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Das Germanische (Schauungen & Prophezeiungen zum Weltgeschehen)

Taurec ⌂ @, München, Sonntag, 02. Juni 2019, 10:52 (vor 17 Tagen) @ Frank Zintl901 mal gelesen
bearbeitet von Taurec, Sonntag, 02. Juni 2019, 11:32

Hallo!

Das alte Problem der materialistischen Moderne, daß Rassen biologistisch auf das Körperliche reduziert werden. Dabei sollte einem als spirituellen Menschen, der sich mit Schauungen und anderem beschäftigt, eigentlich dämmern, daß Körper und Gene sekundär sind. Das Bestimmende ist der Geist bzw. die Seele (wobei man über den speziellen Gehalt und die Bedeutung dieser Begriffe streiten könnte).

Das betrifft nicht nur das Einzelwesen, sondern in noch viel stärkerem Maße menschliche Gemeinwesen, die weit weniger auf Körperlichem beruhen. Damit meine ich vor allem Völker und ihre Kulturen. Entsprechend begriff Spengler alle äußeren Formen der Kultur (u. a. Sprache, Traditionen, Sitten und Gebräuche, Religion!) als Ausdruck der (gemeinschaftlichen) Seele der Träger dieser Kultur. Dem Abendlande liegt eine Idee zugrunde, die von allen Abendländern geteilt wird – keine rationale, verkopfte Idee, sondern ein in der Seele verankertes Urbild, das Wahrnehmung und Deutung der Welt bestimmt sowie alle menschlichen, kulturellen Äußerungen prägt.
Diese Uridee ist im Falle des faustischen Abendlandes germanisch, wobei sich wohl nicht abschließend bestimmen läßt, was dieses Germanische genau ausmacht. Es ist mehr empfunden und jede rationale Bestimmung würde reduktionistisch nur bestimmte Merkmale hervorheben, die dem Formulierenden gerade zu Bewußtsein dringen.

Es ist weitgehend gleichgültig, wie sich die Völker als Träger dieser germanischen Idee rassisch-biologisch zusammensetzen. Das wesentliche ist, daß sie zu einem großen Teil germanischer Abstammung sind und daß die im geistigen und politischen Leben tonangebenden Schichten, von denen die Hochkultur auf den Rest des Volks ausstrahlt, im Kern germanisch sind (also empfinden, fühlen, denken, handeln). Um diesen geistigen Kernbestand herum sind Völker genetisch recht durchlässig und wandelbar, wobei ich unterstelle, daß die Urbevölkerung, aus der die Völker und ihre Kulturen einst hervorsprossen, verhältnismäßig den größten Teil der Abstammung ausmachen muß. Sonst würde sich der Charakter des Volkes wohl sichtbar verändern, die Kultur von ihren Ursprüngen getrennt und (wie die Antike im römischen Vielvölkerreich) absterben.

Spengler hierzu: "Gerade in der germanischen Rasse, der willens stärksten, die es je gegeben hat, schlafen noch große Möglichkeiten.
Aber wenn hier von Rasse die Rede ist, so ist das nicht in dem Sinne gemeint, wie er heute unter Antisemiten in Europa und Amerika Mode ist, darwinistisch, materialistisch nämlich. Rassereinheit ist ein groteskes Wort angesichts der Tatsache, daß seit Jahrtausenden alle Stämme und Arten sich gemischt haben, und daß gerade kriegerische, also gesunde, zukunftsreiche Geschlechter von jeher gern einen Fremden sich eingegliedert haben, wenn er 'von Rasse' war, gleichviel zu welcher Rasse er gehörte. Wer zuviel von Rasse spricht, der hat keine mehr. Es kommt nicht auf die reine, sondern auf die starke Rasse an, die ein Volk in sich hat."

Germanisch ist hauptsächlich unsere Sprache, aber nicht mehr unbedingt unser Genbestand.

