Irlmaiers dritter Hochgestellter (Schauungen & Prophezeiungen)

Harald Kiri @, Samstag, 08. Juli 2017, 20:41 vor 1236 Tagen 3477 mal gelesen

Hallo Foris,

seitdem ich von Irlmaier gelesen habe, wunderte ich mich über den dritten Hochgestellten. Wie konnte er den dritten sehen?

Heute bin ich auf einen Text von Bertha Dudde gestoßen, der mir erstmals eine plausible Erklärungsmöglichkeit eröffnet.
Dort heißt es am 23.11.1948:

So euch Kunde zugehen wird vom Hinscheiden eines irdischen Machthabers, dann seid ihr an dem Zeitpunkt angelangt, den ihr den Anfang des Endes benennen könnet. Dann wird die Welt zu einem Brandherd werden, die Flammen werden auflodern, hemmungslos wird der Haß wüten...

Irlmaier hat zum ersten Mal 1950 von einem dritten Hochgestellten veröffentlicht. Adlmaier setzt als Datum Sebastiani(22.01.) 1950 (Seite 78)
Adlmaier: Blick in die Zukunft

Auf Seite 36, unten, verbreitet Irlmaier folgendes:

Zuerst wird der dritte Hochgestellte umgebracht (Ghandi [sic!] und Graf Bernadotte fielen bereits Mordanschlägen zum Opfer). Dann gehts über Nacht los.

Gandhi wurde am 30. Januar 1948 umgebracht und Graf Bernadotte am 17.09.1948.

Damit wird ziemlich klar, dass Irlmaier den vorher erschienen Text von Dudde um die zwei kurz vorher Verstorbenen ergänzt hat, um der "Schauung" einen eigenen Anstrich zu verleihen.

Bertha Dudde hat eine immerwährende Naherwartung in ihren Texten aufrechterhalten, die man sehr schön in diesem Ausschnitt erkennen kann, am 16.02.1945:

Und so wird sich das Weltgeschehen wenden, und eine völlig andere Lösung wird die Menschen überraschen, die es überleben .... Denn nun bleibt nur noch kurze Zeit bis zum Ende, und es muß diese Zeit eifrig genützet werden von denen, die noch einen Tiefstand zu verzeichnen haben, der ihre Seele in Gefahr bringt. Doch auch die Gläubigen müssen viel Kraft anfordern, auf daß sie ihre letzte Erdenlebensprobe bestehen, auf daß sie standhalten und ausharren bis ans Ende ....

Hier geht es offensichtlich noch um das Ende des zweiten "Weltgeschehens". Später wird dieser Verweis und alle anderen in ein drittes Weltgeschehen umgedeutet, was ja auch Irlmaier in seinem Kompilat impliziert.

Soweit meine Gedanken zu diesem, wie ich meine, weiteren Puzzlestück.

Viele Grüße
Harald

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Duddekenntnis durch Irl-/Adlmaier?

Taurec ⌂ @, München, Sonntag, 09. Juli 2017, 08:58 vor 1235 Tagen @ Harald Kiri 2859 mal gelesen

Hallo!

Es müßte geprüft werden, ob die besagte Durchgabe 4493 vom 23. 11. 1948 auch tatsächlich irgendwann zwischen 1948 und 1950 veröffentlicht wurde, so daß Irl-/Adlmaier davon gewußt haben konnte.

Mit Duddes Veröffentlichungsgeschichte kenne ich mich nicht aus. Fraglich ist, ob Dudde Durchgaben selbst abdrucken ließ. Wahrscheinlich fanden erste Veröffentlichungen erst nach ihrem Tode 1965 statt.
Eine Kurzrecherche hat eine größere Veröffentlichungsreihe um 1970 vom "Freunde der Neuoffenbarung" ergeben.

Auf der Duddeseite heißt es zu ersten Gesamtausgabe, deren Edition in den Neunzigern vorbereitet wurde:

"Diese Transkriptions- und Editionsarbeiten fanden im Oktober 2000 ihren Abschluß, und seitdem ist die Gesamtausgabe des Werkes in einer ersten Buchform und als Loseblattsammlung erhältlich."

"Vorher waren über Jahrzehnte immer nur Themenhefte mit einer individuellen kleineren Auswahl einzelner Kundgaben erstellt worden, die deshalb nie repräsentativ für das Gesamtwerk sein konnten."

Angesichts dessen halte ich es für äußerst unwahrscheinlich, daß die Durchgabe Irl-/Adlmaier zugänglich war, so daß er die Aussage des Hochgestellten daraus hätte fabrizieren können.

