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Aus Polen? (Schauungen & Prophezeiungen)

Taurec ⌂ @, München, Donnerstag, 19. März 2020, 08:07 (vor 194 Tagen) @ Frank Zintl1428 mal gelesen

Hallo!

Wir bräuchten dringend aus Polen einen neuen Jan Sobieski

Da fragt sich mich eigentlich nur, warum wir so einen aus Polen bräuchten, und darüber hinaus, welche Eigenschaften ein Jan Sobieski denn hatte, die es rechtfertigten, ihn aus seiner historischen Umgebung völlig herauszureißen und ihn zum Retter eines in einer grundsätzlich anderen Lage befindlichen Abendlandes zu erklären? ;-)

Sobieski stand (vielleicht eher zufällig?) an der Spitze einer Streitmacht, die sich aus den Kräften verschiedener Länder mit intakter Wehrhaftigkeit zusammensetzte. Er war mitnichten das Agens, sondern bestenfalls der Lenker eines Impulses, der auch ihn trieb.

Was Du eigentlich ersehnst, ist das Erscheinen eines Imperators, der einen Kulturkreis rettet, der sich – anders als damals – nicht mehr selbst zu helfen in der Lage ist. Erst in der Spätphase einer Zivilisation, deren Anbruch wir gerade erleben, treten solche singulären Machtmenschen auf, die mit einer vergleichsweise kleinen Anhängerschaft einen Kontinent komplett umkrempeln können. Eben weil es keine Strukturen mehr gibt, mittels derer sich das Volk lokal und regional selbst aus sich selbst heraus hilft, können solche Grüppchen walten, wie sie wollen, während die formlose Bevölkerung sehnt und hofft, von den Machtmenschen aus ihrer Misere gerettet zu werden. Das ist die Grundlage der Apotheose der Imperatoren, die in vergangenen Zivilisationen auch formal zu Göttern erklärt wurden. Tatsächlich handelt es sich häufig um Psychopathen, die sich durch angeborene Skrupellosigkeit behaupten können. Eher selten findet man "Philosophenkaiser" mit einer feinen Geistigkeit, die an Friedrich den Großen erinnert. Diese können aber nur von ihren Vorgängern errichtete Strukturen übernehmen und veredeln. Selbst schaffen können sie sie nicht. Zu Beginn einer Imperatorenreihe, die einer von Krisen und Dysfunktionalität gebeutelten Gesellschaft ein künstliches Rückgrat einziehen soll, müßte ein gewaltaffiner, kalt berechnender Kopf stehen, der mit einer Rücksichtslosigkeit und Radikalität vorgeht, daß es dem Beobachter den kalten Schweiß hinaustreibt. Ein Jan Sobieski wäre hierfür der Falsche, weil er als Kulturmensch noch an eine gewisse Sittlichkeit gebunden war, die ihm bestimmte notwendige Maßnahmen erst gar nicht in den Sinn kommen ließe.

Gruß
Taurec


„Es lebe unser heiliges Deutschland!“

„Alles, was tief ist, liebt die Maske.“


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