Was versteht ihr unter dem Dritten Weltkrieg? (Freie Themen)

Isana Yashiro @, Sonntag, 28. Juni 2020, 12:56 vor 95 Tagen 1095 mal gelesen

Hallo!

Ich lese immer wieder Ankündigungen, daß nun doch der Dritte Weltkrieg kommt. Andererseits gibt es Leute, die bereits den Dreißigjährigen Krieg unter die Weltkriege zählen wollen, so daß es bereits drei Weltkriege gab, es sei denn man faßt extra, um noch einen dritten ankündigen zu können, den ersten und zweiten zum zweiten zusammen. Dann kenne ich auch noch die Aussage, daß der Dritte Weltkrieg mit der ersten Bombe auf den Kosovo begonnen wurde. Demnach würde der Dritte Weltkrieg aus einer Serie von Stellvertreterkriegen bestehen, die die USA gegen Russland führen. Bei den vielen Ankündigungen eines weiteren Weltkrieges soll jedoch die Offensive von Russland ausgehen. Manchmal gewinne ich dabei den Eindruck, daß das die Bedingung für einen Weltkrieg wäre, obwohl doch kaum jemand ernstlich unterstellt, daß Russland den Ersten oder den Zweiten Weltkrieg begonnen hätte. Darum frage ich alle, die hier immer wieder den Dritten Weltkrieg ankündigen: Was soll ich mir unter diesem Dritten Weltkrieg vorstellen?

Damit meine ich nicht den taktischen Verlauf, der noch nicht vorhersehbar ist, sondern ich will wissen wie ein Weltkrieg definiert wird. Wird eine militärische Auseinandersetzung zu einem Weltkrieg durch

I. die Anzahl der beteiligten Nationen? Damit wäre momentane Krieg in Syrien auf jeden Fall qualifiziert. Man müßte nämlich alle Nationen mitzählen, die während des Krieges mal vorbeigeschaut haben, sonst wäre das keine brauchbare Definition.

II. den Blutzoll wie es das Argument derer ist, die den Dreißigjährigen Krieg unter die Weltkriege zählen? Das könnte nur in Relation zur Bevölkerungszahl eine Definition werden und das ist auch das Argument jener, die den Dreißigjährigen Krieg als Weltkrieg zählen. Wie undurchführbar das ist bekommen wir zur Zeit wieder demonstriert, indem die Qualitätsmedien (ein Euphemismus für Lügenpresse) berichten, daß Brasilien und die USA eine hohe Zahl an Pandemietoten zu beklagen hätten. In Relation zur Bevölkerung zeigen die Zahlen, daß die Pandemie eigentlich harmlos ist und total übertrieben dargestellt wird.

III. die Anzahl der Schlachtfelder? Oder muß ein Weltkrieg geführt werden

IV. auf mehr als einem Kontinent? Das qualifiziert wiederum den Syrienkrieg, weil der Libyenkrieg nur ein Ableger davon ist. Auch der Krieg in Yemen und der Bürgerkrieg in der Ukraine sowie die verdeckten Operationen im Karibischen Meer und die Sanktionen gegen North Stream 2 stehen im Zusammenhang mit diesem Krieg.

V. auf mehr als einem Kontinent plus auf See? Auch damit dürfte der Syrienkrieg qualifiziert sein ein Weltkrieg zu sein.

VI. auf allen Kontinenten? Das würde durch den Ausdruck Weltkrieg nahegelegt. Aber schon der Erste Weltkrieg fand nicht in Australien statt und das wäre Bedingung.

VII. mit Beteiligung von Nationen von allen Kontinenten? Dann wären der Erste Weltkrieg und der Zweite Weltkrieg nur wegen der kleinen, pro forma von Australien entsendeten Kontingente Weltkriege.

VIII. mit Beteiligung von Nationen von mehr als einem Kontinent? Das träfe dann auf jeden Krieg der USA zu, der irgendwo in Asien, Afrika oder Europa geführt wird.

IX. mit Beteiligung mehrer europäischer Nationen? Warum nennt man das dann nicht einen Europakrieg?

X. mit Beteiligung Russlands? Diese Definition würde, wie übrigens auch IX. und III. den Krimkrieg zum Weltkrieg machen.

XI. mit Beteiligung Deutschlands? Das erscheint mir doch zu egozentrisch für eine brauchbare Definition zu sein.

XII. mit Beteiligung Russlands und Deutschlands? Der Deutsche Bund entstand doch als Verteidigungsbündnis gegen Napoleon? Also wäre der napoleonische Krieg auch ein Weltkrieg gewesen.

XIII. als Angriff auf Deutschland, das hinterher die Alleinschuld auf sich nehmen wird? Dann könnte man einen Dritten Weltkrieg niemals vorher verkünden. Also nicht bevor man wüßte wie er denn letztendlich ausgegangen ist.

Der Ausdruck Dritter Weltkrieg wird also schnell mal so hingesagt, aber das Thema ist dann doch nicht so einfach. Ich persönlich halte die IV. Definition für die sinnvollste, aber ich darf deshalb nicht einfach davon ausgehen, daß der Ausdruck Weltkrieg schon so gemeint sein wird. Denn dann wäre der Syrienkrieg schließlich ein anerkannter Weltkrieg. Sogar Russland ist daran beteiligt. Zumindest etwas, das entfernt einem Russeneinmarsch ähnelt, hätte damit schon stattgefunden. Über diesen kann man nämlich nur sicher sagen, daß irgendwo einzumarschieren nicht mehr Teil der russischen Militärdoktrin ist. Russische Militärhilfe sieht zur Zeit so aus, daß Russland anderen Ländern dabei hilft, deren eigene militärischen Fähigkeiten auszubauen. Dadurch sollen Invasionen erschwert und bestenfalls verhindert werden! Weil Invasionen nämlich seit zwei Jahrzehnten ausschließlich durch die NATO erfolgen und nicht etwa durch Russland oder durch mit Russland verbündete Länder.

Bitte formuliert eure Definitionen eines Weltkrieges so, daß auf diesen Diskussionsfaden zurückgegriffen werden kann, falls in Zukunft wieder ein Weltkrieg angekündigt wird!

Gruß,
Yashiro

Definition je nach Zeitgeschehen variabel

schwelmi @, Sonntag, 28. Juni 2020, 16:53 vor 95 Tagen @ Isana Yashiro 819 mal gelesen

Hallo Isana Yashiro,

hier hilft tatsächlich ein Blick in Wikipedia.
Der Begriff wurde erstmals 1599 benutzt und erfuhr seither mehrmals eine Wandlung, was allerdings nichts darüber aussagt, wie er hier im Forum verstanden wird, zumal meines Wissens von den bereits länger hier Anwesenden niemand ernsthaft von einem dritten Weltkrieg ausgeht.

Schönen Gruß
schwelmi

Avatar

Der seit 2.000 Jahren - jeweils gleich demnächst - dräuende Großkrieg

BBouvier, Sonntag, 28. Juni 2020, 17:34 vor 95 Tagen @ Isana Yashiro 993 mal gelesen

bearbeitet von BBouvier, Sonntag, 28. Juni 2020, 17:46

<"Ich lese immer wieder Ankündigungen, daß nun doch der Dritte Weltkrieg kommt.">

Hallo, Isana Yashiro!

Völlig richtig Isana, und zwar seit 2.000 Jahren auf Bibelbasis.
Wobei damals "die ganze Welt" das Römische Reich rund um das Mittelmeer war.
In Lukas 21 prophezeit Jesus nämlich:
"Ein Volk wird sich erheben gegen das andere und ein Reich gegen das andere,
und es werden geschehen große Erdbeben und hier und dort Hungersnöte und Seuchen;
auch werden Schrecknisse und vom Himmel her große Zeichen geschehen
."
Seither warten Bibelgläubige jährlich vergeblich darauf.
Jeweils bis Neujahr, und dann wieder von vorne.
:alt:

Auf dieser Basis haben insbesondere im 18. Jahrhundert frz. hysterische Nonnen und bigotte Hausfrauen
tief in die Prophezeiungstonne gelangt und sich ab 1815 - nach den Napoleonischen Kriegen -
einen weiteren Großkrieg ausgedacht, in dem jedoch diesmal die Franzosen siegen.
=>
https://schauungen.de/forum/index.php?id=51290
https://schauungen.de/forum/index.php?id=50951
https://schauungen.de/forum/index.php?id=38282

... was das üble Betrügerduo Adl/Irlmaier nutzte, diesen Faden weiter zu spinnen
und sich kontemporär (1949-1955) einen Krieg mit der Sowjetunion auszudenken.
https://schauungen.de/forum/index.php?id=33401
https://schauungen.de/forum/index.php?id=32779

Außerdem können sich seit langen Jahrzehnten alle möglichen Schreiber
sehr gut auf Nostradamusbasis einen 3. Weltkrieg vorstellen.
Meist jeweils im kommenden Jahr:
https://www.google.de/search?source=hp&ei=BbT4XszVEsvz6QSf-ZNg&q=Nostradamus+3.+Weltkrieg&oq=Nostradamus+3.+Weltkrieg&gs_lcp=CgZwc3ktYWIQAzoOCAAQ6gIQtAIQmgEQ5QI6BQgAELEDOgIIADoGCAAQ...

