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Takt 1 - Langzeitstrategie (Schauungen & Prophezeiungen)

Taurec ⌂ @, München, Dienstag, 03. August 2010, 16:29 (vor 3587 Tagen) @ Leo DeGard8032 mal gelesen

Hallo!

The Perestroika Deception von KGB-Major Anatoliy Golitsyn

We will bury you von Generalmajor Jan Sejna

Ausgehend hiervon: http://www.anti-communistanalyst.com/long_term_plan.html
Sejna spricht doch nirgendwo davon, die Sowjetunion aufzulösen, sondern lediglich, daß der Warschauer Pakt aufgelöst werden könnte.

In der letzten Phase ist der Warschauer Pakt aber noch vorhanden:
"In this Phase, the Plan envisaged a resurgence of the arms race, leading to eventual military superiority of the Warsaw Pact, which the United States would accept."

Daraus kann man schließen, daß selbst das Ende des Warschauer Paktes nicht fest eingeplanter Bestandteil der Strategie war. Vielmehr war die Sache flexibel angelegt und als Möglichkeit nicht ausgeschlossen.

Was der Herausgeber in seinen Einschüben schreibt, sind indes Interpretationen und ist nicht gleichwertig mit Sejnas Ausführungen.

Laut Sejna ging es bei der Langzeitstrategie wohl darum - den knappen Zitaten nach zu urteilen - den Westen durch Infiltration und Reduzierung des Wettrüstens zu schwächen, nicht die Sowjetunion durch scheinbare Auflösung des politischen Apparates (und der ist nicht identisch mit dem Warschauer Pakt!) zum Sieg zu führen.

Wenn Sejnas Angaben echt sind, gab es wohl diese Langzeitstrategie, die bis zu einem gewissen Punkt vielleicht auch verfolgt wurde. Jedoch wurden die Sowjets dann entweder von der (wirtschaftlichen) Realität eingeholt oder die Strategie selbst schlug mit dem Ende der UdSSR fatal fehl, denn die Aufgabe des Kommunismus (auch nur zum Schein) war nicht beabsichtigt.

Dieser Variante der Langzeitstrategie entspricht offenbar auch Golitsyn in seinem Buch "New Lies For Old" von 1984. Zentrale Punkte (laut Wikipedia) und zwar alle im Konjunktiv, d. h. als Möglichkeiten:
"The 'liberalization' [in the Soviet Union] would be spectacular and impressive. Formal pronouncements might be made about a reduction in the communist party's role; its monopoly would be apparently curtailed."
"If [liberalization] should be extended to East Germany, demolition of the Berlin Wall might even be contemplated."
"The European Parliament might become an all-European socialist parliament with representation from the Soviet Union and Eastern Europe. 'Europe from the Atlantic to the Urals' would turn out to be a neutral, socialist Europe."

Offenbar ging er damals noch davon aus, daß die liberalisierte Sowjetunion Teil der Europäischen Gemeinschaft werden würde. In der "Perestroika Deception", 1995, schreibt er dann Dinge wie:
"The [Soviet] strategists are concealing the secret coordination that exists and will continue between Moscow and the 'nationalist' leaders of [the] 'independent' republics."
"The power of the KGB remains as great as ever... Talk of cosmetic changes in the KGB and its supervision is deliberately publicized to support the myth of 'democratization' of the Soviet political system."
"Scratch these new, instant Soviet 'democrats,' 'anti-Communists,' and 'nationalists' who have sprouted out of nowhere, and underneath will be found secret Party members or KGB agents."

Das wäre erörterbar, wenn er es bereits vor dem Zerfall der UdSSR so geschrieben hätte. Nunmehr wirkt es aber, als hätte er lediglich seine alten Überzeugungen der neuen Situation angepaßt, ohne sie aufzugeben. Vor der Wende war überhaupt keine Rede von einem vorgetäuschten Ende der Sowjetunion, jedoch von einer Liberalisierung.

(Das natürlich alles basierend auf Internetinformationen.)

Gruß
Taurec


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„Was auch draus werde – steh’ zu deinem Volk! Es ist dein angeborner Platz.“


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