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Deutsche Idee, Demokratie und Menschenrechte (Freie Themen)

Taurec ⌂ @, München, Donnerstag, 09. Juli 2020, 15:20 (vor 114 Tagen) @ Isana Yashiro872 mal gelesen
bearbeitet von Taurec, Donnerstag, 09. Juli 2020, 15:27

Hallo!

Aber wieso könnte das ein Weltkrieg gewesen sein? Spanien war damals das mächtigste und reichste Land der Welt aufgrund des Goldes aus Amerika. Zudem entwickelte sich die Konfrontation zwischen Spanien und England langsam als englische Freibeuter spanische Schiffe in der Karibik überfielen. In gewisser Hinsicht war das also schon ein transatlantischer Krieg.

Die Frage ist, was dieses wilde Herumdefinieren für unsere gegenwärtige Fragestellung überhaupt bringt.
Antwort: gar nichts!
Die historischen Kriege (etwa bis zur Wende um 1800) waren ihre Natur nach ganz andere Kriege. Die abendländische Geschichte war damals im Wesentlichen die Geschichte der in Europa herrschenden Dynastien. Ob sich deren Konflikte regional, kontinental oder kontinentübergreifend abspielten, hing davon ab, ob deren Reiche die entsprechenden Räume umfaßten. Tatsächlich war beispielsweise der weite Teile Europas umfassende Spanische Erbfolgekrieg 1701–1714 dem Muster nach nicht wesentlich verschieden vom Landshuter Erbfolgekrieg 1504/05, der allerdings nur innerhalb Bayerns stattfand.
Die neuen Kriege seit den Revolutionskriegen sind keine dynastischen Kriege mehr (die bisweilen mit Religion lediglich verbrämt wurden!), sondern Kriege wegen und um Ideen und Ideologien. Das ist der Unterschied, der einen Weltkrieg ausmacht!

Die napoleonischen Kriege galten als Weltkriege, nicht nur gemäß Taurec. Aber sie verloren diesen „Status“ später irgendwie und die Einordnung als Weltkrieg folgt bei der Wikipedia einer anderen Begründung als bei Taurec.

Ja, weil bis zum heutigen Tage so gut wie jeder, der über Geschichte schreibt, keine Ahnung von den tieferen Abläufen hat und nur oberflächliche Unterschiede vergleicht.

Für die Wikipedia sind auch die napoleonischen Kriege transatlantische Kriege. Vielleicht weil Frankreich damals noch Kolonien in Nordamerika und in der Karibik hatte.

Das ist eine bloße Zuälligkeit. Ohne die Kolonien wäre der Krieg in Europa seinem Sinn nach kein anderer gewesen.

Die Wikipedia zitiert Karl Marx: „Revolutionäre Erhebung der französischen Arbeiterklasse, Weltkrieg – das ist die Inhaltsanzeige des Jahres 1849“. Taurecs Definition folgt eher dieser Idee, weil auch Karl Marx an eine Neuordnung der Zivilisation dachte. Die Wikipedia folgt dieser Idee, einen Weltkrieg als ein Ringen um eine neue Gestalt der Zivilisation zu betrachten, nur beim Krieg gegen den Terror, für den sie extra in direkter und nochmal in indirekter Weise den Begriff Vierter Weltkrieg definiert. Der kommunistische Klassenkampf ist zwar vor kurzem in den USA ausgebrochen, aber der Krieg gegen den Terror wurde schon vor vielen Jahren ausgerufen. Falls dieser der Vierte Weltkrieg ist, dann müssen wir den Dritten Weltkrieg wohl irgendwie verpaßt haben.

Und neulich wurde der "Krieg gegen Corona" ausgerufen, das wär dann der 5. Weltkrieg?
Demnächst wird man den "Krieg gegen die Armut" ausrufen, der dann der 6. Weltkrieg wäre?

Allerdings stellt sich mir jetzt die Frage, was eigentlich die „deutsche Idee“ ist.

Kurzfassung

"Die Macht gehört dem Ganzen. Der einzelne dient ihm. Das Ganze ist souverän. Der König ist nur der erste Diener seines Staates (Friedrich der Große). Jeder erhält seinen Platz. Es wird befohlen und gehorcht. Dies ist, seit dem 18. Jahrhundert, autoritativer Sozialismus, dem Wesen nach illiberal und antidemokratisch [...]. Es ist aber auch klar, daß der preußische Instinkt antirevolutionär ist."