... und nicht nur den, sondern auch gleich einen veritablen Weltuntergang.
https://www.google.de/search?ei=E7T4Xs3BKrOBk74P3bS-oAY&q=Nostradamus+2019&oq=Nostradamus+2019&gs_lcp=CgZwc3ktYWIQAzoCCAA6BQgAELEDUInJBlip1wZgkd8GaABwAHgAgAFziAHLBJIBAzQuMpgBAKABAaoBB2d...

Oder derlei.
https://www.youtube.com/results?search_query=Nostradamus+Weltkrieg

Auch possierlich und durchaus passend:
"Zeitreisender aus 2075 warnt vor 3. Weltkrieg 2020!"
https://www.youtube.com/watch?v=n8ZE5iHllQQ

Und das:
"Zeitreisender aus dem Jahr 2030 hat eine schreckliche Botschaft für uns!"
https://www.youtube.com/watch?v=Dg2iDT0xhg4

:tonne:

<"... falls in Zukunft wieder ein Weltkrieg angekündigt wird!"

"falls" ist gut!! :lol2:
Darunter macht es ein gewohnheitsmäßiger Dauerprophezeier, der auf sich hält, wohl kaum! :cool:

Derlei - und noch viel mehr - wird doch alljährlich zu Neujahr
vieltausendfach "prophezeit"! :lehrer:
https://www.google.de/search?source=hp&ei=hLn4XqyjI_uVk74P9ZC5-A0&q=Prophezeiungen+2018&oq=Prophezeiungen+2018&gs_lcp=CgZwc3ktYWIQAzICCAAyBggAEBYQHjoOCAAQ6gIQtAIQmgEQ5QI6BQgAELEDOgU...

https://www.youtube.com/results?search_query=Baba+Wanga

Grüße,
BB


- es ist gemein, Blinden Stummfilme zu zeigen
- eine schöne Theorie sollte man sich mit Forschung nicht kaputt machen
- Irlmaier: "Ein Mann erzählt das, was er irgendwo mal gelesen hat."

Avatar

"Dritter Weltkrieg" bzw. das Zeitalter der Weltkriege

Taurec ⌂ @, München, Sonntag, 28. Juni 2020, 19:25 vor 95 Tagen @ Isana Yashiro 1164 mal gelesen

Hallo!

Letztlich ist "Dritter Weltkrieg" nichts weiter als eine Floskel, die mit Rückblick auf die Greuel der ersten beiden Weltkriege dem Leser der Prophezeiungsliteratur das Fürchten eines gar schröcklichen künftigen Krieges gleichen oder größeren Kalibers lehren soll. Darauf ist man, auch in Hinblick auf das Dräuen eines nuklearen Holocaustes während das Kalten Krieges, psychologisch schon konditioniert, so daß man nur die magischen Wörter "Dritter Weltkrieg" nennen muß, um die entsprechenden Filmchen im Kopf ablaufen zu lassen. ⇒ Das ist dann die gemeinsame Grundlage, auf der sich Prophezeiungsgläubige austauschen.
Freilich wußte die Prophezeiungsliteratur von einem "Dritten Weltkrieg" im 19. Jahrhundert noch nichts. Das Motiv eines großen Endkampfes oder einer Endschlacht in der Endzeit zwischen Gut und Böse ist allerdings locker so alt wie das Christentum selbst und hat sich im 20. Jahrhundert mit dem entstandenen neuen Kriegstypus des "Weltkrieges" verquickt. Diesen gab es früher nicht. Er ist eine Entwicklung der Zivilisation.

In Form von "Weltkriegen" wird nach dem Tode der Kultur um die Gestalt gerungen, welche das System der Zivilisation organisatorisch und geistig-ideologisch annehmen soll.
Im alten China waren die "Weltkriege" die Zeit der streitenden Reiche, die mit dem Sieg des quasi sozialistischen Staates Qin über alle anderen chinesischen Nationen endete, der China für die nächsten Jahrhunderte seine endgültige Form gab.
In der europäischen Antike waren die Weltkriege die römische Expansion und insbesondere die punischen Kriege, die mit der Niederlage Karthagos endeten, das gleich dem Deutschen Reich nach dem Zweiten Weltkrieg bis auf die Grundmauern geschliffen und durch eine gleichnamige Kolonie der Sieger ersetzt wurde. Angloamerika und Rom waren im Anschluß die letzten verbliebenen Weltmächte, die der Zivilisation ihr Gepräge gaben.
Davon ausgehend müßte man die napoleonischen Kriege als den ersten der Weltkriege betrachten, da Napoleon als Spätfolge der französischen Revolution Europa in seinem Sinne (künstlich) neuordnen wollte. Damals stand er als Vertreter einer neuen (cäsarischen) imperialen Idee gegen das "alte Europa", das sich aber nochmal behaupten konnte. Im Ergebnis war Frankreich in der Frage der Vorherrschaft in der entstehenden europäischen Zivilisation weg vom Fenster und die Entwicklung lief der Entscheidung entgegen, ob die künftige Form Europas englisch oder deutsch sein sollte. Diese Frage scheint mit dem Zweiten Weltkrieg zu unseren Ungunsten (endgültig?) entschieden worden zu sein. Die englische Idee hat über ihren verlängerten Arm, die USA, gesiegt. (Rußland spare ich hier aus, da es eigentlich eine eigene Kultur darstellt, die im 20. Jahrhundert durch einen Ableger des abendländischen Materialismus überprägt und ruhiggestellt wurde.)

Die europäischen Nationen sind heute nicht mehr in der Lage, untereinander einen Krieg auszufechten, und sind auch in ihrer Substanz schon stark angeschlagen, so daß nicht mehr davon auszugehen ist, daß ein weiterer Krieg im Sinne des oben von mir skizzierten Typus des Weltkrieges stattfinden wird. Einen "Dritten Weltkrieg" dieser Art wird es also nicht geben.
Mehr als die innere Form der Zivilisation steht nunmehr der Bestand des Abendlandes insgesamt in Frage. Dabei gibt es keinen genau bestimmbaren äußeren Feind, sondern die Vielzahl der "farbigen"/nichteuropäischen Völker und ein mit diesen interagierender Feind im Inneren, der auf die Auflösung Europas hinarbeitet, indem er die im Zweiten Weltkrieg siegreiche Ideologie der Demokratie auf die Spitze treibt. Das Ganze ähnelt der Ausweitung des römischen Bürgerrechts in der Spätantike, während gleichzeitig fremde Völker und Religionen in den Bereich der Zivilisation einsickerten. Zuletzt war alles Rom und jeder Römer, wodurch zugleich Rom als Entität bzw. das römische Volk verschwunden war. Desgleichen werden demokratische Rechte, die ursprünglich von Europäern für Europäer in europäischen Nationalstaaten proklamiert wurden, sukzessive auf alle Bewohner des Planeten ausgedehnt, bis wir in einer globalen Weltdemokratie leben, in der gleichsam Europa und seine Nationen mangels Abgrenzung als Entitäten aufgehört haben werden, zu sein.
Das ist der "Krieg", in dem wir leben, der aber kein klassischer Weltkrieg, sondern ein Weltbürgerkrieg ist, der auf allen gesellschaftlichen Ebenen ausgefochten wird und zunehmend ein totaler Krieg mit offener Gewalt wird. Das ist unser letzter Krieg, der, wenn wir ihn verlieren, zur endgültigen Vernichtung Europas führt.

Nachdem der Krieg gegen die europäische Zivilisation letztlich eine Folge des Ausuferns der angloamerikanischen Demokratie und ihrer Konzepte (Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Menschenrechte usw.) ist, stellt sich interessanterweise über die Hintertüre doch wieder die Frage nach der inneren Form der europäischen Zivilisation. Denn, um diesen Krieg zu gewinnen, müssen wir das faule Fundament, das sich als Ergebnis des Zweiten Weltkrieges etabliert hat, aus unserer Gesellschaft herausreißen und durch ein anderes, tragfähiges ersetzen. Möglicherweise schlägt zuletzt doch noch die Stunde der "deutschen Idee".

Gruß
Taurec


„Es lebe unser heiliges Deutschland!“

„Alles, was tief ist, liebt die Maske.“

Avatar

Formulierung

offtopic, Montag, 29. Juni 2020, 06:05 vor 94 Tagen @ Isana Yashiro 817 mal gelesen

Hallo!

Ich denke nicht, dass hier irgendwer seine Formulierung umändern müsste, nur damit sie dir besser in den Kram passt. Wie soll man denn einen Weltkrieg definieren, das geschieht doch von selbst aufgrund der Konsensfindung der Sieger. Der Sieger schreibt die Geschichte, das war doch immer schon so. Wer es immer immer noch nicht geblickt hat, dem ist halt nicht zu helfen. Nochmal: warum sollte sich das Forum deiner Begriffsstutzigkeit unterordnen?

