So ist das nicht (Freie Themen)

Ranma, Samstag, 27. Oktober 2018, 13:02 (vor 20 Tagen) @ Taurec532 mal gelesen

Hallo!

Ist das der geistige Hintergrund Deines satanischen Wunsches, notfalls mit schwarzmagischen Mitteln selbst reich zu werden? Selbst Gott zu werden? ;-)

Amüsant, aber nein. Sieht man davon ab, daß die Bekanntschaft mit Leuten, zu denen scheinbar Gott persönlich spricht, gewisse Zweifel weckten, bin ich ein Pantheist, völlig in Übereinstimmung mit deinen Ausführungen zur Natur Gottes. Aus dieser Sicht ist Gott zu werden so sinnvoll wie der Versuch eines Hundes zum Hund zu werden oder der Versuch eines Pferdes zu einem Pferd zu werden. Man könnte sich bestenfalls seiner eigenen Gottesnatur etwas mehr bewußt werden.

Je nachdem, was schwarzmagisch bedeuten soll, ist Schwarze Magie für einen Pantheisten ziemlich unmöglich. Man kann Magie entweder nach der Quelle oder nach dem Ziel als Schwarz definieren. Nach der Quelle definiert muß Schwarze Magie aus einer nichtgöttlichen Quelle fließen. Das ist jedoch unmöglich, wenn letztendlich alles Gott ist.

Wenn alles Gott ist, dann bedeutet das logischerweise auch, daß alles gleich ist. Ein Pantheist wird daher nicht ein Wesen über ein anderes Wesen setzen, sondern muß im Interesse der Ehrlichkeit egalitär sein. Also politisch links. Natürlich nicht im Sinne der Spezialdemokraten oder der Grünen links. Bei denen ist von den Idealen der Französischen Revolution, egalité, liberté, fraternité, in deren Sinn ich links stehe, nichts zu bemerken. Überzeugte Pantheisten können nur an meiner Seite links stehen, sonst wären sie nur Heuchler wie die schlimmsten evangelikalen Frömmler oder Katholiban. Für einen Pantheisten kann es weder Menschen, erster und zweiter oder weiterer Klassen geben, noch käme er auf die Idee, anderen absichtlich zu schaden. Definierte man Schwarze Magie jedoch nach ihrem Ziel oder ihren Methoden, dann geht es immer darum, anderen Menschen absichtlich zu schaden. Auch Schwarze Magie gemäß dieser Definition, kommt also für einen Pantheisten nicht in Frage.

Für den Begriff reich gibt es wiederum mehrere Definitionen. Für manche davon müssen reiche Leute nichtmal viel haben, sondern sie wären dann reich, wenn sie glücklich mit dem sind, was sie haben. Solchen Definitionen kann ich mich jedoch nicht anschließen, weil der Begriff reich dann überflüssig wäre. Zum Begriff reich gehört für mich mindestens, daß man eine gewisse Verantwortung trägt.

Gegenüber dem egalitären Ideal hat das plutokratische System, in dem wir leben, einen einzigen Vorteil: Sogenannte primitive Völker leben uns egalitäre Gesellschaften vor, dabei können alle körperlichen und emotionalen Bedürfnisse befriedigt werden, aber geistig werden sie nicht besonders herausgefordert. Bei den primitiven Völkern im Urwald erfährt man nicht, was die Welt im Innersten zusammenhält. Der faustische Geist wird nicht befriedigt. Zu dessen Bedürfnissen zählen die Mondlandung, Sonden am Rand des Sonnensystems, Weltraumteleskope oder der Teilchenbeschleuniger CERN, der die größte Maschine der Welt ist. Solche großen Projekte sind nur dort möglich, wo Kapital konzentriert ist und viele Leute für sich arbeiten läßt.

Zumindest um 1970 herum waren solche Projekte möglich. Heutige Großprojekte beschränken sich auf Dauerbaustellen wie den neuen Berliner Flughafen. Komischerweise will dafür niemand verantwortlich sein. Im Neuen Testament kommen ab und zu reiche Leute vor. Das sind immer Leute, die ihre vorhandene Verantwortung abstreiten und dafür bestraft werden. Lukas 16, auf welches Kapitel Harald Kiri vor einigen Tagen hinwies, ist ein sehr wichtiges Beispiel dafür. Aufgrund der biblischen Beispiele neige ich zu der Auffassung, daß reich auch bedeutet, die Verantwortung, die man trägt, von sich zu weisen. Aber ich könnte auch damit leben, wenn diese biblischen Beispiele nur eine Seite zeigen und es auch reiche Leute geben sollte, die ihrer Verantwortung nachkommen. Bisher halte ich das allerdings für eine eher nur theoretische Möglichkeit.

