Abendland (Schauungen & Prophezeiungen)

Simun @, Dienstag, 18. Mai 2010, 23:22 (vor 3845 Tagen) @ Taurec6732 mal gelesen

Hallo!

Cäsar war Politiker der römischen Epoche der Zivilisation!


Sicher? Ab wann zählst Du diese Epoche denn?


BB (und ich) sind große Anhänger Oswald Spenglers.
Der hat im "Untergang des Abendlandes" umrißhaft die Entwicklung von
Hochkulturen dargestellt von Aufstieg bis Untergang in zwei Hauptphasen:
1. Kultur: Dauer rund 1000 Jahre (bei uns ab 800 bis ca. 1800). Höhepunkt
ist z. B. "Goethe" als Vertreter einer formvollendeten Zeit.
2. "Zivilisation": Allmählicher Verfall der durchgebildeten Formen hin zum
Proleten- und Fellachentum. In der Zivilisation gibt es zuerst
"Geldherrschaft", die wir jetzt haben, dann kommt der "Cäsarismus", die
Herrschaft von mächtigen Einzelnen wie Napoleon und Hitler, sowie den aus
den Schauungen bekannten Kaiser. Dauer der Zivilisation: 200 Jahre + x.
Das hängt vom Zufall ab.

Im Untergang des Abendlandes arbeitet Spengler mit Gegensätzen, die auch
BBs Begriff der "Ideologie" erklären.
Gegensätze wie:
Blut - Geist
Adel - Priestertum
Dasein - Wachsein
Land - Stadt

Je näher eine Kultur der Zivilisation rückt, desto größere Rollen spielen
die (Kultur-)Städte, die in der Zivilisation zu sich ins Umland
fressenden, die Bevölkerung aufsaugenden, seelenlosen, vermassten
Weltstädten werden.

Das Leben auf dem Lande und in den Kulturstädten ist unbewußt, die Leute
empfinden sich und ihre Umwelt mehr, als daß sie darüber nachdächten.
Darum ist es verfehlt von Konzepten wie "Ehre" zu glauben, es sei eine
Ideologie. Darüber hat nie jemand nachgedacht. Bestenfalls wurde "Ehre"
zur Preisung des edlen Rittertums beschrieben.
Niemand hat sich "Ehre" jemals ausgedacht und sie dann missionierend
unters Volk gebracht. Ehre, wie wir sie auffassen, ist eine
Grundeigenschaft des germanischen Wesens, sie ist den Menschen eingeboren,
war schon immer da ist ewig und zeitlos wie der heilige Mutterboden des
Vaterlandes, der von unbekannten Ahnen ererbt einer Generation nur
anvertraut ist, um ihn zu pflegen (Kultur von "cultura", Pflege), auf daß
er einer nicht enden sollenden Reihe von Nachkommen erhalten bleibe.

Dagegen stehen die Weltstädte und ihre skeptisch denkenden Bewohner, die
von diesem ungesonderten Urgrund des Lebens (der Mutterboden ist nicht nur
ackerbares Land im Äußeren, sondern als sein inneres Gegenstück zugleich
seelischer Anker, ist Vaterland, ist Heimat) durch ihre Lebensart
entwurzelt sind. Dort beginnt dann als äußere, d. h. konstruierte Stütze
anstelle des in der Seele verloren gegangenen Konzeptes die Ideologie zu
wuchern.
Sie ist von logisch und ökonomisch denkenden Menschen entworfen worden und
wird mittels Propaganda der formlosen Bevölkerungsmasse indoktriniert durch
ständige Wiederholung und dem Versprechen eines besseren Lebens. Die
Entwurzelung wird als Verlust empfunden, den die Menschen durch Ideologien
zu füllen versuchen.
Ideologien sind Ausdruck reinen, verstandesmäßigen Geistes.
Die Formen einer Kultur (zu denen das Ehrgefühl gehört) sind Ausdruck
unbewußten, dumpf empfundenen Seelentums.

Nebenbei: Ideologien tragen, so wie sie von der Masse gelebt werden,
durchaus Ähnlichkeit zu Religion in sich. Sie werden geglaubt. Daher ist
eine innere Verwandtschaft von Ideologie (in der Zivilisation) und der
Religion (in der Kulturphase) anzunehmen.
Es zeigt sich auch, daß die vorherrschende Religion einer Kultur in dem
Maße an Bedeutung verliert, in dem Ideologien an Bedeutung gewinnen. In
der Zivilisation können daher auch andere Religionen sich eines
zugrundegehenden Kulturkreises bemächtigen, wie das Christentum des
kaiserlichen Roms und der Islam im heutigen Abendlande.

Gruß
Taurec

Grüße,

Ja der Spengler erklärt dies sehr schön!
Aber, ich vertrete die Ansicht dass dies niemals das Abendland treffen wird.
Manche schreien schon auf und sagen, das Abendland verfällt gerade!
Ja das ist schon richtig, aber das Ganze verliert ab dem Zeitpunkt sein System nachdem der Krieg vorbei ist und sagen wir ca. 2 Jahre vergangen sind.
Genau dann nämlich zieht sich Europa ein anderes Fell über und fängt wieder im 16. vielleicht 17. Jhd. an. (kulturell gesehen)
Das beste Bsp. sind hier wohl die Juden als Volk selbst, tausend mal dazu verdammt ausgelöscht zu werden, tausendmal überlebt und aufgestiegen.
War da nicht was in der Bibel?;-) >deus lo vult<

Mögen wir uns selbst überzeugen! (bin gläubiger...)
zum Thema Ideologie sag ich nichts, zu wenig Zeit, zu wenig Motivation.

gute Nacht, Simun


Austria est imperare orbi universo


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