OT Politik: Die Amerikanische Revolution und der Deutsche Michel (Freie Themen)

bollywood @, Mittwoch, 10. Januar 2018, 17:18 vor 334 Tagen 2439 mal gelesen

bearbeitet von Taurec, Donnerstag, 16. August 2018, 11:39

Hallo liebe Freunde,

ich lese sehr viel. Besonders solche Sachen über Geschichte. Ich finde dieses Zeug faszinierend.

Gelegentlich schaue ich auch Fernsehen. Letztens erst war ich durch einen Unfall eine Zeit ans Bett gefesselt, da habe ich mir "Turn: Washington's Spies" in einem Durchlauf reingezogen.

Interessanter Weise kommt diese Serie mit relativ wenig "social engineering" aus. Selbstverständlich darf die "Starke Unabhängige Frau" nicht fehlen und auch die belesene Negersklavin und ihr Sohn bringen das nötige Opfer an den Zeitgeist, indem sie entscheidend zum Sieg der Rebellen unter Washington beitragen.

Darüber hinaus aber kämpfen heldenmütige (weiß-beige) Männer unter Einsatz ihres Lebens für ihre Überzeugungen. Tatsächlich wird das auch so dargestellt und das ist doch schon etwas in der heutigen Zeit.

Im Mittelpunkt der Serie stehen die Personen, aus denen der Culper Ring bestand, der durch seine Spionagetätigkeit zum gelingen der Revolution beigetragen hat.

Die weitere Handlung soll hier allerdings unbeachtet bleiben, mir geht es mehr um das Zeitgemälde, in welches sie eingebettet ist.

Folgende Dinge fand ich äußerst beachtenswert.

1. )Die "neuen" Amerikaner hatten eine feste Volks-Identität entwickelt, in deren Wahrnehmung sie sich nicht mehr als Untertanen der britischen Krone empfanden, sondern britische Soldaten als fremde und tyrannische Besatzungsmacht.

2.) Die zahlreichen unterschiedlichen Konfessionen der Bürger und die Aufklärung förderten die Lösung von der über Jahrhunderte fest verankerten Überzeugung, dass das Königsrecht göttlichen und daher unabänderlichen Ursprungs sei.

3.) Die Rebellen hatten eine kompetente und mutige Führung.

4.) Die Führung der Rebellen hatte Zugriff auf mutige Männer, die bereit waren, ihre Komfortzone zu verlassen. :-)

5.) Die gesamte Bevölkerung war bewaffnet.

6.) Bereits damals wurde eine psychologische Kriegsführung durch Pamphlete und Pressehuren betrieben.

Beachtenswert sind diese Dinge insbesondere dann, wenn man sie mit dem heutigen Deutschland oder gern auch anderen westeuropäischen Ländern kontrastiert. Nach meiner Wahrnehmung und verallgemeinernd sind dies im Folgenden:

1.) Es gibt keine Volks-Identität mehr. Der moderne Mensch fühlt weder dem Land gegenüber eine Verpflichtung, in dem er und die Seinen seit Generationen hausen, noch den Menschen gegenüber, mit denen er durch Sprache, Gebräuche und Gene eine tiefe Verbindung teilt. Alle sind nun einfach "Mensch". Dadurch gibt es keinen Nächsten mehr und auch keine Fremden. Selbst die Besetzung und Umerziehung durch amerikanische Besatzungstruppen, die bis heute anhält, wird durch die Deutschen unhinterfragt als gelungene Intervention zur Herstellung der "freiheitlich-demokratischen Grundordnung" wahrgenommen.

2.) Es gibt eine Einheitsreligion die sich "Demokratie und Wissenschaft" nennt. Diese besagt, dass der moderne Mensch in der besten aller Zeiten lebt, diese Zeiten selbst geschaffen hat, mittels Demokratie selber für sein Schicksal verantwortlich ist und noch dazu sich selbst sein eigener Gott ist.

3.) Der westliche Dissident moderner Provenienz führt nicht. Er schreit in Internetforen den deutschen Michel an, er möge bitte doch endlich aufwachen und Kraft der "freiheitlichen-demokratischen Grundordnung" für Recht und Ordnung sorgen. Natürlich alles bitte streng rechtsstaalich und demokratisch und auch möglichst bitte immer ein anderer! Manch einer sogar möchte Deutschland retten, in dem er Horden von kulturfremden Wirtschaftsmigranten mit Wischmop und Zahnbürste auf den Dreck an deutschen Bahnhöfen zu hetzten gedenkt. :-)

4.) Der westliche Dissident hat Zugriff auf Männer, die sich entweder im Namen des Hedonismus zu Tode schuften oder mittels Television selbst lobotomieren.