=> lies die entsprechenden Beiträge im Archiv, da kann man sich sehr gut ein Bild davon machen, was sich der jeweilige Schreiber unter einem WW3 vorstellt(e).

Fast niemand hier (außer ein paar) geht von einem WW3 aus, da eben Russland immer wieder (wie auch China) bewiesen hat, dass keine Aggression zu erwarten ist. Warum auch, sie fahren wesentlich besser damit, uns ihre Erzeugnisse zu verkaufen. Die einzigen, die immer Stress machen, sind doch die Amis. Ohne diese stünde die Welt wesentlich besser da, wohlgemerkt mit den Amis meine ich deren Politiker und Entscheidungsträger. Nicht das Volk, denn das steht im Land der unbegrenzten Möglichkeiten überaus begrenzt da.

Also, was wäre denn nun ein Weltkrieg? Die Antwort hast du. Das, auf was sich die Sieger einigen. Sie mögen es nennen, wie sie es belieben. Mir stellt sich die Frage, was es dir überhaupt bringt, ein Wort zu definieren und dann von einem Forum zu verlangen, es habe sich an diese Definitionen zu halten.

Mir scheint, du bist hier fehl am Platze mit dieser Einstellung.

Gruß

OT


Alle Dunkelheit der Welt kann das Licht einer einzigen Kerze nicht auslöschen.

Begriff des Weltkriegs und seine Wandlung

Fenrizwolf @, Montag, 06. Juli 2020, 03:20 vor 88 Tagen @ Isana Yashiro 603 mal gelesen

Hallo Yashiro!

Meiner Kenntnis nach, sprach man erst nach dem sog. „ersten Weltkrieg“ überhaupt von einem Weltkrieg.

Zwar haben sich lange zuvor Seefahrernationen bekriegt, wobei kriegerische Handlungen fernab des eigenen Territoriums stattfanden, doch gerade durch den Kriegseintritt der vereinigten Staaten von Amerika auf dem europäischen Kontinent, und der Tatsache, daß erstmals auf mehreren Kontinenten zugleich (Europa/Afrika) gerungen wurde, definierte sich der Weltkrieg als solcher.

Vermutlich wesentlich bei der Definition war auch, daß Ressourcen und Kombattanten aus den Kolonien der Großmächte von kriegswichtiger Bedeutung waren, wie unter expansionistischen Gesichtspunkten es die Kolonien als Machtfaktor selbst waren.
Darüber hinaus waren durch globale Bündnispolitik ferne Staaten als Verbündete involviert.

Später, nachdem fast die ganze Welt vereint, Deutschland endlich niedergerungen hatte, standen sich die Machtblöcke der NATO und des Warschauer Paktes, vor allem in Gestalt ihrer Führungsstaaten USA und Sowjetunion, argwöhnisch bis feindselig in einem Ringen um globale Vormachtstellung gegenüber.

Diese Konstellation erstarrte in Anbetracht des neuartigen strategischen Nuklearwaffenpotentials für fast ein halbes Jahrhundert in einer außerordentlich bedrohlichen Waage.

Die Welt war in zwei gigantische Machtblöcke gespalten, und während einer Zeit entfesselter zivilisatorischer Exzesse war die Rüstung in ihrer Gigantomanie stets noch weiter voraus.

Zivilschutzbestrebungen, Rüstungswettläufe, Stellvertreterkriege und die Propaganda der nun total US-dominierten Unterhaltungsindustrie resultierten in einem Zeitgeist voller verstörender Gegensätze.

Während einer rauschhaften technischen und wirtschaftlichen Jagd nach Superlativen, erwuchs in der sog. westlichen Welt ein dekadenter Wohlstand, der in grenzenlosen Utopien ausufernd, nur einen ebenso irrationalen und totalen Gegenpol kannte: den drohenden dritten Weltkrieg.

Der Begriff selbst ist heute eher ein kitschiges Relikt der Popkultur als daß er irgendetwas über die Intensität oder
das Verhängnis eines bewaffneten Konfliktes aussagen würde.

Memento Mori

Fenrizwolf

Fazit und Vierter Weltkrieg und die deutsche Idee

Isana Yashiro @, Donnerstag, 09. Juli 2020, 07:54 vor 84 Tagen @ Isana Yashiro 688 mal gelesen

Hallo!

Ja, schwelmi hat recht, in die Wikipedia hätte ich schauen sollen. Dort erwarte ich viele historische Fakten. Aber geschichtsphilosophische Erläuterungen hatte ich nicht erwartet. Also habe ich dort nicht danach gesucht. Welcher Krieg wohl 1599 gemeint war?

Sah schon jemand den Dreißigjährigen Krieg nahen? Laut BBouvier ist ein Weltkrieg der jeweils nächste dräuende Krieg und auch die Wikipedia kennt diese Verwendung des Wortes Weltkrieg, aber die Wikipedia behauptet, daß das Wort erst seit den 1880ern in dieser Bedeutung verwendet wird. Darum halte ich einen bekannten Krieg aus der Vergangenheit (also vor 1599) für wahrscheinlicher. Als Kandidat fällt mir nur der Spanisch-Englische Krieg so um 1580 ein. Zu dem gab es vor einigen Tagen eine sehenswerte Dokumentation auf Phoenix. Aber wieso könnte das ein Weltkrieg gewesen sein? Spanien war damals das mächtigste und reichste Land der Welt aufgrund des Goldes aus Amerika. Zudem entwickelte sich die Konfrontation zwischen Spanien und England langsam als englische Freibeuter spanische Schiffe in der Karibik überfielen. In gewisser Hinsicht war das also schon ein transatlantischer Krieg.

Die napoleonischen Kriege galten als Weltkriege, nicht nur gemäß Taurec. Aber sie verloren diesen „Status“ später irgendwie und die Einordnung als Weltkrieg folgt bei der Wikipedia einer anderen Begründung als bei Taurec.

Für die Wikipedia sind auch die napoleonischen Kriege transatlantische Kriege. Vielleicht weil Frankreich damals noch Kolonien in Nordamerika und in der Karibik hatte.

Die Wikipedia zitiert Karl Marx: „Revolutionäre Erhebung der französischen Arbeiterklasse, Weltkrieg – das ist die Inhaltsanzeige des Jahres 1849“. Taurecs Definition folgt eher dieser Idee, weil auch Karl Marx an eine Neuordnung der Zivilisation dachte. Die Wikipedia folgt dieser Idee, einen Weltkrieg als ein Ringen um eine neue Gestalt der Zivilisation zu betrachten, nur beim Krieg gegen den Terror, für den sie extra in direkter und nochmal in indirekter Weise den Begriff Vierter Weltkrieg definiert. Der kommunistische Klassenkampf ist zwar vor kurzem in den USA ausgebrochen, aber der Krieg gegen den Terror wurde schon vor vielen Jahren ausgerufen. Falls dieser der Vierte Weltkrieg ist, dann müssen wir den Dritten Weltkrieg wohl irgendwie verpaßt haben.

Möglicherweise war der Dritte Weltkrieg der Krieg der USA gegen den Kommunismus, der während der Zeit des Kalten Krieges nicht nur als Hexenjagd in den USA, sondern auch, ähnlich dem Krieg gegen den Terror später, als mehrere Stellvertreterkriege in Ländern rund um den Globus geführt wurde.

Ich denke, daß sich meine Frage nun so beantworten läßt: Ein Weltkrieg ist ein militärischer Konflikt, der vom amerikanischen Kontinent aus finanziert, aber mindestens in Europa und optional noch auf weiteren Kontinenten geführt wird. Das definiert einen Weltkrieg nicht nur als transatlantisch, sondern auch als den Versuch angloamerikanische Werte weltweit durchzusetzen. Er kann auch die Form eines Weltbürgerkrieges annehmen.

Allerdings stellt sich mir jetzt die Frage, was eigentlich die „deutsche Idee“ ist. Einerseits ist nicht alles Gold was glänzt und vor allem das nicht, was aus den USA kommt. Das zeigt sich in den jüngsten Ereignissen deutlich und auch das in Deutschland gelegte besonders faule Fundament zeigt sich jetzt deutlich. Andererseits hatte Deutschland innerhalb nur eines Jahrhunderts gleich zwei Diktaturen. Zurück zur Diktatur gilt hoffentlich nicht als Alternative zu Demokratie und Menschenrechten?

Gruß,
Yashiro

Avatar

Deutsche Idee, Demokratie und Menschenrechte

Taurec ⌂ @, München, Donnerstag, 09. Juli 2020, 15:20 vor 84 Tagen @ Isana Yashiro 860 mal gelesen

bearbeitet von Taurec, Donnerstag, 09. Juli 2020, 15:27

Hallo!

Aber wieso könnte das ein Weltkrieg gewesen sein? Spanien war damals das mächtigste und reichste Land der Welt aufgrund des Goldes aus Amerika. Zudem entwickelte sich die Konfrontation zwischen Spanien und England langsam als englische Freibeuter spanische Schiffe in der Karibik überfielen. In gewisser Hinsicht war das also schon ein transatlantischer Krieg.

