Was haben die Kernenergie und Apophis gemeinsam? (Freie Themen)

Nullmark @, Samstag, 10. Oktober 2020, 01:54 (vor 50 Tagen) @ Isana Yashiro272 mal gelesen

Hallo Shiro!

Entgegen Deiner Ansicht und trotz der äußerst geringen Wahrscheinlichkeit eines Asteroiden-Treffers mit möglicherweise gigantischen Folgen und trotz der nachweislichen Sicherheit der Kernkraft drückt die Kernkraft mehr psychologische Knöpfe, als der Einschlag eines Asteroiden.

Erstens schätzen die Menschen das Risiko danach ein, wie leicht Anekdoten, wie gut publizierte Atomunfälle ihm in den Sinn kommen. Es ist dabei egal, auf welche Weise diese im Gedächtnis bleiben. Die mediale Ausgestaltung prägt den Vergleichsmaßstab.

Zweitens aktiviert der Gedanke an Strahlung die Ekelgefühle, bei denen jede Spur einer Verunreinigung alles andere verunreinigt, mit dem sie in Berührung kommt - verdrängend, dass wir alle in einer Suppe aus natürlicher Strahlung leben und diese essentiell ist.

Drittens fühlen sich die Menschen besser dabei, wenn sie ein einziges, winziges Risiko ganz ausschalten, als das Risiko aller Gefahren zusammen zu minimieren.

Viertens betrachten die Menschen die beiden Seiten einer Sache zwar gründlich, sind mit dem Ergebnis aber nicht zufrieden, weil sie die Unvollständigkeit/Unvollkommenheit spüren, weil das von Aristoteles als *mehr* bezeichnete ausgespart bleibt. Wenn sich die Betrachtung auf den Dualismus beschränkt, muss das, was diese Welt zusammenhält, verborgen bleiben.

Wer sachlich zu diskutieren bereit ist, verwendet wissenschaftsnähere Begriffe wie "Kernkraft" oder "Kernwaffe", wer mehr auf Stammtischniveau arbeitet, der verwendet die eher umgangssprachlichen Begriffe wie "Atomkraft" oder "Atombombe" und der macht auch aus einem KernKraftWerk KKW schnell mal ein KohleKraftWerk.

Der Begriff "Kernkraft" liegt näher am physikalischen Sachverhalt, weil aus Kernspaltung Energie gewonnen wird. Demnach geht es beim Kernkraftwerk im Wesentlichen um denselben Prozess der Energiefreisetzung, wie bei Kernwaffen. Deshallb ist im militärischen Kontext regelmäßig von Kern- oder Nuklearwaffen die Rede, z. B. bei >Treaty on the Non-proliferation of Nuclear Weapons<

Die Übersetzung für *Nuclear Weapons* lässt aber auch *Atomwaffen* zu. Es könnte also ein Streit um des Kaisers Bart sein. Aber, Sprachregelungen sind immer nur dann notwendig, wenn etwas vertuscht werden soll oder verschleiert oder verheimlicht. Da bildet die Atombrache keine Ausnahme. Im Gegenteil. Dass Atomkraft andere Assoziationen auslöst ist, als Kernkraft ist gewollt und hat nichts zu tun mit der Physik des Atomkerns und der Kernspaltung. Sprachregelungen sind immer ein Propagandainstrument.

Zum Schluss.
Selbstredend bleibt es Dir unbenommen, die Bildung/Ausbildung der Ostdeutschen, beispielsweise zum Baggerführer oder Physiker - egal, ob graduiert oder promoviert ins lächerliche zu ziehen. Der Baggerführer und auch der Physiker ist darüber erhaben, denn er weiß, was er weiß und was nicht und er hat mit letzterem kein Problem. Er hat andere Maßstäbe. ... und seinen Namen musste er nie tanzen.

Es sei Dir ohne Neid gegönnt, eine westliche, viel modernere und umfangreichere Allgemeinbildung genossen zu haben, die Dich und Dein Wissen heraushebt und Deine ausgeprägten Fähigkeiten zur tiefgründigen Betrachtung und sachlichen Kritik unterstreicht und deshalb zwischen Sarkasmus, Ironie und beinharten Fakten nicht mehr differenzieren muss, so das Fragmente bereits zur Bestätigung der Hypthese ausreichen.

Das ist aber nicht Dein Problem. Ich kann Deinen über die Zeit medial eingefrästen, oberflächlichen Gedankengängen bei bestem Willen nicht folgen.
Es tut mir deshalb leid, unseren Gedankenaustausch an dieser Stelle beenden zu müssen.

Alles Gute für Dich
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