Man könnte spekulieren, daß er über "informelle Kanäle", mündlich etc. von Duddefreunden darüber in Kenntnis gesetzt wurde. Da sich dies nicht belegen läßt, wäre es ohnehin müßig, da ohne Beweiskraft.
Warum hätte das auch geschehen sollen? Eine Veranlassung, gezielt Irl-/Adlmaier ausgerechnet über das "Hinscheiden eines irdischen Machthabers" in Kenntnis zu setzen, hätte überhaupt erst bestanden, nachdem man selbst von der Irlmaierprophezeiung der Ermordung eines Hochgestellten erfuhr, die folglich der Mitteilung hätte vorausgehen müssen. Eine derartige Verbindung will ich daher ausschließen.

Die Duddeaussage, deren Authentizität (Fälschung nachträglich auf Irlmaierbasis ist wohl auszuschließen?) ich mal als gegeben annehme, weist aber darauf hin, daß allein die Idee der Ermordung eines Machthabers zu jener Zeit im geistigen Bereich oder konkret in der weltlichen Prophezeiungsszene vorhanden war. Es wäre also denkbar, daß sowohl Irlmaier als auch Dudde sich von diesem Ideenkreis inspirieren ließen.
Bei Dudde ist nicht auszuschließen, daß ihre geistigen Durchgaben zeitgenössische irdische Vorgänge und Befürchtungen aufgriffen und wiederspiegelten.
Beim pauschal betrugsverdächtigen Gespann Irl-/Adlmaier sollte geprüft werden, inwiefern die Befürchtung der Ermordung eines Machthabers damals gesellschaftlich oder in der Prophezeiungsszene "in aller Munde" war oder durch Druckveröffentlichungen, die als Vorlage gedient haben könnten, bedient wurde.

Rein inhaltlich drängt sich mir der Verdacht auf, daß Irlmaiers Ermordung eines Hochgestellten, die erstmals in der 2. Adlmaierauflage 1955 am Balkan, bzw. "südöstlich von uns" verortet wurde, eine bloße Nacherzählung der Ermordung des österreichischen Erzherzogs und Thronfolgers Franz Ferdinand in Sarajevo 1914 ist. Daß zweimal auf dem Balkan ein Hochgestellter ermordet wird, woraufhin ein Weltkrieg ausbricht, wäre ein derart absurder Zufall, daß eine Seherschau dazu eigentlich unwahrscheinlich ist. Eher hat Irl-/Adlmaier die bekannte geschichtliche Begebenheit schlicht kopiert und in die Zukunft projiziert, davon ausgehend, daß als Auslöser überzeugender wirkt, was bereits einmal zu einem Kriegsausbruch führte.

Gruß
Taurec


„Es lebe unser heiliges Deutschland!“

„Alles, was tief ist, liebt die Maske.“

Irlmaier ein Savant?

IFan @, Sonntag, 09. Juli 2017, 23:57 vor 1235 Tagen @ Taurec 2635 mal gelesen

bearbeitet von IFan, Montag, 10. Juli 2017, 00:05

Hallo Taurec, BB et. al.,

wenn man Kritik an Irlmaier (und in dessen Gefolge Adlmaier) liest, steckt dahinter gelegentlich ein Ton von "das war ein Betrüger, das hat der absichtlich gemacht, in voller Kenntnis dessen, was er tat, der war regelrecht bösartig!".

Es gibt ja so "Reinkarnationstherapien", in denen Patienten (oder vielleicht besser "Teilnehmer" genannt) unter einer Art Hypnose / Trance allerhand "Wissen" von sich geben, das im Nachhinein schwer zu überprüfen ist, sich aber gelegentlich recht glaubwürdig und vor allem interessant liest, wenn es vergangene Leben betrifft.

Ob wirklich etwas dran ist, ist schwer nachzuvollziehen.

Das Gehirn vollführt manchmal besondere Akrobatenstücke, die auf den ersten Blick vielleicht nicht als solche erscheinen, weil sie im Alltag nicht wiederholbar sind, also bei normalem Tagesbewusstsein. Hier sind besonders die sogenannten "Savants" interessant, die teilweise ganz besondere Begabungen haben. So gibt es jemanden, der nach einem Überflug über Rom die ganze Stadt einschließlich aller Häuser in jedem Detail nachzeichnen konnte, also auch die einzelnen Fenster in ihrer Ausprägung und genauen Anzahl. (Für das Zeichnen hat er wohl mehrere Tage gebraucht.) Hier ein paar Artikel über solche "Inselbegabten" und deren "Verwandte", - Verwandte in dem Sinne, dass sie ähnliche psychische Probleme haben - eins zwei drei vier fünf.

