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Schon im Ursprung der christlichen Strömung war etwas faul (Schauungen & Prophezeiungen)

Taurec ⌂ @, München, Mittwoch, 10. Juni 2020, 22:39 (vor 171 Tagen) @ peridot1756 mal gelesen

Hallo! (Bitte in Zukunft beachten, das Höflichkeitsformen hier als verpflichtend betrachtet werden, andernfalls dies als Respektlosigkeit gewertet wird.)

Unwahr ist eine abgeschriebene Aussage erst, wenn sie unrichtig abgeschrieben wurde oder die Quelle unwahr ist. Das vermag ich bei Irlmaier nicht zu sehen.

Nochmal: Der Kanon der europäisch-christlichen Endzeitprophetie ist in seinen Grundzügen bereits falsch, weil er eine religiöse Wunschvorstellung des ersten Jahrhunderts nach Christus aufgreift und durch ständige Anpassung an die jeweilige Gegenwart seit 2000 Jahren durch die Zeiten rettet.

Dafür liefere mir mal jemand Gegenargumente bzw. eine plausible Gegendarstellung! Schafft bislang aber niemand.

Dies läßt sich quellenkritisch eigentlich weitgehend nachverfolgen, siehe z. B. Hübschers Buch "Die große Weissagung" und diverse Artikel im "Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens".
Insofern sich Irlmaier in diesen Kanon eingliedert, ist er natürlich ebenso unwahr.

Man versteife sich bitte nicht auf die Tatsache des "Abschreibens", sondern auf die Weiterenwicklung eines geglaubten religiösen Ideenkomplexes. Ein lückenloser Bezug auf ältere Vorglagen ist nämlich nicht möglich, wenn ständig neue zeitgenössische Ideen in neu-gefälschte Prophezeiungen einfließen, die ältere Vorstellungen (z. B. Vorzeichen) in die eigene Zeit übertragen, abwandeln und so alte Ideen in neuer Form wiederauferstehen lassen. Die Überlieferungsgeschichte der christlichen Endzeitprophetie gleicht mehr einem Organismus, der sich ständig in den Einzelteilen selbst erneuert, die Oberflächengestalt ändert, während seine Kerncharakteristika erhalten bleiben und durch alle neuen Formen durchleuchten.

Selbst wenn die Einzelprophezeiungen, derer er sich bediente, falsch und erlogen wären, dann ist es immer noch nicht belegt das Irlmaiers Extrakt aus allen falsch ist.

Ein Extrakt aus Fälschungen kann natürlich nicht richtig sein. Minus mal Minus ergibt nur in der Mathematik Plus.

Er wäre dann vielmehr ein Redakteur, der instinktiv einen Haufen Einzelaussagen zu einen stimmigen Gesamtbild entwickelt hat und daraus eine eigene Prophezeiung.

Adlmaier hat vielmehr aus einem Konglomerat älterer Texte ein Gesamtbild entwickelt, das um 1950 herum richtig sein sollte, welches aber niemals eintraf.

Natürlich spielen seherische Gaben in allen Fällen keine Rolle.

Damit ist auch ein Richtigliegen, das über statistische Zufälle bzw. die Allgemeinbezüglichkeit allzu weit gefaßter Aussagen hinausgeht, auszuschließen.

Machen wir es kurz, für den Beleg einer Fälschung müsste die Aussage als solche als Fälschung entlarvt werden. Wie sieht es also mit seinen Quellen aus?

Siehe oben. Letztlich läuft es darauf hinaus, daß bereits die Aussage Jesu seiner baldigen Wiederkehr und des Anbruches des Endgerichts falsch war. ("Wahrlich, ich sage euch: Es sind einige von denen, die hier stehen, die den Tod nicht schmecken werden, bis sie den Sohn des Menschen haben kommen sehen in seinem Reich" – Mt. 16,28)
Damals(!!!) nahm das Übel seinen Lauf. Man konnte, als die Zeitzeugen Jesu unerlöst verstarben, nicht anerkennen, daß der Heiland falsch lag oder ihm die Aussage nur zugeschrieben wurde. Statt dessen formte sich ein gewaltiges Prophezeiungsbild, um die Enttäuschung zu überdecken, das um so größer werden mußte, je drückender die kognitive Dissonanz wurde. Jahrzehnte später war es ein Selbstläufer geworden und ein dogmatisch geglauber Aspekt des Christentums, der als Teil des Komplettpaketes, das man mit der neuen Religion übernahm, wie selbstverständlich mitgeglaubt wurde. Aus diesem Glauben heraus generieren sich seit 2000 Jahren Endzeitprophezeiungen, die auf falschen Grundlagen fußend per se ebenfalls falsch sind. Selbst wenn irgendwo eine neue Quelle aufträte, die sprachlich so originell ist, daß ihr kein simples Plagiat nachgewiesen werden kann, wären deren Aussagen falsch, wenn sie sich an den Kanon der Endzeitprophetie halten.

Dessen ungeachtet wäre es intellektuell aufrichtiger und ehrbarer, nicht Irlmaier zu glauben, solange man dessen Quellen für echt hält, sondern ihn als nachrangig zu betrachten und die Quellen als Arbeitshypothese für möglicherweise echt zu halten, bis anderes erwiesen wäre. Ein Abschreiber und Betrüger ist per se vertrauensunwürdig, da er als Kopist vom Ursprungsmaterial zwangsläufig abweicht und dieses in der Qualität verringert.

Gerüchteweise soll Irlmaier nicht der Hellste gewesen sein, war er überhaubt imstande so eine ausgebuffte Fälschung zu entwerfen?

Das ist ein Strohmannargument. Nirgendwo (zumindest bei mir) hieß es, Irlmaier sei der Fälscher. Ich schreibe stets von Adl-/Irlmaier und meine damit das Pärchen Adlmaier und Irlmaier, wobei Adlmaier der intellektuelle Kopf war und Irlmaier die "Kunstfigur", die dessen Fälschungen weitererzählte.

Gruß
Taurec


„Es lebe unser heiliges Deutschland!“

„Alles, was tief ist, liebt die Maske.“


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