Die Rolle des Narren (Vorsorge & Überlebenstechniken)

Ranvata, Sonntag, 17. November 2019, 21:58 (vor 26 Tagen) @ Luzifer399 mal gelesen

Hallo Luzifer,
"Als Narr durch das Leben zu gehen, das hat schon was", sagst du.

Es hat unter Umständen Vorteile, für dumm gehalten zu werden, wenn man es nicht wirklich ist. Wenn man in dieser Rolle verharrt, bleibt man wohl in der gewohnten Wohlfühlzone. Kann ungeliebte Aufgaben delegieren. Aber wenn der Geist, der Verstand rotiert, und will handeln - in dieser Rolle als Narr - dann können Dinge passieren, die buchstäblich aus der gesellschaftlichen Rolle fallen...

Wenn du diesen Weg gehen willst, musst du dein Ego kleinkloppen, sehr klein... genauer gesagt, in Grund und Boden stampfen... du musst bereit sein, dir die wildesten Beschimpfungen, Vorwürfe und Anfeindungen anzuhören, und ebenso kann es sein, dass du in die Lage gerätst, Menschen zu dienen und niedrigste Handlungen zu vollziehen, obwohl es dir zuwider ist - und zu lernen, dass die Sicht anderer auf dich nichts, aber auch gar nichts mit dir selbst zu tun hat. Sondern dass man nur versucht, dich zu erledigen. Mit allen (!) Mitteln.

Als Narr muss man gelernt haben, einen Schutzwall um sich herum zu errichten, durch den Anfeindungen, egal ob über oder unter der Gürtellinie, nicht durchkommen. Und wenn doch, dass du damit klarkommst, und dir immer wieder ins Bewusstsein holst, dass sie nicht dich persönlich meinen - sondern die Werte, die du vertrittst.

Wirklich frei zu sein, bedeutet für mich, vielleicht nicht alle Verbindungen zu kappen (da bliebe u.U. sehr wenig übrig, und ich denke, dass man mehr bewirken kann, wenn man Verbindungen hält), aber bewusst hinzusehen und Strukturen, Verbindungen, Machenschaften, erkennen zu können.
Und dass man trotzdem - und dies ist die größte Prüfung: darüber die Liebe nicht vergisst. Denn die Liebe ist es, die unsere Welt zusammenhält - ohne sie sind wir nichts. Nur sie allein ist es, die uns Hoffnung gibt, dass es eines Tages besser wird.
Alles andere, die negativen Gedanken, sind der Finsternis zuzuordnen. Deshalb denken Schamanen niemals einen negativen Gedanken zuende… Damit er nicht in die Akasha-Chronik eingeht und Wirklichkeit werden könnte...

Der weise Narr erkennt dies alles - und weiß sein Wissen zu nutzen. Aber er schweigt darüber - und ist im Grunde ein einsamer Wolf...

Doch diese Position des Narren sehe ich genauso notwendig wie z.B. die der 13. Fee im Märchen von Dornröschen - sie sind Stellmacher, sie korrigieren Entwicklungen, die ohne sie ein fatales Ende - für die ganze Gesellschaft - nehmen könnten.

In dem Buch "Krabat", das in der Lausitz im "Großen Nordischen Krieg" (1700-1721) spielt, ist einer seiner (Raben-)Brüder dabei namens Juro. Er ist der Älteste, und wenn jedes Jahr einer der Gesellen sterben musste, weil ihr Meister dessen Lebensenergie als Zahlung an den Gevatter zahlte (damit er selbst weiterleben konnte - dies jetzt als meine eigene Meinung, aus der Erinnerung heraus), wurde Juro seltsamerweise immer übersehen. In diesen Jahren stellte Juro sich dumm - und war am Ende derjenige, der Krabat, und allen anderen Gesellen, zur Freiheit verhalf - und die Allianz zwischen dem Meister und dem Gevatter beendete.
Was für eine kluge Geschichte. Aktueller denn je. Sie bezeichnet den Kampf Licht gegen Finsternis - und dort hat das Licht gesiegt.

Und: Ich glaube an ein glückliches Ende - ich habe es in meinen Traumbotschaften gesehen. Allerdings passiert bis dahin noch so einiges.

Liebe Grüße,
Ranvata


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