Fehlwahrnehmung Überschwemmung Oberrhein ca. 1983

gecko2 @, Montag, 06.06.2022, 15:51 vor 121 Tagen

Da ich im Forum gerade ein bißchen über Überflutungsschauungen gelesen habe, fiel mir ein, daß ich auch einmal sowas ähnliches hatte, ganz kurz. Ich habe es aber die nächsten Tage gleich unter "Hallunzination, Fehlwahrnehmung, Traum" abgelegt, weil ich am Abend zuvor einen angeblichen LSD-Trip (wer weiß schon, was da drin war) eingeworfen hatte, zudem übermüdet war, und das Bild darauf zurückführte.

Es muß zwischen 1982 (frühestens) und 1984 (spätestens) gewesen sein, Monat/Tag weiß ich nicht mehr, eher Frühjahr oder Herbst, jedenfalls ziemlich kühl, aber eher kein Schnee oder Eis. Ich war im AZ in Freiburg gewesen und wollte mit dem Zug nach Hause Richtung Basel, es war aber bereits so 1 Uhr nachts. Der nächste Zug fuhr erst um 2 oder halb 3. Ich kaufte am Automaten eine Fahrkarte und beschloß, bis dahin am Bahnhof zu warten, um den Zug nicht zu verpassen, obwohl mir das nicht sehr angenehm war, denn man mußte damit rechnen, vom Bahnsteig weggescheucht zu werden. Außer mir waren ab und an noch so 5, 6 andere Personen mal zu sehen in der Zeit, sonst war alles leer. Ab und an döste ich ein, schreckte mal wieder hoch, denn ich wollte den Zug keinesfalls verpassen. Es war also dunkel, Nacht, und nur ein bißchen Bahnhofsbeleuchtung an.

Irgendwann kam der Zug, und ich stieg ein, setzte mich auf einen Polstersessel am Fenster, döste wieder ein - bis Basel hatte ich ja eine Stunde Zeit. Irgendwann schreckte ich hoch, sah aus dem Fenster, stellte aber fest, daß ich noch weit oberhalb von Müllheim war (weiß nicht mehr wie, ob ich auf die Uhr geschaut habe oder Bahnhofsschilder gesehen habe oder schemenhafte schwach beleuchtete Landschaft aus dem Fenster), und döste weiter.
Irgendwann, es muß von der Zeit her etwa zwischen oberhalb Müllheim und Tüllingen gewesen sein, schreckte ich hoch und sah aus dem Fenster Schilf und Wasser bis an die Bahngleiskante. Es war ein bißchen heller wie die Nacht sonst, also wie frühester Morgenanbruch. Ich machte die Augen zu und wieder auf: Schilf und Wasser, etwas dunkler.
Ich bekam einen Riesenschreck: war ich so tief eingeschlafen, daß ich Basel und weiteres verschlafen hatte und bis an den Bodensee durchgefahren war (der Zug fuhr von Basel weiter bis nach Radolfzell, wenn ich mich richtig erinnere)?? Wie könnte ich von dort wieder zurückkommen?!
Aus dem Fenster sah ich nun weitgehend Dunkelheit. Ich kämpfte weiter mit dem Schlaf.
Kann sein, daß ein Schaffner durchging und ich den fragte, was die nächste Haltestation wäre, aber da bin ich mir nicht mehr sicher, denn meine Fahrkarte ging ja nur bis Basel und Geld zum Nachzahlen oder für eine Weiterfahrt hatte ich nicht, so daß ich ihn wahrscheinlich lieber nicht angesprochen habe.
Irgendwann kam ich in Basel an, und irgendwie kam ich von dort weiter in mein Bett, ich erinnere mich aber nicht mehr, wie.
Nur noch daß ich vor meinem Bett stand und auf den Kleiderschrank schaute und nochmal das Bild mit dem Schilf und dem Wasser schemenhaft vor Augen hatte, sozusagen rekapitulierend.
Ich legte mich erstmal ins Bett und schlief.
Am nächsten Tag wunderte ich mich nochmal über dieses Bild, denn ich war die Zugstrecke Freiburg-Basel schon mehrmals am Tag gefahren, und das Gleis war da nirgendwo in Rheinufernähe.

Also, meine spontane Einordnung damals und bis vor kurzem war "Bodenseeufer" für das Bild, weil ich so hohes Schilf davor nur am Bodensee gesehen hatte. Am Oberrhein gibt es das nicht, weil dort der Rhein begradigt ist und das Ufer befestigt. Am Hochrhein an manchen Stellen, aber nicht so hoch, und dort verläuft auch das Bahngleis weiter hangaufwärts. Die Strecke am Bodensee entlang bin ich noch nie gefahren, weiß nicht, wie dort der Gleisverlauf ist, nur, daß es am Bodenseeufer vielerorts hohes Schilf gibt (Meersburg, Unteruhldingen).

Nachdem ich aber hier von mehreren Überflutungsbilder berichtet gesehen habe, komme ich zu der Meinung, daß es vielleicht eher ein Überflutungsbild war? Es hatte auch diese "bis an den Rand"-Charakteristik, also in meinem Fall "Wasser bis ans Bahngleis", wie das jemand mit der "Flut bis an die Haustürschwelle" beschrieb.
Ich denke, bei den Überflutungsbildern in Norddeutschland könnten Erinnerungen an die große Mandränke und weitere Sturmfluten eine Rolle spielen, will sagen, solche Befürchtungen sind dort nicht so völlig unwahrscheinlich, weil man hat es ja schonmal erlebt.
Flutung des Oberrheingrabens, wie das von mir gesehene Bild "eventuell" anzeigen könnte, müßte aber schon einen stark erhöhten Meereswasserspiegel oder Absinken des Oberrheingrabens oder wasimmersonstige ziemlich starke geologische Veränderungen voraussetzen.

Ich habe das Forum nicht so weit durch, daß ich schon wüßte, wann die anderen Überflutungschauungen waren.
Auch in den 1980ern? Gab es da mal so eine Welle davon?
Dieses "Überflutung bis vor die Füße" erscheint mir jedenfalls als so eine Art ikonisches Bild, das eine Zeitlang "mal rum gegangen ist" - wasimmer das bedeuten sollte (wenn überhaupt irgendwas).