Die Frage ist, was dieses wilde Herumdefinieren für unsere gegenwärtige Fragestellung überhaupt bringt.
Antwort: gar nichts!
Die historischen Kriege (etwa bis zur Wende um 1800) waren ihre Natur nach ganz andere Kriege. Die abendländische Geschichte war damals im Wesentlichen die Geschichte der in Europa herrschenden Dynastien. Ob sich deren Konflikte regional, kontinental oder kontinentübergreifend abspielten, hing davon ab, ob deren Reiche die entsprechenden Räume umfaßten. Tatsächlich war beispielsweise der weite Teile Europas umfassende Spanische Erbfolgekrieg 1701–1714 dem Muster nach nicht wesentlich verschieden vom Landshuter Erbfolgekrieg 1504/05, der allerdings nur innerhalb Bayerns stattfand.
Die neuen Kriege seit den Revolutionskriegen sind keine dynastischen Kriege mehr (die bisweilen mit Religion lediglich verbrämt wurden!), sondern Kriege wegen und um Ideen und Ideologien. Das ist der Unterschied, der einen Weltkrieg ausmacht!

Die napoleonischen Kriege galten als Weltkriege, nicht nur gemäß Taurec. Aber sie verloren diesen „Status“ später irgendwie und die Einordnung als Weltkrieg folgt bei der Wikipedia einer anderen Begründung als bei Taurec.

Ja, weil bis zum heutigen Tage so gut wie jeder, der über Geschichte schreibt, keine Ahnung von den tieferen Abläufen hat und nur oberflächliche Unterschiede vergleicht.

Für die Wikipedia sind auch die napoleonischen Kriege transatlantische Kriege. Vielleicht weil Frankreich damals noch Kolonien in Nordamerika und in der Karibik hatte.

Das ist eine bloße Zuälligkeit. Ohne die Kolonien wäre der Krieg in Europa seinem Sinn nach kein anderer gewesen.

Die Wikipedia zitiert Karl Marx: „Revolutionäre Erhebung der französischen Arbeiterklasse, Weltkrieg – das ist die Inhaltsanzeige des Jahres 1849“. Taurecs Definition folgt eher dieser Idee, weil auch Karl Marx an eine Neuordnung der Zivilisation dachte. Die Wikipedia folgt dieser Idee, einen Weltkrieg als ein Ringen um eine neue Gestalt der Zivilisation zu betrachten, nur beim Krieg gegen den Terror, für den sie extra in direkter und nochmal in indirekter Weise den Begriff Vierter Weltkrieg definiert. Der kommunistische Klassenkampf ist zwar vor kurzem in den USA ausgebrochen, aber der Krieg gegen den Terror wurde schon vor vielen Jahren ausgerufen. Falls dieser der Vierte Weltkrieg ist, dann müssen wir den Dritten Weltkrieg wohl irgendwie verpaßt haben.

Und neulich wurde der "Krieg gegen Corona" ausgerufen, das wär dann der 5. Weltkrieg?
Demnächst wird man den "Krieg gegen die Armut" ausrufen, der dann der 6. Weltkrieg wäre?

Allerdings stellt sich mir jetzt die Frage, was eigentlich die „deutsche Idee“ ist.

Kurzfassung

"Die Macht gehört dem Ganzen. Der einzelne dient ihm. Das Ganze ist souverän. Der König ist nur der erste Diener seines Staates (Friedrich der Große). Jeder erhält seinen Platz. Es wird befohlen und gehorcht. Dies ist, seit dem 18. Jahrhundert, autoritativer Sozialismus, dem Wesen nach illiberal und antidemokratisch [...]. Es ist aber auch klar, daß der preußische Instinkt antirevolutionär ist."

Die "deutsche Idee" ist allerdings nicht platt sozialistisch, wie sie seit dem 19. Jahrhundert (von linker Seite kommend) verstanden wird. Wären die Begriffe nicht anrüchig geworden, so wäre "völkischer Sozialismus" treffend, allerdings mit einer starken aristokratischen und spirituellen Komponente, die im Kaiserreich noch, in Hitlers linkem Nationalsozialismus nicht mehr vorhanden war. Letzterer zehrte ja im Wesentlichen vom dahin noch sattsam vorhandenen deutschen Geist, mißbrauchte ihn für materialistische und irregeleitete Zielsetzungen, konnte aber selbst nichts höheres bieten.
Die deutsche Idee, die sich vielleicht besser als "spirituelle Volksgemeinschaft" bezeichen läßt, ist gegen den Individualismus gerichtet, aber nicht gegen das Individuum, dem sie einen Sinn gibt, weil sie es in etwas einbidet, das den Einzelnen übersteigt, und seinem selbstbezogenen Dasein eine höhere, es transzendierende Richtung gibt. Der deutsche Instinkt für das "Ganze" wirkt zu jeder Zeit und für jedes System, für das er eingespannt wird. Letztlich will er nach oben, zu einer Ordnung, ist aber ziellos und daher darauf angewiesen, daß ihm das Ziel von einer Elite vorgegeben wird. Fühlt sich diese Elite als "erste Diener" dem Volk verpflichtet, handelt es sich um eine edle, wohlerzogene und gebildete Schicht, die das Höhere vorlebt, dann geht es aufwärts. Ist wie heute ein fremden Herrschern verpflichtetes, degeneriertes und schon optisch häßliches Klüngel an der Spitze, geht es abwärts.

Dagegen der englische und amerikanische Instinkt:
"Die Macht gehört dem Einzelnen. Freier Kampf des einen gegen den andern; Triumph des Stärkeren: Liberalismus, Ungleichheit."

Das ist der eigentliche "Recht des Stärkeren". Darwin, ein englischer Kopf, gibt den dort herrschenden Geist vor und ist nicht umsonst eine Koryphäe der heutigen Zivilisation. Hätten wir einen der Weltkriege gewonnen, wäre sein Erbe heute wahrscheinlich längst abgeräumt und vergessen.
Das Recht des Stärkeren ist das Recht desjenigen mit den nötigen Finanzmitteln, um sich durchzusetzen, Regierungen und Parteien zu kaufen, die Medien zu kontrollieren, Gesetze und öffentliche Meinung zu manipulieren, Grenzen niederzureißen, sich ganze Wirtschaftszweige und Volksvermögen anzueignen. Verbrämt wird diese Tatsache, die größtmögliche Ungleichheit der Herrschenden und der Beherrschten zur Folge hat (die Herrscher sind keine "principi inter pares" wie unter der deutschen Idee), mit der nur Flachköpfen und Primitivlingen imponierenden Ideologie der Demokratie und Menschenrechte.

Einerseits ist nicht alles Gold was glänzt und vor allem das nicht, was aus den USA kommt. Das zeigt sich in den jüngsten Ereignissen deutlich und auch das in Deutschland gelegte besonders faule Fundament zeigt sich jetzt deutlich. Andererseits hatte Deutschland innerhalb nur eines Jahrhunderts gleich zwei Diktaturen. Zurück zur Diktatur gilt hoffentlich nicht als Alternative zu Demokratie und Menschenrechten?

Nein, Diktatur ist nicht die Alternative zu Demokratie und Menschenrechten, weil diese nur eine andere Form der "Diktatur" sind, insofern man als "Diktatur" die rücksichtslose, Menschen und Völker vernichtende Durchsetzung weltfremder und verächtlicher Ideologien versteht. Wo Demokratie und Menschenrechte gefordert und durchgesetzt werden, bedeutet dies stets nur die Unterdrückung von Völkern und Entrechtung von Menschen.
Die Behauptung von Menschen- und Völkerrechten erfordert in letzter Konsequenz die Zurückdrängung der Ansprüche jeweils anderer Völker und Menschen. Dies führt, sobald diese Rechte von allen gegenüber allen zu achten sind, unweigerlich zur Abschaffung von Völkern und Menschen, also zum kollektiven Selbstmord, denn letztlich muß schon die eigene Existenz als Einschränkung der Rechte anderer verstanden werden. Selbstverzicht, also der Verzicht auf sich selbst, ist die Antwort. Die Folgen der Menschen- und Völkerrechtsideologie können wir heute überall in der westlichen Zivilisation erleben. Man mache sich nicht zum Gehilfen und Befürworter des Massen- und Völkermords, indem man dem geistig nachfolgt.
Weil Demokratie und Menschen-/Völkerrechte nur eine Art säkularer Religion sind, und zwar die dümmste seit Menschengedenken, ist die Alternative nicht "Diktatur" (eine Art des Regierens, die auch Demokraten eignet), sondern eine andere Form der Religion, nämlich eine, die auf das Transzendente und das Jenseits zielt und der göttlichen Ordnung nacheifert, in der zwar alle Menschen vor Gott gleich viel wert, aber nicht gleichartig sind, und daher auch mit unterschiedlichen Rechten und Pflichten gegenüber dem Ganzen versehen werden müssen, soll das Ganze die göttliche Ordnung nachbilden.

Gruß
Taurec


„Es lebe unser heiliges Deutschland!“

„Alles, was tief ist, liebt die Maske.“

Respekt, Taurec

DerUngar @, Samstag, 11. Juli 2020, 20:43 vor 82 Tagen @ Taurec 595 mal gelesen

Hallo Taurec,

danke für diesen Beitrag - "deutsch, nicht dumpf", ist alles was mir darauf einfällt.