5.) Die Bewaffnung des modernen Mannes besteht aus seinem Smartphone, Selfies und Facebook. Damit macht er Jagd nach "Freunden" die er Trophäen gleich in seiner Freundesliste zur Schau stellt.

6.) Die Eltern selbst haben mittlerweile die Rolle von Pamphleten und Pressehuren übernommen. Anstatt ihre Kinder zu schützen, liefern sie diese aktiv einem Zeitgeist aus, der sie mittels Dauerberieselung durch verblödende Fernsehsendungen zu einem sinnentleerten Streben nach zügellosem Konsum und Hedonismus verdammt. Sie zahlen sogar bereitwillig dafür.

Es sieht also ganz danach aus, als ob bald die Nacht anbricht für den faustischen Menschen und seine Kultur, ganz im Sinne Spenglers. Der Drops ist gelutscht, das Gemächt baumelt schlaff auf Kniehöhe (oder für Feministen: Die Hänger gehen bis zum Bauchnabel), das Gewebe entartet und wird vom Krebs zerfressen.

Alles das, was zu Erneuerung erforderlich wäre, ist nicht vorhanden. Das habe ich für mich als Lehre gezogen aus der Geschichte der amerikanischen Revolution.

Mit besten Grüßen

der lustige bollywood

Völlig zutreffend!

Jacob @, Donnerstag, 11. Januar 2018, 01:29 vor 334 Tagen @ bollywood 1624 mal gelesen

Es ist leider so desaströs wie Du es schreibst!
Hoffnung ist deplaziert. Wir haben fertig.
Ich denke auch, dass der westliche Mann es einfach nicht mehr kann - habe es auch so gelernt in meinem Fitnessstudio-Zumadance Seminar.

Man muss mit den Realitäten leben, dann fährt man sicher besser.
Ich lerne gerade vorsorglich Arabisch. Total interessante Sprache.
Was die da guttural an Lauten hervorbringen, würde jeden Dialekt Mordors mit dieser wundervollen Buntheit voll in den Schatten stellen.

Heil Odin!

Was bringt das denn?

schwelmi @, Donnerstag, 11. Januar 2018, 06:06 vor 333 Tagen @ bollywood 1628 mal gelesen

Hallo bollywood,

ich weiß nicht, was solche Bekundungen bringen sollen.
Dass es nicht besonders gut um unser Land steht, das sollte inzwischen allgemein bekannt sein. Einen Ausweg zeigst du mit deinem Beitrag auch nicht auf.

Ich habe allerdings Sorge, dass wir mit solchen Bekundungen eines nicht allzu fernen Tages dieses Forum in Gefahr bringen könnten. Kritische Seiten landen manchmal schnell auf der Abschußliste und damit ist niemandem geholfen, zumal Politik nicht das Forenthema ist.

Schönen Gruß
schwelmi

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Einen „Ausweg“

Taurec ⌂ @, München, Donnerstag, 11. Januar 2018, 12:21 vor 333 Tagen @ schwelmi 1904 mal gelesen

bearbeitet von Taurec, Donnerstag, 11. Januar 2018, 12:27

Hallo!

Einen Ausweg zeigst du mit deinem Beitrag auch nicht auf.

Nicht als Kritik an Dir, sondern daran anknüpfend allgemein gedacht:

Auswege werden immer wieder gefordert, z. B. notorisch von „Lechbrucknersepp“ im Gelben Forum, die jede Kritik an der Demokratie damit abschmettern will, daß man gefälligst ein Alternativsystem präsentieren solle, das es besser mache.

Das ist ein Problem der Geisteshaltung. Der zivilisierte Mensch ist von der tiefempfundenen Gewißheit durchdrungen, daß sich rational absolut jeder Bestandteil der Gesellschaft und des Menschen planen und beeinflussen ließe, wenn man nur den richtigen rationalen Ansatz und das passende Konzept zu Lösung eines Problems hätte. Eine Stufe höher erscheint selbst die Menschheitsgeschichte planbar, wenn man mit dem richtigen politischen Konzept und der richtigen Strategie heranginge, um an Staat und Gesellschaft den richtigen Hebel anzusetzen.
Wem also die Demokratie (oder ein anderer Systembestandteil) nicht gefällt, der möge auch gefälligst ein funktionierendes Alternativkonzept präsentieren.

