Ja Shiro (Freie Themen)

Nullmark @, Donnerstag, 08. Oktober 2020, 00:31 (vor 50 Tagen) @ Isana Yashiro419 mal gelesen
bearbeitet von Nullmark, Donnerstag, 08. Oktober 2020, 00:39

..., das sehe ich auch so.
Das ist aber nicht weiter schlimm. Ich beharre nicht auf meinem Standpunkt und werde ihn im Falle meines Irrtums verändern. Versprochen.

Ein freundliches Hallo!

Natürlich könnten wir uns über wissenschaftliche Methoden unterhalten, um Antworten zu finden, um Missverständnisse auszuräumen. Natürlich könnten wir dazu Untersuchungen anleiern. Aber es gibt dazu schon Abhandlungen ohne Ende und es ist sinnlos, weitere hinzuzufügen. Es dürfte reichen, die Vorhandenen sorgfältig zu analysieren.

Jedes Ding hat zwei Seiten. Mindestens. Leider geht es aber immer nur um die Seiten – nie um das Ding selber. Dazu ist ein kurzer Diskurs nötig:
Aristoteles Zitat: „ Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile“ kriegt hier eine andere Bedeutung und ist für eine solche Betrachtung nur zulässig, wenn man weiß, was sich hinter dem „mehr“ verbirgt.
Dieses Bild gilt nämlich nicht, wenn es um so einfache physikalische Größen wie Masse und Energie geht. Ein zusammengesetztes Objekt wie zum Beispiel das Atom, wird durch Bindungsenergie zusammengehalten. Diese Energie fehlt aber solange, bis das Atom in die Einzelteile zerlegt wird. Ein energetisch zusammengebundenes System ist demnach weniger als die Summe seiner Teile. Man spricht von einem Massendefekt. Und dieser Defekt hat es in sich. Für chemische Bindungen, also Moleküle, die die uns umgebende Materie zusammenhalten, ist der Massendefekt freilich unmessbar klein. Es genügt die Energie eines Funkens, um zum Beispiel Benzin oder Methan zu spalten. Typische Massendefekte liegen bei Hunderttausendsteln oder Millionstel der Masse eines Elektrons. Die Bindungen der Kernkräfte sind aber millionenfach bis milliardenfach größer.
Und diesem Faktum tritt der Kernphysiker mit dem allergrößten Respekt gegenüber.

Es gab Zeiten, da standen die Grundlagen der Kernphysik und Energiegewinnung aus der Kernspaltung in der Abiturstufe im Lehrplan - zumindest im Osten und zu meiner Schulzeit. Heute wohl nicht mehr.
Was der Mensch nicht verstehen gelernt hat, muss er fürchten. Was er fürchten muss, passt nicht in sein Konzept - es stört und muss bekämpft werden. Und er merkt nicht, dass er über diese Furcht zum fremdbestimmten Individuum wird. Wissen ist Macht. Das Gegenteil ist Ohnmacht. Es ist folglich sehr wahrscheinlich, dass Herr oder Frau Normalo von den in aller Welt auf die Unglücke folgenden Weiterentwicklungen der Kerntechnologie ebenso wenig wissen, wie von dem menschlichen Faktor der diese unsäglichen Ereignisse ausgelöst hat und der deshalb zu minimieren ist.