Meinen Hut ziehe ich (digital) vor dir.

Beste Grüße

DerUngar

Die Demokratie ist das beste System unter allen Zivilisationssystemen

SiriusB @, Sonntag, 12. Juli 2020, 10:09 vor 81 Tagen @ Taurec 555 mal gelesen

Guten Tag,

ja der Oswald Spenlger mit seiner Idee vom deutschen Sozialismus.
Den deutschen Sozialismus in seiner Reinform durften wir
ja in Mitteldeutschland von 1949 - 1989 erleben.
Im direkten Vergleich der Systeme hat die DDR haushoch verloren
und das Wendejahr 1989 war eine Sternstunde des amerikanischen Imperiums
Mittlerweile ist dieser US Imperialismus an seine Grenzen angekommen,
aber man kann rückblickend sagen die Zeit 1970-2000 war eine absolute
Blütezeit was die westliche Welt angeht.
Wir hatten die besten Kinofilme in der Menschheitsgeschichte, die besten
Videospiele und auch die beste englischsprachige Popmusik (1980-1985).
Bevor ihr jetzt alle in schallendes Gelächter ausbrecht oder vielleicht auch Wutgefühle
empfindet, ich weiß dass man das auch sarkastisch verstehen könnte.
Aber mal im Ernst da sind teilweise wirklich auch große Mengen an kreativer Energie,
in diese Dinge hineingeflossen, das tolle an der Zivilisation ist, das sozusagen kreative Genies
inkarnieren können und ihre Werke dann der Masse zur Verfügung stellen können.
Es gibt Quentin Tarantino Filme in denen teilweise über 100 Mal das Wort "Nigger" vorkommt,
trotzdem mag ich seine Filme irgendwie, und auch die links ideologisch politisch korrekten
Süddeutsche Zeitungs-Menschen tun das.
Jetzt in Zeiten der Corona Krise zeigt sich noch ein ganz anderer positiver Aspekt der Demokratie
vor allem der deutschen BRD Demokratie und der schweizerischen und österreichischen Demokratie.
Es gibt global eine Tendenz sämtlicher Eliten, die Masse in eine immer perversere Komplettüberwachung zu bringen,
eine Art George Orwell "1984 Staat".
In China ! hat das ganze schon sehr perverse Formen angenommen und wird wohl noch viel perversere Formen
annehmen.
In den deutschsprachigen demokratischen Ländern hat das Volk das in großen Teilen derlei Tendenzen
verabscheut, sehr realistische Chancen die schlimmsten Auswüchse wenn auch nicht alles zu verhindern.
Ende der sechziger, Anfang der siebziger Jahre wurde zu linken USA Kritikern oft der Spruch gesagt
"Geh doch rüber", solche Sprüche möchte ich hier in diesem Forum nicht bringen, aber vielleicht
sollte es zumindest doch manchmal auch seltene und leise Momente der Dankbarkeit geben, dass wir
im dem Deutschland der heutigen Zeit leben dürfen.

Grüße an alle.

Avatar

Dein Plädoyer für die blaue Pille

Taurec ⌂ @, München, Sonntag, 12. Juli 2020, 12:48 vor 81 Tagen @ SiriusB 821 mal gelesen

bearbeitet von Taurec, Sonntag, 12. Juli 2020, 13:08

Hallo!

Den deutschen Sozialismus in seiner Reinform durften wir
ja in Mitteldeutschland von 1949 - 1989 erleben.

Das war nicht die "Reinform", sondern eine Ausprägung, die dieser von Deutschen betriebene Staat unter den geopolitischen und ideologischen Voraussetzungen annehmen mußte. Ähnliches erleben wir in der derzeitigen BRD, die unter den Rahmenbedingungen ihrer Existenz den beobachteten Weg nehmen muß. Zu beachten ist, daß beide Staaten (wie schon zuvor die Weimarer Republik und das Dritte Reich) eine negative Grundausrichtung besitzen, weil sie mit modernen Ideologien in ihren Genen (Demokratie und Menschenrechten, Faschismus, linkem Sozialismus und nun Eine-Welt-Sozialismus) nicht nur idealistisch einer utopischen Zukunft entgegenleben, sondern diese Zukunft durch Negation und Überwindung des Alten erreichen wollen.
Was Spengler dagegen in Zusammenhang mit dem deutschen Instinkte als Sozialismus bezeichnete, hat er nicht umsonst mit den Preußen und Friedrich dem Großen in Verbindung gesetzt. Es ist eine geistige Haltung des Zusammenwirkens für etwas Höheres, was das eigene Leben übersteigt, die sich mindestens bis zu den Kreuzzügen und zum Deutschen Orden zurückverfolgen läßt und das deutsche Wesen ausmacht.

Im direkten Vergleich der Systeme hat die DDR haushoch verloren
und das Wendejahr 1989 war eine Sternstunde des amerikanischen Imperiums
Mittlerweile ist dieser US Imperialismus an seine Grenzen angekommen,
aber man kann rückblickend sagen die Zeit 1970-2000 war eine absolute
Blütezeit was die westliche Welt angeht.

Es war die Zeit, in der die sich lange vorbereitet habenden Verfallserscheinungen (geistig und politisch sich z. B. verdichtend in den "68ern") die Oberhand gewannen und den größten Nagel in den Sarg der europäischen Kultur trieben.

Wir hatten die besten Kinofilme in der Menschheitsgeschichte, die besten
Videospiele und auch die beste englischsprachige Popmusik (1980-1985).

Der verhausschweinte Mensch in seinem goldenen Käfig bekam die allerbestesten Möglichkeiten der primitiven Bedürfnisbefriedigung. => Der Sieg des Materialismus über den allzu schwach gewordenen Geist.

Aber mal im Ernst da sind teilweise wirklich auch große Mengen an kreativer Energie,
in diese Dinge hineingeflossen, das tolle an der Zivilisation ist, das sozusagen kreative Genies
inkarnieren können und ihre Werke dann der Masse zur Verfügung stellen können.

Dennoch wiegen Abermillionen filmerische, musikalische und belletristische Kreationen (ganz zu schweigen von den architektonischen und in anderen Kunstsparten verbrochenen Monstrositäten) die Schöpfungen nicht auf, die in 1000 Jahren abendländischer Kultur hervorgebracht wurden. Die Zivilisation in ihrer wachsenden Primitivität und Entgeistigung muß Qualität durch Quantität ersetzen in der nie bestätigten Hoffnung, daß unter hunderten Millionen in einer Surrogatenwelt gezüchteten Massenmenschen wenigstens eine Handvoll ist, die etwas Bedeutendes hervorbringt.

Deine Ausführungen kranken an einem grundlegenden Mißverständnis: Du setzt allein zu Unterhaltungszwecken Hervorgebrachtes mit kulturellen Schöpfungen gleich, die das Seelentum des Menschen ausdrücken und ihm etwas über sich selbst und Gottes Schöpfung mitteilen, die also eine Form der Selbsterfahrung und Reifung innerhalb der Möglichkeiten der Hochkultur darstellen.
Dieser Unterschied spiegelt sich (zivilisationstypisch ins ökonomische verflacht) in der Unterscheidung zwischen E- und U-Musik wider.
Der Unterschied wird aus Unverständnis natürlich wieder aufgeweicht, weil der verhausschweinte Mensch selbst klassische Musik oder die Schöpfungen der Vorfahren auf anderen Gebieten nur noch zur eigenen Unterhaltung konsumieren kann und nicht mehr begreift, was seine Vorfahren darin sahen und daraus zogen.

Es gibt Quentin Tarantino Filme in denen teilweise über 100 Mal das Wort "Nigger" vorkommt,
trotzdem mag ich seine Filme irgendwie, und auch die links ideologisch politisch korrekten
Süddeutsche Zeitungs-Menschen tun das.

Dein Impetus erschöpft sich offenbar in Konsum und Unterhaltung.

Jetzt in Zeiten der Corona Krise zeigt sich noch ein ganz anderer positiver Aspekt der Demokratie
vor allem der deutschen BRD Demokratie und der schweizerischen und österreichischen Demokratie.
Es gibt global eine Tendenz sämtlicher Eliten, die Masse in eine immer perversere Komplettüberwachung zu bringen, eine Art George Orwell "1984 Staat".
In China ! hat das ganze schon sehr perverse Formen angenommen und wird wohl noch viel perversere Formen
annehmen.
In den deutschsprachigen demokratischen Ländern hat das Volk das in großen Teilen derlei Tendenzen
verabscheut, sehr realistische Chancen die schlimmsten Auswüchse wenn auch nicht alles zu verhindern.