Hingegen sollte klar werden: Der Grundfehler der modernen Zivilisation, die ein „System“ ist, liegt nicht in der inhaltlichen Ausformung bzw. der Organisationsform des Systems, sondern in seiner Eigenschaft der abstrakten Konstruiertheit. Man wiederholt nur den grundlegenden Systemfehler, wenn man das Übel durch das selbe Übel mit anderer Fassade ersetzen will. Letztlich ist es schon falsch, in dieser Hinsicht überhaupt etwas zu wollen, zu konstruieren und zu planen.

⇒ Solange man sich nicht den Fehler des Kritisierten zueigen macht, soll man gezwungen sein, jede Kröte zu schlucken und sich damit den Fehler des Kritisierten zueigen zu machen. Ein hübsch geschlossenes Weltbild, das stets auf sich selbst zurückführt, so daß wahre Alternativen gar nicht denkbar werden.
Jemand, der einer philosophischen Beschreibung herrschender Sachverhalte mit der Forderung nach einer Lösung begegnet, der kommt schlicht nicht aus seiner sterilen zivilisatorischen Denke heraus und will dementsprechend dem unbequemen Kritiker seinen Denkrahmen aufzwängen, um ihn unschädlich zu machen.

Der Ursprung des Planbarkeits- und Machbarkeitswahns liegt im Humanismus, der den Menschen ins Zentrum des Universums gerückt hat. Erkenntnis und Entwicklung des Menschen, letztlich Individualismus. Darauf folgt mit wachsender Entfremdung von der Natur die „Aufklärung“ und der Rationalismus, die eine menschengemäße Gesellschaft entwerfen wollten, die auf rationaler Erkenntnis der Natur und des menschlichen Wesens beruht, um durch entsprechende Einrichtung der Institutionen und Beeinflussung der Umwelt den Menschen zur Freiheit zu führen (natürlich von den überkommenen Bindungen, die ihn blockieren). Das liegt heute derart tief im Seelengrunde und Selbstverständnis des modernen Abendländers, daß es in der Regel gar nicht mehr wahrgenommen wird, geschweige denn, daß man sich vorstellen könnte, wie man vor Anbruch dieser Epoche empfunden hat.

Die Gewißheit der Allgegenwart einer transzendenten Welt, aus deren Gesetzmäßigkeiten sich alles ergibt, was in der Lebensumwelt wahrgenommen wird, die auch durch spirituelle Erfahrungen persönlich als Wirklichkeit erlebt wurde, ist der Kern der Tradition. Ihr Bestreben liegt darin, die menschlichen Einrichtungen auf die göttlichen Gesetze auszurichten, so daß das ganze Leben in jeder Regung ein Gottesdienst wird. Der Mensch bestimmt nicht selbst den Rahmen seines Daseins, sondern fügt sich organisch in etwas ein, das ihn bei Weitem übersteigt und ihm überhaupt erst den Sinn seines Lebens gibt. Sich davon zu entfernen ist Fortschritt.

Jeder Lösungsweg (sofern ich mir mit dieser Wortwahl nicht selbst widerspreche ;-)) müßte eigentlich die Zivilisation und den modernen Staat als nicht mehr zu rettende und auch gar nicht rettungswürdige, in letzter Konsequenz sogar zerstörungswürdige dämonische Phantome beiseite lassen und den Menschen wieder zu seinen im vorigen Absatz umrissenen Grundlagen zurückführen. Dies bedeutet zwingend, daß der Weg nicht kollektiv, sondern nur vom Einzelnen gegangen werden kann. Es handelt sich um einen Akt persönlichster Erkenntnis und letztlich Einweihung, bei dem man den vielgesichtigen Dämon der Zivilisation in sich ein für allemal töten muß.
Für die uns umgebende Gesellschaft bedeutet dies, daß sie irgendwann verschwinden muß und mit ihr wohl an die 90 % der Menschen darin, die nur wegen der systematisch organisierten Ausbeutung der Welt überhaupt am Leben sind. Das ist das äußere Gegenstück des inneren Ausweges, das auch irgendwann eintreten wird.
Dann kann sich aus den auf ihre transzendenten Wurzeln zurückgeführten Einzelnen, zunächst über einfache Gruppenbildungen, schließlich organisch von der Basis nach oben wachsend eine neue Kultur formen.

