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Verrinnen, Verbrennen, Ochsenalm (Schauungen & Prophezeiungen)

Taurec ⌂ @, München, Donnerstag, 20. Februar 2020, 09:31 (vor 106 Tagen) @ Taurec507 mal gelesen

Hallo!

Lediglich des Reimes wegen und um eine Doppeldeutigkeit zu erreichen hat sich der Reim "verrinnt" – "verbrinnt" (eine uralte Verbform für "verbrennen") gebildet. Daß später ein Stausee in der Nähe entstand, halte ich für einen bloßen Zufall.

Wer erst genügend dieses Sagenstoffs gelesen hat, dem fallen die in Abwandlung immer wiederkehrenden Motive sogleich ins Auge. Hier hat sich unter Abänderung des Zeit- zu einem Ortsverhältnis derselbe Gegensatz niedergeschlagen, der auch in dem Spruch von "Glutjahr, Flutjahr, Blutjahr" zum Ausdruck kommt, wobei geschickt der Wasserbezug des "Rinnens" aufgegriffen wird. Die Idee "Feuer und Wasser" geht nebulös dem Volk im Hinterkopfe umher und heftet sich an verschiedene Gegenstände der Umwelt, die als Kristallisationskeime der Sage fungieren.

Daß Zams eine Ochsenalm werde, ist nichts weiter als die lokale Spielart einer Idee, die einige Täler weiter, im Osttiroler Matrei beim dortigen Mühlhiaslverschnitt "Egger Gilge" in folgender Form vorkommt:

"Matrei wird dann Lienzer Ochsenalpe werden."

Und das war es auch schon. Keine geheimnisvoll verschlüsselte Zukunftsschau, sondern lediglich diffuse Ideen über das Weltenende, die auf verschiedene Weisen in die jeweilige Gegend übertragen wurden.

Gruß
Taurec


„Es lebe unser heiliges Deutschland!“

„Was auch draus werde – steh’ zu deinem Volk! Es ist dein angeborner Platz.“


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