Abspaltung (Schauungen & Prophezeiungen)

dziamdzia @, Samstag, 13.04.2019, 00:24 (vor 1216 Tagen) @ Taurec (2231 Aufrufe)
bearbeitet von dziamdzia, Samstag, 13.04.2019, 00:52

Grüß Gott Taurec,

möglicherweise liegt die Antwort darin, dass eine solche Abspaltung nicht annähernd so spektakulär ist wie gedacht und dass sie der Hoffmann einfach nicht aufgefallen ist.
Hongkong und Festland-China trennen Grenzpolizisten, Zoll, Einfuhrbeschränkungen und eine eigene Währung. Da Dinge wie Visum, Zoll- und Frachtpapiere sowie Währungsumtausch heute digital erledigt werden, fällt das im praktischen Leben überhaupt nicht auf. Es gäbe also bei einer Aufspaltung der BRD nicht viel zu sehen. Die meisten Änderungen wären digitaler Natur und damit unsichtbar: Wegfall des Länderfinanzausgleich, LKW-Fahrer müssten digitale Zollpapiere vorweisen können (das ist nur ein Eintrag im Computer der mit dem Kennzeichen abgeglichen wird), möglicherweise gibt es eine lokale Währung. Sichtbar wären eventuell Wechselstuben in größeren Städten sowie verstärktes Aufkommen von Grenzpolizei. Es braucht keine Mauern und keine Schlagbäume. Kameras wie sie Toll Collect für die LKW-Maut bundesweit aufgestellt hat erkennen die Kennzeichen passierender LKW und prüfen das Vorhandensein von Zollpapieren. Ohne Visa gibt es keinen Job, kein Konto, keine Anmeldung beim Einwohner-Meldeamt, keinen gültigen Mietvertrag, keine Wohnung und keine Sozialhilfe. Man muss die Leute nicht mal mit Stacheldraht abhalten: sie können ruhig illegal reinkommen. Es bringt ihnen nichts, außer dass sie früher oder später bei einer zufälligen Personenkontrolle aufgegriffen und verhaftet werden.
Also ich würde mal als IT'ler sagen: nie war die Sezession technisch einfacher und reibungsloser möglich als heute. Die Digitalisierung macht die Abspaltung Mitteldeutschlands zu einem Kinderspiel, denn alle für das Leben relevanten Dinge sind heute digitalisiert. Diese Dinge für Leute zu beschränken, die nicht die nötigen Berechtigungen mitbringen, braucht nur den Einsatz einiger IT-Firmen, mehr nicht. Je mehr ich drüber nachdenke, desto mehr erscheint mir die Digitalisierung ein Ausweg aus einer innerlich zerbrochenen Gesellschaft, die sich perspektivisch nicht mehr in einem synthetischen Konstrukt wie der BRD zusammen halten lassen wird, und desto mehr erscheint mir diese BRD wie ein Riesenlurch aus dem Kambrium: einst mächtig und furchteinflössend, aber ohne jede Zukunft.
Die Putzer-Fische eines anderen Dinosauriers, der EU, vertreten die These dass nur ein gigantischer Staatenverbund mit zentraler Verwaltung und einheitlicher Währung Wohlstand und Frieden schaffen kann. Aber die Wahrheit ist, dass in kleinen Ländern wie Singapur oder der Schweiz oder Lichtenstein viel größerer Wohlstand geschaffen wird, und dass Währungs- und Zollgrenzen aufgrund der Digitalisierung praktisch umsonst sind: sie verursachen kaum Reibungsverluste. Da rattern eben ein paar Computer mehr und verwalten Währungsumrechnung, Außenhandels-Kredite und Frachtpapiere. Sowas gibt's zu einem Bruchteil der finanziellen und sozialen Kosten die die Installation eines bürokratischen Molochs wie der EU mit ihrer vulgären Grenzenlosigkeit für alles und jeden mit sich bringt.
Wir lassen uns hier von Dinosauriern erzählen dass das die Zukunft sei, mit offenem Maul im Schlamm zu liegen und zu warten bis irgendein fressbares Vieh reinschwimmt, und dass sich diese Sache mit dem Fell und den Federn nie durchsetzen wird. Die Zukunft liegt aber genau darin: kleine, schlagkräftige Nationalstaaten mit digitalen semi-permeablen Grenzen die nichts mehr gemein haben mit Schlagbaum und Stacheldraht, die ein gewünschtes Maß an ethnischer Homogenität bewahren können und trotzdem dabei vom freien Handel profitieren.
Natürlich habe die digitalen Grenzen nur dann dauerhaft Bestand, wenn sie zur Not auch militärisch verteidigt werden können. Wenn es etwas sichtbares gäbe bei so einer "digitalen Sezession", dann wäre es ein dramatischer Anstieg der militärischen Schlagkraft derer, die sich da digital abspalten.

Beste Grüße,
dziamdzia


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