Natürlich ist das aus Sicht des gemeinen Zivilisten kein „Ausweg“, sondern das Ende. Er will nach Möglichkeit die Welt verbessern, ohne sich selbst zu ändern, ohne irgendeine seiner „Errungenschaften“ aufzugeben.
Indes ist das Gegenteil richtig: Nach Möglichkeit sich selbst verbessern, zu seiner eigentlichen Natur finden, ohne der Welt und ihren luziferischen Angeboten zu verfallen. Das ähnelt natürlich nur oberflächlich dem humanistischen Ideal, welches eine materialistische, auf das Diesseits fokussierte Aberration des ursprünglichen Weges ist, die ins Nichts führen muß.

Gruß
Taurec


„Es lebe unser heiliges Deutschland!“

„Was auch draus werde – steh’ zu deinem Volk! Es ist dein angeborner Platz.“

Was zu beweisen war

bollywood @, Freitag, 12. Januar 2018, 14:18 vor 332 Tagen @ schwelmi 1396 mal gelesen

Hallo schwelmi,

Ich habe allerdings Sorge, dass wir mit solchen Bekundungen eines nicht allzu fernen Tages dieses Forum in Gefahr bringen könnten. Kritische Seiten landen manchmal schnell auf der Abschußliste und damit ist niemandem geholfen, zumal Politik nicht das Forenthema ist.

während Deine Lebensbedingungen und die Deiner Kinder und Enkel gerade auf viele Generationen hin umgekrempelt werden (mal euphemistisch geschrieben), machst Du Dir in vorauseilendem Gehorsam sorgen um Dein geliebtes Forum. Und das, obwohl ich nicht einmal ein offizielles Meinungs- oder Gesinnungsverbrechen in meinem Beitrag begangen habe.

Thema meines Beitrags war übrigens im Vorfeld mit Taurec abgesprochen.

Beste Grüße

der lustige bollywood

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Fehlende Kultur

Taurec ⌂ @, München, Donnerstag, 11. Januar 2018, 10:36 vor 333 Tagen @ bollywood 1726 mal gelesen

Hallo!

Er schreit in Internetforen den deutschen Michel an, er möge bitte doch endlich aufwachen und Kraft der "freiheitlichen-demokratischen Grundordnung" für Recht und Ordnung sorgen. Natürlich alles bitte streng rechtsstaalich und demokratisch und auch möglichst bitte immer ein anderer!

Das ist in der Tat oft zu beobachten und wird natürlich zu nichts führen, weil es den Teufel mit Beelzebub austreiben will.

Der "moderne" (in Evolas Sinne), zivilisierte (in Spenglers Sinne) Mensch organisiert sich über seinen Staat, bzw. wird über diesen organisiert. Seine ursprünglichen sozialen Bindungen sind verloren/aufgelöst. Er hat keine Kultur mehr, die sein Leben sozial, mental und spirituell strukturiert.

Die soziale Verwurzelung hat sich in den letzten 200 Jahren sukzessive von in Dorfgemeinschaften verbundenen Sippen mit vielen, zahlenmäßig jeweils stark vertretenen Generationen zu großstädtischen "Singlehaushalten" aufgelöst.

Deren ursprünglichen sozialen Funktionen (Erziehung, Ausbildung, Beruf, Verteidigungsfähigkeit, Rückhalt in Krisenzeiten, Altersversorgung) wurden vollständig an den Staat abgegeben bzw. an übergeordnete, ferne und anonyme Institutionen, d. h. an den Leviathan. Dieser übernimmt durch ideologische Einnordung sogar die Funktion der alten Religion, die ihre Institutionen und Lehren ebenfalls am Zeitgeist ausrichtet.
Ohne das für ihn sorgende System hat der einzelne Mensch keine geistigen und materiellen Ressourcen, auf denen ruhend er gegen eine zerstörerische Übermacht antreten könnte. Wenn der Staat wie heute selbst korrumpiert ist, kann sich der moderne Mensch nicht anders helfen, als den Staat anzuflehen, wieder ein guter zu werden, oder die anonyme Masse zu beschwören, ihre staatlichen Freiheitsrechte wahrzunehmen. Er ist auf das Übel angewiesen, das es zu bekämpfen gilt. Daher wird jedes Bestreben in diese Richtung wieder dieses Übel hervorbringen oder bereits in den Anfängen scheitern. Scheitern deswegen, weil die erdrückende Mehrheit der isolierten, bindungslosen Massenmenschen das System nicht in der Tiefe reformieren wollen wird, die nötig wäre. Sie würden ihre eigene Lebensgrundlage angreifen und liefen Gefahr, buchstäblich vor dem Nichts zu stehen.