Psychische Störungen können immer mehr oder weniger ausgeprägt sein. Außerdem gibt es jede Menge Variationen davon. Fast jeder hat "Macken". (Mein Psychologieprofessor sagte einmal in einer Vorlesung, "Macken haben wir alle!". Wobei ich aber nicht primär Psychologie studiert habe; das war nur eine Nebenvorlesung in einem anderen Studium, die ich aus Interesse gehört habe.)

Es soll einen Fall geben, bei der eine Frau keltische Weisen singen konnte, die sie aber eigentlich nie gelernt haben konnte. Wohl unter Hynose o.ä.. Es stellte sich heraus, dass sie wohl einmal in einer Bibliothek in einem Buch geblättert hatte, in dem ein solches Lied verzeichnnet war. Das Hirn hat anscheinend dieses Blatt abgespeichert und konnte es unter dieser besonderen Voraussetzung wieder abrufen - wenn auch unbewusst - , so dass die Dame es wiedergeben konnte. Den Rest hat dann etwas Ausarbeitung (unbewusste wohl) dazu getan.

Das hört sich jetzt etwas schwer nachzuvollziehen an. Man kann sich der Sache aber nähern, wenn man einmal das ganz normale Alltagsleben genau betrachtet. Gesetzt den Fall, man sieht die Nachrichten von gestern (weil man auf dem Recorder die falsche Datei angewählt hat z.B.) oder man hört auf einem anderen Sender Nachrichten, von denen bestimmte Berichte schon woanders liefen. Sofort merkt man, "Habe ich doch schon gehört!" bzw. "- gesehen!".

Warum aber weiß man, dass man das schon gehört hat? Würde man aufgefordert, einzelne Bilder der heutigen Nachrichtensendung, die man gesehen hat (zum ersten Mal), aus dem Gedächtnis zu holen und detailliert zu berichten oder sogar nachzuzeichen, würde man dazu nicht in der Lage sein. Ich könnte einzelne Szenen der Straßen in Hamburg nicht nachzeichnen, noch nicht einmal in Details beschreiben. Wird aber ein Bericht noch einmal gezeigt, vielleicht nur in einem neuen Bericht eine einzelne Szene noch einmal gezeigt, kommt sofort die Erinnerung.

Wie aber kann das sein, wenn das Gehirn nicht diese Szene(n) irgendwo abgespeichert hat, offensichtlich in allen möglichen Details?

Lässt man Revue passieren, was man sich an dem Tag im Fernsehen alles angesehen hat und wobei man sich erinnern würde, wenn man es schon mal gesehen hätte, wird das eine unglaubliche Menge an Erinnerungen. (Wobei das bei mir mit größerem zeitlichen Abstand stark abnimmt; nach nur ein paar Tagen kann ich mich nicht mehr daran erinnern, ob ich an dem und dem Tag die und die Tiersendung o.ä. gesehen habe. Das Gehirn räumt in der Nacht wohl stark auf.) Das kann nur dann sein, wenn das Gehirn es abgespeichert hat.

Irlmaier war einmal mehrere Tage verschüttet; vielleicht - wahrscheinlich sogar - hat das bei ihm eine psychische Störung verursacht. (Die sich auch in der "Hardware", also im Gehirn, niedergeschlagen haben könnte.) Es könnte also sein, dass er unter besonderen Umständen Erinnerungen aufrufen konnte, bei denen er sich nicht bewusst war, dass es Erinnerungen waren. Er hat sie in dem Moment als Schauungen empfunden.

Erschwerend kommt bei ihm vielleicht noch hinzu, dass er auch Schauungen hatte. Dass die ganzen Berichte von Kriegsgefangenen, Kriminalfällen und teilweise auch Voraussagen (siehe hier und hier) alle erstunken und erlogen sind, will sich mir nicht recht erschließen.

Die Analyse von Irlmaier hier und die Nachweise seiner nicht auf eigenen Schauungen beruhenden Vorhersagen halte ich für wenig zweifelhaft. Insofern ist gegenüber seinen Voraussagen sicher Skepsis angebracht, wenn sie sich auch in zahlreichen Büchern wiederfinden. Ein großer Teil davon wird wohl Nacherzählung bekannter Schauungen / Prophezeiungen sein. Aber dass das immer böse Absicht gewesen ist, er sich dessen stets voll bewusst war - das bezweifle ich.


Gruß, IFan

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Irlmaiers "Prophezeiungen"

BBouvier, Montag, 10. Juli 2017, 02:48 vor 1235 Tagen @ IFan 2734 mal gelesen

Hallo, IFan!

