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Glaubenssätze (Schauungen & Prophezeiungen)

Taurec ⌂ @, München, Freitag, 12. Juni 2020, 10:51 (vor 169 Tagen) @ XSurvivor-11639 mal gelesen

Hallo!

(Beiträge von Dir ohne Grußformeln werde ich ab jetzt nicht mehr freischalten. Das erspart mir dann natürlich auch inhaltliche Ärgernisse. ;-))

Genau das sage ich - völlig egal ob abgeschrieben oder nicht. einzig wichtig ist, dass der Inhalt stimmt und das tut er zweifelsohne.

Du bewegst Dich halt in Deinem gedanklichen circulus vitiosus.

- Zuerst kommt ein Wohlstand wie noch nie.
- Dann folgt ein Glaubensabfall wie nie zuvor.
- Darauf eine noch nie dagewesene Sittenverderbnis.
- Alsdann kommt eine große Zahl fremder Leute ins Land.
- Es herrscht eine hohe Inflation. Das Geld verliert mehr und mehr an Wert.
- Bald darauf folgt die Revolution. Dann überfallen die Russen über Nacht den Westen

Maßgeblich zur Bewertung einer Prophezeiung ist nicht das Datum, wann sie von dem angeblichen Seher angeblich geäußert wurde, denn dieses muß man bei einer kritischen Prüfung als Teil des hypothetischen Betruges unterstellen! Maßgeblich ist allein das Datum, wann die Existenz der Aussage historisch frühestens nachweisbar ist. Dieses Datum liegt für diese vermeintliche Irlmaierliste im Jahre 1992!

Ausgehend davon waren zum Zeitpunkte des Bekanntwerdens bereits vier der sechs Punkte Gegenwart oder Geschichte. Daß der Punkt 4 ("Alsdann kommt eine große Zahl fremder Leute ins Land.") 1992 noch nicht eingetroffen gewesen wäre, ist nicht anzunehmen, weil der Satz keine Information bietet, die über das hinaus ginge, was durch die Massenzuwanderung bis 1992 bereits Wirklichkeit war.
Das ist aber die Voraussetzung, um überhaupt von Präkognition sprechen zu können. Die Aussage muß Informationen enthalten, die zum Zeitpunkt des Äußerns (oder der frühesten Nachweisbarkeit) noch nicht Realität waren. Das trifft in diesem Falle nicht zu, weil die Aussage erst 1992 nachweisbar ist und es sich um eine bloße und unbelegte Behauptung handelt, Irlmaier selbst habe dies gesagt.

"Wohlstand" spielt auf den bis 1992 erreichten Lebensstandard an.
"Glaubensabfall" und "Sittenverderbnis" sind religiöse Standardmotive, die sich aus traditioneller Sicht in der materialistischen und atheistischen Entwicklung der Zivilsation bis 1992 auch schon verwirklicht hatten.
Die Zuwanderung findet seit dem Anwerben der ersten Gastarbeiter statt und war 1992 ebenfalls bereits Realität.

Die Geldentwertung ist komplex. Es handelt sich aber keinesfalls um eine authentische Voraussage, denn das Motiv "Teuerung" findet sich zum einen bereits in der Offenbarung (6,5-6). Davon ausgehend erwarten Endzeitgläubige traditionell einen Währungsverfall in der Endzeit. Darüber hinaus finden sich in der jüngeren Prophetie direkte Vorlagen, z. B. beim ursprünglichen Mühlhiasl (Fälschung aus der Inflationszeit 1923) und die Inflationsstelle, die von Adlmaier in seine Mühlhiaslfassung eingefälscht wurde (Stichwort "Fledermausgeld").
Selbst, wer sich nicht mit Prophetie beschäftigte, aber einen kritischen Blick auf das System warf (vgl. Paul C. Martins 1986 erschienenes Buch "Kapitalismus"), konnte 1992 mit einem Währungsverfall im Zuge des Systemcrashs rechnen, der irgendwann eintreten muß.
Auch dieser Punkt der Liste ist eher eine Trivialität und stellt mehr eine Mischung aus Glaubenssatz und Prognose dar als eine Voraussage, die man 1992 inhaltlich nicht erahnen konnte.

Der sechs Punkte der Liste waren 1992 also bereits fünf Realität oder erwartbar. Auf dieser Grundlage gibt es keine Rechtfertigung, daß der einzig verbleibende sechste Punkt (Revolution und Russenüberfall) eine präkognitive Relevanz hätte, denn die vorangegangenen fünf Punkte lassen sich nicht als Argument für Präkognition anführen.
Nichtsdestoweniger ist eigentlich nachgewiesen, daß diese Punkte (Revolution und Russenüberfall) selbst nur in der Tradition der Endzeitprophetie begründete Motive sind, die mitnichten präkognitiv, sondern religiös sind. "Revolution" ist schlicht eine seit dem 19. Jahrhundert gebräuchliche Chiffre für den linken Umsturz, der von den Endzeitgläubigen mit der seit 2000 Jahren erwarteten Herrschaft des Antichristen verbunden wird. Der "Russenüberfall" ist nichts weiter als die neuzeitliche Variante des ominösen Überfalls aus dem Osten durch die innerasiatischen Völker "Gog und Magog" aus der Bibel und den früheren Stadien der Endzeitprophetie.

Eine präkognitive Relevanz läßt sich nur unterstellen, wenn man glaubt, daß Irlmaier dies in den Fünfzigern tatsächlich gesagt hätte, wofür es aber keinen Beleg gibt. Die Quelle (der Pfaffe Stocker mit berechtigtem Eigeninteresse, was an ihn herangetragen wird, entweder unhinterfragt zu glauben oder herumzubiegen, bis es ihm paßt, oder gar selbst zu fälschen) ist nicht vertrauenswürdig.
Wir kommen also wieder zum Kern Deiner zurkulösen Begründungszusammenhänge: Die Aussagen und letztlich der ganze Irlmaier sind echt und wahr, weil Du glauben willst, daß sie das seien. Mehr kannst Du aber nicht als Begründung anführen, weil alle Deine Argumente sich als um dieses Kerndogma gelegte Seifenblasen entpuppen.

Alles andere sind Haarspaltereien und unwichtige Nebensächlichkeiten die niemanden interessieren.

Das mußt Du natürlich behaupten, weil Du nur so meine Argumente ignorieren kannst, die eigentlich, wenn man ihnen folgt, derart drängend sind, daß man sie nur ignorieren kann, wenn man die Augen willentlich verschließt. Das heißt nicht, daß sie in allen Punkten richtig wären. Sie bergen aber die reale Gefahr des Aufwachens und Umwerfens eines Glaubenssystems, selbst wenn man sie als nur möglicherweise zutreffend in Betracht zöge. Das darf dem Gläubigen nicht sein. Leugnen ist die letzte Ausflucht, um in seinen Kreisen nicht gestört zu werden.

Gruß
Taurec


„Es lebe unser heiliges Deutschland!“

„Alles, was tief ist, liebt die Maske.“


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