Die ursprünglichen, organisch über lange Zeit gewachsenen traditionellen Bindungen lassen sich nicht auf einmal per Befehl wiederherstellen, selbst wenn man ein Bild hat, wie diese ursprünglich aussahen. Sie sind auf viele Generationen hin, in denen die Menschen auf sich gestellt und ohne sorgenden Staat leben müßten, verloren.

Bedrohungen wie den heutigen würde man aus dem unmittelbaren Lebensumfeld, mit den Menschen, von denen man tagtäglich umgeben ist, begegnen. Sie würden eine innerlich resiliente und nach außen wehrhafte Sphäre des überblickbaren Lebensumfeldes neben vielen anderen gleichartigen bilden. Darauf hierarchisch aufbauend könnten Führer/Fürsten zurückgreifen und ganze Regionen oder Reiche durch Koordination der Kampffähigkeit nach außen wehrhaft machen. Jede Ebene würde dabei lediglich die Bereiche zusammenfassen, die im Horizont des eigenen Lebensumfeldes der agierenden Personen liegen, welches für den Fürsten in Form der ihm verbundenen Vasallen bestand, für den Kaiser in Form der ihm verbundenen Fürsten.
Auf diese Art, hierarchisch und nach dem Führungsprinzip war die traditionale Welt aufgebaut. Dabei übernahm jede Ebene die Aufgaben, für die sie geeignet war. Das (jeweilige) Reich bildete eine Einheit, gleichwohl die Menschen ihre Angelegenheiten weitestgehend autonom regelten. Das ging so weit, daß selbst jede Landschaft ihre eigene Gerichtsbarkeit und ihr eigenes Recht hatte. In jedem Hause waren Waffen. Grundlegende Lebensfunktionen wurden nicht von der höchsten Ebene an sich gezogen. Vielmehr spiegelte jede Ebene in ihrem Maßstab den Geist und die Seele der gesamten Kultur wieder, wobei sich die Stufen jeweils zu Organismen höherer Ordnung verbanden, die ihrerseits die Kultur wiederspiegelten, die sich so immer mehr zur Hochkultur ausprägte.

Der Gegensatz ist:
Hierarchisch, organisch, von unten nach oben wachsend kollektivistisch, anorganisch/systematisch, von oben nach unten gleichgerichtet

Man sollte übrigens nicht übersehen, daß die Nationalidentität nichts war, auf das man sich sinnstiftend bezogen hätte. Deutsch (oder englisch usw.) war man ganz selbstverständlich, so wie man Mensch war. "Diut" heißt ja nichts anderes als "Volk" und war die selbstverständliche Grundlage und Eigenschaft all dessen, was man kannte. Man definierte sich eher noch über den Herrschaftsbereich eines Fürsten, in dem man lebte. So gehörte man z. B. zu denen vom Westufer des Ammersees, die im Einfluß des Grafen von Andechs standen.

Die Beschwörung der Nation war bereits eine Stufe des Verfalls. Die Entwurzelten in den ausufernden Großstädten bemühten die Nation als die einigende Klammer. Es handelte sich um einen niedrigen gemeinsamen Nenner, der von der damaligen Masse geteilt wurde.
Heute ist man hingegen Mensch und der Nationalismus wurde von der Menschheitsreligion abgelöst, was eine noch viel dämlichere, primitivere Klammer darstellt, weil es nur noch die Tierwelt gibt, gegen die man sich abheben könnte. Die Frage ist, wann auch diese Schranke fällt.

Amerika war nie ein organisch gewachsenes Gebilde, das man als Gegensatz zum Vergleich mit unserer heutigen Zeit heranziehen könnte. Die Entwurzelten und Rechtlosen aus vielen Völkern zogen dort hin, ähnlich wie der überflüssige Überschuß aller Kontinente heute nach Europa strömt. Die "amerikanische Nation" wurde abstrakt entworfen, über die Verfassung definiert und auf das ethnische Konglomerat übertragen, daß sich in der Weite des Kontinents ansammelte. Seitdem bilden die USA die Blaupause für die westliche Zivilisation. Alle Prinzipien (Geld, Technik, Demokratie usw.), nach denen die Auflösung fortschreitet, werden in den USA auf die Spitze getrieben und idealtypisch ausgeprägt. Europa ist heute bestrebt, nach dem Vorbilde der "amerikanischen Nation" eine "europäische Nation" zu erfinden, wobei islamische und afrikanische Zuwanderer die Rolle der Europäer in Amerika einnehmen, die eingeborenen Europäer die Rolle der Indianer, die durchaus eine organisch wachsende Hochkultur hätten bilden können, wären sie nicht von Europäern über ihre Widerstandskraft hinaus überschwemmt worden. An dieser Stelle erschöpft sich auch die Vergleichbarkeit, denn wir stehen am unfruchtbaren Ende eines Zyklus und haben mangels ursprünglicher, organisch-hierarchischer Organisation keinerlei Widerstandskraft und -möglichkeit mehr. Der Einzelne kann sich nicht wehren, weil er in sich und in seiner Umgebung nicht das Fundament für Widerstand findet, welcher (wie der Begriff sagt) etwas braucht, das – darauf geruht werdend – dagegendrückt.

