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Die angebliche Unfreiheit (Schauungen & Prophezeiungen zum Weltgeschehen)

Taurec ⌂ @, München, Donnerstag, 06. Juni 2019, 07:49 (vor 136 Tagen) @ Frank Zintl901 mal gelesen

Hallo!

Wenn in der germanischen Seele das Ich-Bewusstsein des
freien, nur dem Kosmos und der Götterwelt verantwortlichen
Individuums verankert ist:

Wie konnte es passieren, dass auch die germanischen Völker
im Mittelalter auf das Helotendasein der Leibeigenschaft
herabgesunken sind ? Und zwar praktisch überall. Die
Leibeigenschaft, die Existenz Unfreier und Höriger, ist
doch eigentlich mit dem freien Individuum, dem Yeoman
oder Gemeinfreien des ursprünglichen Germanentums
unvereinbar ?

Was ich schrieb, beißt sich damit nicht. Mein Beitrag betraf nämlich die Seelenstruktur der Menschen, während Leibeigenschaft ein äußerer Rechtszustand ist. Die Sklaverei war auch den germanischen Urvölkern nicht fremd, sondern fester Bestandteil ihrer Gesellschaft. Der einzige Unterschied in diesem Belang, der das christliche Mittelalter der abendländischen Hochkultur von der heidnisch-germanischen Vorkultur unterscheidet ist die mit Anbrechen des Kulturzyklus verbundene Ausdifferenzierung der Gesellschaft. In der Vorzeit führten Edle und Herren kein grundsätzlich anderes Leben als ihre Untergebenen, nämlich das etwas reicherer und mächtigerer Bauern und Krieger als der Rest des in dörflichen Gemeinschaften lebenden Stammes, die Unfreien einbezogen. Die Hierarchien waren flacher. Mit Beginn des faustischen Kulturzyklus (aber bereits in der Merowingerzeit) und der Entstehung von Städten differenzierten sich die Stände aus. Es bildeten sich verschiedene Adelsarten (Hochadel, Stadtadel, Landadel, ...) und Abstufungen des Adels (Fürst, Herzog, Graf, Ritter, Edler, Freiherr, ...), aber auch der Unfreien (Hörige, Leibeigene) sowie ein reiches Spektrum dazwischen, das alle seelischen Möglichkeiten und Lebensformen des Menschen abbildete. Der Keim dessen war bereits in den den germanischen Urvölkern angelegt. Das Christentum brachte nichts grundsätzlich neues. Es änderte allenfalls die religiöse Rechtfertigung dessen, was die Germanen ohnehin als gegeben betrachtet hätten.

Gleichwohl sich die Menschen germanischen Urpsrungs stärker als Ich empfinden mögen als Menschen in anderen Erdteilen, bedeutet das nicht, jeder wäre gleichsam dazu in der Lage, in seinem Leben eine Vorstellung der Freiheit zu entwickeln oder zu verwirklichen. Das ist bis heute der Fall, weswegen die Menschen in der westlichen Zivilisation trotz auf dem Papier geährter Rechte ein sklavenähnliches Dasein führen, bei dem sie ihr Leben weitgehend von den anonymen Mächten des Systems bestimmen lassen, die sich an Stelle des alten Adels gesetzt haben. Unfreiheit, entweder durch freiwillige Unterordnung oder gescheiterte Selbstbehauptung, ist stets Teil des menschlichen Lebens, zu allen Zeiten und in allen Gesellschaftsformen.

Wie konnte aus der ursprünglichen germanischen Vasallen-
treue der hirdmenn so etwas wie das Quasi-Sklaventum des
leibeigenen Bauern entstehen und dann über 1000 Jahre
bis ins frühe 19. Jahrhundert erhalten bleiben ?

Du machst Dir womöglich etwas falsche Vorstellungen vom Leben der Hochkultur. Mich dünkt dies die moderne und postmoderne Verzerrung des Lebens der Vorfahren, die darin besteht, die "zivilisierte" Gegenwart als eine Art Fortschritt und Befreiung zu verstehen, während man im Mittelalter unter den übelsten Umständen lebte, die wir im freiesten Staate, der auf europäischen Boden jemals existierte, zum Glück ein für alle Male überwunden haben. :lol: :lol: :lol:
Diese Vorurteile, die letztlich ein Produkt der Aufklärung sind, die ein vermeintlich lichtes Zeitalter der Freiheit gegenüber dem angeblich finsteren Mittelalter etablieren wollte, werden bis heute in allen Schulen des Abendlandes gelehrt und den Menschen somit die Augen verschlossen vor der viel erbärmlicheren und eigentlichen Sklaverei, in die sie selbst hineingeboren werden. Durch Auflösung der Stände und Einordnung der Menschen als Gleiche in ein gleichsam sozialistisches Großkollektiv sind wir nämlich alle, auch die Nachfahren einstmals Freier, zu Unfreien geworden, ausgenommen die "oberen 10.000", bei denen es sich wahrscheinlich tatsächlich nur um etwa 10.000 Menschen handelt. Der klassische Sozialismus, der angloamerikanische Kapitalismus, die soziale Marktwirtschaft und was es sonst noch geben mag unterscheiden sich darin nicht grundsätzlich. Es sind nur verschiedene Organisationsformen der Oberfläche des Wirtschafts- und Gesellschatslebens, während sich darunter die umfassende Zivlisation als neue Sklavenform und völliger Gegensatz zur Kultur ausbreitet.

Man mache sich keine falschen Vorstellungen über das Leben Unfreier im Mittelalter. So war z. B. der Hörige an das Land, auf dem er sozusagen als dessen integraler Bestandteil lebte, gebunden und selbiges vom Herrn nicht ohne ihn veräußerbar. Dieses Recht ging auf die Söhne über. Das sorgte für eine erhebliche und langfristige Lebenssicherheit die durchaus im Gegensatz zur heute um sich greifenden Arbeitswelt mit "Hire & Fire" und Zeitarbeitsverträgen steht.
Für die etwas höher gestellten Leibeigenen hatte ihr Stand überwiegend vermögensrechtliche Folgen. In ihrer Lebensführung waren sie weitestgehend frei.
Insbesondere der berüchtigte Zehnt wog im Vergleich zu unserer Zeit weitaus weniger schwer, nachdem wir durch Steuern und in den Preisen versteckte Zinsen und Zinsenszinsen den größten Teil unseres Einkommens, unserer Arbeits- und Lebenskraft dem System mit seinen anonymen Herren opfern.

Gruß
Taurec


„Es lebe unser heiliges Deutschland!“

„Was auch draus werde – steh’ zu deinem Volk! Es ist dein angeborner Platz.“


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