Diese dem Atomkern innewohnenden Kräfte liegen außerhalb des Vorstellungsvermögens des Menschen.
Die Familie Normalo hat ihre Vorstellungen aus den BErichten (objektiv) und NACHrichten (redaktionell angepasst - u. U. bis zum Gegenteil) aus Hiroshima, Nagasaki, Nowaja Semlja, Sellafield, Harrisburg, Tscheljabinsk, Tschernobyl, Fukushima, vielleicht noch Biblis oder Grohnde oder ein paar andere geprägt. Das haben sie gesehen, im Fernsehen zwar, aber die Bilder haben gereicht und der Standpunkt ist zementiert.
Wenn diese Familie mit zeitlichem Abstand die Informationen über Strahlentote im Zusammenhang mit Unfällen erreichen, hört sie gar nicht mehr hin, weil sie sich schon informiert fühlt, ergo keine weiteren Fragen hat. Es muss nur viel sein, groß, mächtig und laut.
Es kann deshalb garnicht stimmen, dass beim dem GAU in Tschernobyl tatsächlich 134 Arbeiter direkt nach der Explosion extrem viel Radioaktivität abbekamen. 28 von ihnen starben in den ersten vier Monaten an inneren Blutungen, Geschwüren und Organversagen. Die Frage nach den Toten in Fukushima erübrigt sich. Tote gab es damals zweifellos, doch niemand erkrankte an einer akuten Strahlenkrankheit. Den Super-Gau gab es nur in den Köpfen. https://www.zeit.de/wissen/2016-02/fukushima-jahrestag-atomkraft-tsunami

Es ist schon klar, dass es Unterschiede gibt, ob einem ein mit Kohle oder mit Gas befeuerter Dampfkessel um die Ohren fliegt, was seit der Erfindung der Dampfmaschine wohl hunderte oder tausende Male passiert ist oder so ein Kernreaktor, bei dem nicht nur die „Asche“ heiß ist, sondern auch noch gefährlich. Er funktioniert aber. Die über 400 in Betrieb befindlichen KKW beweisen es. Man muss damit sorgsam und verantwortungsbewusst umgehen – keine Frage. Trotzdem wird es noch des Öfteren „knallen“.
Oh welch ein Dilemma! Wer weiß schon, das nach fünfzig Jahren der gefährliche Bereich so klein ist, das er sich locker einzäunen und bewachen lässt. Wann gleich waren Hiroshima und Nagasaki wieder bewohnbar?
Und wer weiß, dass in dem Kernkraftwerk Tschernobyl der Betrieb nach der Katastrophe (1989) noch bis zum Jahre 2006 weiter ging. Bis zum Jahr 2000 arbeiteten dort bis zu 9000 Menschen und danach waren es immer noch rund 3000.
An den dem allseits gezeichneten Bild kann demnach irgendetwas etwas nicht stimmig sein!

Die unschönen Nachwirkungen solcher Unglücke sind unstrittig. Die gibt es aber auch anderswo. Der Chemieunfall im indischen Bophal 1984 mit tausenden Toten oder der Sandoz-Chemieunfall 1986 bei Basel, einer der größten in Europa, der das aus dem Uferfiltrat im Verlaufe des Rheins gewonnene Trinkwasser bis in die Niederlande auf Jahre gefährdete. Wer weiß das noch???
Und nun erst recht die vielen tausend Covid-19-Toten ...
Bei Richtig- oder Klarstellungen oder kritischer Betrachtung ist der innere Filter des Rezipienten längst zugesetzt – er schaltet innerlich ab, weil er nichts Neues erwartet oder weil er seine Ansicht revidieren müsste. Wetten?
Das hier ist ganz frisch. Von Vorgestern. Von einem Kanal, der bei mir schon seit Jahren auf *Ignore´* geklemmt ist: https://www.youtube.com/watch?v=P32pM0RuxLo Das aber nur am Rande.