Praktisch alles, was unter "Irlmaiers Prophezeiungen" bekannt ist,
kann man auf Vorlagen zurückführen - wobei es sich dabei ja zum
überwiegenden Teil überhaupt nur um lauter Fälschungen handelt,
die er da (oft fast wörtlich) repetiert.

Als originär "Irlmaier" fällt mir (nur) folgendes ein:
- die Vernichtung Landaus, wobei er den Impaktor
irrig für eine "Atomrakete" hält - gesehen hat er
offenbar eine "Feuerzunge" (<= Irlmaiers Wortwahl)
- auf den Ästen der Bäume lägen mal weiße Flocken (Aschen oder Schnee?)
- fraglich ist sein "gelber Strich", der hier immer wieder
mal kontrovers besprochen wird

Randomizer zu letzerem:
"Mein Verdacht: die Vorstellung von einem Kampfstoff-Streifen
ist weder von Irlmaier selbst noch ein Plagiat einer
(uns unbekannten) früheren Prophetie, sondern eine Idee,
die Irlmaier aus irgendeinem obskuren Zeitungsartikel
oder einer wirren Nachkriegsbroschüre kennen konnte.
Damit löst er in 'seinem Szenario' das Problem
des merkwürdig schnell scheiternden Angriffs
(einen sehr kurzen Krieg postulieren ja alle seine Vorlagen).
Zu diesem Zeitpunkt (Ende 1949) kannte Irlmaier
die Feldpostbriefe noch nicht und konnte das Scheitern
des russischen Angriffs also nicht mit dem Naturereignis
in Süddeutschland erklären
(das wird aber in Adlmaiers Drittauflage 1961 nachgereicht,
dann natürlich in Kenntnis der Feldpostbriefe).
"

Und das war´s auch schon.

Taurec zu "Irlmaier":
=>
https://schauungen.de/forum/index.php?id=32492
https://schauungen.de/forum/index.php?id=35877

Daß Irlmaier, was "persönliche Beratung" betrifft,
offensichtlich ganz erheblich begabt und erfolgreich war,
wird ja nicht angezweifelt, das kann jedoch nicht als Beleg
dafür angeführt werden, seine "Prophezeiungen"
kämen denen qualitativ gleich.

Beste Grüße!
BB


- es ist gemein, Blinden Stummfilme zu zeigen
- eine schöne Theorie sollte man sich mit Forschung nicht kaputt machen
- Irlmaier: "Ein Mann erzählt das, was er irgendwo mal gelesen hat."

kann ich unterschreiben

IFan @, Montag, 10. Juli 2017, 22:18 vor 1234 Tagen @ BBouvier 2371 mal gelesen

Hallo BB,

kann ich voll und ganz unterschreiben.

Mir kam es auch - vorwiegend, sagen wir mal - darauf an, etwas Schärfe da heraus zu nehmen. Irlmaier war vielleicht im Grunde eher "die arme Sau", die gar nicht recht einschätzen konnte, was sie da tat und was passierte, in Zusammenarbeit mit Adlmaier.

Gruß, IFan

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Irlmaier zu "Wien" und "Berlin"

BBouvier, Dienstag, 11. Juli 2017, 15:12 vor 1233 Tagen @ IFan 2846 mal gelesen

bearbeitet von BBouvier, Dienstag, 11. Juli 2017, 15:32

<"Irlmaier war vielleicht im Grunde eher "die arme Sau",
die gar nicht recht einschätzen konnte, was sie da tat
und was passierte, in Zusammenarbeit mit Adlmaier
.">

Hallo, IFan!

Ja - von mir aus.
Welcher der Beiden nun als der Hauptbetrüger anzusehen ist,
interessiert mich eher auch nur am Rande, denn wir sind hier ja
auf der Suche nach (wahrscheinlich) validen Schauungen.

Exemplarisch für Irlmaiers "Prophezeiungen" ist derlei.
=>
"Die Fabriken liegen still,
das rasende Tempo früherer Zeit hat aufgehört..
."

Seine Vorlage ist das "Lied von der Linde", selbst eine Fälschung.
=>
"Alle Städte werden totenstill,
Auf dem Wiener Stephansplatz wächst Dill
."

Damit sein Plagiat nicht sogleich ins Auge springt,
läßt Irlmaier nur "Fabriken" still werden, anstelle der Städte:
Gemäß Irlmaier also lauter "stille" Fabriken, die überall "liegen".

Irlmaier a.a.O. weiter:
"... in Wien überlebt Niemand!"

Ja, das kommt davon, wenn man seine Vorlage nicht begreift.
Denn der Autor des "Liedes" hat mit "Wien" exemplarisch
nur die Hauptstadt des damaligen Habsburger Kaiserreiches genannt,
auf deren Straßenpflaster mangels Verkehr dann Dill=Gras wächst.