Die "deutsche Idee" ist allerdings nicht platt sozialistisch, wie sie seit dem 19. Jahrhundert (von linker Seite kommend) verstanden wird. Wären die Begriffe nicht anrüchig geworden, so wäre "völkischer Sozialismus" treffend, allerdings mit einer starken aristokratischen und spirituellen Komponente, die im Kaiserreich noch, in Hitlers linkem Nationalsozialismus nicht mehr vorhanden war. Letzterer zehrte ja im Wesentlichen vom dahin noch sattsam vorhandenen deutschen Geist, mißbrauchte ihn für materialistische und irregeleitete Zielsetzungen, konnte aber selbst nichts höheres bieten.
Die deutsche Idee, die sich vielleicht besser als "spirituelle Volksgemeinschaft" bezeichen läßt, ist gegen den Individualismus gerichtet, aber nicht gegen das Individuum, dem sie einen Sinn gibt, weil sie es in etwas einbidet, das den Einzelnen übersteigt, und seinem selbstbezogenen Dasein eine höhere, es transzendierende Richtung gibt. Der deutsche Instinkt für das "Ganze" wirkt zu jeder Zeit und für jedes System, für das er eingespannt wird. Letztlich will er nach oben, zu einer Ordnung, ist aber ziellos und daher darauf angewiesen, daß ihm das Ziel von einer Elite vorgegeben wird. Fühlt sich diese Elite als "erste Diener" dem Volk verpflichtet, handelt es sich um eine edle, wohlerzogene und gebildete Schicht, die das Höhere vorlebt, dann geht es aufwärts. Ist wie heute ein fremden Herrschern verpflichtetes, degeneriertes und schon optisch häßliches Klüngel an der Spitze, geht es abwärts.

Dagegen der englische und amerikanische Instinkt:
"Die Macht gehört dem Einzelnen. Freier Kampf des einen gegen den andern; Triumph des Stärkeren: Liberalismus, Ungleichheit."

Das ist der eigentliche "Recht des Stärkeren". Darwin, ein englischer Kopf, gibt den dort herrschenden Geist vor und ist nicht umsonst eine Koryphäe der heutigen Zivilisation. Hätten wir einen der Weltkriege gewonnen, wäre sein Erbe heute wahrscheinlich längst abgeräumt und vergessen.
Das Recht des Stärkeren ist das Recht desjenigen mit den nötigen Finanzmitteln, um sich durchzusetzen, Regierungen und Parteien zu kaufen, die Medien zu kontrollieren, Gesetze und öffentliche Meinung zu manipulieren, Grenzen niederzureißen, sich ganze Wirtschaftszweige und Volksvermögen anzueignen. Verbrämt wird diese Tatsache, die größtmögliche Ungleichheit der Herrschenden und der Beherrschten zur Folge hat (die Herrscher sind keine "principi inter pares" wie unter der deutschen Idee), mit der nur Flachköpfen und Primitivlingen imponierenden Ideologie der Demokratie und Menschenrechte.

Einerseits ist nicht alles Gold was glänzt und vor allem das nicht, was aus den USA kommt. Das zeigt sich in den jüngsten Ereignissen deutlich und auch das in Deutschland gelegte besonders faule Fundament zeigt sich jetzt deutlich. Andererseits hatte Deutschland innerhalb nur eines Jahrhunderts gleich zwei Diktaturen. Zurück zur Diktatur gilt hoffentlich nicht als Alternative zu Demokratie und Menschenrechten?

Nein, Diktatur ist nicht die Alternative zu Demokratie und Menschenrechten, weil diese nur eine andere Form der "Diktatur" sind, insofern man als "Diktatur" die rücksichtslose, Menschen und Völker vernichtende Durchsetzung weltfremder und verächtlicher Ideologien versteht. Wo Demokratie und Menschenrechte gefordert und durchgesetzt werden, bedeutet dies stets nur die Unterdrückung von Völkern und Entrechtung von Menschen.
Die Behauptung von Menschen- und Völkerrechten erfordert in letzter Konsequenz die Zurückdrängung der Ansprüche jeweils anderer Völker und Menschen. Dies führt, sobald diese Rechte von allen gegenüber allen zu achten sind, unweigerlich zur Abschaffung von Völkern und Menschen, also zum kollektiven Selbstmord, denn letztlich muß schon die eigene Existenz als Einschränkung der Rechte anderer verstanden werden. Selbstverzicht, also der Verzicht auf sich selbst, ist die Antwort. Die Folgen der Menschen- und Völkerrechtsideologie können wir heute überall in der westlichen Zivilisation erleben. Man mache sich nicht zum Gehilfen und Befürworter des Massen- und Völkermords, indem man dem geistig nachfolgt.
Weil Demokratie und Menschen-/Völkerrechte nur eine Art säkularer Religion sind, und zwar die dümmste seit Menschengedenken, ist die Alternative nicht "Diktatur" (eine Art des Regierens, die auch Demokraten eignet), sondern eine andere Form der Religion, nämlich eine, die auf das Transzendente und das Jenseits zielt und der göttlichen Ordnung nacheifert, in der zwar alle Menschen vor Gott gleich viel wert, aber nicht gleichartig sind, und daher auch mit unterschiedlichen Rechten und Pflichten gegenüber dem Ganzen versehen werden müssen, soll das Ganze die göttliche Ordnung nachbilden.

Gruß
Taurec


„Es lebe unser heiliges Deutschland!“

„Alles, was tief ist, liebt die Maske.“


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