Schwieriges Gebiet (Freie Themen)

Frank Zintl @, Lund, Mittwoch, 27.03.2019, 11:04 (vor 938 Tagen) @ Taurec (724 Aufrufe)

Hallo Taurec

Jetzt muss ich meinerseits die Methode mit Zitaten verwenden. Einigen wir uns darauf, dass jede Aussage zur Zukunft eine Prophezeiung ist, aber dass hinter einigen Prophezeiungen vorher erlebte Schauungen stehen wie bei Anton Johansson und Birger Claesson. Viele Prophezeiungen sind auch freie Phantasien der zusammengekocht aus Zeugs, das man irgendwo aufgeschnappt hat.

Taurec: Da hätte sie noch so oft "ich sehe" sagen können, und es wäre daraus keine Schau geworden. Es bleibt eine bloße Prophezeiung. Das Verwenden der altbekannten Motive und Reizwörter zeugt eher davon, daß sie in diesem Satze fremde Ideen verwertet hat.

Ich glaube nicht, dass fremde Ideen 1968 bis nach Etnedal in Valdres vorgedrungen waren, ohne Fernsehen und mit höchstens der Landwirtschaftszeitung als Medium. Aber vermutlich ist ja die Prophezeiung gar nicht von einer alten Dame aus Valdres, sondern von Minos selbst.

Taurec: Wenn man diese Unterscheidung kapiert hat, die durchaus verstehbar ist, weil sie richtig ist und von vorne bis hinten Sinn ergibt, fällt einem bezüglich Schauungen und Prophezeiungen eigentlich alles vor die Füße. Auch Fälschungen lassen sich viel leichter erkennen.

Ich beziehe bei meiner Wortwahl mich auf die Bibel.

Taurec: Die biblischen Propheten sprechen für Gott. ⇒ Prophezeien wortgetreu als Sprechtätigkeit.
Allein aus der "Existenz" der wohl überwiegend erfundenen/mythologischen Propheten im alten Testament leiten Christen bis heute eine Identität von Prophezeiungen und Schauungen ab. Das ist nach allem, was wir über das Phänomen wissen, und nicht zuletzt auch Hinsichtlich der fundamentalen Wortbedeutungen aber falsch!

Ein Beispiel für eine im AT beschriebene Schauung ist die Berufung des Propheten Hesekiel. Wenn man das liest, liest es sich fast wie eine Landung von Ausserirdischen vor Hesekiels Augen.

Im AT gab es ständig Prophezeiungen durch Propheten, die direkt
von Gott berufen waren und die ihre Mitteilungen über die Zukunft
und über den damit verbundenen Prophetenauftrag auch direkt von
Gott hatten. Praktisch jedes Prophetenbuch beginnt mit der Berufung
und mit dem Auftrag. Meistens ist auch eine genaue Zeitangabe dabei.

Taurec: Daraus wird auch gerne gefolgert, daß Schauungen von Gott kämen, was meines Erachtens ebenso sehr verkürzend (bzw. frömmelnd verallgemeinernd) und in der Sache dem entsprechend falsch ist.

Falsch ? Echte Aussagen über eine Zukunft, die dann wirklich eintritt, können nur von einem Wesen kommen, das dem Zeitablauf übergeordnet ist. Also von Gott.

Die Bibel gibt ein Unterscheidungskriterium: Echte Prophetie
tritt ein, weil sie Gottes Entscheidung enthält, die dann auch
stattfinden wird. Aus diesem Grunde geriet Jona in die Klemme,
als er der Stadt Ninive den Ungtergang prophezeit hatte - im
Auftrag Gottes - und als dieser Untergang ausblieb, weil man in
Ninive Busse tat.

Taurec: Das ist allerdings ein Widerspruch in sich. In Deinem Beispiel tritt eine echte Prophetie eben nicht ein, weil Gott aufgrund Buße Ninives seine Entscheidung änderte. Damit lag zunächst eine Entscheidung Gottes vor, die aber nachweislich nicht stattfand. Es läßt sich wohl kaum feststellen, wann Gott wieder einfällt, etwas anderes zu machen. Folglich ist dieses Unterscheidungskriterium für uns Menschen ohne Aussagekraft. Schon gar nicht läßt sich daraus etwas für dieses Forum oder die heutige Zeit brauchbares ableiten.

Der Text gibt uns eine Erklärung. Die Einwohner von Ninive, die Assyrer, damals die aggressivste Grossmacht im Nahen Osten, bereuten gegen alle Wahrscheinlichkeit ihre Untaten. Ganz anders als die Einwohner von Sodom im ersten Mosebuch. Deshalb fiel die Strafe aus. Damit brachte aber Gott Jona in Bedrängnis, denn der galt jetzt als falscher Prophet und hielt sich ausserhalb der Stadt versteckt.

Taurec: Darüber hinaus ist das Heranziehen mythologischer Geschichten, die so nie stattgefunden haben, für metaphysische Aussagen über Schauungen ebenso zielführend wie der Versuch, aus den Mythen über den trojanischen Krieg ein Praxishandbuch für Militärstrategen abzuleiten. ;-)

Gruß
Taurec

Da haben wir unterschiedliche Deutungen. Viele der biblischen Ereignisse sind durch Archäologie bestätigt, wie das alte Buch "Und die Bibel hat doch recht" nachgewiesen hat. Sie haben so oder doch sinngemäss so ähnlich stattgefunden.

Gruss

Frank


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