... und dann gibt es von Irlmaier, noch folgende Prophezeiung:
"In Berlin waren alle Wohnungen unangetastet
und in den Fabriken alle Maschinen heil –
aber er sah keinen einzigen Menschen
."

Aha?
Also auch in der deutschen Hauptstadt hat offenbar Niemand
überlebt. Was ihm Sinn macht, denn im Lied von der Linde
liest er ja, alle Städte würden totenstill.
Und dann - so behauptet Irlmaier - hätte er die ganzen Maschinen
in sämtlichen Fabriken Berlins (!) alle funktionsfähig gesehen:
Bemerkenswert, fürwahr!
(Frage: Wie soll man sich das vorstellen?)
Bei der Prophezeiung stützt er sich allerdings nur auf seine eigene Fälschung (s. oben):
"Die Fabriken liegen still " ...

:-D

Gruß,
BB


- es ist gemein, Blinden Stummfilme zu zeigen
- eine schöne Theorie sollte man sich mit Forschung nicht kaputt machen
- Irlmaier: "Ein Mann erzählt das, was er irgendwo mal gelesen hat."

Kugelbeer?

Dannylee @, Dienstag, 11. Juli 2017, 21:20 vor 1233 Tagen @ BBouvier 2438 mal gelesen


Exemplarisch für Irlmaiers "Prophezeiungen" ist derlei.
=>
"Die Fabriken liegen still,
das rasende Tempo früherer Zeit hat aufgehört..
."


Gruß,
BB

Hallo, BB,

stammt diese Aussage nicht von Kugelbeer?

Freundliche Grüße

Dannylee

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Ja, Kugelbeer

Taurec ⌂ @, München, Dienstag, 11. Juli 2017, 22:09 vor 1233 Tagen @ Dannylee 2433 mal gelesen

Hallo!

stammt diese Aussage nicht von Kugelbeer?

Ja, durchaus.

=>
"8. Ein Kreuz erscheint am Himmel. Das ist das Ende der Finsternis Die Erde ist ein Leichenfeld wie eine Wüste. Die Menschen kommen ganz erschrocken aus den Häusern. Die Leichen werden auf Wägen gesammelt und in Massengräbern beerdigt. Es fahren weder Eisenbahn, noch Schiffe, noch Autos in der ersten Zeit Die Fabriken liegen still, denn es gibt keine Leute zur Bedienung der Maschinen. Das rasende Tempo früherer Zeit hat aufgehört."

Das kann man schon mal verwechseln, da Adl-/Irlmaier, aus derselben Mottenkiste greifend, im Grunde das gleiche schreibt:

"Während oder am Ende des Krieges sehe ich am Himmel das Zeichen, der Gekreuzigte mit den Wundmalen, und alle werden es sehen."

Obiger Satz stammt aus der 2. Adlmaierauflage. In der ersten lautete er noch:

"Geheimnisvoll sagte der Irlmeier: ‚Am Himmel kommt ein Zeichen, der Gekreuzigte mit den Wundmalen, und alle werden es sehen.‘"

Kugelbeer erschien 1951, kurz nach der 1. Adlmaierauflage. Entsprechend wurde die Aussage in der 2. Auflage angepaßt, so daß bei Irlmaier das Kreuz "während oder am Ende des Krieges" erscheint (bei Kugelbeer am Ende der Finsternis).

Auch die Kugelbeerelemente "Leichenfeld", "Wüste", "Tote auf den Straßen", "Städte still" kommen bei Irlmaier, allerdings in anderer Zusammenstellung, vor:

"Die Leichen sind so viel, daß man sie nicht mehr wegbringen kann von den Straßen." (Zu Rußland.)
"Die landlosen Leute ziehen jetzt dahin, wo eine Wüste entstanden ist [...]"

Bei der Aussage, die er an die Hamburgerin gerichtet haben soll, kommen auch die stillen Städte, Fabriken und Maschinen vor:

"In Berlin waren alle Wohnungen unangetastet und in den Fabriken alle Maschinen heil – aber er sah keinen einzigen Menschen." (Kugelbeer: "Die Fabriken liegen still, denn es gibt keine Leute zur Bedienung der Maschinen.")

Gruß
Taurec


„Es lebe unser heiliges Deutschland!“

„Alles, was tief ist, liebt die Maske.“

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Irlmaierplagiat der Kugelbeerfälschung

BBouvier, Dienstag, 11. Juli 2017, 22:10 vor 1233 Tagen @ Dannylee 2521 mal gelesen

bearbeitet von Taurec, Dienstag, 11. Juli 2017, 22:48


Exemplarisch für Irlmaiers "Prophezeiungen" ist derlei.
=>
"Die Fabriken liegen still,
das rasende Tempo früherer Zeit hat aufgehört..
."