Nein, das haben sie nicht. Statt dessen versuchen Oppositionelle und Systemkritiker auf Grundlage demokratischer Werte gegen die zwangsläufigen Folgen der Demokratie anzugehen. Sie meinen, das Übel läge nicht in der Demokratie, sondern daß sie falsch umgesetzt worden wäre. In Wirklichkeit ist die Demokratie vielmehr endperfektioniert und so formvollendet umgesetzt, wie sie nur umgesetzt werden kann. Die Entmündigung jedes Einzelnen zugunsten eines bloß postulierten aber inexistenten Massenwillens, der von selbsternannten Volksvertretern vorgeblich umgesetzt wird, ist einziger Zweck und alleiniges Ziel aller auf diesem Planeten seit seiner Entstehung bis zur Explosion der Sonne umgesetzten demokratischen Versuche, die außerhalb begrenzter Gruppen durch Geburtsrecht gleichwertiger Männer stattfinden.
Letztlich werden alle Aktionen, die von diesen falschen Grundannahmen ausgehend getätigt werden, nicht zu einer Änderung, sondern einer Stabilisierung des Systems führen mit allen negativen Folgen der Geldherrschaft und ihres politischen Mittels, der Demokratie: Entrechtung und Enteignung der Massen, Zerstörung gewachsener Strukturen und Traditionen, um sie durch ein technokratisch geregeltes Sklavensystem zu ersetzen, in dem der sich "befreit" dünkende letzte Mensch lediglich in einem gewissen Rahmen bestimmen kann, welche Sklavenrolle er einnimmt und in Form welcher Konsumgüter er sich für den Verkauf seiner Seele seinen Lohn auszahlen läßt. Mehr interessiert ihn nicht, mehr kann er nicht denken, für anderes hat er kein Verständnis.

Ende der sechziger, Anfang der siebziger Jahre wurde zu linken USA Kritikern oft der Spruch gesagt
"Geh doch rüber", solche Sprüche möchte ich hier in diesem Forum nicht bringen, aber vielleicht
sollte es zumindest doch manchmal auch seltene und leise Momente der Dankbarkeit geben, dass wir
im dem Deutschland der heutigen Zeit leben dürfen.

Einen solchen Spruch kannst Du auch gar nicht bringen, weil die Alternative zum westlichen System nicht etwa das chinesische System oder ein anderes augenblicklich auf diesem Planeten existierendes, sondern eine sozial hierarchisch-ständisch strukturierte, politisch dem monarchisch-dynastischen Prinzip folgende, ökonomisch auf Subsistenzwirtschaft und Gold und Silber basierende, spirituell auf Selbsttranszendierung, Selbstveredelung und Gottgefälligkeit ausgerichtete Ordnung wäre, die in einer zur waldreichen Kulturlandschaft umgebildeten Wildnis mit nicht mehr als 30 Menschen pro km² und Städten von höchstens 20.000 Einwohnern existiert.
Der Spruch "Wenn es Dir hier nicht gefällt, dann geh' doch ins 13. Jahrhundert" geht ins Leere und wäre blanker Hohn.

Vom Standpunkte wiederholter Inkarnationen aus betrachtet, kann man der Erfahrung willen "dankbar" sein, hier geboren worden zu sein, nicht aber, weil hier alle Lebensprobleme letzthinnig gelöst worden wären. Statt dessen ist diese ganze Epoche ein einziges Problem, das sich wahrscheinlich erst auflösen wird, wenn der Zivilisationsmensch endlich aufhört, Probleme lösen zu wollen, was vermutlich nicht durch Einsicht stattfinden wird, sondern indem der Zivilisationsmensch mit seiner Zivilisation verschwindet.

Obwohl der heute auch schon abgedroschen ist, zitiere ich Nietzsche:
"Es kommt die Zeit des verächtlichsten Menschen, der sich selber nicht mehr verachten kann.

Seht! Ich zeige euch den letzten Menschen. Was ist Liebe? Was ist Schöpfung? Was ist Sehnsucht? Was ist Stern? – so fragt der letzte Mensch und blinzelt. Die Erde ist dann klein geworden, und auf ihr hüpft der letzte Mensch, der alles klein macht. Sein Geschlecht ist unaustilgbar wie der Erdfloh; der letzte Mensch lebt am längsten.

Wir haben das Glück erfunden – sagen die letzten Menschen und blinzeln. Sie haben die Gegenden verlassen, wo es hart war zu leben; denn man braucht Wärme. Man liebt noch den Nachbar und reibt sich an ihm: denn man braucht Wärme. Krankwerden und Misstrauenhaben gilt ihnen als sündhaft: man geht achtsam einher. Ein Tor, der noch über Steine oder Menschen stolpert!

Ein wenig Gift ab und zu: das macht angenehme Träume. Und viel Gift zuletzt, zu einem angenehmen Sterben. Man arbeitet noch, denn Arbeit ist eine Unterhaltung. Aber man sorgt, dass die Unterhaltung nicht angreife. Man wird nicht mehr arm und reich: beides ist zu beschwerlich. Wer will noch regieren? Wer noch gehorchen? Beides ist zu beschwerlich.

Kein Hirt und eine Herde! Jeder will das Gleiche, jeder ist gleich: Wer anders fühlt, geht freiwillig ins Irrenhaus. Ehemals war alle Welt irre – sagen die Feinsten und blinzeln. Man ist klug und weiß alles, was geschehen ist: so hat man kein Ende zu spotten. Man zankt sich noch, aber man versöhnt sich bald – sonst verdirbt es den Magen.

Man hat sein Lüstchen für den Tag und sein Lüstchen für die Nacht: aber man ehrt die Gesundheit.

Wir haben das Glück erfunden – sagen die letzten Menschen und blinzeln."

Damit dürfte eigentlich alles gesagt sein.

Gruß
Taurec


„Es lebe unser heiliges Deutschland!“

„Alles, was tief ist, liebt die Maske.“

Erbe und Ausblick

rauhnacht @, Sonntag, 12. Juli 2020, 19:18 vor 81 Tagen @ Taurec 590 mal gelesen

Hallo Taurec,


Nein, das haben sie nicht. Statt dessen versuchen Oppositionelle und Systemkritiker auf Grundlage demokratischer Werte gegen die zwangsläufigen Folgen der Demokratie anzugehen. Sie meinen, das Übel läge nicht in der Demokratie, sondern daß sie falsch umgesetzt worden wäre. In Wirklichkeit ist die Demokratie vielmehr endperfektioniert und so formvollendet umgesetzt, wie sie nur umgesetzt werden kann. Die Entmündigung jedes Einzelnen zugunsten eines bloß postulierten aber inexistenten Massenwillens, der von selbsternannten Volksvertretern vorgeblich umgesetzt wird, ist einziger Zweck und alleiniges Ziel aller auf diesem Planeten seit seiner Entstehung bis zur Explosion der Sonne umgesetzten demokratischen Versuche, die außerhalb begrenzter Gruppen durch Geburtsrecht gleichwertiger Männer stattfinden.
Letztlich werden alle Aktionen, die von diesen falschen Grundannahmen ausgehend getätigt werden, nicht zu einer Änderung, sondern einer Stabilisierung des Systems führen mit allen negativen Folgen der Geldherrschaft und ihres politischen Mittels, der Demokratie: Entrechtung und Enteignung der Massen, Zerstörung gewachsener Strukturen und Traditionen, um sie durch ein technokratisch geregeltes Sklavensystem zu ersetzen, in dem der sich "befreit" dünkende letzte Mensch lediglich in einem gewissen Rahmen bestimmen kann, welche Sklavenrolle er einnimmt und in Form welcher Konsumgüter er sich für den Verkauf seiner Seele seinen Lohn auszahlen läßt. Mehr interessiert ihn nicht, mehr kann er nicht denken, für anderes hat er kein Verständnis.

Ende der sechziger, Anfang der siebziger Jahre wurde zu linken USA Kritikern oft der Spruch gesagt
"Geh doch rüber", solche Sprüche möchte ich hier in diesem Forum nicht bringen, aber vielleicht
sollte es zumindest doch manchmal auch seltene und leise Momente der Dankbarkeit geben, dass wir
im dem Deutschland der heutigen Zeit leben dürfen.


Einen solchen Spruch kannst Du auch gar nicht bringen, weil die Alternative zum westlichen System nicht etwa das chinesische System oder ein anderes augenblicklich auf diesem Planeten existierendes, sondern eine sozial hierarchisch-ständisch strukturierte, politisch dem monarchisch-dynastischen Prinzip folgende, ökonomisch auf Subsistenzwirtschaft und Gold und Silber basierende, spirituell auf Selbsttranszendierung, Selbstveredelung und Gottgefälligkeit ausgerichtete Ordnung wäre, die in einer zur waldreichen Kulturlandschaft umgebildeten Wildnis mit nicht mehr als 30 Menschen pro km² und Städten von höchstens 20.000 Einwohnern existiert.
Der Spruch "Wenn es Dir hier nicht gefällt, dann geh' doch ins 13. Jahrhundert" geht ins Leere und wäre blanker Hohn.

Vom Standpunkte wiederholter Inkarnationen aus betrachtet, kann man der Erfahrung willen "dankbar" sein, hier geboren worden zu sein, nicht aber, weil hier alle Lebensprobleme letzthinnig gelöst worden wären. Statt dessen ist diese ganze Epoche ein einziges Problem, das sich wahrscheinlich erst auflösen wird, wenn der Zivilisationsmensch endlich aufhört, Probleme lösen zu wollen, was vermutlich nicht durch Einsicht stattfinden wird, sondern indem der Zivilisationsmensch mit seiner Zivilisation verschwindet.

