Vorsicht beim herumfuchteln mit Occams Messer! (Schauungen & Prophezeiungen)

Isana Yashiro @, Freitag, 22. Mai 2020, 09:16 (vor 122 Tagen) @ Luzifer1606 mal gelesen
bearbeitet von Isana Yashiro, Freitag, 22. Mai 2020, 09:21

Hallo!

Etwas weiter gedacht ist das zunächst auch so, im Gehirn werden die Signale "gefiltert", möglicherweise wirklich vorinterpretiert und dann über einen noch unbekannten Mechanismus an den Geist weitergeleitet, der dann die Wirklichkeit, offensichtlich auch nur rekonstruiert. Das macht er über Mustererkennung und Archetypen. Ich gehe spazieren, sehe einen Baum, der Geist holt aus dem Ideenraum den Archetyp "Baum" und erst dann erkenne ich den Baum in der Wirklichkeit. Und meistens hat es sich damit bereits. Wir beobachten sehr ungenau. Die Blätter und Äste, die Details werden eigentlich gar nicht wahrgenommen, sondern einfach reininterpretiert. Nur bei besonderem Interesse, besonderer Achtsamkeit (weil der Spaziergänger vielleicht Botaniker ist) werden die Details über den gleichen Mechanismus ins "Bild der Welt" eingebaut. Es ginge nicht anders, weil wir nur eine begrenzte Anzahl an Information verarbeiten können. Wenn man "Anbindung" hat und parallel denken kann ist das anders. Der Mechanismus muss, trotz der Trägheit der Signalverarbeitung im Nervensystem blitzschnell sein, weil es überlebenswichtig ist, einen Jaguar von einem Kaktus unterscheiden zu können.

Wenn Du die philosophische Wahrheit an diesem Punkt über die biologische Wahrheit stellst, dann wirst Du sehr leicht zur Beute des Jaguars. Deshalb gestehe ich der biologischen Wahrheit mehr Wahrheitsgehalt zu als der philosophischen Wahrheit, die Dich in keiner Weise davor bewahrt, aufgeschlitzt und gefressen zu werden. Aber diesen Punkt betrachte ich als eher nebensächlich.

Multiversen, nämlich die Quantenmechanischen, sind Liebkind der Materialisten. Damit kann man vollständigen Determinismus aufrechterhalten. Alle Möglichkeiten der Schrödinger Funktion werden einfach realisiert. Lustigerweise wäre trotzdem Freier Wille möglich, da der Geist trotzdem extern der physischen Welt sein kann und einfach, je nach Gusto in die verschiedenen Universen hüpfen könnte (oder geschupft würde von anderen).

Determinismus läßt sich mit und ohne Multiversen aufrechterhalten. Lustigerweise beschreibst Du wie man sich das auf diesem Weg nur schwieriger macht.

Brian Greene, beispielsweise in "Die verborgene Wirklichkeit - Paralleluniversen und die Gesetze des Kosmos", hält ein Plädoyer dafür und behauptet, Occams Messer sei stumpf. Ähmn nein, ist es nicht.

Occams Messer ist ein philosophisches Prinzip. Es beschreibt, was man bevorzugen sollte, weil es methodisch sinnvoll ist. Occams Messer trifft keinerlei Aussage über den Wahrheitsgehalt einer Theorie. Sollte man das von Occams Messer erwarten, dann ist es in der Tat stumpf.

Everetts Viele Welten Theorie ist sehr problematisch. Alles, was "Entscheidung" bedingt, zum Beispiel jeder Quantensprung, gegenüber dem jeder Pups ein Mega-Ereignis ist, führt zu zwei vollkommen identen neuen Universen, in dem er entweder stattgefunden hat, oder eben nicht. Das heißt jeden Augenblick entstünden praktisch unendlich viele Universen, mit der gleichen Energie (Ausdehnung Masse, alles!) wie unseres. Die denkbar unsparsamste Theorie, die es gibt.

Das ist wahr. Ich betrachte deine Sichtweise in sehr vielen Punkten als überzeugend. Vor allem wie Du so elegant das Böse in der Welt erklären kannst, indem weiterentwickelte Wesen anderswohin weiterziehen. Sollten ganze Welten plötzlich neu entstehen, dann wäre zunächst zu klären wo deren Masse und Energie herkommt. Naturwissenschaftler hängen ganz sicher keiner Theorie an, in der es zu plötzlichen Sprüngen and Masse und Energie kommt. Die gesamte Forschung in Bezug auf Dunkle Materie und Dunkle Energie wäre völlig überflüssig und ließe sich einfach durch ein religiöses Dogma ersetzen. Da hätten wir den Boden wissenschaftlicher Methodik und daher auch die Naturwissenschaften insgesamt bereits weit hinter uns gelassen.

Ihr Ansehen unter Naturwissenschaftlern verdankt sie der Tatsache Determinismus aufrecht erhalten zu können und keinem anderen. Sonst würde sich kein normal denkender Mensch mit so etwas befassen, es passt halt in die herrschende Ideologie. Das muss man sich mal wirklich plakativ vorstellen. Ich überlege mir, ob ich mir einen Tee oder Kaffee zum Frühstück mache und dann gibt es 2 praktisch idente Universen, einmal mit Tee am Tisch und einmal mit Kaffee. Ich hoffe, es ist verständlich, welch geistige Sackgasse das ist.

