Re Markus Krall (Schauungen & Prophezeiungen zum Weltgeschehen)

dziamdzia, Samstag, 30. November 2019, 13:34 (vor 13 Tagen) @ Kaladhor663 mal gelesen

Grüß Gott,

Markus Krall will seine Bücher verkaufen - mehr nicht. Nebenbei proftiert er als CEO der Degussa-Gold noch von der selbstbetriebenen Panikmache, weil die Leute Gold kaufen. Das Spiel funktioniert nur, weil die Deutschen ein Pisa-verblödetes unheilbar sozialistisches Volk finanzieller Analphabeten sind. 99% der Deutschen könnten nicht erklären was Zinsen sind, was eine Zentralbank ist und was sie macht, was Staatsanleihen, Kredite, Eigenkapital, Fremdkapital oder Aktien sind.
Das ist in den USA, Kanada, Australien usw. ganz anders, wo die Illusion des alles-versorgenden Sozialstaats nie so weit getrieben wurde wie bei uns, und wo die Menschen gezwungen sind,
sich mit diesen Dingen auseinander zu setzen und privat vorzusorgen. Insofern steht den heutigen jungen Deutschen eine steile Lernkurve bevor, dass sie recht bald verstehen müssen dass
nicht schmelzende Eisberge ihr dringlichstes Problem sind, sondern dass sie zügig privat vorsorgen müssen weil der Staat sie im Alter nicht mehr versorgen kann.

Markus Krall hat nicht mehr Nennenswerteres herausgefunden als dass die Ertragslage der Banken aufgrund der Negativzinsen schlecht ist - nicht gerade eine Nobelpreis-verdächtige Entdeckung.
Dass wenn die europäischen Banken in existenzielle Schieflage geraten würden nun die EZB und die Politik einfach bei einem Gläschen Sekt zusehen, wie Europa in einem Finanz-Crash versinkt, ist dabei eine unzulässige Extrapolation seiner an sich richtigen Beobachtung. Die EZB kann die Banken mit mehr Eigenkapital ausstatten, die Staaten können das tun, und niemand wird hier in Europa systemrelevante Banken einfach pleite gehen lassen - Punkt. Die EZB hat ja den Banken für einen Teil ihrer Reserven bereits die Negativzinsen erlassen - warum sollte sie das nicht in Zukunft weiter tun.

Was schon eher richtig sein könnte ist die Beobachtung, dass die Politik der EZB an ihre Grenzen gestoßen ist. Die extrem niedrigen oder negativen Zinsen haben nicht dafür gesorgt, dass die Privaten und die Unternehmen mehr konsumieren bzw. investieren, d.h. weniger sparen - im Gegenteil. Es wird jetzt NOCH MEHR gespart, da man eben (als Privater) fürs Alter noch mehr zur Seite legen muss, jetzt wo es keine Zinsen mehr gibt, die die Inflation kompensieren, und die Unternehmen legen seit 2008 eben NOCH MEHR Kapital auf Seite um sich für die nächste Krise zu wappnen, jetzt wo dieses Kapital Jahr für Jahr von der Inflation angeknabbert wird und es keine Zinsen mehr gibt, die diese Inflation kompensieren.
Insofern ist die Grenze der Wirksamkeit vermutlich erreicht, und Lagarde hat ja schon gesagt, dass nun die Fiskalpolitik ran muss.
Vermutlich könnte man sogar sagen, dass die EZB-Politik das Gegenteil von dem erreicht, was sie versucht: Sie animiert die Marktteilnehmer zum sparen statt zum Konsumieren und Investieren.
Nicht zu übersehen ist auch der psychologische Effekt: Selbst meine Oma hat das Gefühl, dass irgendwas nicht stimmt, jetzt wo sie auf dem Sparbuch keine Zinsen mehr bekommt. Als Reaktion
darauf spart sie noch mehr - weil ja eben irgendwas nicht stimmt und vielleicht bald "schlimme Zeiten" kommen.
Die lezzten Zinssenkungen der EZB sind an den Aktienmärkten nicht mal mehr wahrgenommen worden - der Effekt ist also verpufft. Nah der Nullinie ist eben auch der Spielraum Null: Noch niedrigere
Zinsen bringen einen immer geringeren Effekt. Und massive Negativzinsen bedingen eine Abschaffung des Bargelds.

