Gültigkeit von Schauungen (Schauungen & Prophezeiungen)

NeuOrest @, Samstag, 09.10.2010, 01:20 (vor 4324 Tagen) @ detlef (9306 Aufrufe)

ich behaupte, dass schauungen ihre gueltigkeit verlieren koennen.
so sind sie nun einmal, die schauungen.

# Hallo,

hier möchte ich mich einklinken, da ich über meine persönlichen Schauungen auf Grund vieler (abwechslungsreicher) Erfahrungen lange nachgedacht habe und für mich nach einem eindringlichen Erlebnis dieser Art letztlich zu einem Ergebnis gekommen bin.

Beispielhaft möchte ich hier also ein Erlebnis von mir anführen, bei dem ich träumte, einen Flieger zu verpassen. Ich träumte es sehr realistisch und mit dieser "besonderen Note", dass ich schon ahnte, dass dies Realität werden könnte. Die meisten meiner Zukunftsträume gehen direkt innerhalb der nächsten Wachperiode (also i.d.R. 16 - 20 Stunden) in Erfüllung. Dieser Traum jedoch nicht. Aber er wiederholte sich Monate später - noch detaillierter und realistischer als beim ersten Mal. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich einen Flug nach Wien gebucht, um mich dort mit Bekannten zu treffen. Ich habe alles daran getan, diesen Flug nicht zu verpassen. Und verpasste ihn auch nicht. Ich blieb weiter skeptisch und warnte für den Rückflug meine Bekannten vor, darauf acht zu geben, dass ich noch eher als geplant morgens aufstehe und mich auf den Weg zum Flughafen mache.
Letztlich bin ich auch eher aufgestanden, jedoch durch eine Verkettung unglücklicher Umstände (österreichischer Feiertag - ÖPNV fuhr mit Sonderfahrplänen; verpasste den letzten Bus um Minuten; später die nächste Anschlussbahn im weiteren Verlauf verspätete sich ...) zu spät zu meinem Flieger gekommen. Ich konnte dabei förmlich spüren, wie sich die damalige Gegenwart immer mehr zu der Gegenwart meiner Vision verschob. Bis die letzten Minuten 1:1 die Vision waren - ich kannte den Flughafen, ich kannte meine Gefühle, die ich dabei hatte... ich wusste, wie ich zu dem Schalter gehe und welche Dame mir wie sagt, dass es wohl zu spät sei. Ich wusste, dass ich zu dem anderen Terminal über ein Freistück unter offenem Himmel herüberlaufen und wie ich dabei in den Himmel schaue und ein Flugzeug meiner Linie wegfliegen sehen würde...

Auf dem Weg zurück vom Flughafen war ich sehr entspannt und gelassen. Denn ich hatte eine neue Perspektive auf mein Leben gewonnen.
Denn obwohl ich ein massives Aufgebot meiner Willenskraft gegen das Real-Werden setzte (kostspielige Sache, kurzfristig einen neuen Flug zu buchen), konnte ich es nicht verhindern. Ich bin dadurch für mich zum Ergebnis gekommen, dass meine Visionen nicht dazu da sind, die Zukunft zu ändern. Ich kann nur aus ihnen lernen, die Zukunft an sich besser anzunehmen. Mein Weg in der Zukunft ist bereits heute existent. Heute und morgen unterscheidet sich nur durch die Perspektive des Erfahrenden. Meine Schauungen sind Verrückungen dieser begrenzten Perspektive. "Paralleluniversen", die alle Zukunftsmöglichkeiten beinhalten, oder Optionen für eine "Zukunft A" oder "Zukunft B" gibt es aus meiner Erfahrung nicht.

Ich glaube, dass diese Annahme (man könne eine geschaute Zukunft abändern) eine Folge falscher Wahrnehmung der eigenen Träume ist. Wer beispielsweise bestimmte Ängste hat, wird irgendwann auch mal einen "besonderen" Traum von der Zukunft haben, der diese Ängste bestätigt sieht (das "Besondere" resultiert aus der Beteiligung emotionaler Schichten, die tiefer im Bewusstsein verankert sind als die automatisierten Gedankenketten, die die Träume spinnen). Wenn dieser nicht in Erfüllung geht, kann der Betroffene sich vielleicht denken: "Oh, ich habe diese Zukunft abgewendet." Der Fehler liegt darin, dass er einen Verarbeitungstraum für einen Wahrnehmungstraum gehalten hat bzw. die beiden nicht voneinander unterscheiden kann.
Manchmal vermischen sich auch beide in teils stärkerem, teils schwächerem Verhältnis einerseits. Es ist viel Vorsicht, Erfahrung und Selbstreflektionsfähigkeit geboten, um nicht Selbstäuschungen zu erliegen.

Kurz: Die Zukunft steht m.E. also fest und wird - eigene Halluzinationen ausgeblendet - auch so geschaut.

Ich hoffe, das war so verständlich. Finde es immer sehr schwierig, sowas auszudrücken. Will auch niemandem ne Meinung aufzwingen, nur meine Erfahrung teilen.

Viele Grüße


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