Gruß,
BB

xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx

Hallo, BB,

stammt diese Aussage nicht von Kugelbeer?

Freundliche Grüße

Dannylee

Du hast recht, Dannylee!

Obiges hatte ich im Netz als "Irlmaier" gefunden,
dabei stammt diese "Prophezeiung" tatsächlich von "Kugelbeer".
Wobei zu bemerken ist, daß es sich bei "Kugelbeer"
um die Niederschrift Ellerhorsts einer angeblichen Prophezeiung (!)
Kugelbeers handelt, deren Validität sehr umstritten ist
und in der Quellensammlung die Note IV (von V) hat.

Kugelbeerfälschung:
"Die Fabriken liegen still, denn es gibt keine Leute
zur Bedienung der Maschinen."

Irlmaierecho der Fälschung:
"In Berlin waren alle Wohnungen unangetastet
und in den Fabriken alle Maschinen heil
aber er sah keinen einzigen Menschen."

Im übrigen - Kugelbeerfälschung:
"...Den großen Monarchen begleitet ein Heer von Engeln
unter Anführung des hl. Michael, der vom Seher
in prächtiger Waffenrüstung und höher Gestalt geschaut wird.
Der Monarch besiegt alle seine Feinde.
Auf dem Rückzug nach Italien kommen Papst und Kaiser nach L.,
wo der Seher ihnen die Hand drückt...Wer neugierig
zum Fenster hinausschaut, wird vom Tode getroffen.
Man verehre das kostbare Blut Jesu und rufe Maria an.
Die Teufel holen die Gottlosen bei lebendigem Leibe.
Vergebens flehen diese um Verlängerung ihres Lebens...
Beginn mit einem furchtbaren Donnerschlag mit Erdbeben.
Ein Kreuz erscheint am Himmel.
"


Das Irlmaierecho zu dieser Kugelbeerfälschung:
=>
"Bei diesem Geschehen sehe ich ein großes Kreuz am Himmel stehen,
und ein Erdbeben wird unter Blitz und Donner sein
."


Grüße!
BB


- es ist gemein, Blinden Stummfilme zu zeigen
- eine schöne Theorie sollte man sich mit Forschung nicht kaputt machen
- Irlmaier: "Ein Mann erzählt das, was er irgendwo mal gelesen hat."

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Eher ein gutgläubiger Geschichtenerzähler?

Taurec ⌂ @, München, Montag, 10. Juli 2017, 09:24 vor 1234 Tagen @ IFan 2749 mal gelesen

bearbeitet von Taurec, Freitag, 01. September 2017, 08:13

Hallo!

wenn man Kritik an Irlmaier (und in dessen Gefolge Adlmaier) liest, steckt dahinter gelegentlich ein Ton von "das war ein Betrüger, das hat der absichtlich gemacht, in voller Kenntnis dessen, was er tat, der war regelrecht bösartig!".

Es geht hier eigentlich nur um die Texte Adlmaiers und (in deren Anhang) einen ganzen Schwall Zeitungsartikel, die während des Irlmaierhypes veröffentlicht wurden.

Aus diesen Texten geht noch nicht mal hervor, wann (Datum) Irlmaier was (genauer Inhalt) gesehen haben soll, was die Mindestanforderung einer validen Schauungsdokumentation wäre. Daraus würde auch hervorgehen, in welchen Umständen (im Traum, nach dem Aufwachen, im Alltag?) er die angeblichen Schauungen erlebt haben soll.
Statt dessen haben wir ein Konglomerat aus Behauptungen und Aussagen, die teils deutlich auf älteren Vorlagen beruhen. Adlmaier hatte gewiß die Idee der Vermarktung Irlmaiers und besorgte Literatur, entwarf die Texte etc., so daß der Schwerpunkt der "verbrecherischen Energie" wohl bei ihm anzusiedeln ist. Irlmaier hat diese Aussagen aber bereitwillig angenommen und weitererzählt, wahrscheinlich in dem guten Gewissen, daß es sich ja inhaltlich um echte Zukunftsaussagen handele, auch wenn diese nicht auf eigenen Schauungen basieren, sondern älteren Prophezeiungen.

Dies scheint mir nebenbei eine gängige Denkweise in Frömmlerkreisen zu sein, daß man auf Quellenkritik und Authentizität scheißt, während man alles annimmt, glaubt und propagiert, was zum eigenen Weltbild paßt. "Echtheit" bestimmt sich dort daran, ob etwas zu den subjektiven Glaubensauffassungen paßt.

