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Wahrscheinlichkeit der EC-Kartenaussage (Schauungen & Prophezeiungen zum Weltgeschehen)

Taurec ⌂ @, München, Freitag, 06. September 2019, 08:39 (vor 14 Tagen) @ Nullmark360 mal gelesen

Hallo!

Für authentischer und näher an Irlmaiers Ursprungsaussage halte ich die Variante, die mit den EC-Kartenautomaten zu tun hat. Der Grund hierfür liegt darin, daß Irlmaier sich gegenüber der selben Zeitzeugin in anderem Zusammenhange ebenfalls über Bezahlmodalitäten äußerte:
"Und dann hat er hat auch gesagt: ‚Wir haben einmal überhaupt kein Geld mehr. … Und dann ist es so, wenn der finstere Mann die Regierung hat, dann kriegt a jeder a Nummer, und dann braucht er a koa Geld mehr, weil dann wird durch die Nummer das Geld abgebucht.‘"

Irlmaier hat sich also auf Bibelbasis eine bargeldlose Antichristherrschaft zurechtphantasiert, wie es bei Anhängern der christlichen Endzeitprophetie ja keine Seltenheit ist. Dazu paßt eine Wahrnehmung über bargeldlose EC-Kartenzahlung immerhin grundsätzlich, weswegen ich eine solche Aussage als näher am originalen Irlmaierwortlaut erachte. Denkbar ist, daß Irlmaier diese Technologie tatsächlich sah und für ihn sinnvoll in sein christliches Weltbild einbaute (das in dieser Ausprägung bei Adlmaier in der Tat nicht zu lesen ist).

Das eben meine ich ausschließen zu können.
Dies reicht nicht, die Existenz der Irlmaierschau sicher zu falsifizieren.
Eben deshalb unterstelle ich ja zunächst, dass Irlmaier in dieser Richtung etwas gesehen habenkönnte.

Folgendes, um meinen Gedankengang zu erläutern:
Ich habe mir eigentlich, als ersten gedanklichen Schritt der Annäherung, noch nicht die Frage gestellt, was Irlmaier gesehen, sondern was er gesagt (!) haben könnte. Daß er sich thematisch an anderer Stelle der Zeitzeugin bzw. ihren Eltern gegenüber zum bargeldlosen Zahlungsverkehr äußerte, macht meines Erachtens wahrscheinlich, daß auch die EC-Zubanschachtel-Papperdeckel damit zusammenhängt, weil beides das gleiche Thema behandelt. Damit hängt sie weniger lose in der Luft als die Smartphonevariante und erscheint daher sogar etwas belastbarer.

Einen ersten Hinweis gab es bereits in dem Science Fiction Roman: "Ein Rückblick aus dem Jahre 2000 auf 1887" , Autor Edward Bellamy, erschienen in Leipzig, Philipp Reclam, 1890. Darin gibt es kein Bargeld mehr, sondern Kreditkarten, von deren Wert bei jedem Kauf die entsprechende Summe abgezogen wird.
Dies wäre dann tatsächlich eine Schau, deren Ursprung klar beim Autor des Buches liegt und die sich 34 Jahre später realisiert hat.
Tatsächlich gab es die ersten Kreditkarten im Jahre 1924 von der Western Union Bank. Und die waren wirklich aus wasserdichter Pappe gepresst.

Falls Irlmaier diese ersten zaghaften Ansätze der Kreditkartentechnologie kannte, kann man davon ausgehen, daß er sie in ein Szenerio "Antichrist ⇒ Malzeichen ⇒ nicht mehr kaufen und verkaufen ⇒ Kreditkarte/Papperdeckel und Zubanschachtel" einbaute.
Die Frage ist, ob Irlmaier diese Ansätze (Roman von 1890 und Kreditkartenprototypen von 1924) kannte. Kann man, weil etwas zeitgenössisch war, automatisch davon ausgehen, daß es jeder kannte? Auch jemand wie Irlmaier, der aus bäuerlichen Mileu stammend gewiß nicht über alle technischen Innovationen und Science-Fiction-Ideen informiert war?

Ich neige dazu – weil wahrscheinlich ist, daß Irlmaier etwas zur EC-Zubanschachtel-Papperdeckelvariante sagte und die Beschreibung zur späteren, realen Technologie paßt – daß zumindest zur EC-Zubanschachtel-Papperdeckelvariante eine echte Schau Irlmaiers vorgelegen haben könnte.
Bei der Smartphonevariante der Zubanschachtelaussage ist das schon schwieriger, aber natürlich auf derzeitigem Informationsstand auch nicht auszuschließen.

Die Art des Lesegerätes ist nicht von Relevanz für die Schauung.

Eigentlich schon, denn die Art des Lesegerätes (Papperdeckel/EC-Karte in Schachtel/Lesegerät) macht den Kern der Aussage aus. Die Frage ist daher essentiell, ob
1. die Idee solcher Lesegeräte zur Irlmaiers Lebenszeit bereits existierte und
2. Irlmaier diese Idee mit hinreichender Wahrscheinlichkeit gekannt haben kann, so daß man davon ausgehen kann, er habe sie in seine offenbarungsbasierten Endzeitvorstellung integriert.

Tatsächlich sagt Irlamiers Offenbarungsgläubigkeit noch nichts über die Echtheit einer EC-Kartenzahlungsschau aus. Es ist ebenso denkbar, daß Irlmaier eine echte Schauungswahrnehmung als Bestätigung seines Glaubens interpretierte und sie daher in diesem Zusammenhang äußerte. Maßgeblich ist eher die Frage bzw. Einschätzung, ob Irlmaier aus irgendwelchen anderen zeitgenössischen Vorstellungen die Idee für solche Technologien adaptiert haben könnte. Das würde das Vorliegen einer echten Schau in der Tat unwahrscheinlicher machen.

Dies sind natürlich, eben weil wir nur sehr wenige Informationen über die Originalaussage und ihren Entstehungszusammenhang kennen, für eine Bewertung sehr diffizile Fragen, die bisweilen wie Erbsenzählerei wirken.

Gruß
Taurec


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„Was auch draus werde – steh’ zu deinem Volk! Es ist dein angeborner Platz.“


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