Germanisch ist auch unser Genbestand, aber nicht hauptsächlich unsere Sprache, als ob sie das Alleinbestimmungsmerkmal wäre (wieder sehr oberflächlich!). Die Sprache ist ein Erzeugnis des Geistes, der sich ein Instrument des Denkens planmäßig heranbildet, um Gedanken und Bilder auszudrücken, die ihm auf der Seele liegen. Diese gehen aus dem Urbilde hervor, das seinem Wesen nach germanisch ist und dessen Symbol räumliche Unendlichkeit, zeitliche Ewigkeit und ein dem Kosmos gegenüberstehendes, sich behauptendes heroisches Ich ist. Das beschreibt die germanische Eigenart und spricht meines Erachtens auch aus der überlieferten, sehr männlichen und kräftigen nordischen Mythologie und Religion, die ihrerseits Hervorbringungen der Uridee sind. Diese wirkte aber auch nach der Christinisierung in allen Schöpfungen des Abendlandes und bis zum heutigen Tage fort. Die Kolonisation der ganzen Welt, die europäische Wissenschaft und Technologie sind im wesentlichen Erzeugnisse eines germanischen Ichs, das die Welt in einer Art trotzenden und selbstherrlichen Auflehnung besiegen will.

Sprachlich zeigt sich die Übernahme der gemanischen Uridee des starken Ichs in ganz Europa durch die Umstrukturierung der Sprachen auch im ehemals griechisch-römischen Bereich. Das sollte jedem auffallen, der Latein gelernt und antike Texte übersetzt hat. In diesen spielen Personalpronomen (ich, du, er, sie, es) nämlich nur eine eher untergeordnete Rolle. Wer etwas tut, wird in der Regel durch die Beugung des Verbes angezeigt. Ein einfaches Beispiel aus dem Lateinischen:

Hostem vici.

Dies läßt sich im Deutschen nur wie folgt übersetzen, d. h. es klingt nur richtig, wenn man sagt: "Ich habe den Feind besiegt."
Desgleichen verhält es sich aber in allen heutigen europäischen Sprachen, also auch im Italienischen, das aus dem Lateinischen ebenso hervorgegangen ist, wie das Deutsche aus dem Germanischen: "Io sconfitto il nemico." (Ich hoffe, das ist richtig. Bin kein Italiener. ;-))
Ein "ego" scheint mir in den vielen lateinischen Texten, die ich in der Schulzeit übersetzt habe, aber eine Ausnahmeerscheinung gewesen zu sein. Warum? Weil die Römer des germanischen Ichbewußtseins ermangelten. Das heißt nicht, daß sie keinen Ichbegriff von sich selbst hatten. Sie stellten sich in ihrem Empfinden aber weniger als souverän und autark handelnde dem Weltgeist gegenüber. Das spiegelt sich entsprechend in der stoischen Philosophie wieder, in welcher der Mensch ein still unter dem Schicksal leidender war, sowie in der allgegenwärtigen Angst vor dem göttlichen Ratschluß, der einen jederzeit unverschuldet treffen kann.
Mit dem Beginn des germanischen Abendlandes, der in den romanischen Ländern mit der Etablierung einer germanischstämmigen Oberschicht verbunden war, verbreitete sich aber das germanische Ichgefühl. Entsprechend wurden die Sprachen so umstrukturiert, daß ein dynamisches Verhältnis zwischen Objekten und Subjekten entstand, in denen Einzelwesen (vertreten durch verschiedene Pronomen) eigenständiger und prominenter hervortreten.
Die Rolle des Ichs tritt meines Erachtens schon in der prominenten Stellung des "Ek" ("Ich") in den wenigen urnordischen Runeninschriften zutage.

An diesem Beispiel sollte gezeigt werden, wie die seelische Eigenart die sekundären kulturellen Erzeugnisse (in diesem Falle die Sprache) prägt bzw. eigentlich erst in der jeweils vorliegenden Gestalt hervorbringt. Das gilt nicht nur für die Sprache, sondern im Grunde alles, was wir als Elemente unserer Kultur kennen, seien es die materiellen Erzeugnisse oder die inneren Haltungen, die wir an uns selbst wahrnehmen.
Es gilt insbesondere für die Religion. Von Christen wird dies gerne übersehen, weil sie sich selbst in der Wahrnehmung gefallen, die barbarischen Heiden aus der Finsternis des Aberglaubens befreit zu haben. In Wirklichkeit wurden nicht die Germanen christianisiert. Vielmehr wurde das Christentum germanisiert und unterscheidet sich in Europa seitdem fundamental von seiner nahöstlichen Vorlage. Zentrale Elemente der christliche-abendländischen Lehre und Glaubenspraxis sind von eben demselben germanischen Ichgefühl geprägt. Spengler weist dies anhand der Beichte und Buße nach, die es in dieser Form nur im Abendland gibt.