Insofern hat sich Irlmaier zumindest mitschuldig gemacht, allerdings nicht unbedingt wider besseres Wissen. Sollte er etwas geahnt haben, war es ihm wenigstens gleichgültig. Im Grunde ist die Fälschung von Prophezeiungen ein minderschweres Delikt, das noch nicht mal an Irlmaiers ältere Betrügereien aus Geldnöten heranreicht. Man sollte das, nur weil es unser Thema ist, nicht überhöht wahrnehmen.

Wenn man also über eine mögliche Inselbegabung Irlmaiers diskutiert, kann diese Diskussion sich nur auf die ohne Zweifel echten übersinnlichen Wahrnehmungen Irlmaiers im persönlichen Bereich beziehen: Wasseradern/Mineralien erspüren, Hellsehen und Präkognition zu einzelnen Individuen.
Mit solchen Theorien einen Beitrag zur Rettung seiner angeblichen Schauungen zum Weltgeschehen liefern zu wollen, ginge ins Leere, weil für diese noch nicht mal die quellenkundlichen Grundvoraussetzungen erfüllt sind, um vom Vorliegen echter Schauungen auszugehen.
Es wäre einer der üblichen glaubensmäßigen Zirkelschlüsse, die von der Echtheit pauschal ausgehen, woraufhin, ohne diese Echtheit hinterfragen zu können, darüber diskutiert wird und Theorien konstruiert werden, die lediglich einen unbewiesenen Glaubenssatz durch weitere Annahmen weiter ausgestalten und subjektiv glaubwürdiger machen, den Kern des Problems, daß die Grundannahme (echte Schauungen zum Weltgeschehen) schon nicht nachgewiesen ist, aber weit verfehlen.

Irlmaier war einmal mehrere Tage verschüttet; vielleicht - wahrscheinlich sogar - hat das bei ihm eine psychische Störung verursacht. (Die sich auch in der "Hardware", also im Gehirn, niedergeschlagen haben könnte.) Es könnte also sein, dass er unter besonderen Umständen Erinnerungen aufrufen konnte, bei denen er sich nicht bewusst war, dass es Erinnerungen waren. Er hat sie in dem Moment als Schauungen empfunden.

Das würde immerhin die Möglichkeit eröffnen, daß Irlmaier angelesene Prophezeiungen, Bibelphantasien und Vorstellungen, die ihm aus diversen Quellen zukamen, als scheinbare Schauung wiederkehrten. Der Faktor Adlmaier wird dabei aber ausgeblendet. Dieser hat die Texte ja konstruiert, wobei sie teils eindeutig Plagiate sind, beispielsweise wenn in späteren Auflagen plötzlich Elemente der Feldpostbriefe vorkommen, nachdem diese von Frumentius veröffentlicht worden waren. An solchen Stellen hat Irlmaier mit absoluter Sicherheit nichts gesehen, und davon ausgehend wohl auch an keiner anderen.

Dass die ganzen Berichte von Kriegsgefangenen, Kriminalfällen und teilweise auch Voraussagen (siehe hier und hier) alle erstunken und erlogen sind, will sich mir nicht recht erschließen.

Das hat auch keiner behauptet. Ich unterstelle Adlmaier aber, daß er diese Berichte nachredigiert hat, so daß sie wohl nicht gänzlich der Wahrheit entsprechen (Wer einmal lügt...). Die von Adlmaier unabhängigen Zeitzeugenberichte von Leuten, denen Irlmaier etwas Persönliches voraussagte, bestätigen seine Gabe allerdings.

Aber dass das immer böse Absicht gewesen ist, er sich dessen stets voll bewusst war - das bezweifle ich.

Irlmaier bewegte sich im Grunde in einer geistigen Strömung, welche die "Prophezeiungsszene" bis heute trägt, in der gutgläubig, aber ohne echtes kritisches Hinterfragen grundsätzlich erstmal alles als wahr angenommen wird. Es läßt sich den Leuten (Autoren, Forenschreiber) nicht generell zum Vorwurf machen. Wenn man sich mit dem Thema beschäftigt, will man auch, daß etwas daran ist. Man geht mit dem Elan an die Angelegenheiten heran, daß man etwas wirklich Großes in Händen hielte. Bei genauerem Hinsehen würde sich allerdings herausstellen, daß weit mehr als neun Zehntel der Veröffentlichungen nur die Ausflüsse einer sich selbst reproduzierenden Vorstellungswelt sind, und nur recht wenige echte Schauungen vorliegen. Qualitativ ist an dem Thema zwar etwas, quantitativ ist der Großteil aber für die Tonne, was dem freudigen Elan einen Dämpfer versetzen und die Beschäftigung mit dem Thema anstrengend machen würde, weil man erheblichen Forschungsaufwand veranstalten müßte, um die wenigen Goldkörner herauszufinden.