Die EZB kann mit ihren Null- und Negativzinsen und ihren Anleihekäufen Geld verbilligen bzw. in die Märkte spülen, aber sie kann keine Nachfrage
schaffen. Daher sehen wir auch keinerlei Anstieg der Inflation, obwohl wir nach österreichischer Theorie (Inflation = Geldmengenwachstum) längst eine Hyperinflation haben müssten.
Inflation ist eben eine Frage von Angebot und Nachfrage, und nicht eine Frage des
Geldmengenwachstums. Wenn die Nachfrage nicht größer ist als das Angebot, steigt auch die Inflation nicht.
Wie groß die Geldmenge ist, ist dabei völlig irrelevant - die letzten 10 Jahre beweisen es, dass das ganze österreichische Inflations-Geschwätz nicht als Mumpitz ist.

Die Fiskalpolitik wirkt da ganz anders : Sie schafft Geld aus dem Nichts (indem sich die Staaten verschulden und die EZB diese Schuldentitel gegen Herausgabe von Cash aufkauft) UND sie schafft Nachfrage - in Form von Investitionen in staatliche Projekte wie Infrastruktur, Bildung oder Klima-Unsinn.

Das muss man gut im Auge behalten: Wenn wir fiskalpolitische Maßnahmen in Europa bekommen, dann wird die Inflation vermutlich zurück kehren.
Die passende Theorie, die das Ganze vorbereiten soll, gibt es schon: sie heißt MMT (modern monetary theory). Diese Theorie besagt vereinfacht gesagt, dass Staatsschulden egal sind, der Staat sich beliebig verschulden kann und die Zentralbank alle Schuldentitel aufkaufen soll. Solange bis Vollbeschäftigung erreicht ist.

Insofern ist die Gefahr vermutlich gar nicht so sehr die aktuelle Politik der EZB, sondern ihr kollosales Versagen: trotz hunderter Milliarden aufgekaufter Staatsanleihen und negativer Zinsen
ist das Wachstum in Europa nun seit fast 10 Jahren nur anämisch und verpasst die EZB jedes Jahr ihr selbst gesetztes 2% Inflationsziel. Die aktuelle EZB-Politik funktioniert also nicht.
Und die eigentliche Gefahr ist das, was danach kommt.

Ein Problem bei der Inflation ist, dass sie sich selbst verstärkt. Sobald die Preise beginnen zu steigen, passieren zwei Dinge: Hersteller und Händler legen in Erwartung steigender Preise
Vorräte an. Und Spekulanten kaufen in Erwartung steigender Preise Dinge, die sie gar nicht brauchen, nur um sie später teurer weiterverkaufen zu können. Dadurch wird das Angebot weiter verknappt und die Preise steigen noch stärker.

Um in Deutschland den Umschwung von der "schwarzen Null" genannten Schwachsinnspolitik (Deutschland spart, damit Südeuropa sich mehr verschulden kann) zu einer ausgabenfreudigen Fiskalpolitik
hin zu bekommen, braucht es einen Auslöser. Das kann durch einen politischen Führungswechsel passieren, oder durch eine Krise - etwa eine europaweite Rezession - welche einen solchen
Politikwechsel erzwingt. Es kann aber auch eine Propaganda-verblödete Jugend sein, die durch die Straßen zieht und die Politiker zu "Investitionen ins Klima" nötigt.

Interessant finde ich die Gleichzeitigkeit der Phänomene:

-im Feb 2019 erscheint das erste akademische Buch über die "Modern monetary theory"
-die Zinssenkungen der EZB im Sept. 2019 zeigen keinerlei stimulierende Wirkung mehr
-Lagarde fordert in ihrer Antrittsrede im Nov 2019 dass die Fiskalpolitik eine Schlüsselrolle einnehmen müsse

Jetzt fehlt nur der konkrete Anlass, um die politische Wende weg von "schwarzer Null" hin zu "Schulden sind egal" einzuleiten.

Beste Grüße,

dziamdzia


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