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Takt 2 - Rußland und Kommunismus (Schauungen & Prophezeiungen)

Taurec ⌂ @, München, Dienstag, 03. August 2010, 17:27 (vor 3767 Tagen) @ Taurec8416 mal gelesen
bearbeitet von Taurec, Mittwoch, 30. August 2017, 19:21

Hallo!

Vom Inhalt meines Vorbeitrages abgesehen liegt auch der Kern der Sache anders. Die Diskussion um Kapitalismus und Kommunismus ist nebensächlich und im Grunde falsch, weil von beiden eine gleich große Gefahr ausgeht, denn beide sind Ausprägungen derselben Entwicklung, an der Rußland innerlich jedoch keinen Anteil hat. Rußland ist – wie ich schon öfter schrieb – von abendländischen Völkern grundverschieden, was etwa daran erkennbar ist, daß die Russen die Aufklärung nie in dem Maße durchgemacht haben, wie der Westen, ebensowenig die Industrialisierung, die Grundlage der Arbeiterbewegung ist. Rußland war zum Zeitpunkt der Revolution noch ein Bauernstaat, weswegen die Einführung des Marxismus als Staatsdoktrin, die von Bauern nichts wissen will, Zig Millionen derselben das Leben gekostet hat.
Eine geschichtliche Reife läßt sich nicht gewaltsam und per Willensentschluß erreichen. Aus einem Volk, das den (durchaus negativ besetzten) Stand der Zivilisation noch nicht erreicht hat, wird kein Arbeiterstaat. (Aus ähnlichen Gründen versagen übrigens bis zum heutigen Tage alle Entwicklungsstrategien in Schwarzafrika.) Ich bezweifle daher, daß die Russen die Ideologie, die ihnen mehr als sieben Jahrzehnte vorgesetzt wurde, innerlich angenommen haben, bzw. sie, sofern sie meinten, sie hätten sie angenommen, sie überhaupt begriffen haben in dem Sinne, wie sie von den Urhebern (also Marx und Vorläufer) gemeint war. Die Russen waren zu keinem Zeitpunkte Kommunisten, bzw. Sozialisten.
Es ist sicher so, daß ein Russe etwas ganz anderes meint, als ein Europäer, wenn er von "Kommunismus" spricht. Schon, sich zu vergegenwärtigen, was man selbst mit dem, das man von den Russen weiß, innerlich verbindet, zeigt, daß wir in ihnen eine ganz andere Rasse (und zwar seelisch in Spenglers Sinne) vor uns haben. Das Gefühl des Fremdseins, das nicht vergleichbar ist mit dem, was man als Deutscher gegenüber Franzosen oder Engländern oder anderen westeuropäischen Völkern empfindet, weist darauf hin. Der "Kommunismus", wie ihn ein durchschnittlicher Russe empfindet, ist wohl am ehesten noch dem vergleichbar, was wir unter "Volksgemeinschaft" verstehen. Keine wirtschaftliche und soziale Organisation in erster Linie, sondern ein tiefes Verbundensein mit Menschen gleicher Rasse, aber auf besondere, russische Art. Das Russentum ist vielleicht eher wie eine Herde, die in der Weite der eurasischen Landmasse gegenseitige Wärme sucht und sich zusammendrängt, um einem fernen Heil zuzustreben. Die Verwurzelung ist durchaus völkisch und religiös, Kommunismus nur ein Schlagwort an der Oberfläche. Der Begriff ist bei den Russen wohl deswegen so besetzt, weil sich die Russen durch die Revolution einerseits der verwestlichten Adelsschicht entledigten (was von Spengler als eine Abkehr Rußlands von Europa, hin zu seinen asiatischen Ursprüngen interpretiert wurde), zum anderen weil seit dem Ende des Kommunismus dort wieder eine Verwestlichung einsetzte.
Weil das so ist, wäre eine künftige Rückkehr Rußlands zum Kommunismus nicht unter dem Gesichtspunkte der Weltrevolution zu verstehen, als vielmehr als eine "nationale Revolution", ein erneuter Versuch, die abendländische Pseudomorphose in einer Zeit der westlichen Schwäche abzustreifen. So ist auch der russische Feldzug in Europa zu verstehen.

Daß wir vor dem Krieg kommunistische Revolutionen in Europa haben, ist eine Entsprechung an der Oberfläche. Unter dem Schlagwort "Kommunismus" blasen alle in dasselbe Horn, wollen aber etwas anderes. Rußland mag sich das durch Unterstützung der europäischen Revolutionen zunutze machen, um den Westen sturmreif zu bekommen. Es geht den Russen aber nicht um die Weltrevolution, den aufgepeitschten, desillusionierten Massen in den europäischen Städten hingegen schon, weil sie in dem einengenden, materialistischen Weltbild, das hier vorherrscht, nur zwischen zwei Verteilungsarten des Kapitals unterscheiden können. So kommen wir zu meinem Eingangsgedanken: Kapitalismus und Kommunismus sind zwei Seiten ein und derselben Medaille, Lösungsmöglichkeiten für Wirtschaftsfragen, wie sie in untergehenden Kulturen als wichtig erscheinen und nur für uns Abendländer. Damit haben die Russen innerlich nichts zu schaffen. Der eigentlich wichtige Gegensatz liegt nicht zwischen Kapitalismus und Kommunismus, sozialer Marktwirtschaft und Sozialismus, etc., sondern zwischen den abendländischen Völkern und allen anderen, insbesondere aber zwischen Europa und Rußland, bzw. noch genauer den Deutschen, dem einzigen Volk, das nach dem Ende der anglo-amerikanischen Weltherrschaft im Abendland zur Herrschaft fähig bleibt, und Rußland. Es ist kein Kampf um das Kapital, sondern ein Kampf zwischen Kulturkreisen. Der Krieg würde genauso stattfinden, wenn es die Revolution in Rußland 1917 nie gegeben hätte, denn anders als der Bolschewismus in Rußland ist er von innerer Notwendigkeit.
So ist eine Diskussion um eine kommunistische Langzeitstrategie schon aus geschichtsphilosophischer Sicht unsinnig. Sie ist weder nötig, um die Revolutionen, noch um den Weltkrieg zu erklären.

Gruß
Taurec


„Es lebe unser heiliges Deutschland!“

„Alles, was tief ist, liebt die Maske.“


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