG28&amp;quot;&amp;gt;Prosaroman, Ausgabe von Hilka a.a.O. 140 f.; Alexandrinerroman, hrsg. von Michelant 1846; Thomas von Kent, s. Anm. 41.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;GG29&amp;quot;&amp;gt;Ausgabe von Morel-Fatio Gesellsch. f. roman. Lit. 10 (1906), 261 f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;GG30&amp;quot;&amp;gt;Kyng Alisaunder, hrsg. von H. Weber Metrical Romances 1 (1810); neue Ausg. von A. Brandl vorbereitet. Zu den englischen G.sagen s. auch Bieling Zu den Sagen von G. und M. Progr. Berlin 1882.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;GG31&amp;quot;&amp;gt;Konung Alexander, hrsg. von Klemming 1862.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;GG32&amp;quot;&amp;gt;I nobili fatti di Alessandro Magno, hrsg. von Grion 1872.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;GG33&amp;quot;&amp;gt;Fr. P. Magoun u. S.H. Thomson Speculum 3 (1928), 204 ff.; s. auch Magoun The gests 53.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;GG34&amp;quot;&amp;gt;Samuel ben Jehouda ibn Tibbon übersetzte um 1200 eine arabische Übertragung der Rezension J 2 der Hist. de preliis.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;GG35&amp;quot;&amp;gt;Sackur 186.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;GG36&amp;quot;&amp;gt;Zarncke Abh. d. sächs. Ges. 7 (1879), 911, Münch. Mus. a.a.O. 268, 1.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;GG37&amp;quot;&amp;gt;Liebrecht Gervasius 9.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;GG38&amp;quot;&amp;gt;Vgl. Münch. Mus. a.a.O. 294 ff., wo auch der Quilichinustext ediert ist.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;GG39&amp;quot;&amp;gt;Ausg. von Guth Deutsche Texte des Mittelalters XIII (1908), v. 5513 ff.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;GG40&amp;quot;&amp;gt;Text bei Wuttke a.a.O. Die Auffassung Wuttkes von diesem Werk ist falsch.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;GG41&amp;quot;&amp;gt;Ausgabe von Schneegans vorbereitet; Weynand Der Roman de toute chevalerie des Thomas von Kent. Diss. Bonn. 1911, 62 ff.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;GG42&amp;quot;&amp;gt;S. Anm. 30; Hildenbrand Die altfranzös. Alexanderdichtung. Bonner Diss. 1911.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;GG9&amp;quot;&amp;gt;Chronic. 66 in Mon. Germ. Script. rer. Merov. II; darnach Otto von Freising V 9, p. 232; es handelt sich hier um die Öffnung der kaspischen Pforten für die türkischen Chazaren durch den Kaiser Heraklius i.J. 627, worüber man durch mündlichen Gesandtenbericht im Westen Kunde erhielt; vgl. Gutschmid Kl. Schr. V 421.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;GG43&amp;quot;&amp;gt;Über die Türken in der persischen Apokalyptik s. Bousset a.a.O. 122.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;/references&amp;gt;&lt;br /&gt;
== Geographisches ==&lt;br /&gt;
Die älteste Ansetzung der Alexandermauer ist am Kaukasus, genauer an seinem Ostrand am Kaspischen Meer bei Derbent&amp;lt;ref name=&amp;quot;GG3&amp;quot; /&amp;gt;. Nach dieser Version verstand man unter Gog und Magog zunächst die Skythen, wie z.B. Josephus sagt&amp;lt;ref name=&amp;quot;GG44&amp;quot; /&amp;gt;. Aber diese apokalyptischen Nordvölker wurden später auch den Tartaren&amp;lt;ref name=&amp;quot;GG45&amp;quot; /&amp;gt;, Hunnen, Awaren, Türken, Gothen u.a.&amp;lt;ref name=&amp;quot;GG46&amp;quot; /&amp;gt; (s. o. Bd. 2, 816) gleichgesetzt, und auch der Alexanderwall wechselte seinen Platz, indem man ihn gelegentlich auch in der zu Ende des 3. Jahrhunderts. v. Chr. gegen die Hunnen errichteten chinesischen Mauer erblickte. Dies tat z.B. Sallâm der Dolmetsch, der 842 bis 844 im Auftrag des Kalifen Wâthiq eine Reise unternahm und diese Mauer, die er für die Gog-Mauer hielt, aus Autopsie, aber auch auf Grund der ihm bekannten Überlieferung beschrieb&amp;lt;ref name=&amp;quot;GG47&amp;quot; /&amp;gt;. Auch der englische Arzt und Reisende John Mandeville († 1372) erzählt in seiner Reisebeschreibung ausführlich von der Gog-Mauer am Kaukasus, zum Teil aber auch nach schriftlichen Quellen; er läßt dort (wie Quilichinus u.a.) die Judenstämme eingeschlossen sein&amp;lt;ref name=&amp;quot;GG48&amp;quot; /&amp;gt;. Wenn er sie der Amazonenkönigin tributpflichtig nennt, so trifft er sich darin mit Albertus Magnus&amp;lt;ref name=&amp;quot;GG49&amp;quot; /&amp;gt;, der sie auch jenseits der Kaspischen Berge eingeschlossen sein und von der Amazonenkönigin zurückgehalten werden läßt.&lt;br /&gt;
&amp;lt;references&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;GG3&amp;quot;&amp;gt;Es gab übrigens mehrere künstlich gesperrte Engpässe im Kaukasus, die des öftern miteinander verwechselt werden; vgl. Wuttke Die Kosmographie des Istrier Aithikos p. XLII; Pauly-Wissowa 1, 1305; 2 A, 13 f.; Ukert Geogr. d. Griechen u. Römer III 2, 113 ff.; Uhlemann Ztschr. f. wiss. Theol. 5 (1862), 272. 284 f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;GG44&amp;quot;&amp;gt;So auch z.B. Hieronymus zu Hesekiel 38, 2.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;GG45&amp;quot;&amp;gt;So auch in J 3 der Hist. de prel., danach Quilichinus, der um 1236 schrieb (Münch. Mus. 1, 267. 294); also bereits vor der Mongolenschlacht bei Liegnitz 1241.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;GG46&amp;quot;&amp;gt;Bousset a.a.O. 119.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;GG47&amp;quot;&amp;gt;Ausg. von de Goeje S. 124 ff. der französischen Übersetzung. Den Aufsatz von de Goeje De muur van Gog en Magog 1888, kenne ich aus dem Referat von Tomaschek WZKM 3 (1889), 103 ff. Wilson The Wall of Alexander against Gog and Magog and the expedition sent out to find it by the Khalif Wâthiq in 842 A.D. (Hirth Anniversary Volume, Asia maior 1922) ist mir unzugänglich.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;GG48&amp;quot;&amp;gt;Ich benütze den englischen Text bei P. Hamelius Mandevilles Travels (Early English Text Society 153. 154; 1919, 1923) 1, 175 ff.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;GG49&amp;quot;&amp;gt;Compendium theol. verit. 7, 11, Ausg. von Borgnet Bd. 34, 243 f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;/references&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Category:Sekundärmaterial]]&lt;br /&gt;
[[Category:Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Taurec</name></author>
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