Obwohl der heute auch schon abgedroschen ist, zitiere ich Nietzsche:
"Es kommt die Zeit des verächtlichsten Menschen, der sich selber nicht mehr verachten kann.

Seht! Ich zeige euch den letzten Menschen. Was ist Liebe? Was ist Schöpfung? Was ist Sehnsucht? Was ist Stern? – so fragt der letzte Mensch und blinzelt. Die Erde ist dann klein geworden, und auf ihr hüpft der letzte Mensch, der alles klein macht. Sein Geschlecht ist unaustilgbar wie der Erdfloh; der letzte Mensch lebt am längsten.

Wir haben das Glück erfunden – sagen die letzten Menschen und blinzeln. Sie haben die Gegenden verlassen, wo es hart war zu leben; denn man braucht Wärme. Man liebt noch den Nachbar und reibt sich an ihm: denn man braucht Wärme. Krankwerden und Misstrauenhaben gilt ihnen als sündhaft: man geht achtsam einher. Ein Tor, der noch über Steine oder Menschen stolpert!

Ein wenig Gift ab und zu: das macht angenehme Träume. Und viel Gift zuletzt, zu einem angenehmen Sterben. Man arbeitet noch, denn Arbeit ist eine Unterhaltung. Aber man sorgt, dass die Unterhaltung nicht angreife. Man wird nicht mehr arm und reich: beides ist zu beschwerlich. Wer will noch regieren? Wer noch gehorchen? Beides ist zu beschwerlich.

Kein Hirt und eine Herde! Jeder will das Gleiche, jeder ist gleich: Wer anders fühlt, geht freiwillig ins Irrenhaus. Ehemals war alle Welt irre – sagen die Feinsten und blinzeln. Man ist klug und weiß alles, was geschehen ist: so hat man kein Ende zu spotten. Man zankt sich noch, aber man versöhnt sich bald – sonst verdirbt es den Magen.

Man hat sein Lüstchen für den Tag und sein Lüstchen für die Nacht: aber man ehrt die Gesundheit.

Wir haben das Glück erfunden – sagen die letzten Menschen und blinzeln."

Hervorragend! Vielen Dank

Gruß
Rauhnacht

Der Musiker meldet sich zu Wort

Frank Zintl @, Lund, Donnerstag, 30. Juli 2020, 10:34 vor 63 Tagen @ Taurec 541 mal gelesen

Hallo

Die Unterscheidung zwischen E- und U-Musik ist in der Fachwelt umstritten
und eigentlich völlig unbrauchbar. Es gibt keine objektiven und normativen
Kriterien, ein bestimmtes Musikstück eindeutig der einen oder anderen Sparte
zuzuordnen.

Es gibt einen Konsensus, nach dem z.B. die "Musikantenstadel"-Musik eindeutig
mit dem hohen künstlerischen Anspruch der "E-Musik" rein gar nichts zu tun
hat. Um ein Beispiel zu nenne, wo die Unterscheidung vielleicht Sinn macht.

Ansonsten erscheint mir die Unterscheidung "apollinisch-dionysisch" von Nietzsche
sinnvoller, denn sie wertet nicht.

Es gibt in der "U-Musik" Perlen mit künstlerischen Qualitäten, und es gibt und
gab auch in der "E-Musik" flache Massenproduktion für den Augenblick.

Die Unterscheidung entstand erst, als sich im frühen 19. Jahrhundert Musiker von
der klassischen Richtung abnabelten und sich auf leichte Unterhaltungsmusik
spezialisierten. Zu nennen ist da repräsentativ die Gründung reiner Tanzorchester
in Wien um 1830 - die Orchester von Lanner und Johann Strauss Vater.

Noch Beethoven und Schubert hatten sowohl die E-Musik als auch die U-Musik mit
Werken bedacht, weshalb ihnen die Unterscheidung auch sinnlos vorgekommen wäre.

Mal abgesehen von offensichtlichen musikalischen Eintagsfliegen wie den Schlagern
der volkstümlichen Branche ist die Unterscheidung zwischen E-Musik und U-Musik
gekünstelt.

Wenn wir mal etwas zurückgehen in die Glanzzeit des Swing und der grossen Tanz-
orchester der 40-er bis 70-er, so finden wir im Repertoire dieser Ensembles
Stücke, die nach den gleichen Satzregeln - und oft sehr raffiniert - geschrieben
sind wie die Werke der Klassiker. Glenn Miller oder auch Deutsche wie Bert
Kaempfert waren echte Könnner der Komposition und des Arrangements. Sie konnten
die alten Regeln aus dem FF und wandten sie nutzbringend an. Deshalb leben ihre
Stücke auch heute noch.

Umgekehrt: wen interessiert heute noch die 33. Symphonie von Carl Stamitz oder das
27. Streichquintett von Boccherini ?

Angemerkt: ich kenne diese Werke selbst nicht, aber diese Komponisten haben so viel
geschrieben, dass die Werke vermutlich existieren.

Es hat immer musikalische Massenware gegeben, und bislang hat nahezu jede Stilrichtung
auch "Perlen" hervorgebracht.

Im späten 19. Jahrhundert gab es Befürchtungen, dass der Wagner-Stil die Musik ins
Verderben fuhren würde. Aber das geschah nicht. Wagner hatte keine direkten Nachfolger.

Frank

In der Ablehnung des Materialismuses stimmen wir überein

Isana Yashiro @, Dienstag, 14. Juli 2020, 06:50 vor 79 Tagen @ Taurec 541 mal gelesen

Hallo!

Die Frage ist, was dieses wilde Herumdefinieren für unsere gegenwärtige Fragestellung überhaupt bringt.
Antwort: gar nichts!

Was auch immer deine gegenwärtige Fragestellung ist, meine ist die Frage danach was die Zukunft bringt. Der Zukunft wenigstens ein paar Geheimnisse abzuringen ist für mich der einzige Grund dafür mich überhaupt mit Schauungen und verwandten Themen zu beschäftigen. „Dieses wilde Herumdefinieren“ hat zumindest mir gebracht, daß ich nun weiß wie Ankündigungen eines Dritten Weltkriegs eingeordnet werden können. Die Verwendung des Wortes Weltkrieg zielt entweder auf Panikmache ab oder bezeichnet, relativ objektiv, eine tiefgreifende Umwandlung in der Gesellschaft. Letztere dürfte auf paranormalem Weg kaum primär als Kriegshandlung geschaut werden. Die Veränderung als Folge der Ereignisse wäre schließlich der wichtige Teil der Botschaft.

Ja, weil bis zum heutigen Tage so gut wie jeder, der über Geschichte schreibt, keine Ahnung von den tieferen Abläufen hat und nur oberflächliche Unterschiede vergleicht.

Hier bist Du nicht konsequent, denn Du wendest schließlich dieselbe wissenschaftliche Methode des Vergleichens an, um Prophezeiungen als Plagiate oder als Fälschungen zu entlarven. Du glaubst auch nicht, daß diejenigen Prophezeiungen, die von Geistlichen stammen, deshalb automatisch korrekt und von göttlichem Geist inspiriert sein müßten. Warum sollten Historiker einfach irgendeiner Autorität glauben müssen? Anstatt die gleiche wissenschaftliche Methode anzuwenden, die Du auch anwendest? Womit ich keineswegs behaupten will, daß die Wikipedia richtig läge! Die Wikipedianer sind schließlich auch keine Historiker, sondern geben nur jene Theorien und Ergebnisse wieder, die politisch opportun sind.

Und neulich wurde der "Krieg gegen Corona" ausgerufen, das wär dann der 5. Weltkrieg?
Demnächst wird man den "Krieg gegen die Armut" ausrufen, der dann der 6. Weltkrieg wäre?

Den „Krieg gegen die Drogen“ und den „Krieg gegen den Krebs“ sollten wir dabei nicht vergessen! Die liegen zeitlich beide noch vor dem Vierten Weltkrieg. Die Nummerierung ist nicht so gelungen, aber sie stammt schließlich aus der Wikipedia. Die Wikipedia ist ein sehr gutes Nachschlagewerk in den Fällen, in denen es um wirklich unbestreitbare Fakten geht, aber sonst nicht die beste Quelle.

Allerdings stellt sich mir jetzt die Frage, was eigentlich die „deutsche Idee“ ist.


Kurzfassung

"Die Macht gehört dem Ganzen. Der einzelne dient ihm. Das Ganze ist souverän. Der König ist nur der erste Diener seines Staates (Friedrich der Große). Jeder erhält seinen Platz. Es wird befohlen und gehorcht. Dies ist, seit dem 18. Jahrhundert, autoritativer Sozialismus, dem Wesen nach illiberal und antidemokratisch [...]. Es ist aber auch klar, daß der preußische Instinkt antirevolutionär ist."