Ich finde total verständlich, welch geistige Sackgasse das ist. Obwohl ich finde, daß Taurec das bereits viel besser ausgeführt hat und daher eigentlich nicht ständig wiederholt werden bräuchte.

Wo die Viele-Welten-Theorie tatsächlich herkommt, ist eine Spekulation nicht seitens Naturwissenschaftlern, sondern seitens Anhängern des Space Opera- und Fantasy-Genrés. Denn wie Hans im Eröffnungsbeitrag dieses Fadens bereits ausgeführt hat, muß man sich doch fragen, was denn passieren würde, wenn man in die Ereignisse der Vergangenheit eingreifen und sie ändern könnte. Das passiert oft in den genannten Genrés, jedoch nicht in der Wissenschaft. Die wirkliche Frage ist: Kann man wirklich eingreifen und die Vergangenheit verändern?

Nun gibt es viele Möglichkeiten wie das, selbst im Fall einer erfolgten Zeitreise, noch verhindert werden könnte. Die Vergangenheit ließe sich dann ansehen, wäre jedoch determiniert, also nicht veränderbar. Der Wille des Zeitreisenden wäre eingeschränkt und nicht etwa frei. Um nicht etwa den Determinismus, sondern ganz im Gegenteil den freien Willen, aufrechtzuerhalten muß man sich Lösungen konstruieren wie neu auftauchende Welten, so daß es dann eine veränderte und eine unveränderte Zeitlinie geben kann.

Daneben gibt es eine neuere Viele-Welten-Theorie, die tatsächlich von Physikern vorgetragen wird. Diese ist aber nur ein Resultat eines möglichen Wertes der Hubble-Konstante, die zu einem sich linear ausdehnendem Universum führen würde. Dieses Universum wäre dann von Beginn an bereits unendlich groß und hätte eine unendliche Masse. Innerhalb der unendlichen Ausdehnung wiederholt sich dann alles Mögliche, weil irgendetwas sein muß, wo Masse ist. Das berührt kaum die Frage, was denn möglich ist und was nicht.

Zur Möglichkeit von Zeitreisen möchte ich noch anmerken, daß Ernst Meckelburg, der selbst Ingenieur ist, davon ausgeht, daß die Lichtgeschwindigkeit zugleich die Geschwindigkeit ist, mit der die Zeit selbst sich fortbewegt. Die Relativitätstheorie besagt, daß die Zeit stillsteht, wenn man sich mit Lichtgeschwindigkeit bewegt. Wenn man sich mit derselben Geschwindigkeit bewegt, mit der sich die Zeit selbst fortbewegt, dann steht sie ebenfalls still. Als an den Universitäten noch Wissenschaft betrieben wurde, da war die Antwort aller Physik-Professoren auf die Frage, warum Lichtgeschwindigkeit die höchste aller möglichen Geschwindigkeiten ist, noch gewesen, daß das so ist, weil man niemals höhere Geschwindigkeiten beobachtet. Physik ist nämlich eine empirische Wissenschaft! Ernst Meckelburg meint dazu, daß man bei Überschreitung der Lichtgeschwindigkeit die Zeit selbst überholt. Dadurch bewegt man sich dann rückwärts durch die Zeit. Währenddessen kann man nicht von denen wahrgenommen werden, die sich vorwärts durch die Zeit bewegen.


Die göttlichen Gesetze geben viel vor, Milch im Kaffee kann sich entmischen, ja, und dann in der linken unteren Ecke des Häferls gesammelt sein, ein weißer Flocken im schwarzen Kaffee. Möglich ist es, aber eben sehr unwahrscheinlich. Das ist es ja, was unsere Schöpferkraft ausmacht, wir verschieben diese Wahrscheinlichkeiten, je nach "Stärke" sind dann regelrechte "Wunder" möglich. Aber es gibt sicher kein Universum, wo das "von selber" realisiert ist, außer ein starker Geist wollte es.

Wenn es ein noch so starker Geist will, dann muß es auch nicht funktionieren. Die Entmischung von Milch und Kaffee ist sicherlich erlaubt, weil sowohl physikalische Gesetze sie gestatten als auch kaum metaphysische Gründe entgegenstehen können. Aber aus genau dem Grund, den Taurec für die Fehlerhaftigkeit der Viele-Welten-Theorie angibt, kann es auch keinen freien Willen geben. Unsere Welt wäre dann schließlich völlig beliebig und daher ist die Idee des freien Willens nihilistisch.

Zwar streiten alle Leute, die eine Theorie des freien Willens vertreten und die ich danach gefragt habe, immer kategorisch ab, daß sie darunter völlige Beliebigkeit verstehen, aber was denn sonst darunter zu verstehen sein sollte, das war wiederum auch noch niemand fähig zu erklären. Was verstehst Du unter freiem Willen? Möchest Du die Entstehung eines Willens von Naturgesetzen und göttlichen Gesetzen ausgenommen wissen? Wo kommt das her, was du meinst zu wollen?

Es mag unendlich viele Welten geben, die entstehen aber sicher nicht so einfach aus jedem Pups,der von irgendjemand in die Welt gesetzt wird.

Das wäre dann die andere Theorie, die von der Hubble-Konstante vorgegeben werden könnte. Diese Theorie betrifft die Diskussion hier eigentlich nicht.

Gruß,
Yashiro


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