Gruß
Taurec


„Es lebe unser heiliges Deutschland!“

„Was auch draus werde – steh’ zu deinem Volk! Es ist dein angeborner Platz.“

Einige Deiner Aussagen kann ich nicht teilen

bollywood @, Freitag, 12. Januar 2018, 14:10 vor 332 Tagen @ Taurec 1375 mal gelesen

Hallo Taurec!

Seine ursprünglichen sozialen Bindungen sind verloren/aufgelöst. Er hat keine Kultur mehr, die sein Leben sozial, mental und spirituell strukturiert.

Die soziale Verwurzelung hat sich in den letzten 200 Jahren sukzessive von in Dorfgemeinschaften verbundenen Sippen mit vielen, zahlenmäßig jeweils stark vertretenen Generationen zu großstädtischen "Singlehaushalten" aufgelöst.

Das gilt aber vor allem für den westeuropäischen Menschen des Abendlands. Das Lebensmodell z.B. arabischer Clans aber auch von Zinti- und Romasippen zeigen deutlich, dass Städte und verbundene Groß-Sippen, die gemeinschaftlich gemäß ihrer eigenen Regeln agieren, sich nicht gegenseitig ausschließen. Selbst wenn diese im Exil leben, bilden diese Gemeinschaften gemäß ihrer genetischen Prädisposition Parallelgesellschaften, wie Vielerorts zu beobachten.

Das westeuropäische (bzw. germanische) Familienmodell bildet weltweit gesehen einen Einzellfall, da hier seit hunderten bzw. tausenden von Jahren die Großsippe gegen die Kernfamilie (Eltern und Kinder) aufgegeben wurde. Dieser Beitrag inkl. Karte bietet über einen Überblick über historische Familienstrukturen in Europa.

Meiner Ansicht nach hat diese Änderung in der Familienstruktur (die mit Hilfe der Kirche in Form des Inzestverbots zustande kam) zu erheblichen genetischen und Verhaltensänderungen geführt und war der Geburtshelfer des faustischen Menschen.

Dazu zitiere ich Thomas von Aquin (Quelle ist dieser höchst interessante Beitrag):

“The third reason is that incest would prevent people widening their circle of friends. When a man takes a wife from another family he is joined in special friendship with her relations; they are to him as his own. And so Augustine writes, “The demands of charity are fulfilled by people coming together in the bonds that the various ties of friendship require, so that they may live together in a profitable and becoming amity; nor should one man have many relationships restricted to one other, but each single should go to many singly.”

Diese Umständen münden letztendlich in der hoch-individualistischen und äußerst solidarischen Volks-Gemeinschaft, in der wir heute leben. Durch stetige Außenheirat (im Gegensatz zur Verwandtenehe) ist beim Abendländer quasi jeder mit jedem verwandt. Im Gegensatz dazu sind z.B. die Berber bis heute traditionell in Clans organisiert, die von den Kolonialmächten willkürlich zu Ländern zusammengefaßt worden sind. Diese Clans sind nur intern solidarisch und nach außen hin feindlich. Solidarische Gesellschaftsstrukturen außerhalb der eigenen Familie sind ihnen so fremd wie nur irgend geht.

Unser soziales Absicherungswesen ist dieser Tatsache geschuldet, diesem Empfinden, man sei Teil der ganzen Volksgemeinschaft und eben nicht nur der Familie bzw. dem Clan verpflichtet.

Dies steht im Gegensatz zu Deiner Aussage, die ich daher nicht teile:

"Man sollte übrigens nicht übersehen, daß die Nationalidentität nichts war, auf das man sich sinnstiftend bezogen hätte. Deutsch (oder englisch usw.) war man ganz selbstverständlich, so wie man Mensch war."