In dem Sinn, mir Macht und Möglichkeiten anzueignen, aber die damit einhergehende Verantwortung von mir zu weisen und stattdessen sämtliche Möglichkeiten des Mißbrauchs durchzuprobieren, will ich ganz sicher nicht reich werden.

Ich wollte mal Professor werden. Zu Beginn meines Studiums erzählten mir Professoren, daß sie ihre Zeit zu je einem Drittel auf Forschung, Lehre und Bureaukratie verteilten. Ein Drittel Bureaukratie erschien mir akzeptabel für einen abwechslungsreichen Beruf mit einigen Privilegien. Dann jedoch entschieden Oligarchen, daß Deutschland in der Wissenschaft zu stark sei und daher seine Universitäten reformiert werden müßten. Erst wurden mit dem Hochschulrahmengesetz Privilegien der Professoren abgeschafft und die Forschung kommerzialisiert, dann wurde mit dem Bologna-Prozeß die Lehre praktisch eingestampft und die Universitäten zu einer Art zusätzlicher Berufsschulen gemacht. Gegen Ende meines Studiums hörte ich von Professoren, daß sie neunzig Prozent ihrer Zeit der Bureaukratie widmeten. Zugleich bekam ich mit, daß geförderte Forschung immer Begriffe wie Klimawandel oder Gender in den Forschungsanträgen haben muß. Solche Umbauten im System sind die Erklärung dafür, warum Großprojekte einst CERN und Mondlandungen bedeuteten, aber heute den Flughafen BER oder den Bahnhof Stuttgart 21. Heute werden sogar die Leute, die am CERN forschen dürfen, primär nach ihrer politischen Gesinnung ausgewählt. Um am nächsten großen Schritt der Menschheit mitzuwirken wollte ich in die Wissenschaft, aber nicht um täglich von Bureaukraten meine politische Einstellung abfragen zu lassen und für nichts anderes als Diskussionen mit denen noch Zeit zu finden. Also beendete ich meine akademische Karriere noch bevor sie richtig begonnen hatte.

Ich fühle mich sowieso für alles und jeden verantwortlich (ein Mond-Quadrat-Pluto-Ding). Deshalb wäre es sinnvoll, wenn ich tatsächliche Verantwortung übernehmen und die Menschheit voranbringen könnte. Man könnte nun meinen, unser plutokratisches System bringt auch ohne das traditionelle deutsche Hochschulsystem nicht nur BER, sondern auch SpaceX mit seinen funktionierenden, wiederverwendbaren Raketen hervor. Dazu sollte man wissen, mit welchen Tricks Elon Musk das geschafft hat: Er gründete drei Unternehmen, die gegenseitig für ihre Darlehen bürgten. Mit diesem geliehenen Geld vollzog er dann Börsengänge, um noch mehr Kapital zu sammeln. Erst dadurch kamen die drei Unternehmen an genügend Geld, um überhaupt die Möglichkeit zu haben, ihre Darlehen zu bedienen. Deshalb gilt Elon Musk manchen als Multimilliardär, aber anderen nur als hochverschuldet. Hätte er versucht, diese Nummer in Deutschland abzuziehen, dann säße er jetzt im Gefängnis und zwar für Jahrzehnte! Aber weil er das Glück hat, daß im Amiland eine andere Einstellung zum Unternehmertum herrscht, darum verkehrt er dort jetzt in Milliardärskreisen. Nochmal werden solche Tricks, weil sie jetzt bekannt sind, jedoch auch im Amiland nicht mehr funktionieren. Die Oligarchen wünschen nämlich nicht, daß irgendwelche dahergelaufenen Emporkömmlinge in ihre Kreise aufsteigen. Daß die Emporkömmlinge fähiger sind als die inkompetenten, sich nur an ihre Macht klammernden Etablierten, das ist nicht weiter verwunderlich. Wäre es anders, dann wäre Reichtum kein Problem und die Übernahme von Verantwortung eine Selbstverständlichkeit.

Weil es jedoch nicht anders ist, sondern die Übernahme von Verantwortung keine Selbstverständlichkeit ist und reiche Leute viel lieber teil des Problems als teil der Lösung sind, deshalb suche ich seit Jahren und bisweilen durchaus verzweifelt nach alternativen Möglichkeiten. Unter reich werden oder Gott werden oder sich schwarzmagischer Mittel bedienen oder einen satanischen Wunsch haben fällt das nur, falls du darunter verstehst, daß man die Mission ausführen will, um deren Ausführung willen man zur Inkarnation in diese Welt bereit war.

Über die Klärung dieser Frage hätte ich fast folgenden Hinweis vergessen: Du führst selbst aus, daß der allumfassende Gott vom Menschen nicht verstanden werden kann. In dem Fall ist es nur allzu menschlich, daß sich der Mensch darum ersatzweise ein Gottesbild zurechtlegt, daß er verstehen kann. Was sollte er wohl auch sonst machen?

Gruß,
Ranma


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