Die Natur kommt seit Jahrmillionen mit der Kernspaltung zurecht. Auch auf der Erde, wie der Naturreaktor Oklo in Gabun beweist. Und die Anlagen wurden seit Hahn, Diebner, Weizäcker und Heisenberg und den anderen Wissenschaftlern immer besser – sowohl deren gute als auch die schlechten Seiten.
Das Unfälle passieren, die auf Grund der hohen Energiedichte ganz andere Dimensionen haben und bis dahin ungeahnte Wirkungen präsentierten, stellt die physikalische Machbarkeit und die Richtigkeit des Vorgehens überhaupt nicht infrage! Die dafür zuständigen Stellschrauben sind doch bekannt. Und es kann sein, dass solche Anlagen gar nicht erst in Betrieb gehen - wie der Komplex in Stendal beispielsweise, der ursprünglich nach der Wende von einem deutschen Energieunternehmen weitergebaut werden sollte. Diese Kernreaktoren werden also ständig modifiziert und modernisiert - immer weiterentwickelt oder sie werden gar nicht mehr gebaut. Und das aus gutem Grund, wie wir oben festgestellt haben. Der Kugelhaufenreaktor ist schließlich ein Ergebnis dieser Entwicklung. Und nicht vergessen! Seit der Entdeckung der Kernspaltung sind man gerade achtzig Jahre vergangen. Aber der Weltenergiebedarf steigt weiter. Bis 2035 um 37 % ! Wie kann man da das einzig effektive Werkzeug, das diesen Bedarf decken könnte, einfach wegschmeißen. Ich verstehe es nicht! (Ist aber nicht so wichtig und vielleicht in der prädementen Phase normal. :yes: )

Mir fällt da immer der Umgang mit der allgegenwärtigen Chemikalie DihydrogenMonoxid (DHMO) ein. Im gasförmigen Zustand führt sie zu schwersten Verbrennungen, im flüssigen Zustand eingeatmet ist sie sofort tödlich, in festem Zustand sprengt sie härtestes Gestein. Kontaminierte Kleidung kann zu schweren Erkältungen, ja sogar zu Lungenentzündungen führen. Ja und dieses gefährliche Zeug ist sogar in der Babynahrung enthalten! Eigentlich gehört DHMO verboten! https://www.youtube.com/watch?v=T995bBYC-0Y

Dies ist nur ein Beispiel, was so ziemlich für alles passt. Unwissenheit, ja Dummheit wird medial befeuert und irgendwann zur politischen Agenda vor dem im Hintergrund des aktiven Lobbyismus.
Dafür gibt es Gründe, die man schon über hundert Jahre von den Auseinandersetzungen der Herren Edison, Tesla und Westinghouse kennt.
Heute sind 0,65 Cent für die Kilowattstunde ein ähnlich schlagkräftiges Argument, weil für dicke Geschäfte mit Strom/Energie ungeeignet. CO2 und Klima sind einträglicher.
Und nur was teuer ist hat bekanntlich Wert. Teuer ist, was knapp ist.
Und dass Energie knapp bleibt, dafür werden wir schon sorgen, nicht wahr?
Zum Beispiel auch mit Herrn N. und dem Stöpsel in NS2. Womit wir schon wieder mal bei Reinhard Mey wären…
Nein, das ist nicht witzig ... https://www.youtube.com/watch?v=mLWO1F9ivl0

Es ließe sich noch die philosophische Seite der Problematik betrachten und die theologische Seite auch. Aber es muss auch klar sein, dass es entwicklungsgeschichtlich für den Menschen keine Möglichkeit der Rückkehr auf den Baum gibt.
Die Hauptsätze der Thermodynamik sind grundlegende Erfahrungssätze der Naturwissenschaften, die aus zahlreichen Beobachtungen und Messungen gewonnen wurden. In einem abgeschlossenen, sich selbst überlassenen System kann sich die Entropie niemals verkleinern. Sie kann bestenfalls konstant bleiben oder eben zunehmen. Und das gilt für alle Systeme: chemische, physikalische, biologische, gesellschaftliche. Balance ohne Wachstum bedeutet Agonie und schlussendlich Tod. Das ist natürlich. Die Natur ist so. Und nach Boltzmann strebt die Natur aus einem unwahrscheinlicheren dem wahrscheinlicheren Zustand zu. Letzterer ist immer der der größtmöglichen Unordnung. Paradiesische Zustände? Ich weiß nicht recht...

Ja, Shiro, wir missverstehen uns.
Ich kann mich aber auch irren :ok2:.
Gruß 0,- Mark


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