Die ursprünglichen, organisch über lange Zeit gewachsenen traditionellen Bindungen lassen sich nicht auf einmal per Befehl wiederherstellen, selbst wenn man ein Bild hat, wie diese ursprünglich aussahen. Sie sind auf viele Generationen hin, in denen die Menschen auf sich gestellt und ohne sorgenden Staat leben müßten, verloren.

Die Europäer haben allerdings ganz gute Voraussetzungen dafür: http://thosewhocansee.blogspot.de/2015/09/why-re-colonization-commonweal.html

Die Geschichte und die Kolonien wie USA, Australien, Neuseeland und Canada beweisen, dass ursprüngliche, organisch über lange Zeit gewachsenen traditionellen Bindungen überhaupt nicht erforderlich sind. Seine Kultur folgt dem Abendländer, weil sie Ausfluß seiner Gene ist. Gleiches gilt für andere Menschengruppen, wie wir derzeit direkt vor der Haustür vor Auge geführt bekommen.

Amerika war nie ein organisch gewachsenes Gebilde, das man als Gegensatz zum Vergleich mit unserer heutigen Zeit heranziehen könnte.

Man kann die Menschen der damaligen Zeit sehr wohl mit dem Durchschnittsmichel vergleichen. Ich habe ja nicht "Amerika" mit der "heutigen Zeit" verglichen, sondern den Menschen von damals, mit meinen Mitbürgern.

Ich wurde schon per PN darauf hingewiesen, dass Washington Freimaurer und Charakterschwein gewesen sei, der den Pöbel aufhetzte und sich nur bereichern wollte. Kann ja auch sein, ich kann das nicht beurteilen.

Jedoch war Washington auch Soldat und Offizier, der bereitwillig sein Ende am Galgen in Kauf nahm, in dem er die weltbeste Armee des größten Imperiums der Menschheitsgeschichte herausforderte und sogar gewann.

Unsere eigenen Soldaten und Offiziere legen ein Gelöbnis ab:
„Ich schwöre, der Bundesrepublik Deutschland treu zu dienen und das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen, so wahr mir Gott helfe.“

Selbst offener Gesetzesbruch und Hochverratspolitik des Besatzungsregimes hat meines Wissens nicht einen einzigen Offizier in Handlungszwang versetzen können. Dabei gibts in Deutschland noch nichtmals die Todesstrafe, es hält also keiner seinen Hals hin, wie Washington damals. Aber Sold und Pension kassieren sie doch allesamt gerne, nicht wahr? Schwur und Gelöbnis hin oder her.

Derweil berichten mittlerweile selbst die Systemmedien über eine Greueltat nach der anderen.

Die Entwurzelten und Rechtlosen aus vielen Völkern zogen dort hin, ähnlich wie der überflüssige Überschuß aller Kontinente heute nach Europa strömt.

Du magst sie "Entwurzelte und Rechtlose" nennen, tatsächlich waren es hauptsächlich Westeuropäer, die aufgrund der Übervölkerung ein besseres Leben suchten.

Mit besten Grüßen

der lustige bollywood

Der deutsche Reichsbürgermichel

Explorer @, Freitag, 12. Januar 2018, 08:51 vor 332 Tagen @ bollywood 1569 mal gelesen

bearbeitet von Explorer, Freitag, 12. Januar 2018, 08:58

Hallo Bollywood,

Passend zu deinen Ausführungen, kam heute diese Meldung in den Medien:

Zahl auf 15.600 gestiegen
Verfassungsschutz: Reichsbürger planen offenbar Armee und bereiten sich auf „Tag X“ vor

Die größte Szene gibt es demnach in Bayern, wo die Behörden 3500 Reichsbürger zählen. Es folgen Baden-Württemberg mit 2500, Nordrhein-Westfalen mit 2200, Niedersachsen mit 1400 und Sachsen mit 1300 Reichsbürgern. Die bundesweite Zahl ist damit laut FOCUS innerhalb eines Jahres um 56 Prozent gestiegen. Anfang 2017 gingen die Sicherheitsbehörden noch von 10.000 Reichsbürgern in Deutschland aus.

