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Inflation und Sparen (Schauungen & Prophezeiungen zum Weltgeschehen)

Taurec ⌂ @, München, Sonntag, 01. Dezember 2019, 07:41 (vor 12 Tagen) @ dziamdzia617 mal gelesen

Hallo!

Dass wenn die europäischen Banken in existenzielle Schieflage geraten würden nun die EZB und die Politik einfach bei einem Gläschen Sekt zusehen, wie Europa in einem Finanz-Crash versinkt, ist dabei eine unzulässige Extrapolation seiner an sich richtigen Beobachtung. Die EZB kann die Banken mit mehr Eigenkapital ausstatten, die Staaten können das tun, und niemand wird hier in Europa systemrelevante Banken einfach pleite gehen lassen - Punkt.

Wenn ich mich nicht irre, ist genau das Bestandteil der Krall'schen Prognose.

Die EZB hat ja den Banken für einen Teil ihrer Reserven bereits die Negativzinsen erlassen - warum sollte sie das nicht in Zukunft weiter tun.

Wird sie womöglich. Allerdings treibt das Durchdreichen dieser Zinsen an die Darlehensempfänger (= Voraussetzung der Banken, wieder Gewinn zu machen) wohl die "zombifizierten" Unternehmen in die Pleite. Die Krise würde eben an einer anderen Ecke ausgelöst.

Sie animiert die Marktteilnehmer zum sparen statt zum Konsumieren und Investieren.

Angeblich unterstützt das billige (bzw. durch Negativzins geschenkte) Geld unnütze, kontraproduktive Investitionen und treibt die Zombifizierung nicht nur grundsätzlich unproduktiver Unternehmen sondern auch gesunder voran, die mit dem Geld irgendwo hin müssen und etwaige negative Folgen schlechter Entscheidungen weniger kritisch bedenken müssen.
Was ist denn "Sparen" in dieser Welt? Wohl kaum das Geldhorten in Tresoren oder auf Bankkonten, wie es bei Privatleuten und Omas stattfindet. Wenn der mit Negativzins behaftete Kredit auf dem Konto des Unternehmens landet, wurde er offensichtlich bereits aufgenommen. Das geschah sicher nicht, um das Geld ungenutzt ruhen zu lassen, sondern um damit irgendeine nütze oder unnütze Entscheidung zu finanzieren. Das Geld fließt dann z. B. in den Immobiliemarkt, was hierzulande in den Stadt- und Umlandbereichen veritable Blasen erzeugt hat.
Mir scheint, gerade daß die Negativzinsen das Geschäftsmodell der Banken ruinieren, belegt diesen Prozeß und daß eben nicht "gespart" wird. Das Geld fließt umgehend wieder in den Kreislauf und erzeugt ein Scheinwachstum, wie wir es in den letzten 10 Jahren erlebt haben (siehe hier), das aber nur solange währt, wie das Geld billig ist.
Daß die Unternehmenspleiten massiv unter den langjährigen Durchschnitt der vorangegangenen Zeit gesunken sind, ist ein weiteres Indiz dieses "Scheinwachstums", bei dem die Wirtschaft mit billigem Geld am Laufen gehalten wird.

Mich dünkt, "Sparen" ist in der Fiatmoneywelt eine de facto inexistente Tätigkeit, weil das Geld ruhen zu lassen praktisch mit dem Nichtvorhandensein dieses Geldes gleichbedeutend wäre. Man muß es früher oder später investieren, sonst nützt es nichts. Der Privatmann, der von dieser Erfahrungswelt losgelöst ist und wie der Arbeiter um 1850 von Lohnarbeit lebt, hält indes Geld irrational noch immer für einen "Wert an sich" und hortet/spart es entsprechend – nichtahnend, daß es eines Tages verschwunden sein wird.

Und massive Negativzinsen bedingen eine Abschaffung des Bargelds.

Das spricht nicht gerade gegen zukünftige weitere massive Zinssenkungen. ;-)

Daher sehen wir auch keinerlei Anstieg der Inflation, obwohl wir nach österreichischer Theorie (Inflation = Geldmengenwachstum) längst eine Hyperinflation haben müssten.

Die Inflation findet angeblich derzeit auf Ebene der "höheren" Wirtschaftskreisläufe zwischen Unternehmen und Banken statt, wo Blasen wie die genannte Immobilienblase erzeugt werden. Der lohnabhängige Durchschnittsmensch merkt davon nur, daß die Preise in diesen Bereichen massiv ansteigen, wobei die Geldmenge, mit der er selbst in Kontakt kommt (überwiegend Gehälter!), nicht entsprechend gewachsen ist.

Ein Problem bei der Inflation ist, dass sie sich selbst verstärkt. Sobald die Preise beginnen zu steigen, passieren zwei Dinge: Hersteller und Händler legen in Erwartung steigender Preise Vorräte an. Und Spekulanten kaufen in Erwartung steigender Preise Dinge, die sie gar nicht brauchen, nur um sie später teurer weiterverkaufen zu können. Dadurch wird das Angebot weiter verknappt und die Preise steigen noch stärker.

Ja, eben.

Gruß
Taurec


„Es lebe unser heiliges Deutschland!“

„Was auch draus werde – steh’ zu deinem Volk! Es ist dein angeborner Platz.“


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