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Existenz der Valdreser Dame beweist nicht viel (Freie Themen)

Taurec ⌂ @, München, Dienstag, 26.03.2019, 07:31 (vor 987 Tagen) @ Frank Zintl (762 Aufrufe)

Hallo!

Würde es der Wahrheitsfindung dienen, wenn ich zur Bruflat Kirke in Etnedal fahren würde?

Ich persönlich halte den Aufwand angesichts des Werts bzw. der Wertlosigkeit des Textes für eine valide Zukunftsprognose für völlig ungerechtfertigt.

Sinnvoller wäre es den Artikel der Journalistin Hilde Lundgaard in der norwegischen Tageszeitung "Aftenposten" zu beschaffen und deren Recherchen und Vorgehensweise abzuklopfen. Wie sie von Minos vagen Angaben auf die Identität der 92-jährigen Gunhild Smelhus gekommen sein will, ist nicht ohne weiteres einleuchtend. Schlimmstenfalls hat sie nur die Umgebung der Kirche zu dieser Zeit nach passenden alten Frauen abgegrast und dann ein "Best-practice-Beispiel" für modernen Qualitätsjournalismus im Spiegelstil abgeliefert, also wild etwas zusammenfabuliert. ;-)

Gesetzt den Fall ich fände dort wirklich einen Grabstein einer Gunhild Smelhus. Gesetzt den Fall aus ihren Lebensdaten ginge hervor, dass sie wirklich im Sommer 1968 92 Jahre alt war wie behauptet. Was wäre dann bewiesen?

Eigentlich nichts, da die Bewertung des Textes als authentisch und wertvoll, nur weil die zugrundeliegende Person existierte, ein ziemlicher (aber für die Prophezeiungsszene typischer) Kurzschluß wäre.
Der Knackpunkt ist Minos und seine Veröffentlichung. Der Text wurde 1993 veröffentlicht und enthält die Entspannung zwischen Ost- und West sowie die Abrüstung. 1968 erschien es Minos angeblich zu unglaublich, 1993 soll er den Text dann zu verbreiten beschlossen haben.
Nach meiner Erfahrung mit christlichen Prophezeiungen und deren kirchlichen Kuratoren ist in solchen Fällen wahrscheinlicher (es gibt Ausnahmen von der Regel), daß nicht ein älterer Text wiederentdeckt und wegen hoher Trefferquote veröffentlicht wurde, sondern eine rückdatierte Fälschung aus dem Jahre der Veröffentlichung vorliegt. Um so praktischer, wenn man ihn einer realen Person anhängen kann, deren ursprüngliche Aussage (falls sie je getätigt wurde) anders ausgesehen haben kann. Sehr praktisch ist in diesem Zusammenhang außerdem, daß das Gespräch mit der Witwe offenbar privat, also ohne Zeugen stattfand und Minos nur seine eigenen, selbstgeschriebenen Notizen vorweisen kann, die heute wahrscheinlich nicht mehr vorhanden, also auch nicht mehr auf ihr Alter hin überprüfbar sind. :augenrollen:

Der Christ sagt sich an dieser Stelle: "Credo quia absurdum est." – "Ich glaube es, weil es unvernünftig ist."

Gruß
Taurec


„Es lebe unser heiliges Deutschland!“

„Was auch draus werde – steh zu deinem Volk! Es ist dein angeborner Platz.“


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