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Schauungen & Prophezeiungen (Freie Themen)

Taurec ⌂ @, München, Mittwoch, 27.03.2019, 07:24 (vor 938 Tagen) @ Frank Zintl (911 Aufrufe)

Hallo!

Aus der Definition der Wortwahl hier im Forum bin ich nicht schlau
geworden. Kann man das einfacher formulieren oder mit einem
Beispiel ?

Es ist eigentlich ganz leicht und ergibt sich, wenn man die Begriffe in ihre ursprünglisten Wortbestandteile zerlegt und sich an die Bedeutungen hält, siehe hier.

Sehen/Schauuen ist eine Wahrnehmungstätigkeit.
Prophezeien vom griechischen prophēmí (aussprechen) ist schlicht eine Sprechtätigkeit. Kulturell darauf aufbauend ist das Prophezeien als Schreibtätigkeit.

Sogar die Richtung des Informationsflusses läßt sich leicht als völlig gegensätzlich erkennen:
Sehen/Schauuen liefert Information von außen nach innen. ⇒ Von der äußeren Quelle in die Psyche des Sehers.
Prophezeien hingegen trägt die Information wieder von innen nach außen. ⇒ Jemand interpretiert und formuliert die Information für ein äußeres Publikum.

Alles was keine Beschreibung eines Schauungsbildes enthält, sondern lediglich Aussagen, was passieren soll, ist eine Prophezeiung.
Beispiel, Dame aus Valdres: "Ich sah die Zeit, kurz bevor Jesus kommt und der 3. Weltkrieg bricht aus."
Aussage, was passieren soll: Jesus kommt wieder und der dritte Weltkrieg bricht aus. Sie beschreibt aber mit keinem Wort, wie diese angebliche Schau ausgesehen haben soll. Wie sah dieses "Ausbrechen des 3. Weltkrieges" denn aus?
Da hätte sie noch so oft "ich sehe" sagen können, und es wäre daraus keine Schau geworden. Es bleibt eine bloße Prophezeiung. Das Verwenden der altbekannten Motive und Reizwörter zeugt eher davon, daß sie in diesem Satze fremde Ideen verwertet hat.

Wenn man diese Unterscheidung kapiert hat, die durchaus verstehbar ist, weil sie richtig ist und von vorne bis hinten Sinn ergibt, fällt einem bezüglich Schauungen und Prophezeiungen eigentlich alles vor die Füße. Auch Fälschungen lassen sich viel leichter erkennen.

Ich beziehe bei meiner Wortwahl mich auf die Bibel.

Das sorgt leider mehr für Verwirrung der Begriffe.

Die biblischen Propheten sprechen für Gott. ⇒ Prophezeien wortgetreu als Sprechtätigkeit.
Allein aus der "Existenz" der wohl überwiegend erfundenen/mythologischen Propheten im alten Testament leiten Christen bis heute eine Identität von Prophezeiungen und Schauungen ab. Das ist nach allem, was wir über das Phänomen wissen, und nicht zuletzt auch Hinsichtlich der fundamentalen Wortbedeutungen aber falsch!

Ich halte die Bibel für einen sehr schlechten Ratgeber, wenn es um die Ableitung trennscharfer, analytisch brauchbarer Begriffsdefinitionen geht.

Im AT gab es ständig Prophezeiungen durch Propheten, die direkt
von Gott berufen waren und die ihre Mitteilungen über die Zukunft
und über den damit verbundenen Prophetenauftrag auch direkt von
Gott hatten.

Daraus wird auch gerne gefolgert, daß Schauungen von Gott kämen, was meines Erachtens ebenso sehr verkürzend (bzw. frömmelnd verallgemeinernd) und in der Sache dem entsprechend falsch ist.

Die Bibel gibt ein Unterscheidungskriterium: Echte Prophetie
tritt ein, weil sie Gottes Entscheidung enthält, die dann auch
stattfinden wird. Aus diesem Grunde geriet Jona in die Klemme,
als er der Stadt Ninive den Ungtergang prophezeit hatte - im
Auftrag Gottes - und als dieser Untergang ausblieb, weil man in
Ninive Busse tat.

Das ist allerdings ein Widerspruch in sich. In Deinem Beispiel tritt eine echte Prophetie eben nicht ein, weil Gott aufgrund Buße Ninives seine Entscheidung änderte. Damit lag zunächst eine Entscheidung Gottes vor, die aber nachweislich nicht stattfand. Es läßt sich wohl kaum feststellen, wann Gott wieder einfällt, etwas anderes zu machen. Folglich ist dieses Unterscheidungskriterium für uns Menschen ohne Aussagekraft. Schon gar nicht läßt sich daraus etwas für dieses Forum oder die heutige Zeit brauchbares ableiten.

Darüber hinaus ist das Heranziehen mythologischer Geschichten, die so nie stattgefunden haben, für metaphysische Aussagen über Schauungen ebenso zielführend wie der Versuch, aus den Mythen über den trojanischen Krieg ein Praxishandbuch für Militärstrategen abzuleiten. ;-)

Gruß
Taurec


„Es lebe unser heiliges Deutschland!“

„Was auch draus werde – steh zu deinem Volk! Es ist dein angeborner Platz.“


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