Ein Glück, daß es Frömmler und Gutgläubige unterschiedlichen Grades gibt, die gegen die Vorstellung, daß Fälschungen überhaupt existieren, immun sind. :ok2:
(Ich meine, solche Denkstrukturen sind eine Folge dessen, daß man ein Buch, also einen materiellen, von Menschen geschriebenen und hinterfragbaren Gegenstand ins Zentrum seiner Religion rückt, die eigentlich auf Immaterielles abzielt. Um diese Krücke vor Zweifeln zu schützen, schiebt man intellektuelle Riegel vor, die Hinterfragen moralisch verbieten. Natürlich neigt diese Denkfigur dazu, auch in andere Bereiche überzugreifen, da sie zum Lebensgesetz erhoben wird, allein schon um nicht ins Bewußtsein zu dringen, indem erkennbar mit zweierlei Maß gemessen werden würde. Folglich können "Frömmler" auch Prophezeiungen nicht hinterfragen, die ihr biblisches Bild bedienen.)
Manche sind gar der Ansicht, daß getrost auch erwiesene Fälschungen weitererzählt werden können, wenn der Inhalt wahr ist, da dies ja (auch die Intention des Fälschers) der Verbreitung der Wahrheit dienen würde. Das ist wieder der von mir oben und schon mehrmals beschriebene Zirkelschluß des Frömmlertums, in dem Dinge um ihrer selbst willen geglaubt werden.

Irlmaier unterstelle ich keine böse Absicht. Solche wertenden Unterstellungen wären auch hinsichtlich der Frage der Echtheit/Gefälschtheit eines Textes sinnlos, da sie zu dessen Zusammensetzung keine Informationen liefern. Anzunehmen ist, daß er selbst an das glaubte, was er erzählte, und somit zu den Unglücklichen gehörte, die sich selbst etwas vormachen. Seit jeher werden in der Prophezeiungsliteratur Aussagen veröffentlicht, ohne daß eine Quellenkritik stattfände. Der Grundeindruck und die Grundannahme sind, daß es sich um echte Personen handele, die echte Voraussagen gemacht hätten. Hinterfragen und Quellenkritik waren und sind bei Autoren und Lesern die Ausnahme (Ausnahmen z. B. Hübschers "Die große Weissagung" uns Henselers "Spielbähn" von 1950/52). Die Mehrheit der Autoren und Leser entstammen einem christlichen Milieu, in dem oft "frömmelnd" gedacht wird, so daß die Leute sich ihrer Irrtümer oft gar nicht gewahr werden. Da Irlmaier keine intellektuelle Ausrichtung hatte, sich selbst der möglichen Entstehungshintergründe der Prophezeiungen, die ihm bekannt wurden, nicht klar war, kann man ihm nicht Handeln wider besseres Wissen unterstellen.
Adlmaier unterstelle ich indes, daß er nicht redlich war und Irlmaier benutzte, um eine Geschichte zu erzählen, einen lokalen Mythos zu schaffen und selbst daran zu gewinnen. An irgendeiner Stelle muß jemand in dem Wissen, daß er einer Person Schauungen andichtet, gehandelt haben.

Gruß
Taurec


„Es lebe unser heiliges Deutschland!“

„Alles, was tief ist, liebt die Maske.“

kann ich unterschreiben

IFan @, Montag, 10. Juli 2017, 22:28 vor 1234 Tagen @ Taurec 2345 mal gelesen

Hallo Taurec,

kann ich unterschreiben.

"Adlmaier unterstelle ich indes, daß er nicht redlich war und Irlmaier benutzte, um eine Geschichte zu erzählen, einen lokalen Mythos zu schaffen und selbst daran zu gewinnen. An irgendeiner Stelle muß jemand in dem Wissen, daß er einer Person Schauungen andichtet, gehandelt haben."

Wird wohl ziemlich so zutreffen.

Zumindest hat Adlmaier, seine eigenen Interessen vefolgend, nicht genau hinschauen wollen, ob das alles so zutreffend ist, was er da verlegen will. Und aus so einer, man kann durchaus sagen, unredlichen Handlungsabsicht ("Erst einmal Geld verdienen; wenn es dann nachher nicht so stimmt, ziehe ich mich irgendwie aus der Affäre!") kommen dann solche Sachen zustande, die tausende Menschen in die Irre führen.

(Wenigstens gibt es "www.Schauungen.de", wo man seine Sichtweise korrigieren kann.)


Gruß, IFan

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