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"Hunde, wollt Ihr ewig leben?" (Freie Themen)

Taurec ⌂ @, München, Donnerstag, 19.05.2022, 15:02 (vor 138 Tagen) @ styx (750 Aufrufe)

Hallo!

Eigentlich hat Detlef doch recht, wenn er schreibt:

jetzt isses schon viel zu spaet.

ueber zwanzig jahre haben im zf und hier alle geschrieben, was man tun sollte, muesste, wollte. nicht einer von zehn hat wirklich was getan.

menschlich ist auch, dass man den hintern nicht aus dem sessel bringt.

Inzwischen ist die globale Entwicklung schon in solcher Schieflage, daß eine adäquate Vorbereitung (z. B. Geld sparen, Fähigkeiten aneignen, Auswandern, sich Einwurzeln) schlichtweg nicht mehr möglich ist. Die Währung verfällt, die Lieferketten reißen, die Energieflüsse stocken. Wir gehen von einer menschheitsgeschichtlich einmaligen Überflußgesellschaft in den historischen Regelzutand des Mangels über. Was jetzt wegfällt, wird in absehbarer Zeit nicht wieder kommen, vielleicht nie mehr. Wir sind am Arsch. Aber das war abzusehen und Thema dieses und aller Vorgängerforen.

Daß Detlef darauf hinweist (so verstehe ich seinen Beitrag), mag aus seiner Warte eines gelungenen Aussteigerlebens, das wohl allen von uns für immer versagt bleiben wird, für Einzelne überheblich klingen, ist es aber nicht. Denn überhoben hat er sich nicht.

Für jemanden, der erst jetzt da ist, wenn auf der Titanic bereits die Lichter flackern, mag diese Erkenntnis bitter sein.

Es folgen allgemeine Gedanken zum Thema ohne direkten Bezug, weil die Diskussion (wie schon oft bei diesen Themen) sich verhärtet, und um die Perspektive nach meinem subjektiven Empfinden geradezurücken:

Mit der Vorbereitung ist es wie beispielsweise mit der "richtigen" Ernährung und dem "richtigen" Körpertraining oder dem "richtigen" Kampfsport: Es artet gerne ins Religiöse mit den typischen Grabenkämpfen aus. Warum? Weil grundsätzlich niemand die vollumfängliche Ahnung hat und jeder aus seiner subjektiven Warte und seiner individuellen Lebenssituation und -erfahrung heraus urteilt, in der er für sich manches falsch, anderes richtig gemacht hat. Für andere in anderen Ausgangssituationen zu einer anderen Zeit und in einem anderen Alter mag sich manches komplett konträr darstellen, sodaß bestimmte Ansätze nicht praktikabel sind, andere schon. Verallgemeinerungen sind sehr schlecht möglich.

Grundsätzlich gibt es nicht die beste Vorbereitung und keine, die einen vor allen Eventualitäten wappnet. Für Mitteleuropa kommt erschwerend hinzu, daß das Dasein in einer hochtechnisierten und hochabhängigen Zivilisation in für ein unbehelligtes, autarkes Leben hoffnungslos überbevölkerten Regionen es völlig unmöglich macht, aus einer Zusammenbruchsentwicklung ungeschoren hevorzugehen. Selbst jemand, der die absolut beste Vorbereitung hätte (also den einzig wahren Glauben gefunden hätte ;-)), würde in einem solchen Szenario, das der Gesamtbevölkerung die Lebensgrundlage entzieht, wegen der daraus entstehenden verzweifelten Überlebenskämpfe bis aufs Blut mit hoher Wahrscheinlichkeit ums Leben kommen. Das ist einfach so.

Anstatt also, wie es für Zivilisten typisch ist, durch Absolutismen ("beste Vorbereitung") die Lebenssorge völlig zu eliminieren zu trachten, sollte man sich zunächst mit dem Gedanken des Sterbens anfreunden und die Todesangst (die eigentlich ein Spiegelbild der Lebensangst ist), so gut es möglich ist, zu überwinden versuchen. Das Getötetwerden, Verdursten oder Verhungern ist in den Szenarien, die hier zugrundegelegt werden, das Wahrscheinlichste. Ob diese Szenarien (Totalkollaps, Impakt usw. gegenüber einem allmählichen Niedergang à la Imperium Romanum realistisch sind, ist eine andere Frage...) Generell endet das Leben immer tödlich. Also bereite man sich darauf vor. Das ist eine spirituelle Aufgabe. In dem Maße, wie dies gelingt, wird die Todesangst kleiner sowie die Notwendigkeit geringer, die beste Vorbereitung zu finden, um dem Tode aus dem Wege zu gehen (und diese Vorbereitung dann, um sich selbst zu versichern, vor anderen zu verteidigen). Dann kann man immer noch das individuell Beste versuchen, trotz fataler Ausgangsbedingungen möglichst lange durchzuhalten. Das Überleben ist ein Bonus, aber man ist nicht darauf angewiesen.
Es ist bekannt, daß Friedrich der Große stets ein schnell wirkendes Gift bei sich trug, falls er in Gefangenschaft geraten würde. Das ist vielleicht der grundsätzlichste Schritt der Vorbereitung und Erschießen also (zumindest für Alleinlebende) nicht der schlechteste Rat. Hierin hat man einen Ausweg, der einem selbst in einer tatsächlich ausweglosen Situation die souveräne Entscheidung beläßt. Man muß sich nicht alles gefallen lassen. Freilich bedeutet das nicht, daß es bei diesem Schritt als einzigem bleiben müsse.

Dieser gedankliche Ansatz "Todesverachtung" hat mehrere Vorteile:

  • Jene, die mit dem Schicksal der zu späten Geburt geschlagen sind oder allzu lange den Hintern nicht hochbekommen haben, überheben sich nicht damit, daß Ruder im letzten Moment noch herumreißen zu wollen, um absolute Sicherheit zu schaffen.
  • Praktische Vorbereitung hängt von der praktischen Anwendung ab, die in einem virtuellen Forum natürlich per se ausgeschlossen bleibt. Spirituelle Vorbereitung ist tatsächlich etwas, das man in einem Forum einigermaßen gründlich diskutieren könnte, wohingegen die Entscheidung, welche konkrete Vorbereitung für einen selbst letztlich sinnvoll und durchführbar ist, natürlich nur von einem selbst beantwortet und umgesetzt werden kann. Das kann einem niemand abnehmen! Manche unlängst aufgewachte, die von Panik getrieben hierherkommen, wollen aber genau das: ein Patentrezept, das es nicht gibt.
  • Konkrete praktische und technische Fragen der Vorbereitung bleiben immer noch diskutierbar, aber ohne mit dem (von Angst geleiteten) Anspruch des unbedingten Funktionierenmüssens einherzugehen. Es gibt für alles Pro und Contra. Was aber in dieser historisch erstmaligen Situation (noch nie gab es solche Abhängigkeit von Technologie, noch nie so viele Menschen) letztlich passieren wird und als Vorbereitung Sinn hat, bleibt in weiten Teilen ungewiß. Vieles wird seine (Un-)Tauglichkeit erst im Ernstfall erweisen.

Gruß
Taurec


„Es lebe unser heiliges Deutschland!“

„Was auch draus werde – steh zu deinem Volk! Es ist dein angeborner Platz.“


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