Die "deutsche Idee" ist allerdings nicht platt sozialistisch, wie sie seit dem 19. Jahrhundert (von linker Seite kommend) verstanden wird. Wären die Begriffe nicht anrüchig geworden, so wäre "völkischer Sozialismus" treffend, allerdings mit einer starken aristokratischen und spirituellen Komponente, die im Kaiserreich noch, in Hitlers linkem Nationalsozialismus nicht mehr vorhanden war. Letzterer zehrte ja im Wesentlichen vom dahin noch sattsam vorhandenen deutschen Geist, mißbrauchte ihn für materialistische und irregeleitete Zielsetzungen, konnte aber selbst nichts höheres bieten.
Die deutsche Idee, die sich vielleicht besser als "spirituelle Volksgemeinschaft" bezeichen läßt, ist gegen den Individualismus gerichtet, aber nicht gegen das Individuum, dem sie einen Sinn gibt, weil sie es in etwas einbidet, das den Einzelnen übersteigt, und seinem selbstbezogenen Dasein eine höhere, es transzendierende Richtung gibt. Der deutsche Instinkt für das "Ganze" wirkt zu jeder Zeit und für jedes System, für das er eingespannt wird. Letztlich will er nach oben, zu einer Ordnung, ist aber ziellos und daher darauf angewiesen, daß ihm das Ziel von einer Elite vorgegeben wird.

Wahrscheinlich habe ich das damals gelesen und mich davon beeinflussen lassen. Das Streben nach Einigung ist nämlich auch das Einzige, was mir als charakteristisch deutsch einfiele. Deshalb sind schließlich vor allem Deutsche davon überzeugt, daß die Europäische Union eine gute Idee ist und langfristig gesehen funktionieren wird.

Fühlt sich diese Elite als "erste Diener" dem Volk verpflichtet, handelt es sich um eine edle, wohlerzogene und gebildete Schicht, die das Höhere vorlebt, dann geht es aufwärts. Ist wie heute ein fremden Herrschern verpflichtetes, degeneriertes und schon optisch häßliches Klüngel an der Spitze, geht es abwärts.

Ja, ich hatte im Geschichtsunterricht immer Schwierigkeiten damit, zu verstehen warum sich viele Völker gegen fremde Herrscher aufgelehnt haben, obwohl man doch von der eigenen Regierung auf die gleiche Weise ausgeplündert wird. Inzwischen habe ich endlich verstanden, daß sich die deutsche Regierung dem deutschen Volk gegenüber nicht so verhält wie eine Regierung aus den eigenen Reihen das tun sollte. Die deutsche Regierung benimmt sich wie das eigentlich nur fremde Herrscher tun. Das war weniger leicht zu erkennen als die deutsche Regierung noch einigermaßen die deutsche Sprache beherrschte und noch die deutsche Kultur und die deutsche Mentalität kannte.

Dagegen der englische und amerikanische Instinkt:
"Die Macht gehört dem Einzelnen. Freier Kampf des einen gegen den andern; Triumph des Stärkeren: Liberalismus, Ungleichheit."

Das ist der eigentliche "Recht des Stärkeren". Darwin, ein englischer Kopf, gibt den dort herrschenden Geist vor und ist nicht umsonst eine Koryphäe der heutigen Zivilisation. Hätten wir einen der Weltkriege gewonnen, wäre sein Erbe heute wahrscheinlich längst abgeräumt und vergessen.

Dann habe ich eine gute Nachricht für Dich: Genau das ist passiert! Also nicht das, daß wir einen der Weltkriege gewonnen hätten. Die waren nicht zu gewinnen.

Es gibt viele Lehnstuhlgeneräle, die meinen hätte man dieses oder jenes anders gemacht, dann hätte das den gesamten Kriegsverlauf geändert. Das kann man sich schenken. Fehler passieren immer und auf beiden Seiten und trotzdem nimmt die Geschichte ihren vorbestimmten Verlauf. Die Weltkriege waren deshalb nicht zu gewinnen, weil schon sie zu führen bedeutete, daß sich alle teilnehmenden Seiten auf die angloamerikanische Idee eingelassen hatten.

Als eine Konsequenz der Weltkriege wurden schließlich Koryphäen der Naturwissenschaft verteufelt. Von der Idee her war das gegen deutsche Wissenschaftler gerichtet, aber ganz besonders Darwin wird ganz besonders im Bibelgürtel Nordamerikas verteufelt. Sein wahres Erbe wurde tatsächlich abgeräumt und zwar nicht vergessen, wird aber kaum noch verstanden. Sozialdarwinisten und ähnliche wirre Leute berufen sich heute auf Darwin, obwohl dem doch nichts noch ferner lag als solche Irrlehren! Der angemessene Platz für Darwin wäre der neben den anderen englischen Köpfen der Naturwissenschaft, von denen vor allem Newton zu nennen wäre. Auf den baut Einstein auf. Darwin stand seinerzeit schon auf den Schultern von Riesen, vor allem dem Schweden Carl von Linné, dem Franzosen Jean-Baptiste de Lamarck und dem Deutschen Alexander von Humboldt. Es wäre schließlich verrückt diesen Status Physikern zuzugestehen, aber anderen Naturwissenschaftlern nicht.

Nein, Diktatur ist nicht die Alternative zu Demokratie und Menschenrechten, weil diese nur eine andere Form der "Diktatur" sind, insofern man als "Diktatur" die rücksichtslose, Menschen und Völker vernichtende Durchsetzung weltfremder und verächtlicher Ideologien versteht. Wo Demokratie und Menschenrechte gefordert und durchgesetzt werden, bedeutet dies stets nur die Unterdrückung von Völkern und Entrechtung von Menschen.
Die Behauptung von Menschen- und Völkerrechten erfordert in letzter Konsequenz die Zurückdrängung der Ansprüche jeweils anderer Völker und Menschen.

Menschenrechte sind in der Tat eine aggressive und expansive Ideologie. Jedenfalls dort, wo man sie ernsthaft umsetzen wollte. Dann dürfte man nicht zulassen, daß irgendeine fremde Regierung ihr eigenes Volk unterdrückt, ihm beispielsweise die Meinungsfreiheit oder die Reisefreiheit nimmt. Aber nirgendwo nimmt man das so ernst. Man müßte sonst die Öffnung der nordkoreanischen Grenzen erzwingen, wir müßten die Unabhängigkeit Kataloniens anerkennen, wegen der überall auf der Welt von den USA begangenen Kriegsverbrechen müßten alle NATO-Mitglieder sofort aus der NATO austreten und sich den USA entgegenstellen, in Deutschland gäbe es keine Zensur, in Israel keine Wehrpflicht und Deutschland hätte längst die freien Wahlen in der Ukraine organisiert, die das auch von Deutschland unterzeichnete Minsker Abkommen garantiert. Aber all das geschieht nicht. Das Bekenntnis zu den Menschenrechten ist immer nur ein bloßes Lippenbekenntnis! Unsere gegenwärtige Regierungsform ist nichts weiter als eine aufgeweichte Fortführung der vorherigen Diktaturen.

Dies führt, sobald diese Rechte von allen gegenüber allen zu achten sind, unweigerlich zur Abschaffung von Völkern und Menschen, also zum kollektiven Selbstmord, denn letztlich muß schon die eigene Existenz als Einschränkung der Rechte anderer verstanden werden. Selbstverzicht, also der Verzicht auf sich selbst, ist die Antwort. Die Folgen der Menschen- und Völkerrechtsideologie können wir heute überall in der westlichen Zivilisation erleben. Man mache sich nicht zum Gehilfen und Befürworter des Massen- und Völkermords, indem man dem geistig nachfolgt.
Weil Demokratie und Menschen-/Völkerrechte nur eine Art säkularer Religion sind, und zwar die dümmste seit Menschengedenken, ist die Alternative nicht "Diktatur" (eine Art des Regierens, die auch Demokraten eignet), sondern eine andere Form der Religion, nämlich eine, die auf das Transzendente und das Jenseits zielt und der göttlichen Ordnung nacheifert, in der zwar alle Menschen vor Gott gleich viel wert, aber nicht gleichartig sind, und daher auch mit unterschiedlichen Rechten und Pflichten gegenüber dem Ganzen versehen werden müssen, soll das Ganze die göttliche Ordnung nachbilden.

Den Teil hatte ich erst nicht verstanden. „Das Ganze soll die göttliche Ordnung nachbilden“ klingt nämlich zunächst nach einer jener Wahnvorstellungen, in denen sich jemand einbildet als Einziger den Willen Gottes zu kennen. Aber in Deiner Antwort an Sirius B hast Du das so erläutert, daß ich es schließlich verstanden habe. Du würdest gerne im dreizehnten Jahrhundert leben, aber das bleibt Dir verwehrt, weil jene Zeit vorbei ist. Das tut mir leid für Dich, aber meine Fragestellung ist nicht wie wir leben sollten, sondern wie wir leben werden. Ein Teil meiner Fragestellung ist jedoch auch: Warum verbringe ich meine Inkarnation ausgerechnet in dieser Zeit?

Gruß,
Yashiro

RSS-Feed dieser Diskussion