Nach FOCUS-Informationen plant eine bewaffnete Gruppe innerhalb der Reichsbürger-Szene offenbar den Aufbau einer eigenen Armee. Entsprechende Bestrebungen haben Verfassungsschutzämter in Ostdeutschland registriert. Sicherheitskreise bestätigten FOCUS, dass sich Reichsbürger aus mehreren Bundesländern bei einem konspirativen Treffen mit dem Aufbau einer militärischen Organisation befasst haben.

https://www.focus.de/politik/deutschland/zahl-auf-15-600-gestiegen-verfassungsschutz-reichsbuerger-planen-offenbar-armee-und-bereiten-sich-auf-tag-x-vor_id_8287726.html

Keine Ahnung, wie ernst man diese Berichte nehmen kann und ob die Reichsbürger dass, was sie bei ihren "konspirativen Treffen" besprechen ernst meinen, oder es sich hier eher um phantasterein von Rentnern handelt, denen langweilig ist.:-D
Zumindest scheint BBouviers Schauung, zur Abspaltung von Ostdeutschland gleich nochmal etwas glaubwürdiger ;-)

Grüße Explorer

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Das Phantom der Reichsbürger

Taurec ⌂ @, München, Freitag, 12. Januar 2018, 09:38 vor 332 Tagen @ Explorer 1862 mal gelesen

Hallo!

"Reichsbürger" scheint mehr eine pampig-formbare Etikettierung zu sein, die der Staat jedwedem unliebsamen Kritiker anheftet, sobald er seinen Kopf zu weit aus der Deckung hebt.

Ursprünglich waren das Exzentriker, die mit (bei genauerer Betrachtung unhaltbaren) Argumenten die Existenz der BRD leugneten und sich als Bürger des noch existenten Deutschen Reiches betrachteten. Weil dabei juristische Laien versuchten, mit rechtlichen Begründungen die politische und historische Tatsachenwelt auszuhebeln, handelte es sich stets nur um eine zu belächelnde Randgruppe ohne Aussicht auf Erfolg. Denen fehlte schlichtweg die nötige Verwurzelung in der politischen Realität. Für den "deutschen Michel" typisch setzten sie allerdings beliebiges Recht für das Absolute und meinten, sich bei unseren Feinden darauf berufen zu können, um die deutsche Souveränität wiederzuerlangen.

Nicht eingängig war den "Reichsbürgern", daß es ein "Völkerrecht" als Naturrecht de facto überhaupt nicht gibt, daß die gesamte Nachkriegsweltordnung eine Schöpfung der Geldmächte ist, welche sie sich so einrichteten, daß es zu ihren langfristigen Zielen paßt.
Nicht kapieren konnten die "Reichsbürger", daß der rechtliche Rahmen, in dem Deutschland agiert, vollständig von den Siegern des Zweiten Weltkriegs bestimmt wird, daß innerhalb dieses Rahmens die BRD rechtmäßig als Nachfolger des Deutschen Reiches existiert, daß es darüber hinaus kein anderes Recht gibt, auf das sie sich hätten berufen können.
Nicht kapieren konnten sie außerdem, daß die Berufung auf bloßes Recht (selbst wenn es existierte) nichts bewirkt, solange man nicht das Gewaltpotential sein eigen nennt, dieses Recht durchzusetzen oder überhaupt erst zu schaffen, indem man es dem Feinde verbindlich aufzwängt.

Daß diese weltfremden, ideologisch verkopften Hanswürste nun versuchen, eine paramilitärische Truppe aufzustellen, paßt nicht zusammen. Naheliegender ist, daß die BRD-Behörden die griffige Bezeichnung "Reichsbürger" instrumentalisieren, um sie rechten Oppositionellen anzuheften. Auf diese Weise wird das Phantom einer rechtsgerichteten Großbewegung erzeugt, wobei es sich in der Tat wohl um eine Reihe Splittergruppen und Einzelpersonen handelt, die mit den ursprünglichen Reichsbürgern meist nichts zu tun haben und die auch untereinander nur mäßig oder gar nicht vernetzt sind.

Ich kann nur ohne Hoffnung auf Erfolg weiter darauf hinweisen, daß es keinen Zweck hat und kontraproduktiv ist, irgendeines der offiziellen Propagandaorgane zur konsumieren. Man wird mit hundertprozentiger Sicherheit dadurch nicht klüger, sondern vielmehr dümmer.
Auch vermeintlich zu den Schauungen passende Meldungen, sind in der Regel Eintagsfliegen, die in der realen Welt wirkungslos verklingen.

Gruß
Taurec


„Es lebe unser heiliges Deutschland!“

„Was auch draus werde – steh’ zu deinem Volk! Es ist dein angeborner Platz.“

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