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Östlicher und abendländischer Geist (Schauungen & Prophezeiungen zum Weltgeschehen)

Taurec ⌂ @, München, Sonntag, 02. Juni 2019, 11:23 (vor 194 Tagen) @ Taurec1278 mal gelesen
bearbeitet von Taurec, Sonntag, 02. Juni 2019, 11:40

Hallo!

In diesem Zusammenhang sehr interessant finde ich die Wesensbestimmung des abendländischen Geistes, die Karlfried Graf Dürckheim in diesem Interview (Minuten 55:29–59:10) machte, das ich kürzlich sah.

Dürckheim war während und nach dem Zweiten Weltkriege in Japan und wurde dort in den Zen eingeführt. Zum Schluß wurde er mit der Anweisung seines Lehrmeisters entlassen, Zen nach Europa zu bringen, dabei aber nicht die Japaner zu imitieren, sondern eine eigene, abendländische Fassung zu entwickeln, die unserer Wesensart gemäß ist.

Der fernöstliche Mensch will seine Person überwinden und im überweltlichen Sein transzendieren. Das europäische Denken münde hingegen in die Person (für welche die Japaner gar keine Vokabel haben). Während der fernöstliche Mensch sich mit dem Verweilen im Zustande der Erleuchtung und dem Aufgehen der Person im Alleinen "zufriedengebe", erfahre sich der Abendländer in diesem Zustande überhaupt erst als vollendete Person, durch die das (höhere) Sein hindurchtöne. Während man in Ostasien der profanen Welt abgewandt ist, könne der auf diese Weise an das Transzendente angeschlossene Abendländer sein "Ja" zur Welt und ihrer Gestaltung geben. Damit führe der abendländische Geist über den fernöstlichen Geist hinaus, der bei der Transzendierung (die für uns nur ein Durchgang ist) stehenbleibe. Das Abendland hat, so mein Verständnis der Stelle, vielmehr das Potential, das Transzendente wieder in die (diesseitige) Welt zurückzuführen, sie entsprechend zu Gestalten und sie dadurch zu erhöhen.

Dies befindet sich im Grunde im Einklang mit dem von mir im letzten Beitrage über das germanische Ichbewußtsein und seine Haltung gegenüber der Welt Geschriebene, fügt dem aber noch eine wichtige spirituelle Komponente hinzu und zeigt, wie abendländische Spiritualität innerlich beschaffen sein sollte: nämlich auf Vervollständigung und überweltliche Anbindung der Person ausgerichtet, statt auf ihre Überwindung.

Gruß
Taurec


„Es lebe unser heiliges Deutschland!“

„Was auch draus werde – steh’ zu deinem Volk! Es ist dein angeborner Platz.“


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