"Aber weit darüber hinaus greift das eigentlich faustische Ursakrament der Buße. Es ist mit dem Marien- und dem Teufelsmythos die dritte große Schöpfung der Gotik, aber es gibt beiden erst Tiefe und Bedeutung; es deckt die letzten Geheimnisse der Seele dieser Kultur auf und stellt sie damit abseits von allen andern. [...] In der faustischen Buße aber liegt die Idee der Persönlichkeit. Es ist nicht richtig, daß die Renaissance sie entdeckt habe. Sie hat ihr nur eine glänzende und flache Fassung gegeben, so daß jeder sie plötzlich bemerken konnte. Geboren wurde sie mit der Gotik; sie ist ihr innerstes Eigentum; sie ist mit dem gotischen Geiste eins und dasselbe. Denn diese Buße vollbringt jeder nur für sich allein. Er allein kann sein Gewissen erforschen. Er allein steht reuig vor dem Unendlichen da; er allein muß in der Beichte seine persönliche Vergangenheit verstehen und in Worte fassen, und auch die Lossprechung, die Befreiung seines Ich zu neuem verantwortlichen Tun erfolgt für ihn allein. [...] Die Idee der Buße aber setzt voraus, daß jede Tat ihren einzigartigen Wert erst durch den erhält, der sie tut. [...] Aber die gewissenhafte Erforschung der eignen Vergangenheit ist zugleich das früheste Zeugnis und die große Schule für den historischen Sinn des faustischen Menschen. Es gibt keine zweite Kultur, in welcher das eigne Leben dem Lebenden Zug um Zug und pflichtgemäß so bedeutend war, weil er dafür in Worten Rechenschaft abzulegen hatte. [...] so hegt der Ursprung davon in diesem Sakrament der gotischen Kirche, in dieser beständigen Entlastung des Ich durch historische Prüfung und Rechtfertigung. Jede Beichte ist eine Selbstbiographie. Diese eigentliche Befreiung des Willens ist uns so notwendig, daß die versagte Lossprechung zur Verzweiflung, ja zur Vernichtung führt. Nur wer die Seligkeit einer solchen innern Freisprechung ahnt, begreift den alten Namen des sacramentum resurgentium, des Sakraments der Wiedererstandenen.
Wird die Seele in dieser schwersten Entscheidung auf sich selbst verwiesen, so bleibt etwas Ungelöstes wie eine ewige Wolke über ihr. Keine Einrichtung einer zweiten Religion hat vielleicht so viel Glück in die Welt gebracht. Die ganze Inbrunst und himmlische Liebe der Gotik ruhte auf der Gewißheit der vollen Erlösung durch die dem Priester verliehene Kraft."
(S. 917ff.)

Und auch hier steht am Ende der mittellateinische Satz "Ego te absolvo".

Das ist ein scharfer Gegensatz zur Ataraxie, mit der die antiken Menschen den göttlichen Ratschluß ertrugen, den sie nicht zu verantworten hatten, den sie lediglich durch Opfergaben ohne Zusammenhang zum persönlichen Tun zu beeinflussen trachteten.
Der germanische Abendländer hingegen ist sich dessen vollumfänglich bewußt, daß seine persönliche Haltung, seine Taten und Untaten in direkter Verantwortung vor Gott sein persönliches Schicksal bestimmen. Das ist das vollentwickelte Ichbewußtsein, das sich selbst in den Gegensatz zur Welt und Gott setzt, und das damit hadert. Daher der hohe Rang, den im germanisch-christlichen Abendland Vorgänge wie Beichte und Buße einst, als die Religion noch lebendig war, einnahmen.

Nicht im oberflächlichen Bereich der biologischen Rasse und der Gene, sondern auf dieser, der seelisch-geistigen Ebene ist sich einem Begriff des Germanischen anzunähern. Dort ist es bis heute in uns allen lebendig, auch wenn es sich in Krise und Niedergang befindet.

Gruß
Taurec


„Es lebe unser heiliges Deutschland!“

„Was auch draus werde – steh’ zu deinem Volk! Es ist dein angeborner Platz.“


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